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Godzilla vs Spacegodzilla

Originaltitel: Gojira vs Supesugojira / Godzilla vs Space Godzilla__Herstellungsland: Japan__Erscheinungsjahr: 1994__Regie: Kenshô Yamashita__Darsteller: Megumi Odaka, Jun Hashizume, Zenkichi Yoneyama, Akira Emoto, Towako Yoshikawa, Yôsuke Saitô, Kenji Sahara, Akira Nakao, Kôichi Ueda, Keiko Imamura, Sayaka Osawa, Kenpachirô Satsuma u.a.

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Godzilla vs Spacegodzilla Poster

Das Poster zu “Godzilla vs Spacegodzilla”

Mecha-Godzilla ist ein weiteres Mal besiegt und Nachschub steht umgehend bereit. Mit Space-Godzilla wagen sich die Monstermacher diesmal sehr tief ins Blaue, um ihrem König ein wenig Abwechslung von weit draußen zu verschaffen. Andererseits ist Godzillas neuer Gegner letztlich doch wieder bloß sein eigenes Ebenbild; der forcierte Blick in den Spiegel wird für den Hünen langsam zu einer quälenden Angelegenheit. Diesmal besteht das Spiegelbild nicht aus Metall, sondern aus seinen eigenen Zellen, im Weltall mutiert zu einer organischen Abscheulichkeit, die mit einem Panzer aus Kristallen ausgestattet wurde und deren Erkennungszeichen leuchtende Höcker als Schulterpolster sind. Für das Volk der Dinosaurier wäre „Godzilla vs Spacegodzilla“ wohl ein regelrecht kathartischer Film gewesen, ist die Bedrohung aus dem All im Flugmodus von einem Kometen doch kaum zu unterscheiden; und einmal im unberührten Inselparadies gelandet, bringt sie Tod und Zerstörung über die Welt.

Spacegodzilla feiert zwar seinen Erstauftritt, aber sonst wird in der Franchise Mitte der 90er Jahre die Kontinuität großgeschrieben. Es sind mal wieder die tollkühnen wissenschaftlichen Pläne der G-Force-Einheit, in denen sich die Plot Points verhaken. Meist fungieren Bürohocker im Anzug als Stichwortgeber mit einfältigen Dialogzeilen, bevor auf wesentlich interessantere Einsatzbereiche an der frischen Luft geschnitten wird. Megumi Odaka darf mit ihren elfenhaften Zügen (diesmal betont durch eine Kurzhaarfrisur) als Aktivforscherin nach Vorbild von Laura Derns „Jurassic Park“-Archäologin weiterhin das gute Gewissen einer Menschheit verkörpern, welche ansonsten mit ihrem schnellen technischen Fortschritt eher böse Geister beschwört.

Godzilla vs Spacegodzilla

Sollten Godzillas Gegner nicht langsam seinen Lieblings-Move kennen?

Nicht zuletzt ist es aber Baby Godzilla, der den seriellen Charakter der Heisei-Ära hervorhebt. Aus dem Suitmation-Dino in der Größe eines Menschen-Teenagers ist ein inzwischen mehrere Meter hoher Grünling gewachsen, dessen Kopf zur ersten Begrüßung hinter einem Berg hervorlugt, ganz wie einst beim Papa. Man meint hier sogar eine Verbeugung vor dessen Schwarzweißauftritten zu erkennen. Doch hat sich nicht nur der Maßstab maßgeblich verändert („Mensch, bist du groß geworden!“), sondern auch das Design („… und was hast du dich verändert!“). Aus dem amphibienartigen Baby ist eine Anime-Knuffelgestalt mit niedlich-runden Proportionen entstanden, die nun einerseits die Gesichtszüge ihres Beschützers erahnen lässt, andererseits aber auch einer Super-Mario-Realverfilmung entsprungen sein könnte.

Godzilla vs Spacegodzilla

Mobile Operation Godzilla Expert Robot Aero-Type Go!

Wie beim direkten Vorgänger sorgen die Auftritte des Riesenzwergs für den ein oder anderen Fehlgriff auf der Stimmungstonleiter, so dass der erwachsene Monster-Fan schmerzlich daran erinnert wird, dass er im Grunde nie der Samstagnachmittag-Cartoon-Phase entwachsen ist. Den eher heiteren Grundton behält Kensho Yamashita auch im Anschluss bei, sei es nun durch die freundliche Farbpalette, die Comic-Reliefs in der Darsteller-Riege oder die vergleichsweise harmlosen Finishs, mit denen die Monster sich gegenseitig auf die Bretter schicken. Umso grimmiger wirkt in diesem Kontrast zumindest die äußere Erscheinung des Besuchers aus dem All, dessen Visage im Vergleich zu Godzillas treudoofer Hundeschnauze regelrecht abstoßend erscheint. Im Zusammenspiel mit elektrischen Stromstößen, die sich fortwährend auf seine Kristallhöcker ableiten, fabrizieren die Effektkünstler mit ihm einige durchaus spektakuläre Bilder, die ein wenig dafür entschädigen, dass bei den Szenen im Weltall zu Beginn eher armselige Effektbrötchen gebacken werden. Und weil sich der Mensch stets einmischen muss und die Mecha-Fraktion nicht leer ausgehen soll, gesellt sich noch M.O.G.E.R.A. (Mobile Operation Godzilla Expert Robot Aero-Type) hinzu, eine in Bohrkopf und Flugeinheit aufteilbare Kriegseinheit, die von drei Piloten gesteuert wird, die mit ihren schicken Helmen aussehen wie drei M&Ms, die in ihrer Tüte wild auf Knöpfchen drücken, um bloß nicht verschnabuliert zu werden.

Godzilla vs Spacegodzilla

Die M&Ms im Einsatz mit dem Neuen namens M.

Viel Altbekanntes also, wenig Neues. Dass Yamashita die Story der vorangegangenen Teile weiterführt und auf nahtloses Erzählen setzt, macht sich allerdings nicht in der sprunghaften Auswahl der Schauplätze bemerkbar. Gibt es normalerweise für die Modellbauer eines Godzilla-Streifens entweder die Insel-Paradiese oder die Stadt-Panoramen zu zimmern, bietet dieser hier einfach ein wenig von allem, stets gut beleuchtet durch das meist dominierende Tageslicht, in dessen hellem Schein sich ein Großteil der Prügeleien abspielt. Dass die finale Härte einiger früherer Filme fehlt, wirkt sich dabei gar nicht unbedingt negativ auf die Qualität der Duelle aus. Spacegodzilla erweist sich im Vergleich zu manch anderer Eintagsfliege als durchaus würdiger Gegner, zumal er selbstverständlich wieder eine Botschaft mitbringt: Schließlich thematisiert er eine über die Maßen fortschreitende Expansion der Spuren menschlicher Existenz, hier wie ein Boomerang zurückgeworfen zum Verursacher des Mülls, der im Orbit die Erde umkreist. So können sich die Zeiten ändern, denn ein Weltraum-Godzilla, den fortwährend brutzelnde Stromstöße umschmeicheln, erscheint heute eher wie ein positiv konnotiertes Maskottchen für die Förderung umweltschonender Elektroautos.

Godzilla vs Spacegodzilla

Beim Zelten an japanischen Stränden sollte man immer den Himmel im Auge behalten.

Am Ende stapft Godzilla mal wieder als ungeschlagener Weltmeister ins Meer zurück, aber das ist ein Anblick, an den man sich längst gewöhnt hat und der keineswegs einen Abschied für immer bedeutet. Selbst Mothra, die in den letzten Szenen in der Stille des Alls einsam um die Erde kreist, kann keine echte Wehmut beschwören. „Godzilla vs Spacegodzilla“ führt immerhin pflichtbewusst die übergreifende Handlung fort und hält das etablierte Niveau dank der abwechslungsreichen Sets und des dynamischen Gegners aufrecht, auch wenn es drumherum bessere Godzilla-Einsätze zu bestaunen gibt. Und die Heisei-Periode hatte zumindest noch einen weiteren Pfeil im Köcher.

6 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von “Godzilla vs Spacegodzilla”

“Godzilla vs Spacegodzilla” erschien erstmals 2002 im deutschen Raum auf DVD und VHS. Auf der DVD waren damals bereits ein paar kleine Extras enthalten, wie etwa alternative Vorspänne und ein alternatives Ende. Splendid legte wenige Jahre später eine weitere Auflage nach, auf der es als Extras jedoch nur noch Trailer gab. 2014 gelang der Sprung auf die Blu-ray, die seit 2016 außerdem in diversen Sammlerboxen mit 11 bzw. 12 ausgewählten Godzilla-Filmen enthalten war.

Schaut in den Trailer des Godzilla-Streifens

Sascha Ganser (Vince)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Splendid__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja / Ja

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