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Hatchet III

Originaltitel: Hatchet III__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: BJ McDonnell__Darsteller: Danielle Harris, Kane Hodder, Zach Galligan, Caroline Williams, Parry Shen, Robert Diago DoQui, Derek Mears, Sid Haig, Cody Blue Snider, Rileah Vanderbilt, Sean Whalen, Jason Trost, Diane Ayala Goldner u.a.

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Cover

Das Poster von “Hatchet III”.

Eine Zehntelsekunde nach Filmstart explodiert der erste Kopf – das muss doch Weltrekord sein. Möglich macht’s die erneute Entscheidung, einfach so zu tun, als sei man beim letzten Mal mitten in der Szene unterbrochen worden. Damit gerät die „Hatchet“-Trilogie am Stück genossen wohl endgültig zum weltgrößten Gore-Bauerntopf, der je zu einer einzelnen Mahlzeit serviert wurde.

Das bedeutet natürlich, dass es bislang keine Gelegenheit gab, sich allzu weit von Zeit und Ort des immerhin sieben Jahre älteren ersten Eintrags in die Reihe zu entfernen. Für Victor Crowley und seine Störenfriede herrscht immer noch die gleiche Jahreszeit im beschaulichen Sumpfgebiet von New Orleans. Die Mardi-Gras-Festivitäten sind gerade abgeschlossen, das Morgengrauen nähert sich und der Kater setzt ein. Nur dass es keine Schnapsleichen sind, die aufgesammelt werden müssen, sondern halb skelettierte oder in ihre Einzelteile zerlegte Leichenteile aus den Kapiteln 1 und 2.

Erstmals nicht von Adam Green selbst inszeniert, sondern von ihm nur noch mitproduziert, setzt sein Nachfolger BJ McDonnell (hatte im Vorgänger ein kleines Cameo und sammelte sonst eher Erfahrungen in der Abteilung Kamera) alles darauf, Greens schnörkellosen Geradeaus-Stil mit möglichst viel Getöse zu imitieren. Der Heavy-Metal-Soundtrack hämmert trocken und heftig über den Vorspann, so wie es Crowley später mit den Körpern naiver Eindringlinge in sein Revier anstellen wird. Mehr noch als Green geht McDonnell dabei ohne jedes Gespür für dramaturgische Kurven vor; er lässt seine missgestaltete Hauptattraktion einfach wie einen herrenlosen Rasenmäher frei am Rad drehen und ihn alles zerlegen, was ihm vor die Linse kommt.

Hatchet III

Victor Crowley erfindet den Gewichthebersport komplett neu.

Einer klar und deutlich in Tradition von Jason Voorhees stehenden Figur wie Victor Crowley kommt ein derart stupides Vorgehen seitens der Regie natürlich entgegen. Es ist so, als habe Kane Hodder (“Freitag der 13. – Todesfalle Manhattan“) lediglich sein Team und das Trikot gewechselt, nur dass seine Trikots eben nicht wie jene eines Ronaldo blütenweiß sind und für königliche Tradition stehen. Nein, sie sind aus Latexhaut angefertigt und symbolisieren die im Slasher-Genre geltenden Regeln der Unsterblichkeit. Das tun sie, so lange die Franchise eben Milch gibt. Egal wie kaputt die Visage des Monsters ist, solange das Getriebe noch läuft, bewegt es sich unerbittlich weiter. Äußere Unversehrtheit ist optional. Das unterstreicht bereits der Prolog, als er sich mit einem blutigen Loch anstelle eines Gesichts noch einmal aufrafft, um einen weiteren Schlag auszuführen. Und solange noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, den menschlichen Körper zu entarten, so lange wird es für den Latzhosenträger mit dem Beil ungeachtet seines eigenen körperlichen Zustands mächtig zu hacken geben. Solange wiederum das Gehackte frisch am Set mit echten Effekten und frischem Rot zubereitet wird, so lange werden sich die Gäste zu Tisch wohl auch nicht über den Geschmack beschweren.

Hatchet III

Merkzettel für Psychopathen: Polizisten bekommen nervöse Zuckungen, wenn man blutüberströmt ihre Station betritt.

All diese Zutaten jedenfalls sind im dritten Teil mehr denn je gegeben. Ständig läuft ein armer Trottel unserem Schönling in die muskulösen Arme, nur um einen kurzen Todeskampf später dem Schöpfer entgegenzutreten. Der Fleisch- und Knorpelschaden fällt dabei womöglich sogar noch größer aus als im auch nicht gerade zimperlichen Vorgänger, weil der sich erst einmal Zeit zum Warmlaufen genommen hatte, bevor er richtig zuschlug.

Allerdings waren die Kills beim letzten Mal spektakulärer, überdrehter und auch ein Stück weit schockierender. Vielleicht liegt es daran, dass sich nun einfach bloß Geschichte uninspiriert wiederholt. Während Teil 1 und 2 noch gewisse Unterschiede in der Zusammensetzung der Opferlämmer zu verzeichnen hatten und auch eine gewisse Steigerung in der Kreativität festzustellen war, ist Teil 3 nur noch eine blasse Kopie von Teil 2. Wieder wagt sich eine Spezialeinheit ins Geäst, wieder lässt die Gruppendynamik dabei überhebliche Narzissten auf übervorsichtige Angsthasen stoßen und zwischendrin wird das Final Girl von anno dazumal wie eine Voodoo-Puppe gegen ihren Willen zurück in die Arme ihres Schänders geschickt, in der Hoffnung, sie möge dem Monster ordentlich Nadeln in den Arsch rammen. Die Klein- und Kleinstrollen der Dahingeschiedenen werden einfach 1:1 ersetzt, nur um sie wieder dahinscheiden zu lassen; ja selbst die Erbfolge der Kult-Cameos wird aufrechterhalten, denn wo einst noch Tony Todd im Türrahmen stand, da findet sich nun Sid Haig (“3 From Hell“) wieder, um sich eine Szene lang als alter Furz mit tief sitzender rassistischer Prägung Frotzeleien mit einem schwarzen Polizisten zu liefern. Das Augenzwinkern der Comedy-Anteile und die handgemachte Rezeptur der Spezialeffekte in allen Ehren, aber wegen der höhepunktarmen Inszenierung ist das nun alles nicht besonders aufregend, zumal fast unbemerkt der Sex wegrationalisiert wurde; und was ist Tod schließlich wert ohne Sex?

Hatchet III

Das Blut schmeichelt seinem Teint. Kein Wunder, dass er ohne nicht aus dem Haus geht.

Über die Asche von Crowleys Vorfahren, die in einem hanebüchenen Subplot verstreut wird, möchte man lieber gleich ganz den Mantel des Schweigens legen. Danielle Harris (“Fear Clinic“) jedenfalls kann einem leid tun; wohl noch selten wurde eine vermeintliche Hauptdarstellerin so offensichtlich am Ring durch die Manege geführt wie hier. Rückblickend ist die „Hatchet“-Trilogie zu beglückwünschen ob ihres Hangs zur altmodischen Machart und ihrer Kompromisslosigkeit in Sachen Splatter und Gore; allerdings verbucht der dritte Teil mit Abstand den geringsten Wiederansehwert.

4 von 10

Informationen zur Veröffentlichung

“Hatchet III” erschien hierzulande lediglich in einer um knapp zwei Minuten geschnittenen Fassung über Sunfilm / Tiberius. Eine ungeschnittene Fassung erschien parallel u.a. im deutschsprachigen Ausland. Auch hierzulande ist immerhin das komplette Bonusmaterial enthalten; dazu gehören zwei Audiokommentare (einmal Produktion, einmal Regisseur mit Schauspielern), drei Featurettes und etliche Trailer. Neben der Einzelveröffentlichung erschien weiterhin die gesamte Trilogie in einem Set.

Werft einen Blick in den Trailer von von “Hatchet III”

Sascha Ganser (Vince)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Sunfilm / Tiberius__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Ja (Deutschland)__Blu Ray/DVD: Ja / Ja

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