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In a Valley of Violence

Originaltitel: In a Valley of Violence__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2015__Regie: Ti West__Darsteller: Ethan Hawke, John Travolta, Taissa Farmiga, Karen Gillan, Burn Gorman, James Ransone, Toby Huss, Larry Fessenden, James E. Lane, K. Harrison Sweeney u.a.
In a Valley of Violence

Ethan Hawke und John Travolta geraten “In a Valley of Violence” aneinander.

Regisseur Ti West („Cabin Fever 2“) und Produzent Jason Blum („The Purge“) sind bisher vor allem durch ihre Beiträge zum Horror-Genre aufgefallen. Mit „In a Valley of Violence“ wagen sich beide ans Western-Genre. Dabei mischen sie nicht einmal ansatzweise Horror-Elemente unter (etwa im „Bone Tomahawk“ oder „The Burrowers“ Stil), sondern liefern vielmehr einen staubtrockenen „John Wick“-Wiedergänger ab…

Paul ist auf der Flucht nach Mexiko. Im Dienst für die US-Regierung hat er als Soldat in den Indianerkriegen so viele Indianer abgeschlachtet, dass er es irgendwann nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren konnte und desertierte. Am Ende seiner Vorräte kommt er mit seiner treuen Begleiterin Abbie, einem wundervollen Hund, in einem kleinen Kaff namens Denton an.

Und obwohl nur wenige Menschen in Denton leben, kreuzt Paul ausgerechnet die Wege des Einwohners Gilly, der sich unvermittelt als unberechenbares Pulverfass mit äußerst kurzer Lunte entpuppt. Paul kann Gilly zwar überrumpeln, gerät allerdings schnell auch mit Gillys Vater aneinander. Der stellt sich als Marshal der Stadt vor und legt Paul nahe, sich möglichst schnell aus dem Städtchen zu verziehen. Paul ergreift die Gelegenheit und verlässt Denton.

Leider hat keiner mit der Rachsucht Gillys gerechnet. Der verfolgt Paul und begeht die größten Fehler seines noch jungen Lebens: Er tötet Abbie… und lässt Paul am Leben. Der kennt nun kein Halten mehr…

Sie haben mir alles genommen.
Ich werde ihnen noch weniger lassen…

Ti West beweist mit „In a Valley of Violence“, dass er die Versatzstücke des Genres sehr gut kennt. Ein lange Zeit namenlos bleibender, äußerst einsilbiger Fremder reitet in ein Western-Städtchen ein, dessen Einwohner ihn mit zu Schießscharten verengten Augen argwöhnisch abchecken. Der eine spuckt Kautabak auf den Boden, der andere verschwindet in den Tiefen des Raumes, aus dessen Fenster er gerade noch gelinst hat… Souverän bedient West sowohl die optischen als auch ausstattungstechnischen Stereotypen und kann sich vor allem auf seinen Soundtrack-Maestro Jeff Grace und dessen absolut stimmigen Soundtrack vollkommen verlassen.

Auf inhaltlicher Ebene ist sein Streifen ein simpler Rache-Western, stark an den bereits erwähnten „John Wick“ angelehnt. Dass die Oberlumpen auch noch ein Vater-Sohn-Gespann sind, das eine sehr ähnliche Chemie hat wie jenes im Keanu-Reeves-Kracher, lässt nicht wirklich an einen Zufall denken. Doch das ist insofern egal, dass die storytechnische Grundidee auch in „In a Valley of Violence“ formidabel funktioniert, den Film weitgehend ordentlich in Bewegung hält und in die trockene Wild-West-Welt des Ti-West-Westerns hineinzieht. Und das auch, weil die Figurenzeichnung in „In a Valley of Violence“ nicht klar in „Gut und Böse“ aufgeteilt ist.

Ti Wests Drehbuch erschafft nämlich ein paar interessante Charaktere. Die sind durchaus auch mal abgrundtief böse oder unfassbar gut, setzen sich aber zumeist aus Opportunisten zusammen, die immer nur dem eigenen Wohl entsprechend handeln. So wird etwa nur zu gerne hinter dem Oberlump her gerannt. Zumindest so lange, wie das Vorteile mit sich bringt. In der Folge dürfen manche Charaktere hübsche Gesinnungsumschwünge erleben, die sie deutlich aus dem Genre-Einerlei herausheben.

In a Valley of Violence

Paul mit seiner wichtigsten Vertrauten: Abbie!

Das Highlight ist aber freilich John Travoltas Marshal. Der macht eigentlich einen verdammt charismatischen und eingenordeten Eindruck. Muss sich aber wider besseren Wissens gegen Paul stellen, weil er zum einen nicht zulassen kann, dass sein Sohn einem Rache-Feldzug zum Opfer fällt. Zum anderen ließe ein Rache-Feldzug in seiner Stadt ihn als Marshal per se nicht gut dastehen. So rutscht er eher unverschuldet auf die Seite der Bösen und ist sich dessen mehr als nur bewusst. Das erlaubt John Travolta („Rage“) in seiner Rolle richtig zu glänzen und beständig zwischen äußerst souverän wirkender Vernunft und fast schon verzweifelter Aggressivität gegen Paul zu pendeln.

Ethan Hawke legt den Held der Chose derweil herrlich maulfaul an. Sein Paul erhält zudem einen gut funktionierenden, dramatischen Background, der der Figur ordentlich Tiefgang und Glaubwürdigkeit verleiht. Witzigerweise korrespondieren dabei manche Charakter-Details von Paul mit Ethan Hawkes Figur in „Die glorreichen Sieben“! Die Nebendarsteller von „In a Valley of Violence“ machen einen hervorragenden Job, wobei vor allem Taissa Farmiga („Final Girls“) als patent taffes Plappermaul mit Herz und James Ransone („Anarchie“) als grandios fieser und schmieriger Gilly absolut herausragend abliefern.

Doch beinahe alle Darsteller werden von Jumpy an die Wand gespielt. Jumpy „spielt“ Pauls Hund Abbie und ist mal wirklich ein Paradebeispiel für einen topp trainierten Filmhund. „In a Valley of Violence“ hat in der Folge beispielsweise Momente, in denen Jumpy absolut synchron die Kopfbewegungen von Ethan Hawke mitgeht und damit für grandios humorige Momente sorgt. Nicht nur deshalb wächst einem der kleine Flohfänger fieser Weise absolut ans Herz, was den Mord an Abbie nur um so herzzerreißender macht…

In a Valley of Violence

Der Marshal von Denton wird den Tag, an dem Paul in die Stadt einreitet, noch ordentlich verfluchen.

Deshalb wünscht man den Lumpen auch, was sie am Ende bekommen. Dabei bäckt Ti West actiontechnisch eher kleinere Brötchen. Er lässt Paul seinen Rachefeldzug extrem methodisch angehen. Der schlitzt in der Folge Hälse auf und erledigt die Lumpen mit präzisen Fangschüssen. Das typische Western-Geballer kommt so natürlich nicht auf. Pferdestunts oder zig von Saloon-Dächern fallende Stuntmen hat es ebenfalls keine. Stattdessen rückt West die Brutalität von Pauls Tun in den Mittelpunkt und präsentiert ein paar derb blutige Momente, ohne ins Gesplatter zu verfallen. Der Bodycount bleibt ebenfalls sehr niedrig, dennoch lehnt sich der Zuschauer am Ende befriedigt in seinen Sessel zurück und weiß: Abbies Tod ist gesühnt…

Und obwohl „In a Valley of Violence“ in seiner ganzen Machart auf genau dieses Bauchgefühl beim Zuschauer abzielt, ist der zunehmend mehr zum Zuge kommende humorige Unterton der ganzen Chose das eigentliche Highlight. Vor allem während der letzten 50 Minuten, in denen Paul seine Abbie rächt, entwickelt Ti Wests Drehbuch einen grandios galligen Humor, der vor allem durch die allgemein sehr hochwertigen Dialoge transportiert wird und in den Wortwechseln zwischen Ethan Hawke und John Travolta fast schon tarantinoeske Züge annimmt. Das Ergebnis ist atmosphärisch stimmige Unterhaltung mit verdammt starken Darstellern, die allerdings nicht verhindern können, dass es der allzu geradlinig und simpel durchgezogenen Story an Highlights mangelt. Die Folge sind diverse Tempoprobleme. Vor allem zu Beginn kommt der Western nicht so richtig aus den Startblöcken und die eine oder andere Szene im weiteren Verlauf hätte gut und gerne auf dem Boden des Schneidetisches landen dürfen.

7 von 10

Die deutsche DVD/Blu-ray zum Film erscheint am 12. Januar 2017 von Universal Pictures Home Entertainment, ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten und hat neben einer zweiminütigen Featurette leider keinerlei Extras zum Film zu bieten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Universal Pictures Home Entertainment__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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