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Hours – Wettlauf gegen die Zeit

Originaltitel: Hours__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Eric Heisserer__Darsteller: Paul Walker, Genesis Rodriguez, Judd Lormand, Christopher Matthew Cook, Nick Gomez, Michelle Torres, Tony Bentley, Lena Clark, Yohance Myles u.a.
Hours - Wettlauf gegen die Zeit

Paul Walker kämpft in einem Hurrikan um das Überleben seiner Tochter: “Hours – Wettlauf gegen die Zeit”

Nolan liefert seine schwangere Frau ins Krankenhaus ein. Etwas stimmt nicht mit ihr. Was er nicht ahnt: Er wird seine Frau Abigail nicht lebend wieder sehen. Sie stirbt bei dem notwendigen Eingriff, bei dem das gemeinsame Kind, das Nolan auch Abigail nennen wird, vorzeitig entbunden wird. Das Kind ist so früh dran, dass man es künstlich beatmen muss. In einem Respirator kämpft die kleine Abigail um ihr Überleben, während Nolan den Verlust seiner geliebten Frau kaum überwinden kann.

Da trifft Hurrikan Katrina das Krankenhaus hart und unvorbereitet. Das Krankenhaus wird geräumt, nur Nolan bleibt zurück, da man den Respirator seiner Tochter nicht transportieren kann. Bald sieht sich Nolan obendrein mit der Tatsache konfrontiert, dass der Generator der lebenserhaltenden Maschine einen Defekt hat und von Hand alle drei Minuten neu mit Strom versorgt werden muss. Als in Form von Plünderern auch noch Gefahr von außen droht, scheint es um die kleine Familie nicht mehr besonders gut bestellt zu sein…

„Hours“ ist im Grunde ein Einpersonenstück a la „Castaway“ oder „Burried“. Nur zu Beginn interagiert Nolan mit mehreren Menschen, wird von diesen aber allsbald abgeschnitten. Fortan kämpft er allein in dem Krankenhaus um seine Tochter und kommuniziert mit sich selbst, seiner Tochter oder einen bald zum Team stoßenden Schäferhund.

Dabei wird Nolan mittels des defekten Respirators indirekt eine Art Fußfessel angelegt, die seine Bewegungsfreiheit extrem einschränkt: Ihm sind in der Folge immer nur kurze Rettungsversuche vergönnt, denn innerhalb weniger Augenblicke muss er wieder zu Abigail zurückeilen und die Maschine mit Strom versorgen. Dies wird noch dadurch verschärft, dass die Batterie des Respirators einen weiteren Defekt hat und ihre Speicherkapazität immer weiter absinkt. Irgendwann liegen nur noch 1,5 Minuten zwischen den Wiederaufladungsphasen.

Hours - Wettlauf gegen die Zeit

Nolan beschließt, sein Baby nicht aufzugegeben.

Die Folge: Nolan darf nie einschlafen, kommt kaum zur Ruhe, kommt mit den Rettungsbestrebungen nicht voran und darf sich bei seinen Ausritten auch nicht zu sehr verletzen, denn sonst würde er nicht rechtzeitig zu Abigail zurückkehren können. Dazu kommt ein vollkommen überfluteter erster Stock des Krankenhauses, zunehmende Nahrungs- und Flüssigkeitsknappheit und Plünderer, die durch das Katastrophengebiet ziehen und sich in dem Krankenhaus freilich Medikamente erhoffen…

Spannungsbringer satt also, aber selbige will sich nie so recht einstellen. Zum einen spielt Paul Walker („Brick Mansions“) zwar sehr präsent und auch durchaus stark auf, man nimmt ihm aber den besorgten Vater nie so recht ab. Das liegt aber auch am Drehbuch, das ihm in seinen Monologen wenig geistreiche Momente gewährt und in den wenigen Interaktionen mit anderen Menschen eine seltsame Kumpel-Attitüde verpasst, die jeden zum „Alten“, „Buddy“ usw. macht. Auf der anderen Seite schafft es der Regisseur nicht, die Spannungsschraube durchgehend anzuziehen, bzw. aus seinen Spannungsbringern das Maximum herauszuholen. Er verfällt zu oft in eine sehr melancholische Grundstimmung, die den Film zwar ein paar eindrückliche Momente beschert, der Spannung aber nicht zugute kommt.

Hours - Wettlauf gegen die Zeit

In dem überfluteten Krankenhaus bauen sich diverse Gefahren auf.

Inszenatorisch setzt der Film auf warme erdige Farben und eine ruhige, auf visuelle Sperenzchen verzichtende Kameraarbeit. Die Katastrophe rund um New Orleans wird mittels Stockaufnahmen aus Nachrichtensendungen von der realen Katastrophe eingebunden, in Filmoptik bekommt man nur ein überflutetes Treppenhaus und etwas Hochwasser vor dem Krankenhaus zu sehen. Special Effects und große Desaster-Szenen haben rundweg Pause, was auch für den Rest von „Hours“ gilt.

Action hat es im eigentlichen Sinne keine. Dennoch ist in dem Film ordentlich Tempo drin, vor allem, wenn Nolan durch die Krankenhausflure hetzt, um einerseits nach Auswegen zu suchen und andererseits seine Tochter mit Atemluft zu versorgen. Der Score passt sich der eher melancholischen Grundstimmung an, kommt aber leider ohne eindrückliche Themen aus. Zumindest der Abspannsong ist richtig genial.

Hours - Wettlauf gegen die Zeit

Vor allem Plünderer muss Nolan durchaus auch mit Waffengewalt fernhalten.

„Hours“ betrachtet ein Einzelschicksal der großen Umweltkatastrophe rund um New Orleans, ohne selbige reißerisch auszuschlachten. Der Film braucht den Hurrikan nur, um seine Grundsituation anzustoßen und schafft eine eigene, eigentlich ziemlich spannende Grundsituation. Leider nutzen Drehbuch und Regie die sich nutzenden Möglichkeiten nicht vollends aus und entlassen den Zuschauer zu oft aus der Spannungsumklammerung. Und obwohl sich Walker müht und einige erstaunlich starke emotionale Momente zugestanden bekommt, die er souverän bewältigt, nimmt man ihm seine Rolle nicht wirklich ab. Technisch sauber umgesetzt, fehlen dem Film leider auch echte Höhepunkte. So verpufft die erstaunliche Szene um die fehlschlagende Hubschrauberrettung leider vollkommen folgenlos. Wirft aber einige Fragen auf, wie es um das Wesen des Menschen in Extremsituationen bestellt ist. In dem Zusammenhang ist auch schade, dass eigentlich alle Eindringlinge in das Krankenhaus nur Böses wollen, die Figurenzeichnung hier also sehr plakativ gerät. Dennoch ist „Hours“ ein rundweg unterhaltsamer Thriller, der aber leider zu viele Chancen auslässt, um noch besser sein zu können.

6 von 10

Die deutsche DVD/Blu-ray von „Hours“ kommt von Splendid Film und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Splendid Film__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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