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Hit-Girl in Hollywood

Hit-Girl in Hollywood

Dank Kevin Smith verschlägt es Hit-Girl in die Traumfabrik: “Hit-Girl in Hollywood”.

Mindy, in Nerdkreisen unter ihrem Superhelden-Alias „Hit-Girl“ weitaus bekannter, muss nach einem weitgehend vereitelten Amoklauf an einer Schule feststellen, dass ihr Leben Grundlage eines erfolgreichen Buches mit dem Titel „Bisher bei Hit-Girl“ ist. Zusätzlich soll genau dieses Buch demnächst verfilmt werden. Wütend reist Mindy gen Hollywood, um zu sehen, inwiefern sie dieses Projekt verhindern kann.

Gleichzeitig schlitzt sich ein als Hit-Girl verkleideter Nachahmer durch Hollywoods Glitzerwelt und entmannt übergriffige Hollywood-Bosse. Hit-Girl ist natürlich wenig erfreut, als die Untaten des sich selbst „Dick-Takers“ nennenden „Superhelden“ ihr in die Schuhe geschoben werden. Obendrein sorgen die Taten des Nachahmers weit über Hollywoods Grenzen hinaus für unerwünschte Aufmerksamkeit und bringen Fieswichte aus Mindys Vergangenheit auf den Plan.

Ein zwiespältiges Vergnügen

„Hit-Girl in Hollywood“ hat eine Vielzahl an Momenten, bei denen man als Leser denkt, inwiefern diese in das überdrehte, überzogene, auf Fun und Splatter ausgelegte Universum der leicht soziopathisch angehauchten 12-Jährigen Mindy alias Hit-Girl passen. Da wird ein Amoklauf an einer Schule in pastellfarbenen Tönen zelebriert. Schädel zerbersten, Körper werden durchlöchert, Köpfe von den Rümpfen getrennt. Opfer wie Täter sind Teenager. Kaum älter als Hit-Girl. Die die Täter beinahe beiläufig brutalst richtet. Schwierig.

Und so geht es weiter. In einem Flugzeug wird ein neben Hit-Girl sitzender Mann übergriffig, belästigt sie. Natürlich überlebt er das nicht. So recht weiß man diese Szene aber ebenfalls nicht einzuordnen. Weil sie gefühlt einfach nicht in das „Hit-Girl“-Universum passt. Da hat Kevin Smith, – ja, genau der – seine eigentliche Story, in der Studiobosse neue Angestellte mit heruntergelassenen Hosen begrüßen und dafür bestraft werden, noch gar nicht gestartet. #MeToo in einer Version, die sich einfach nicht gut anfühlen will.

Die eigentliche Story nimmt erst in Heft zwei wirklich Fahrt auf. Wird mit ihren Bezügen zu den ursprünglichen Kick-Ass-Abenteuern sogar richtig gut und mündet in ein derbes Massaker. Zudem würzt Kevin Smith seine Story in diesem Umfeld natürlich mit diversen Anspielungen auf bekannte Filme, lässt sogar seine Kultfiguren Jay und Silent Bob in einem Panel auftauchen.

Auch optisch bietet „Hit-Girl in Hollywood“ kaum Grund zur Klage. Zumindest wenn man sich in die arg rosa/pinknen Welten der ihr Comic-Debüt gebenden Illustratorin Pernille Ørum hineingeguckt hat. Die legt ihr Hauptaugenmerk vor allem auf die handelnden Figuren im Vordergrund und lässt größtenteils jedweden Hintergrund weg, was ihr Artwork sehr reduziert, aber durchaus auch stylisch wirken lässt. Zeichnerisch ist das erste Heft dabei natürlich das Highlight. Denn dieses funktioniert vollkommen ohne Worte. Problematisch ist jedoch der transportierte Inhalt…

“Hit-Girl in Hollywood” macht es dem Leser nicht leicht

Ist ein Amoklauf an einer Schule wirklich ein geeigneter Aufhänger, um eine Story zu starten, in der Schwänze abgeschnitten, Lumpen halbiert und Köpfe abgeschlagen, zerschossen und zermantscht werden? Schwer zu sagen. Sicher ist, dass der ernste Einstieg, der durch seine Wortlosigkeit sogar noch beklemmender wirkt, überhaupt nicht zum Rest des grellbunten Comics und seiner abgefahrenen Story passen will. Apropos Storytelling-Aussetzer: Problematisch an „Hit-Girl in Hollywood“ ist auch, dass Kevin Smith nicht plausibel erklärt, was Mindy eigentlich in Hollywood auszurichten gedenkt und warum sie das Ganze nicht einfach vollkommen ignoriert. Unmotivierter wurde noch keine Story im „Kick-Ass“-Universum angeschoben.

Wenn Kevin Smith „Hit-Girl“ dann auch noch bei einem Besuch eines Filmsets vollkommen grundlos mit der nachgespielten Szenerie des Todes ihres innig geliebten Big Daddys konfrontiert – Mindy war bei der Ermordung nicht zugegen – fragt man sich schon, ob Smith der richtige Autor für dieses Heft war, das spätestens in diesem Moment einfach nur noch sadistisch und zynisch wirkt. Mich hat „Hit-Girl in Hollywood“ wirklich überhaupt gar nicht erreicht. Wie so Vieles aus dem Oeuvre Smiths. Wer Kevin Smith also per se zugetaner ist, kann vielleicht auch mit dieser Story mehr anfangen.

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Alle Informationen zur Veröffentlichung

„Hit-Girl in Hollywood“ vereint die vier Einzelhefte der Miniserie in einem Comicband. Dieser kommt von Panini und wurde mit Bonus-Artworks und Informationen zu Autor und Zeichnerin angereichert.

Hit-Girl: Bd. 4: Hit-Girl in Hollywood
von Kevin Smith (Autor), Pernille Ørum (Zeichnerin)
Taschenbuch: 104 Seiten
Verlag: Panini Verlags GmbH; Auflage: 1 (22. Oktober 2019)
ISBN-13: 978-3741614415

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In diesem Sinne:
freeman

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