Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Hideous

Originaltitel: Hideous!__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1997__Regie: Charles Band__Darsteller: Michael Citriniti, Rhonda Griffin, Mel Johnson Jr., Jacqueline Lovell, Tracie May, Jerry O’Donnell, Andrew Johnston, Mircea Constantinescu, Alexandru Agarici u.a.

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Cover

Das Cover von “Hideous”

Charles Band lässt mal wieder seine Zwergen den Aufstand proben. In kleinen, portionierten Päckchen zu denken hat sich für den Geschäftsmann schließlich ausgezahlt, produzierte er in den 90ern doch verstärkt kleine Filme mit dem Charme von TV-Episoden, die wesentlich von der scheußlichen Optik der kleinen Kreaturen geprägt wurden, die in ihnen umherwuselten. Die kaufmännische Schlussfolgerung: Wer blutrünstiges Spielzeug mag („Demonic Toys“), der freundet sich auch mit einem außerirdischen Mini-Cop an („Doll Man“). Also werden Crossover in die Wege geleitet und Actionfiguren hergestellt – und natürlich Dutzende ähnlich geartete Variationen auf Zelluloid gebannt, die sich mit den kleinen, deformierten Wundern unserer Welt beschäftigen.

Dabei gilt sicher auch der Grundsatz: Platziert man etwas besonders Absurdes vor die Kamera, kann man am Hintergrund sparen. Also wird in schlecht beleuchteten Lagerhallen gedreht oder wie in diesem Fall in der rumänischen Einöde mit angemietetem Schloss… denn wer achtet schon auf den Schnee und die kahlen Wälder, wenn Jacqueline Lovell gerade oben ohne mit Affenmaske einen Mann überfällt?

Schaut in den Trailer zu “Hideous”

„Hideous“ versteht sich als monströse Abhandlung über exzentrische Sammler von Obskuritäten, ist aber natürlich weit davon entfernt, dieses Thema tatsächlich auf erwachsene Weise zu reflektieren. Nur oberflächlich geht es um einen schrägen Vogel, der mit seiner pragmatischen Assistentin in einem Schloss wohnt und eine Kollektion widerlicher Organismen unterhält. Geopfert wird die Prämisse für eine weitere Freakshow, die sich mit denjenigen aus „The Creeps“ (Kleinwüchsige in Classic-Monster-Kostümierung) und „Head of the Family“ (Familie aus Degenerierten, die sich mental zu einem einzelnen Organismus zusammenschließt) bequem in eine Kategorie einordnen lässt.

Aus jenen Produktionen wird dann auch ein Großteil der Besetzung gezogen. Michael Citriniti trug als wasserköpfiger „Head of the Family“ damals mehr Maske auf, bewies darunter aber trotzdem mehr Charisma als in der vorliegenden Rolle, in der er mit seinem Buschbart und seiner Pomadentolle wie der verlorene Spross des Magier-Duos Siegfried & Roy daherkommt. Lovells Rolle fällt da schon interessanter aus – nicht unbedingt ausschließlich wegen ihrer Weste, die wie ein Running Gag immer noch haarscharf das Aufblitzen der ansonsten freiliegenden Nippel verhindert, sondern wegen ihrer besonderen Art, die Dinge einfach so zu nehmen wie sie kommen. Noch besser: Rhonda Griffin aus „The Creeps“, die sich diesmal als dümmliche Sekretärin von einer völlig anderen Seite zeigt und mit ihrer naiven Art für die komödiantischen Highlights sorgt. Nimmt man noch Tracie May als skurpellose Geschäftsfrau hinzu, so gelingt es dem Trio Infernale, die von Männern erdachten, nicht allzu vorteilhaften weiblichen Rollenklischees so weit zu übersteigern, dass sie mit Würde aus ihnen hervortreten. Und Jerry O’Donnell ist als hochbezahlter Detektiv gerne dazu bereit, diese wenig einfühlsam geschriebenen, aber herrlich offensiv gespielten Frauenrollen mit seiner Macho-Attitüde zu befeuern.

Doch eigentlich geht es ja um ein Quartett aus Latex-Unfällen, die jeden Ninja-Turtle vor Neid erblassen lassen dürften. Als wir da hätten:

Eine mutterlose Plazenta
Plazenta
Toxies fetale Inklusion
Toxie
Sonic the Roadkill
SonicRoadkill
und last but not least Brainbug in a Bottle
Brainbug

, der über seine Tentakel vitalisierende Lebensbotschaften an seine Kumpels sendet, auf dass die sich gemeinsam aus ihren Einmachgläsern erheben und ihren Peinigern mal gehörig die Meinung geigen. Ja, wenn man denn will, kann man aus knautschigen Handpuppen durchaus so etwas wie Persönlichkeit oder zumindest Körperlichkeit pressen; das haben die Macher der „Sesamstraße“ ebenso wie Frank Henenlotter mit „Basket Case“ jeweils auf ihre eigene Art bewiesen. Vergleichbares gelingt Charles Band jedoch nicht. Zwar ist seinem Effektmenschen das Design der absurden Wurmfortsätze menschlichen Daseins herrlich knautschig geraten, die Regie weiß es aber kaum in Szene zu setzen, so dass man selbst mit rosaroter Trashbrille nie etwas anderes in den (spärlichen) Auftritten der Kreaturen sieht als totes Kautschuk, das von einem Assistenten bewegt wird.

In dem Moment, da die Metallrollos an den Fenstern und Türen des Schlosses heruntergelassen werden und die Gäste nicht mehr fliehen können (wie bald darauf im Remake von „House on Haunted Hill“), schlägt Schema F zu und die Truppe wird nach und nach dezimiert. Das geschieht derart unspektakulär, dass man gar nicht merkt, wie der Abspann naht… ohne den Kreaturen auch nur Andeutungen von Highlight-Momenten zugestanden zu haben.

So bleibt Jacqueline Lovells Affenmasken-Auftritt tatsächlich der einzig denkwürdige What-the-Heck-Moment eines fantasielos heruntergekurbelten Fließbandfabrikats, das seine Kreaturen einfach nicht in Szene zu setzen weiß. Alle Trashliebhaber-Träumereien von einem möglichst absurden Minimonster-Spektakel werden durch die steife Regie zunichte gemacht. Lediglich der Humor der drei Damen wendet die Vollkatastrophe hinter kalten ungarischen Gemäuern ab.

3 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von “Hideous”

Blu-ray

“Hideous” erscheint als Nr.8 der Reihe “Full Moon Classic Selection” im Scanavo-Keep-Case mit Wendecover.

Full Moon Classic Selection #08

Wäre die „Full Moon Classic Selection“ ein Pferderennen, dann hätte wohl vor dem Startschuss jeder darauf gewettet, dass die Nr. 8 vor der Nr. 9 ins Ziel gehen würde und erst recht vor der Nr. 10 – 16. Tja, denkste. „Laserkill“ ist als Nr. 9 bereits seit Oktober des vergangenen Jahres im gut sortierten Fachhandel zu finden, die „Puppet Master Collection“ mit der Versionierung #10 aufwärts sogar schon vorher und längst ausverkauft. Es ist halt nicht immer so einfach mit der Materiallage und wenn man sich schon vorher die Reihenfolge ausgedacht hat, dann muss die 8 eben als Schlusslicht die Ziellinie überschreiten.

Bild und Ton

Exakte Gründe für die Verschiebung sind nicht bekannt, aber vielleicht hat es ja was mit der kleinen Texttafel zu tun, die vor dem Filmstart eingeblendet wird. Nachdem Charles Band wie gewohnt eine kurze Videobotschaft schickt (und darin mal wieder von einer seiner liebsten Produktionen spricht, wie er es zumeist tut), folgt noch ein geschriebenes Statement des Full-Moon-Chefs, in dem er darauf hinweist, dass leider mit Mängeln in der Bildqualität zu rechnen ist. Es sei alles getan worden, um dem Zuschauer eine möglichst gute Qualität zu bieten, doch weitere Maßnahmen, diese Mängel zu beheben, seien entweder nicht möglich oder stünden nicht zur Disposition. Dabei kann man sich zunächst einmal nicht beschweren… es ist ein solider Transfer, der nun in keiner Kategorie durch besondere Spitzenwerte glänzen würde, der aber vor allem in den kontrastreichen Außensequenzen einen ungetrübten Sehgenuss ermöglicht, wobei in den vielen dunklen Szenen innerhalb des Schlosses auch mal Details verschluckt werden können. Irgendwann kommen dann doch noch die Abschnitte, auf welche die Texttafel wohl referiert. Es gibt einige Sekunden im Film, die so aussehen, als hätte jemand die Filmrolle einmal kurz in Schwefelsäure getunkt. Hier scheint fast der komplette Bildausschnitt von einem chemischen Verfallsprozess betroffen zu sein. Es handelt sich dabei allerdings um recht unspektakuläre Dialogszenen und vor allem wirklich nur um wenige Sekunden des gesamten Films; wer es eher retro als hi-def mag, freut sich womöglich sogar über diesen kurzen Einbruch des Analogen in die Welt des Digitalen.

Über den Ton gibt es derweil nichts Spektakuläres zu berichten. Englisch und Deutsch stehen in DTS-HD Master Audio 2.0 zur Verfügung. Richard Bands pompöses Synth-Orchester begrüßt mit dem typischen cineastischen Größenwahnsinn, der auf den billig produzierten Bildern immer recht putzig wirkt, ansonsten ergeben Geräuschkulisse und Dialoge eine unauffällige Einheit.

Der Audiokommentar

Unter den Extras sticht vor allem der Audiokommentar mit Michael Citriniti heraus. Wer den Darsteller des wahnsinnigen Sammlers Dr. Lorca schon im Kommentar zu „Head of the Family“ gehört hat, wo er mit seinem dortigen Alter Ego ein Sockenpuppen-Theater veranstaltete, wird sich wohl schon mal für infantilen Humor dritten Grades wappnen. Diesmal ist Citriniti aber nicht gezwungen, mit sich selbst zu sprechen, denn er hat Mel Johnson Jr. an seiner Seite, der in „Hideous“ den konkurrierenden Sammler spielt. Johnson ist einer dieser Darsteller, die man im Grunde hauptsächlich wegen eines kurzen, aber memorablen Auftritts in einem populären Film kennt. In seinem Fall ist es wohl die Rolle des mutierten Taxifahrers aus Verhoevens „Total Recall“, die man mit ihm verbindet. Gemeinsam verströmen Johnson und Citriniti die Stimmung eines aufgedrehten Monty-Python- oder Mel-Brooks-Duos, wobei letzterer sich ein wenig mehr bremst als zuletzt, so dass wir nicht ganz in die niedersten Regionen kindlicher Gemüter abtauchen. Wer es eher informativ mag, ist in dem auf Spaß und Unterhaltung ausgelegten Kommentar aber trotzdem falsch aufgehoben.

Die Extras

Auch diesmal ist wieder eine originale „Videozone“-Episode aus der Produktionszeit als Bonusmaterial an Bord. Das Making Of, das immer ein wenig die aufgedrehte Stimmung eines Samstagmorgen-Kinderprogramms aus den 90er Jahren hat, verknüpft auf unterhaltsame Weise Darsteller-Interviews und B-Rolls. Charles Band offenbart sich in seinen Parts einmal mehr als konsequenter Geschäftsmann. Seine Aussage ist im Wesentlichen die eines Drogenbarons: Wenn euch unser Zeug gefällt, konsumiert es, dann kann ich euch immer mehr beschaffen! Und wie die Geschichte bewies, sollte er sein Wort halten…

Ein neuer deutscher Trailer und der Originaltrailer runden die Extras ab. Abgesehen von den Trailern stehen außerdem alle Features auf Wunsch mit deutschen Untertiteln zur Verfügung, der Hauptfilm hat sogar Englisch und Deutsch an Bord. Die Untertitel sind dann neben dem neuen Medienformat auch exklusiv für diese Edition, während die seit 2012 erhältliche DVD von cmv aus der „Trash Collection“ sonst ebenfalls alles an Bord hat.

Die Verpackung

Verpackungstechnisch bleibt natürlich alles beim Alten: Es gibt ein Scanavo-Case und das Cover kann gewendet werden, wobei das FSK16-Logo erfreulicherweise auf keiner der beiden Seiten zu finden ist. Wenn man also den silbernen Rahmen aus Gründen der Einheitlichkeit lieber außen haben will, gibt es keinen Grund darauf zu verzichten. Auf der anderen Seite darf sich das Artwork eben über die gesamte Fläche verbreiten und der Titelschriftzug steht in grün-gelber Glibberschrift mittendrin.

Bildergalerie von “Hideous”

(Kein Original-Bildmaterial der Veröffentlichung!)

Hideous

In dieser Kläranlage werden die Mutantenbabys entbunden.

Hideous

In Rumänien ist die Schlossmiete wahrscheinlich etwas günstiger.

Hideous

Die Königsdisziplin der Limited Collector’s Editions.

Hideous

Eine gesellige kleine Runde hat Charles Band da zusammengestellt.

Hideous

Der neueste Trend unter den Affenweibchen: Oberkörperrasur.

Hideous

Jacqueline Lovell als treue Assistentin.

Hideous

Kuckuck!

Hideous

Backstreet’s back, alright!

Sascha Ganser (Vince)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Wicked Vision__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja (Wicked Vision 2020) / Ja (cmv Laservision / Al!ve 2012)

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