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Hänsel und Gretel: Hexenjäger

Originaltitel: Hansel and Gretel: Witch Hunters__Herstellungsland: Deutschland, USA__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Tommy Wirkola__Darsteller: Jeremy Renner, Gemma Arterton, Famke Janssen, Peter Stormare, Zoe Bell, Thomas Mann, Ingrid Bolsø Berdal, Derek Mears, Pihla Viitala u.a.
Hänsel und Gretel: Hexenjäger

Netter Horror-Action-Spaß “Hänsel und Gretel: Hexenjäger”

Hänsel und Gretel werden am Abend eines schönen Tages von ihrem Vater in den dichten Wald gebracht. Hier weist er sie an, ihm nicht zu folgen und in dem Wald zu bleiben. Verängstigt und allein schlagen sich die beiden durch den finsteren Wald, bis sie, vollkommen ausgehungert, an ein Haus gelangen, das vollkommen aus Süßigkeiten gebaut zu sein scheint. Sie kosten von dem leckeren Haus, als sich die Tür ins Innere öffnet. Als sie das süße Eigenheim mitten im Wald betreten, erwartet sie darin eine gar grässliche Hexe. Diese sperrt die Kinder ein, muss zu ihrem Unmut aber bald erkennen, dass ihre Zauberkräfte bei den beiden Kindern versagen. Bevor sie dies so richtig realisiert hat, haben sie die Kinder schon überwältigt und in den hauseigenen Ofen verfrachtet.

Zwei Dinge haben wir im Haus der Hexe gelernt:
1. Geh nie in ein Haus, das aus Süßigkeiten gebaut ist!
2. Wenn du eine Hexe wirklich töten willst, mach ihr Feuer unterm Arsch!
(Hänsel)

Und Hänsel und Gretel finden Gefallen am Hexentöten! Fortan ziehen sie durch die Lande und ziehen dem magisch beflissenen Gesocks die Hammelbeine lang. Ihr Ruf eilt ihnen schon meilenweit voraus, als sie in Augsburg ankommen. Hier plant eine Oberhexe offenbar, die nächste Mondfinstern und den damit einhergehenden „Blutmond“ für ein besonders mächtiges Ritual zu nutzen. Doch sie hat ihre Rechnung nicht mit Hänsel und Gretel gemacht.

Hänsel und Gretel: Hexenjäger

Hänsel …

Der Spaß an „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ liegt in seiner Detailfreude: Sei es Hänsel, der wegen der eingehenden Mästung durch die Süßigkeitenhaus-Hexe an Zucker leidet, der wundervoll knuffige Troll, die sich scheinbar an jede Situation anpassen könnenden Waffen der Geschwister, die tollen Designs der Hexen oder die Umdeutungen, die das zugrundeliegende Märchen der Gebrüder Grimm erfährt. Hier macht „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ richtig Spaß! Doch leider geht den Machern dieser Ideenreichtum in Sachen Story leider vollkommen ab. Hier ist noch das interessanteste Element, dass man sogar die bisher bekannte Story von Hänsel und Gretel leicht variiert. Ansonsten geht es in dem Film leider nur um das Positionieren der verfeindeten Parteien, die sich am Ende in einem großen Showdown auf die Mütze geben. Leider ist der Weg dahin voller kleiner Stolpersteine, die dem Film viel von seinem potentiellen Spaßfaktor nehmen. Zum einen fragt man sich, wieso der Regisseur die beiden Geschwister so oft trennt, wo sie doch gerade zusammen richtig gut funktionieren. Vor allem in diesen Momenten sammelt der Film auch ein paar kleinere Längen ein, die so einfach nicht notwendig waren. Das ist umso trauriger, da der eigentliche Film eigentlich extrem entschlackt wirkt. Man hat mehr als einmal beim Betrachten den Eindruck, da seien diverse erklärende Szenen unter den Tisch gefallen. Etwa wenn plötzlich ein dritter, alter Hexenjäger neben Hänsel und Gretel auftaucht und man nie erfährt, wer das ist, woher er kommt und warum er tut, was er tut. Peter Stormares Auftritte fallen in eine ähnliche Kategorie. Ohnehin wirkt Stormare, als sei er nur vom „Brothers Grimm“ Set zum „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ Set gepilgert, wo er noch einmal die gleiche Rolle runterreißt.

Und so kommt die Story ohne echte Überraschungen aus, steuert nur auf ihr großes Finale zu und räumt nicht einmal ihren wichtigsten Figuren so etwas wie Entwicklungsmöglichkeiten ein. Braucht es bei einem Film dieses Kalibers grundlegend auch nicht, hätte aber auch absolut nicht geschadet. Zumal, ich deutete es bereits an, die reizvollsten Momente des Filmes eigentlich jene sind, in denen er seiner Detailfreude huldigt und beweist, dass er schlitzohrige Unterhaltung sein könnte, wenn er nur wollte. Um von Story und Charakteren abzulenken, lanciert Regisseur Tommy Wirkola in regelmäßigen Abständen diverse Konfrontationen mit den garstig designten und mit effektivem Make Up versehenen Hexen und sorgt für ordentlich Bewegung und Action. Leider fehlen diesen Momenten wirklich spektakuläre Einlagen. Dem in seinem großartigen Nazizombieschwachsinn „Dead Snow“ so kreativ und blutig zu Werke gehendem Regisseur scheint für sein Hollywooddebüt nicht viel mehr eingefallen zu sein, als das Zermantschen und Zerschießen von Köpfen. Dabei geht die FSK 16 Freigabe grundsätzlich absolut in Ordnung, denn weder ist der Streifen ein Splatter- oder Gorefest noch kommen die Effektszenen aufgrund ihrer comicartigen CGI Überzeichnung irgendwie harsch oder übermäßig brutal daher – sie kommen, wenn man es genau nimmt, nicht einmal besonders witzig daher.

Hänsel und Gretel: Hexenjäger

und Gretel haben sich die Hexenjagd zur Profession gemacht.

Was leider auch für den Showdown gilt. Nachdem der gesamte Film nur auf diese finale Konfrontation hinarbeitet, ist das Ergebnis schon eine mittlere Enttäuschung. Mit einer frühzeitlichen Railgun und gesegneten Munitionsbergen ist das ganze Spektakel vorbei, bevor es überhaupt zum Spektakel werden konnte. Auch hier geht der Blut- und Gorepegel nicht wirklich nach oben. Und die Hexen dürfen nicht einmal hexen! Eine echte Verschwendung. Hier hätte der Streifen noch einmal so richtig aufdrehen können und sollen. So vermisst man irgendwie rundweg die „Hoho“ Over the Top Einlagen, die man bei einem Film wie „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“, der im Vorfeld immer vorgab, sich selbst nicht so ernst zu nehmen, einfach erwartet. Wenn man die im Showdown auftretenden Hexen sieht, fragt man sich obendrein, warum Wirkola im Vorfeld des Showdowns mit drei eher langweiligen Hexen hantierte. Ok, seien wir fair: Famke Janssen („96 Hours – Taken 2“) ist schon ein sexy Hexie. Leider versteckt Wirkola sie zu oft unter dem abscheulichen Make Up, doch man merkt sexy Famke an, dass sie an ihrer Rolle Spaß hatte.

Das gilt auch für lecker Gemma Arterton („Prince of Persia“). Die wuchtet sich physisch ungemein präsent durch den Film, sieht in jeder Szene zum Anbeißen aus und wird von den Kostümbildnern rundweg ins rechte Licht gesetzt. Gegen ihre Show wirkt Jeremy Renner („Marvel’s The Avengers“) als Hänsel fast schon weich und man tut sich wirklich schwer, in Renners Gesicht mehr als einen Gesichtsausdruck auszumachen. Es fällt auch schwer, zu erkennen, ob ihm der Film nun Spaß gemacht hat oder er nur mit einem dicken Gehaltscheck verbunden war. Zumindest darf er sexy Pila Viitala – zu der die IMDB als wichtige Information folgenden Punkt bereithält: „Often does nude scenes in her roles.“ – auf den runden Bubble Butt starren. Ist doch auch was … Zumindest, und damit erfüllen beide Darsteller die Grundanforderungen ihrer Rollen ohne Probleme, kommen beide rotzencool daher. Nicht bemüht cool, sondern wirklich cool. Was es aber auch schwer macht, richtig warm mit ihnen zu werden.

Hänsel und Gretel: Hexenjäger

Cooler als es die beiden in “Hänsel und Gretel: Hexenjäger” tun, metzelt keiner Hexen nieder …

In audiovisueller Hinsicht macht Wirkola mit dem „Zombieland“ Kameramann Michael Bonvillain und dem Hans Zimmer (der den Score produzierte!) Zögling Atli Örvarsson ordentlich Druck … so sehr, dass das eingesetzte 3D ziemlich oft in den etwas hektischen Actionszenen verpufft. Das macht Wirkola mit einem wahren Overload an Pop Out Effekten wieder wett, denn der Norweger pfeift zumindest hier auf jedwede falsche Zurückhaltung und lässt dem Zuschauer in Sekundentakt Gegenstände um die Ohren fliegen.

Ähnlichen Verve hätte man sich für den gesamten Film gewünscht. Darum schließe ich heute einmal mit einer Frage statt eines Fazits: Kennt ihr das? Ihr seht einen Film, der durchaus amüsant ist. Er ist nicht so rund, nicht so witzig, nicht so abgedreht, nicht so blutig, nicht so fantasievoll und nicht so politisch unkorrekt (Will Ferrell produzierte den Film!) wie erhofft, und es wirkt die ganze Zeit, als agierten ALLE am Film Beteiligten mit angezogener Handbremse. Und obwohl man durchaus gut unterhalten wird, hofft man die ganze Zeit auf den einen Moment, wo die Handbremse endlich gelöst wird und der Film komplett Amok läuft! Kennt ihr das? Ja? Dann muss ich euch leider sagen, dass genau dieser Moment bei „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ ausbleibt … Was bleibt, ist solide Unterhaltung, die vermutlich vor allem bei der Zweitsichtung gehörig Federn lassen muss.

Der Film ist ab 28. Februar 2013 mit einer FSK 16 uncut in den deutschen Kinos zu sehen! Auf DVD und Blu-ray erschien ein Extended Cut zum Film, der einige Grausamkeiten hinzufügte, dennoch eine FSK 16 Freigabe erhielt.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Paramount Pictures Germany GmbH__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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