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Guardians of the Galaxy Vol. 2

Originaltitel: Guardians of the Galaxy Vol. 2__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: James Gunn__Darsteller: Chris Pratt, Zoe Saldana, Dave Bautista, Kurt Russell, Michael Rooker, Karen Gillan, Pom Klementieff, Elizabeth Debicki, Sylvester Stallone, Tommy Flanagan, Chris Sullivan, Sean Gunn, Gregg Henry, Michelle Yeoh, Stan Lee u.a.__Specher: Bradley Cooper, Vin Diesel u.a.
Guardians of the Galaxy Vol. 2

Neben Regisseur James Gunn kehrte die Originalbesetzung für „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ zurück, darunter auch Vin Diesel als Sprecher Groots

Mit „Guardians of the Galaxy“ hatte James Gunn („Slither“) als Regisseur und Co-Autor eine Gruppe von Comichelden aus Marvels zweiter bis dritter Reihe zu einem Überraschungserfolg geführt, was natürlich zwangsläufig zu einem Sequel führte, das Gunn erneut als Regisseur und Drehbuchschreiber verantwortet.

Dass Gunn den verschrobenen Humor des Originals behalten konnte, zeigt bereits die Anfangssequenz, in der die Guardians, bestehend aus Peter Quill (Chris Pratt) alias Star-Lord, Gamora (Zoe Saldana), Drax (Dave Bautista), Rocket Racoon und Groot (hier im Babyformat nachgewachsen) die Batterien einer Souvereign genannten, goldglänzenden Alienrasse vor der Attacke eines Weltraumbiests beschützen. Denn der größte Teil des Kampfes wird in den Bildhintergrund verlagert, während sich die Aufmerksamkeit auf den im Vordergrund tanzenden Groot konzentriert, was bereits einen humorigen Kontrast zwischen dem fröhlichen Tanz-Gehopse und der gefährlichen Schlacht schafft.

Als Gegenleistung für ihre Hilfe erhalten die Guardians von den Souvereign Gamoras Adoptivschwester, die Schurkin Nebula (Karen Gillan), als Gefangene überreicht. Allerdings sind auch die Guardians nicht zu strahlenden Helden mutiert, was zu Problemen führt: Rocket hat einige der wertvollen Batterien gestohlen, weshalb man bald die Souvereign-Armada im Nacken hat, deren Flugobjekt ferngesteuert werden, was James Gunn im Stile einer Spielhalle visualisiert, sodass die Piloten ihre Geräte steuern als würden sie gerade ein Arcade-Spiel zocken (und ähnlich wie dort versammeln sich ausgeschiedene Spieler um den letzten verbliebenen Piloten) – nur eine der vielen Anspielungen auf die Popkultur der 1980er in „Guardians of the Galaxy 2“.

Rettung in der Misere kommt von einem geheimnisvollen Fremden, der sich als Ego (Kurt Russell) vorstellt – und als Peters Vater! Während Rocket und Groot zurückbleiben um das im Kampf beschädigte Schiff zu reparieren und auf Nebula aufzupassen, folgen Gamora und Drax Peter bei seiner Reise zum Planeten seines Vaters, dessen Herkunft noch einige Überraschungen parat hält…

Seit einigen Jahren wird der Superheldenfilm immer wieder für sich oft gleichende Geschichten und oft identische Showdowns kritisiert, worauf die Studios reagieren. Auch Marvel, die seit „Ant-Man“ immer wieder versuchen mehr Variation in ihre Filme zu bringen und das Standardfinale mit auf Metropolen herabstürzenden Flugobjekten zu vermeiden. Diese Idee der Abkehr von Formeln mag auch „Guardians of the Galaxy 2“ zugrundegelegen haben, was sich erzählerisch in dem Film niederschlägt: Bis zur Halbzeitmarke ist die Gemengelage unklar; man weiß nicht genau was die Aufgabe der Guardians in diesem Film sein wird und wer von den möglichen Bösewichten sich nun als Hauptantagonist herausstellen wird, denn es gibt da einige Möglichkeiten, von den erzürnten Souvereigns über Nebula bis zur Ravager-Crew von Peters Mentor Yondu Udonta (Michael Rooker), die immer noch einen Hals auf Star-Lord hat. Dieser Umstand macht „Guardians of the Galaxy 2“ einerseits weniger vorhersehbar und besitzt Überraschungspotential, hat andrerseits aber auch den klaren Nachteil, dass die Spannung und die Stringenz ein wenig auf der Strecke bleiben, da man zusammen mit den Charakteren erst einmal verstehen will worum es geht.

Eine weitere Schwäche von „Guardians of the Galaxy 2“ liegt in der Ungleichheit der Figuren, gerade was die Action angeht. Einige Figuren besitzen übermächtige Fähigkeiten, mit denen sie ganze Gegnerhorden problemlos ausschalten (etwa Yondu mit seiner pfiffbetriebenen Wunderwaffe), wodurch einige Charaktere mit ihren Schwertern und Wummen etwas schlapp im Vergleich aussehen und auch manche Schurkenschar zum Kanonenfutter degradiert wird, was leider das Mitfiebern in mancher Actionszene mindert. Zur Darstellung besagter Fähigkeiten muss dann auch verstärkt auf CGI zurückgegriffen werden, wo der Vorgänger noch mehr Bodenhaftung bewies (auch wenn natürlich klar sein muss, dass eine Space Opera wie „Guardians of the Galaxy“ zwangsläufig mit reichlich Rechenpower inszeniert wird). Gunn ließ zwar möglichst viele Sets real erbauen anstatt sie digital zu erschaffen, doch in Sachen reale Stunts und Körperlichkeit in den Kämpfen wäre mehr drin gewesen.

Guardians of the Galaxy Vol. 2

Die Guardians, bestehend aus Gamora (Zoe Saldana), Peter Quill (Chris Pratt) alias Star-Lord, Drax (Dave Bautista), Rocket Racoon und Groot, mit ihrer Gefangenen Nebula (Karen Gillan)

Nicht, dass „Guardians of the Galaxy 2“ nicht über denkwürdige Konfrontationen verfügen würde. Gerade jene Szene, in der Rocket sich gegen einen Hinterhalt der Ravager zur Wehr setzt, ist einfallsreich umgesetzt und gibt dem Waschbären mal wieder richtig Raum zum Glänzen – vielleicht das Highlight des Films. Da kann der Showdown noch so aufwändig sein und durchaus Drive haben, mehr Pepp hat jene Szene. Auch die restliche Action ist durch und durch solide gemacht, aber selten besonders einzigartig.

So liegen die Qualitäten von „Guardians of the Galaxy 2“ ganz woanders. Zum einen wird das Thema Familie konsequent zum Leitmotiv des Films gemacht, egal ob es sich um leibliche Vaterschaften, Adoptivgeschwister oder Ersatzfamilien handelt. Fast jeder Plotstrang ist von dem Thema durchzogen, das somit durchweg inhaltliche Relevanz besitzt. Gleichzeitig bietet diese Ausrichtung Platz für diverse zwischenmenschliche Momente (auch wenn nicht alle Beteiligten menschlich sind), die mit viel emotionaler Wärme daherkommen, etwa zwischen Rocket und Yondu oder zwischen Drax und Egos Helferin Mantis (Pom Klementieff), die vor allem durch ihre Unbedarftheit und mangelnde Erfahrung im sozialen Umgang auffällt. Tatsächlich ist jene emotionale Komponente, die in einer starken Schlussszene mündet, wesentlich einprägsamer als die Action des Films, was für einen Sommerblockbuster nicht alltäglich ist.

Natürlich muss auf den vom Vorgänger gewohnten Humor nicht verzichtet werden. Fleißig werden Sprüche geklopft, Genreerwartungen unterlaufen und reichlich Anspielungen auf die Popkultur (vor allem die der 1980er) untergebracht, vom Soundtrack mit Songs von Cat Stevens, Sweet und Fleetwood Mac über einen erneuten Auftritt von Howard the Duck bis hin zum diversen David-Hasselhoff-Referenzen. In seltenen Momenten werden Running Gags überstrapaziert, etwa Baby Groots fehlendes Verständnis für Anweisungen in einer Szene, in der er einen Gegenstand besorgen muss, oder das Geplänkel zwischen Drax und Mantis, wenn sich die beiden begrenzten sozialfähigen Aliens öfter missverstehen und Mantis dabei meist gedemütigt wird. Manche Anspielung mag unbeabsichtigt sein, etwa wenn Sylvester Stallone und Michael Rooker sich vierundzwanzig Jahre nach „Cliffhanger“ erneut als zerstrittene frühere Freunde im Schnee begegnen, wobei ersterer den Ravager-Chef Stakar Ogord spielt, der Yondu und seine Crew ächtete.

Sylvester Stallone („Creed – Rocky’s Legacy“) hat allerdings nur eine kleine Nebenrolle, während Kurt Russell („Die Klapperschlange“) als geheimnisvoller Vater Star-Lords der Neuzugang mit der meisten Screentime ist und diese gewinnbringend zu nutzen weiß. Dagegen sind Pom Klementieff („Sleepless Night“) und Karen Gillan („In a Valley of Violence“) in erster Linie Trägerinnen von skurrilen Alienverkleidungen und weniger als Schauspielerinnen gefragt, während Michael Rooker („The Marine 2“) in seiner ausgebauten Yondu-Rolle dagegen richtig punkten kann. Chris Pratt ist erneut der große Charmebolzen, kann diese Ausstrahlung aber nicht ganz so gewinnbringend wie im Vorgänger, in „Jurassic World“ oder in „Die glorreichen Sieben“ ausspielen. Zoe Saldana („The Losers“) gibt gewohnt überzeugend die toughe Kämpferin mit Herz und widerstrebenden Gefühlen, doch vor allem Dave Bautista („Kickboxer: Vengeance“) kann für sich einnehmen, der als herzensgute Kampfmaschine vielleicht sogar das emotionale Zentrum dieses Films ist. Vin Diesel („A Man Apart“) darf mal wieder sein (hier oft stimmverzerrtes) „I am Groot“ als Sprecher von Groot zum Besten geben, während Bradley Cooper („The Place Beyond the Pines“) als Rocket erneut für reichlich Lacher sorgt und gleichzeitig darauf achtet, dass auch die tragische Seite hinter Rockets Rebellentum durchscheint. Daneben ist der Rest der Nebendarsteller fast kaum präsent; allenfalls Tommy Flanagan („Sons of Anarchy“) als Ravager aus Yondus Crew kann noch ein paar Akzente setzen, während Gunn-Regulars wie sein Bruder Sean („The Belko Experiment“) und Gregg Henry („Jason Bourne“) ähnlich kleine Gastrollen absolvieren wie Stan Lee in seinem obligatorischen Cameo.

Guardians of the Galaxy Vol. 2

Hat Peter in Ego (Kurt Russell) seinen Vater gefunden?

Auf das Anteasern weiterer Marvel-Filme wird größtenteils verzichtet, sieht man von einem Bild von Jeff Goldblums „Thor: Ragnarok“-Charakter im Abspann ab. So sind alle der insgesamt fünf Einschubsequenzen im Abspann doch eher für Späße da, auch wenn man kurz darauf verweist, welche Figuren im nächsten „Guardians of the Galaxy“-Film mehr Bedeutung bekommen könnten und woher die nächste Bedrohung kommen könnte. Doch überwiegend ist „Guardians of the Galaxy 2“ ein in sich geschlossener Spaßfilm, der noch dazu phantastisch aussieht und einige nette Designideen mit an den Tisch bringen, die von der Liebe zum Detail in Gunns Space Opera zeugen.

Dieser Einfallsreichtum sowie der emotionale Kern von „Guardians of the Galaxy 2“, in dem das Ableben wichtiger Figuren dem Zuschauer nahegeht, sind es dann auch, die für das Sequel einnehmen, auch wenn der Film erzählerisch etwas durchhängt, die Figuren manchmal ungleich gewichtet sind und man sich manchmal etwas mehr Bodenständigkeit wünschen würde. Auch die famos gecastete Besetzung hat erneut Chemie, der Esprit des Erstlings bleibt weitgehend erhalten und konsequent wird das Thema Familie behandelt. Trotz einiger Schwächen also immer noch charmant und spritzig.

„Guardians of the Galaxy Vol. 2” startet am 27. April 2017 in den deutschen Kinos.

© Nils Bothmann (McClane)


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„Guardians of the Galaxy Vol. 2“ ist ein verdammter Riesenspaß

Und er tanzt den Baby-Boogie. Im Hintergrund wird gerade ein intergalaktischer Kraken auf einer Hi-Tech-Plattform bekämpft, die aus einem futuristischen Jump’n’Run-Computerspiel stammen könnte, doch all das tangiert ihn nicht. Seine ganze Welt ist in diesem Moment ein ausrangierter Walkman, aus dessen Kopfhörern altmodische Erdenmusik ertönt. Zum Helfen ist er ohnehin zu klein, warum also nicht tanzen? Tentakel klatschen Zentimenter von ihm entfernt auf den Glasboden, tief im hinteren Teil des Bildes, außerhalb des Kamerafokus, wölbt sich unscharf ein wütender rosa Klumpen, während die Guardians ihn wie lästige Fliegen mit Jetpacks umkreisen und mit albernen Laserstrahlen beschießen. Hin und wieder übertritt einer seiner Freunde die Grenzen in seine Mikro-Welt; meist durch Hineinschleudern. Elterliche Fürsorge spricht aus ihrem Blick, als sie sich wieder aufrappeln und ihr Blick auf den Schützling fällt, ein wenig Strenge auch. Baby Groot ist sich seines achtlosen Verhaltens bewusst, erstarrt in der Pose wie jemand, der auf frischer Tat ertappt wurde. Doch sobald der Kraken die Erwachsenen wieder in die Konversation einbezieht, darf der Tanz weitergehen.

Guardians of the Galaxy Vol. 2

Yondu (Michael Rooker) und Rocket stehen sich Auge in Auge gegenüber

Wer aufgrund dieser Eröffnungssequenz in erster Linie böseste kommerzielle Absichten des Marvel-Konzerns sieht („kauft den tanzenden Baby Groot!“), mag damit zwar Recht haben; ihm entgeht aber zugleich das beste erzählerische Stilmittel, das James Gunn aufzufahren weiß. Rückblickend war es eine herausragende Entscheidung, Groot für das Finale des ersten Teils zu opfern und ihn als zartes Pflänzchen im Aufbau wiederkehren zu lassen, denn es hilft im Sequel-Prozess bei der Verhinderung von Statik, es schafft eine spür- und vor allem sichtbare Weiterentwicklung – und wie eine der insgesamt vier (!) Hidden Scenes verrät, auch über den zweiten Teil hinaus. Man sollte nun meinen, als kleiner Setzling kann Groot wenig bis nichts zur Mission der Guardians aktiv beitragen, was von einigen Ausnahmen abgesehen auch der Wahrheit entspricht. Doch Gunn macht etwas viel Wertvolleres mit ihm: Er schafft eine First-Class-Beobachterperspektive, die es dem Publikum einerseits möglich macht, das knallbunte Weltraumspektakel samt seiner lustvoll berstenden Sammlung aus Raumschiffen, leuchtenden Kulissen, Planeten und anderen Energiegebilden aus der allerbesten Perspektive zu genießen; andererseits schafft es eine angenehme Distanz zum geschehen, die es möglich macht, dieses „Vol. 2“ nicht allzu unmittelbar goutieren müssen und darüber die Orientierung zu verlieren (wie es manchem vielleicht mit dem ähnlich bunten „Doctor Strange“ ergangen sein könnte), sondern sich der Story wie über die Brücke eines charismatischen Mediums hinweg zu nähern; als würde man sie in einem Groschenroman nachlesen und dabei den Druck der Seiten riechen.

Neben der visuellen Komponente hat der Soundtrack für den Erfolg des Vorgängers eine große Rolle gespielt, er war vielleicht sogar entscheidend für die Wahrnehmung, „Guardians of the Galaxy“ sei der „etwas andere Marvel-Film“. Er brach die Gleichförmigkeit mit geballter Blue-Swede-Power auf und bediente gleichzeitig die hohe Nachfrage nach Vintage und Retro. Erfreulicherweise wird „Hooked On A Feeling“ nicht mehr wiederverwertet (abgesehen von einigen Einsätzen in Teasern). Das mag zwar bedeuten, dass die Jukebox trotz großer Namen wie Cat Stevens, Fleetwood Mac, Electric Light Orchestra oder George Harrison nicht mehr den selben Knalleffekt erzeugt wie vor zwei Jahren, aber immerhin gibt es keinen Stillstand und der Faktor Postmoderne schlägt nicht ganz so penetrant zu wie man das hätte erwarten können.

Der Zwang einer jeden Fortsetzung, das Original überbieten zu müssen, macht sich natürlich trotzdem bemerkbar. Alles muss noch bunter, größer, spektakulärer und witziger sein, was sich nicht zuletzt an der aufgeblähten Laufzeit ablesen lässt, die regelrecht vollgestopft ist mit irrwitziger SciFi-Opera-Action, gegen die Disneys neue Star-Wars-Filme mit ihren kargen Wüsten fast schon anmuten wie ein Remake von Gus Van Sants „Gerry“. Speziell in Sachen Humor wird noch einmal mächtig auf die Tube gedrückt und der Bogen je nach Geschmack vielleicht auch mal überspannt. So absolviert Stan Lee seinen bisher verrücktesten Cameo, über David Hasselhoff könnte man das Gleiche behaupten, intergalaktische Waffen, so lehrt uns Rocket, haben das Potenzial zur intergalaktischen Belustigung und ein Warp-Sprung endet in einem deutlichen Zugeständnis an die Comic-Herkunft der Serie (und vielleicht auch einer kleinen Hommage an „Total Recall“). Darüber hinaus: Dave Bautistas offenes, herzhaftes Lachen in Verbindung mit seiner hünenhaften Statur ist im ersten Teil sehr gut angekommen, also hat man die entsprechenden Szenen für die Fortsetzung deutlich ausgebaut und auch im Trailer schon zelebriert.

Guardians of the Galaxy Vol. 2

Vin Diesel spricht auch im Sequel Groot

Bautista ist es zu verdanken, dass sie trotz ihrer Überbetonung fast immer funktionieren. Wenn er den Mund aufmacht und bellende, laute Geräusche daraus entweichen, während er sich in fast schon stummfilmartig klassischer Geste die Hände auf den Magen hält, hat das einfach nur eine ansteckende Wirkung. Abgesehen von ihm und Groot hat außerdem Rocket wieder diverse Momente zynischer Frische mit gefühlvollem Abgang. Auch hier wird eine Masche im Grunde wieder tot geritten, doch an dieser mimisch komplexen Rechnerfigur und ihren bedeutungsvollen Gesichtsverrenkungen, die elegant zwischen tierischer und menschlicher Emotion wechseln, mag man sich einfach nicht satt sehen. Ein wenig aus dem Rampenlicht wird hingegen Chris Pratt als Peter Quill gedrängt, gerade in Bezug auf seine Beziehung zu Gamora, welche zwar mit Blick auf die Regeln einer Franchise lustvoll analysiert wird, die aber (noch) keine höheren Wellen schlägt. Die Hauptrolle hat er dennoch weiterhin inne, da sich der Plot von „Vol. 2“ intensiv mit seinen irdischen und kosmischen Ursprüngen auseinandersetzt. Das mündet in einen konventionellen Plot um ein gottähnliches Wesen mit all seinen typischen Weltzerstörungsbedürfnissen, typisches Marvel-Zeugs eben, dessen Simplizität und Durchschaubarkeit vermutlich zu den schwächsten Elementen dieser Fortsetzung gehört.

Kurt Russell bringt als Neuzugang eben die gewohnte Portion Russell mit ein (was absolut angemessen ist, da er einen Charakter namens „Ego“ spielt) und Michael Rooker, der schon im Original ein Highlight war, sieht man einfach unheimlich gerne dabei zu, wie er zwischen den Seiten pendelt – denn die Grau- (oder in diesem Fall Blau-) Zonen sind doch letztlich immer die interessantesten.

Sogar den Abspann muss man noch einmal herausheben, da er nicht nur endlos viele After-Credits-Szenen in sich birgt*, sondern mit vielen kleinen Details fast genauso prächtig unterhält wie der Hauptfilm – zumal man die vielen Gags darin nicht auf dem Silbertablett serviert bekommt, sondern sie sich selbst durch erhöhte Aufmerksamkeit erschließen muss.

Das Auge erlebt letztlich eine totale Reizüberflutung, die man als solche aber gar nicht wahrnimmt – es ist die größte Leistung dieses Films, dass er so nachvollziehbar, flüssig und emotional erzählt, obwohl ständig irgendwo etwas leuchtet oder kollidiert. Optisch wird ein Konglomerat jedweder Art von Science Fiction und Fantasy geboten, die in den letzten Jahren Rang und Namen hatte – von „Star Wars“ zu „Star Trek“, vom „Hobbit“ zu „World of Warcraft“, von „Marvel“ zu „DC“. Aber die „Guardians“ haben es irgendwie raus, sich so selbstbewusst durch den Effekte-Overkill zu bewegen, dass die Charaktere zurückbleiben. Sicher kann man nun mäkeln, dass dies oder jenes viel erzwungener wirkt als im ersten Teil, aber um mal etwas weniger kleinlich zu sein: „Vol. 2“ ist ein verdammter Riesenspaß.

*(welch anmutiges Schauspiel, wie der prall gefüllte Kinosaal zunächst domestiziert durch viele andere Marvel-Filme sitzen bleibt und nach der ersten Szene doch langsam beginnt, sich aufzulösen, um dann irritierend festzustellen, dass noch eine Szene folgt… und noch eine… und noch eine)


© Sascha Ganser (Vince)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Walt Disney__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 27.4.2017 in den deutschen Kinos

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