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I Am Soldier

Originaltitel: I Am Soldier__Herstellungsland: Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Ronnie Thompson__Darsteller: Duncan Casey, Lee Charles, Noel Clarke, Philip Desmeules, Joe Egan, Mike Fury, David Goodman, Tom Hughes, Alex Reid, Jean-Paul Jesstiece, Joutai Karrim u.a.
I Am Soldier

“I Am Soldier” fokussiert auf das harte Training der britischen Eliteeinheit SAS.

Der SAS, der Special Air Service, ist eine im zweiten Weltkrieg (1941) von dem Schotten David Stirling ins Leben gerufene Spezialeinheit der britischen Armee. Sie operiert sowohl in Großbritannien als auch im Rest der Welt und gilt als eine der erfahrensten und ältesten Spezialeinheiten überhaupt. In diese werden natürlich nur die besten Männer und Frauen überhaupt aufgenommen. Das Auswahlverfahren gilt als eines der härtesten schlechthin. Und genau davon will uns der Film „I Am Soldier“ etwas erzählen.

Dieser fokussiert auf die beiden Anwärter JJ und Mickey, die ihre Eignung für den SAS erst noch beweisen müssen. Dafür müssen sie durch die Hölle gehen. Knochenharte Ausdauerübungen bestimmen den Alltag der Soldaten. Obendrein müssen sie lernen, ihre Waffen im Schlaf zu beherrschen. Freilich gilt es auch Überlebenstrainings zu bestehen. Sogar gefoltert werden sie, um zu testen, ob sich ihr Willen brechen lässt, sollten sie dem Gegner in die Hände fallen. Doch nicht nur die Ausbildung stresst die beiden Anwärter: Fallschirmjäger JJ ist zudem bereits zum zweiten Mal angetreten, um die Aufnahmeprüfung zu bestehen. Schafft er es diesmal nicht, darf er sich nie wieder bewerben. Derweil gibt Mickey vor, aus einem Logistik-Corps der britischen Armee zu stammen. Doch er scheint nicht nur zu lügen, vielmehr scheint er ein noch viel größeres Geheimnis zu hüten. Und als wäre all das nicht genug, bereiten parallel ein paar osteuropäische Terroristen einen Anschlag auf London vor…

Die beständig eingeblendeten Texttafeln, die mal über den SAS berichten und mal angeben, wie viele von den ursprünglich 200 Teilnehmern der aktuellen Aufnahmeprüfung noch im Rennen sind, verleihen „I Am Soldier“ einen beinahe dokumentarischen Anstrich. Das gereicht dem Film in einigen Punkten zum Vorteil: So kann er sich vollends auf die Ausbildung und deren Bebilderung konzentrieren, ohne die landläufigen Klischees bebildern zu müssen. In „I Am Soldier“ gibt es dementsprechend keine fiesen Kameraden, keine brutalen Ausbilder, keine pathetischen Durchhalteparolen und keine psychischen Wracks. Das Training ist der Hauptdarsteller, JJ und vor allem Mickey nur zwei Anker, die den Zuschauer durch das Training führen.

Der Nachteil: Wirklich mitreißen will das Training so nie. Da man eben keine Figuren hat, an denen man sich festhalten kann. Wie bei einer Doku sitzt man vor dem Film und schaut einfach nur zu. Spannung kommt so keine auf. Daran können auch die wenigen dramaturgischen Spitzen um Mickey und seine Vergangenheit oder sein Flirt mit einer Ausbilderin nichts ändern. Daraus resultieren dann auch einige weitere Probleme des Films: Denn in einem derart nüchtern aufgestellten Streifen fallen die Lobhudeleien auf den SAS freilich extrem deutlich auf. Und schnell wird auch klar, dass „I Am Soldier“ weniger Doku und vielmehr Werbeclip für die Spezialeinheit sein soll.

Nach dem Training erfolgt ein Cut wie einst bei „Full Metall Jacket“ und wir sehen die Spezialeinheit in Action. Hierbei gehen die neuen Rekruten und die alten Hasen zwar sehr glaubwürdig vor, doch auch hier wirkt die Realitätsnähe eher hinderlich denn interessant. Denn richtig spektakulär mag „I Am Soldier“ einfach nie werden. Die Action ist unaufgeregt choreografiert und lässt vor allem Härte missen. Die CGI Effekte (Blut und Trefferwirkungen) vermiesen einem zusätzlich den Spaß und der Bodycount kratzt nur mühsam am vollen Dutzend. Auch spürt man hier weitaus deutlicher als in der Trainingsphase, dass das Budget des Filmes verdammt schmal ausgefallen sein muss. Spätestens wenn die Terroristen mit einer faustgroßen schmutzigen Bombe herumrennen und diese für den Final Fight einfach irgendwo ablegen, um die Hände frei zu haben, anstatt sie einfach zu zünden!!!, wird es schon ziemlich peinlich.

Von derartigen Aussetzern abgesehen funktioniert die technische Umsetzung des Filmes sehr gut. Das Training wird in kalten, farbentzogenen Bildern dargereicht, die den Zuschauer auf dem heimischen Sofa fröstelnd den Schutz einer Decke suchen lassen. Die dynamischen Trainingssequenzen werden immer mit beinahe kontemplativen, wunderschönen Naturbildern des walisischen Schauplatzes konterkariert. Unter den Bildern tönt ein sehr atmosphärischer Score, der allerdings stark im Hintergrund bleibt und leider kein Erinnerungspotential mit sich bringt. Den ganzen Film über arbeitet Regisseur Ronnie Thompson leider mit einem nervigen Stilmittel: Einer harten Schwarzblende. Diese bringt er immer und immer wieder. Teils auch in Momenten, wo sie wirklich gar keinen Sinn macht und den Film einfach nur mitten in einer Szene zerhackt, ohne dass die Szene abgeschlossen wäre. Sehr seltsam…

In Sachen Schauspiel fällt vor allem Mickey-Darsteller Tom Hughes auf. Der junge Schauspieler erinnert ein wenig an Leute wie Benedict Cumberbatch oder Eddie Redmayne. Also an Typen, die vielleicht nicht klassische Schönlinge sind, aber irgendwie eine faszinierende Ausstrahlung haben. Das spürt man sogar bei diesem Film, bei dem Hughes eher sehr zurückhaltend agieren muss und eher auf seine Physis als auf sein Spiel angewiesen ist. Doch er schafft es trotz des Ansatzes des Filmes durchaus, den Zuschauer für sich einzunehmen. Was von einem durchaus vorhandenem Charisma zeugt. Interessant ist das Mitwirken von der „The Descent“ Darstellerin Alex Reid als Ausbilderin und Love Interest von Mickey. Einfach weil sie sehr nett anzuschauen ist, eher selten in Filmen auftaucht und ebenfalls sehr sympathisch herüberkommt. Ansonsten bleibt nur noch Noel Clarke („4.3.2.1.“) als wichtigster Ausbilder in Erinnerung, weil er einen guten Fight abbekommen hat und allgemein als Regisseur und Darsteller aktuell DIE britische Geheimwaffe in Sachen Filmbusiness zu sein scheint.

Am Ende bleibt ein Film, der nichts hinterfragt und vollkommen unkritisch an den SAS herangeht. Damit steht er in der Tradition von Army-Werbespots wie „Navy Seals“, „Act of Valor“ oder „GI Jane“. Gleichzeitig hat er mit diesen Filmen wiederum nichts gemein, da seine Dramaturgie anders funktioniert. Ihm geht es nicht um Spektakel, große Bilder und einen derben Bodycount. Stattdessen nähert er sich dem Thema quasi dokumentarisch, steht sich aber wiederum selbst im Weg mit den wenigen filmischen Elementen – wie der Romanze oder der abschließenden Actionszene. So ganz aus einem Guss ist der Film also weiß Gott nicht. Aber für die Dauer seiner Laufzeit funktioniert er ganz gut und bietet neben einem sehr guten Hauptdarsteller tolle Bilder und eine eindrückliche, frostige Atmosphäre, die das vorgeblich härteste Auswahlverfahren der Welt trefflich untermalt.

Die deutsche DVD/Blu-ray erschien am 20. März 2015 von dem Label Cherrybomb Films. Die Datenträger haben eine FSK 16 Freigabe, sind ungeschnitten und in Bild- und Ton sehr gut ausgefallen. Leider bieten sie keinerlei weitere Informationen zum SAS oder zur Realitätsverbundenheit des Filmes.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Cherrybomb Films__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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