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Guns of Dragon

Originaltitel: Hu Xue tu long zhi nong tian xian jing__Herstellungsland: Hongkong__Erscheinungsjahr: 1993__Regie: Tony Leung Siu-Hung__Darsteller: Ray Lui, Mark Cheng, Alex Fong, Yvonne Yung Hung, Jackson Lou, Patrick Lung, John Sham, Tse Ning, Bill Lui Cho Hung, Henry Fong, Chia Sheng Chin u.a.
Guns of Dragon DVD Cover

“Guns of Dragon” lässt den roten Lebenssaft amtlich spritzen.

Als sein bester Kollege bei einem Einsatz umgenietet wird und er selbst nur dank eines Zufalls dem Tod von der Schippe springen kann, beginnt der Hongkong-Cop Lam Kwok-Ching sein Leben zu überdenken. Schnell muss er bemerken, wie sehr er vor allem seine Familie vernachlässigt hat. Selbige lebt inzwischen getrennt von ihm in New York. Ching zieht die Reißleine. Er reist gen New York, um hier ein neues Leben mit seiner Familie zu beginnen.

Zwar wird er nicht zwingend mit offenen Armen empfangen, aber Ching gibt sich alle Mühe, seine Lieben von seinem neuen Lebenswandel zu überzeugen. Er will sogar mit ihnen nach Toronto ziehen, um einen endgültigen Strich unter sein altes Leben zu ziehen. Doch dazu soll es nicht kommen, denn in den Straßen von New York kreuzt er urplötzlich die Wege von Lumpenpack, das er schon in Hongkong erbittert jagte.

Die Lumpen um den sogenannten General planen, die USA mit einer gewaltigen Falschgeldmenge zu fluten. Natürlich muss Ching das um jeden Preis verhindern. Als die Lumpen seine Frau entführen, wird die Sache persönlich… und blutig.

Schaut in „Guns of Dragon“ hinein

Tony Leung aka Siu-Hung Leung („Karate Tiger 9“) verdiente sich seine Meriten vornehmlich als Stuntman, drehte als Regisseur 1997 mit „Bloodmoon“ aber auch einen der besseren Gary-Daniels-Filme. 1993 brachte er den hier besprochenen „Guns of Dragon“ auf den Weg, der storytechnisch keinen Blumentopf gewinnt, Fans blutiger Asia-Action aber durchaus munden dürfte. Im Rahmen der generischen „Workaholic-Cop will sich bessern und wird natürlich in einen neuen Job gezwungen“-Story zündet Leung in regelmäßigen Abständen feine Actionszenen.

Dabei ragen drei deutlich hervor. In der ersten Szene wird das Haus von Bekannten von Chings Frau zum Schauplatz einer hübschen Ballerei. Hierbei wird durch den Fußboden geballert, Türen werden durchsiebt und Blutbeutel zum Platzen gebracht. Zur zweiten herausragenden Actionszene werden die Lumpen in einem gewaltigen Truck in Heeresstärke angeliefert. Ihr Ziel: Eine Polizeistation, deren Wände in einer langen Ballerei ordentlich mit Blut bespritzt werden. Die dritte besondere Actionszene ist der Showdown. Dieser steigt in einer Festungsanlage auf Puerto Rico. Leider wird das Setting nicht zufriedenstellend bespielt und irgendwie wirkt der Showdown hektisch abgespult, das blutige Treiben macht aber trotzdem Laune.

Blutige Balleraction dominiert „Guns of Dragon“

Der Fokus der Action liegt überdeutlich auf blutigen Ballereien. Hierbei werden vornehmlich die großen Keulen (Pumpguns, Sturmgewehre) geschwungen, was dann auch den amtlichen Blutzoll erklärt. Immer wieder flicht Leung auch kleine Martial-Arts-Einlagen ein, die ordentlichen Druck haben, aber leider nie zu einem befriedigendem Ende gebracht werden. So gut wie immer taucht im Verlauf einer Keilerei plötzlich irgendwer mit Wumme auf und macht aus der Keilerei eine Ballerei.

Was in Hinsicht der Action schnell auffällt, ist, dass Leung immer ein wenig gehetzt wirkend inszeniert. Der in seinen Handlungsszenen alles andere als dynamische Actioner wird infolgedessen immer mal wieder urplötzlich megaschnell. Fast schon zu dynamisch. Wirkt hier und da gar fahrig. Das mündet in ein ganz ganz seltsam umgesetztes Finale, das anscheinend eine Bootsverfolgungsjagd darstellen soll, ohne allerdings einen Zusammenhang in die Fahrmanöver der Boote zu bekommen. Die schlecht getrickste Finalexplosion wirft den Zuschauer reichlich unbefriedigt aus „Guns of Dragon“. Da wäre mir ein fetter Endkampf in der Festungsanlage bedeutend lieber gewesen.

Die zwischen den Actionszenen steigende Handlung ist sehr funktional, wirft mit üblen Dialogen um sich und räumt so manchem Overacting-Moment zu viel Raum ein. Auch eine reichlich deplatziert wirkende und inszenatorisch zwischen roh und unbeholfen rangierende Szene um sexuelle Gewalt hätte es in „Guns of Dragon“ wahrlich nicht gebraucht. Einige Reflektionen zum Thema Asiaten in den USA wirken lächerlich deplatziert. Zudem ist definitiv nicht viel Liebe in die Figurenzeichnung geflossen. Helden und Lumpen bleiben durch die Bank arg blass. Dazu kommt, dass „Guns of Dragon“ sichtlich sparsam inszeniert wurde. Die gebotenen Bilder versprühen wenig Flair. New-York-Feeling kommt nur bei ein paar Schnittbildern auf.

„Guns of Dragon“ setzt voll auf seine Action

Was am Ende bleibt, ist ein in Teilen roher Action-Dampfhammer, der Fans blutiger Ballereien einige Schauwerte bietet. Sobald Regisseur Tony Leung also Darsteller wie Ray Lui („Megaforce 2“) Action machen lässt, geht es in „Guns of Dragon“ ordentlich rund. Rundherum ist „Guns of Dragon“ aber sehr generisch, teils unbeholfen und häufiger arg billig geraten. Overacting, blasse Darsteller, nichtssagende Figuren und eine Story vom Reißbrett sorgen immer wieder für Tempohänger. Da kann auch die Fanfarenmusik aus dem Kinder-Plastik-Synthesizer nichts dran ändern.

06 von 10

Fassungstechnisch ist „Guns of Dragon“ kein leichter Fall. Die zahlreichen Gewalttätigkeiten führten in verschiedenen Ländern zu verschiedensten Schnittfassungen. Erstaunlicherweise war es der Sender ProSieben, der in den 90ern die weltweit längste, als vollständig geltende Fassung anzubieten wusste. Das Label Imperial Pictures brachte ebenjene am 2.10.2020 mit einer FSK 18 Freigabe heraus. Die DVD wartet mit toller Bildqualität auf und bietet Alternative Szenen in den Extras, die manche Filmmomente noch einmal um zusätzliche Inhalte erweitern.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Imperial Pictures__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Nein/Ja

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