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Howl

Originaltitel: Howl__Herstellungsland: Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2015__ Regie: Paul Hyett__Darsteller: Ed Speleers, Holly Weston, Elliot Cowan, Amit Shah, Sam Gittins, Shauna Macdonald, Duncan Preston, Ania Marson, Rosie Day, Calvin Dean, Sean Pertwee u.a.
Howl

“Howl” lässt eine neue Art Werwölfe auf den Zuschauer los.

In seinem letzten Film „The Seasoning House“ tauchte Regisseur Paul Hyett tief in die seelischen Abgründe des Menschen ein. Die Folge war schwere, extrem brutale und sehr intensive Filmkost, die einen nicht so schnell wieder los ließ. Mit seinem Folgefilm wollte er dann offensichtlich etwas leichtere Wege beschreiten. Das Ergebnis ist nette Horrorkost, die einen lange bekannten Mythos zu teilweise erfrischend neuem Leben erweckt.

Joe ist Schaffner. Er kennt die Routine: Tagelang unterwegs sein, genervte Reisegäste und kaum Möglichkeiten zum Aufstieg. Vor allem letzteres muss er zu Beginn von „The Howl“ wieder schmerzhaft erfahren, als seine Bewerbung für eine Supervisor-Stelle zum wiederholten Male abgelehnt wird. Am gleichen Abend erwartet ihn noch eine Dienstfahrt in einem Abendzug irgendwohin in die Pampa Englands.

Die Fahrt verläuft lange Zeit entsprechend ruhig, bis der Fahrer unvermittelt brutal die Bremse betätigt. Irgendwas sei auf den Schienen gewesen und der Motor des Zuges habe bei dem folgenden Aufprall etwas abbekommen. Während der Zugführer nach dem Rechten sieht, muss Joe die aufgebrachten Reisegäste beruhigen. Denn eine schnelle Hilfe ist hier, irgendwo im Nirgendwo, nicht zu erwarten. Blöderweise kommt der Zugführer von seiner Erkundungstour obendrein nicht wieder…

Die Fahrgäste üben daraufhin großen Druck auf Joe aus. Er solle sie aus dem Zug aussteigen lassen und sie bis zur nächsten Haltestelle geleiten. Joe lässt sich wider besserem Wissens breitschlagen und zieht mit den Passagieren los. Sonderlich weit sollen sie allerdings nicht kommen. Denn als Joe im Unterholz die grausam zugerichtete Leiche des Zugführers findet, ist klar, dass da draußen irgendetwas lauert. Eilig flieht man wieder in Richtung Zug, doch eine Dame der Gruppe wird heftig gebissen. Man beschließt, sich in dem Zug zu verschanzen und die hoffentlich bald anrollende Hilfe abzuwarten. Währenddessen mehrt sich außerhalb des Zuges seltsames Geheul…

Bären heulen nicht…!

„Howl“ lässt sich einige Zeit, um seine Grundsituation zu etablieren. Dabei nutzt er den Kontrollgang von Schaffner Joe, um alle für die Handlung wichtigen Figuren kurz zu verorten. Dabei springen einem die Klischees (Der Miesling, der besonnene Alte, die Karrierebraut,…) zwar allzu offensiv ins Gesicht, interessant, kurzweilig und effektiv ist diese Art der Einführung aber allemal.

Sobald der Zug dann zum Stehen gekommen ist, versucht sich Regisseur Paul Hyett vor allem im Aufbau einer verdammt dichten Atmosphäre. Das klappt auch aufgrund einer grundsoliden und sehr unaufgeregten Kameraarbeit ohne große Probleme und sorgt nebenbei für eine hübsche Spannungskurve. Die Angriffe der Kreaturen rund um den Zug setzt Hyett eher highlightartig in Form gelungener Spannungsspitzen und mittels monströsem Sounddesign in Szene. Dabei lässt er lange offen, was da den Zug permanent lauernd zu umkreisen scheint.

Howl

Der Zugführer kontrolliert den beschädigten Zug.

Wird der Zuschauer dann der Bedrohung gewahr, hat er direkt einen Aha-Effekt. Dass es sich bei der Bedrohung um Werwölfe handeln würde, daraus macht ja schon das Marketing zum Film keinen großen Hehl. Doch diese Werwölfe sind anders. Sie bekommen kurz und knackig eine eigene Mythologie verpasst. Silberkugeln und Vollmondnächte werden infolgedessen in Dialogen zwar offensiv erwähnt, spielen für den Film an und für sich aber keine Rolle. Denn „Howl“ präsentiert Wesen, die eher eine Art Bindeglied zwischen Wolf und Mensch darstellen und die optisch eher an die vollkommen verwandelten Vampire in „From Dusk Till Dawn“ erinnern. Oder an Dämonen in anderen modernen Horrorfilmen.

Der klassische Werwolf-Look wird hier nicht wirklich bedient. Das ist definitiv auch gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber ziemlich gut und wird mittels praktischer Effekte und intelligent gesetzter CGI-Einlagen absolut überzeugend umgesetzt. Wer den brutalen „The Seasoning House“ gesehen hat, wird sich nun vermutlich fragen, ob „Howl“ neue Maßstäbe in Sachen Gewaltdarstellung im Werwolf-Film setzt. Das tut er nicht. Eher im Gegenteil. Viele der Figuren sterben im Off. Der Splatter bleibt auf kurze, sehr effektive Momente beschränkt, dafür gibt es ein paar hübsche Gore-Effekte zu bestaunen. Erst zum Ende hin wird „Howl“ etwas herzhafter, die absolut stimmige deutsche FSK 16 Freigabe deutet allerdings schon an, wohin die Reise geht.

Howl

Joe und seine Kollegin sind von den Fahrgästen (vorn) nicht sehr angetan.

Was gefällt, ist, dass „Howl“ seine ausweglose Atmosphäre nicht für billige Witzchen opfert und nur in ganz wenigen Szenen etwas schwarzen Humor aufblitzen lässt. Die Darsteller von „Howl“ sind zu weiten Teilen in Sachen Horrorfilm geübt. Ed Speleers als Joe etwa kraxelte unter anderem durch den finsteren „A Lonely Place To Die“, Sean Pertwee bekam es in „Dog Soldiers“ schon einmal mit Werwölfen zu tun und Shauna Macdonald hatte bereits in „The Descent“ mit im weitesten Sinne menschenähnlichen Ungetümen zu tun. Diese Darsteller und ihre Co-Stars verrichten allesamt eine gute Arbeit und erwecken ihre Figuren überzeugend zum Leben.

Was an „Howl“ in letzter Konsequenz enttäuscht, ist, dass der Film gegen Ende den Schalter nicht umgelegt bekommt. Vor dem Zug lauern zig Werwölfe, im Zug warten diverse Opfer und trotzdem erhöht der Film nicht die Schlagzahl. Er verbleibt gefühlt immer in dem Tempo, das etabliert wird, wenn die ersten Figuren das Zeitliche segnen. Kurzum: Die Situation will sich einfach nicht noch mehr zuspitzen. „Howl“ will nicht final eskalieren und zündet daher in letzter Konsequenz leider nie so sehr, wie er eigentlich könnte. Was am Ende bleibt, ist durch und durch solide Horrorkost, die ihren Plot mit Sinn für Atmosphäre runterreißt, sympathische Darsteller aufbietet, dem Werwolf-Film ein paar neue Facetten abringt und schlicht und ergreifend absolut sympathisch rüberkommt. Ihr volles Potential kann diese Produktion aber nie ausreizen.

Die deutsche DVD/Blu-ray erscheint am 8. April 2016 von Capelight Pictures und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Neben den Standard-Editionen mit jeweils einer Single-DVD oder Blu-ray in einer Amaray-Hülle kommt „Howl“ auch als Mediabook in hübscher Aufmachung.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Capelight Pictures__Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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