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Haywire

Originaltitel: Haywire__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2011__Regie: Steven Soderbergh__Darsteller: Gina Carano, Channing Tatum, Ewan McGregor, Michael Fassbender, Michael Douglas, Antonio Banderas, Bill Paxton, Michael Angarano, Mathieu Kassovitz, Eddie J. Fernandez, Tim Connolly, Anthony Wong u.a.
Haywire

Steven Soderberghs starbesetzter Agenten-Actionthriller: „Haywire“

Nach dem Seuchenthriller „Contagion“ machte sich Steven Soderbergh daran mit „Haywire“ den körperbetonten Agententhriller gegen den Strich zu bürsten.

In einem kleinen Diner sitzt Mallory Kane (Gina Carano). Aaron (Channing Tatum), ein ehemaliger Kollege, will sie mit handfesten Überreden zum Mitkommen zwingen, es folgt eine Schlägerei der derben Art, an deren Ende Mallory Aaron überwältigt und den jungen Scott (Michael Angarano) zu ihrem unfreiwilligen Fluchthelfer gemacht hat. Das hat zur Folge, dass große Teile des Films nun in Rückblenden erzählt werden, wenn Mallory Scott erklärt, was sie an diesen Punkt geführt hat.

Die Ex-Soldatin war früher Teil einer Spezialistentruppe, die heikle Aufträge ausführte, Kopf der Truppe ist Mallorys ehemaliger Lover Kenneth (Evan McGregor). Bei den Einblicken in die Vergangenheit regiert die Gleichberechtigung: Nahkampf- und Waffenexpertin Mallory schlägt und schießt nicht weniger rigoros als ihre Kollegen, übernimmt den aktiven Part, wenn sie mit ihrem Teamkollegen Aaron in die Kiste steigt, und etabliert sich als starke Leading Lady in einem männlich dominierten Genre.

Doch wie die männlichen Kollegen ist auch Mallory nicht vor dem Schieflaufen des berühmten letzten Jobs sicher, bei dem man ihr einen Mord in die Schuhe schieben und sie beseitigen will. Doch sie überlebt und macht Jagd auf die Hintermänner…

Haywire

MMA-Fighterin Gina Carano in der Hauptrolle als Mallory Kane

Ein Actionthriller von Steven Soderbergh, starbesetzt, aber mit einer Newcomerin in der Hauptrolle: Die ehemalige MMA-Fighterin Gina Carano („In the Blood“) macht dabei nicht nur in den Actionszenen einen guten Job, sondern wird von Soderbergh auch schauspielerisch zu mehr als akzeptablen Leistungen gepuscht. Ewan McGregor („Die Insel“) ist okay, Michael Douglas („Wall Street“) in seiner Rolle kaum bemüht, großen Spaß dagegen hat Antonio Banderas („Machete Kills“), der als leicht schmieriger Politikertyp sein Latin-Lover-Image auf die Schippe nimmt. Toll ist Bill Paxton („2 Guns“) als Mallorys Vater, während Channing Tatum („White House Down“) als proletarischer Geheimagent („Can we please go? I’m hung over as shit.“) einen herrlichen Gegenpunkt zu den eleganten Kollegen Marke James Bond darstellt.

Die Geschichte ist dabei zweckdienlich aus dem Standardhandbuch des Genres abgeschrieben, ein paar Verwicklungen werden im Laufe der Handlung aufgedeckt, die Schuldigen stehen jedoch mehr oder weniger von Anfang an fest, unklar ist allenfalls die Position einiger Nebencharaktere – die sich jedoch teilweise auch als relativ nutzlos erweisen. Der Part des Coblenz z.B. scheint einzig und allein dazu da zu sein um Michael Douglas eine Rolle zu geben, wirklich etwas zum Film trägt er nicht bei. Tatsächlich gibt es bei „Haywire“ immer wieder unschön redundante Szenen, die das Tempo beeinträchtigen. Auch die Gespräche in „Haywire“ sind keine Dialoge mehr, sondern nur noch Worthülsen – ob Soderbergh damit die Austauschbarkeit vieler Genrefilme in Dialog und Handlung anprangern will? Mag sein, aber das macht „Haywire“ eher schwerfällig.

Haywire

Noch harmonieren Mallory und ihr Kollege Paul (Michael Fassbender) im Einsatz

Interessant wird der Film dagegen eher auf formaler Ebene, denn Soderbergh arbeitet die Funktionsweisen des Genres hier heraus. Man erkennt wie stark die Bourne-Trilogie und ähnliche Filme in den Kampfszenen auf der Tonebene funktionieren, denn „Haywire“ verzichtet auf Schlaggeräusche bzw. lässt diese in realistischer Lautstärke erklingen. In einigen Actionszenen wie einer stylischen Verfolgungsjagd durch Hinterhöfe und über Dächer erklingt sogar recht chillige Mucke, die bewusst gegen konventionelle Actioninszenierungsstrategien arbeitet.

Dafür ist mit J.J. Perry („Homefront“) ein erfahrener Fight Coordinator am Ruder, der die Nahkampfszenen dynamisch zu gestalten weiß. Die Fähigkeiten der Protagonistin bzw. Hauptdarstellerin werden jedenfalls vorzüglich herausgearbeitet, mit realistischen Schlag-, Tritt- und Grapplingtechniken kommen die Kämpfe daher, irgendwo zwischen MMA und Bourne kann man sie einordnen. An sonstiger Action gibt es ein paar kurze Shoot-Outs und kleine Verfolgungsjagden, wobei die Inszenierung immer wieder mit unkonventionellen Mitteln wie der bereits erwähnten Geräuschkulisse (bzw. deren Fehlen arbeitet) oder einer Attacke Mallorys, bei der sie einfach aus dem Hintergrund angerast kommt, während sie in einem regulären Genrefilm wohl erst beim Angriff ins Bild gekommen wäre (oder man das Ganze über den Schnitt gelöst hätte).

Experiment gelungen? Leider nur teilweise. Sicher kann man erkennen, wo und wie „Haywire“ mit bekannten Genrestrategien arbeitet, doch insgesamt sind diese Brüche nicht stark genug um aus Soderberghs Actionthriller eine wirklich starke Reflexion zu machen. Für einen reinrassigen Genrefilm hingegen ist die Inszenierung dann wieder zu ungewöhnlich, von der Fließbandhandlung und den Worthülsen-Dialogen ganz zu schweigen. Schade um die famos choreographierten Kampfszenen.

Die deutsche DVD und Blu-Ray sind bei Concorde (Verleih) bzw. EuroVideo (Verkauf) erschienen und mit FSK 16 uncut.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Concorde/EuroVideo __FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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