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Intersections – Die Wüste kennt keine Gnade

Originaltitel: Intersections__Herstellungsland: Frankreich__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: David Marconi__Darsteller: Jaimie Alexander, Frank Grillo, Marie-Josée Croze, Charlie Bewley, Roschdy Zem, Carlos Leal, Gabriella Wright, Moussa Maaskri, Charles Bewley, David Jason Perez u.a.
Intersections

Die Luc Besson Produktion “Intersections” bietet spannende Unterhaltung.

Die marokkanische Wüste. Ein frischvermähltes Ehepaar, zwischen dem die Chemie so gar nicht zu stimmen scheint, rast mit einem Van durch die Sandlandschaften. Da bemerkt der Mann, dass sie von einem anderen Wagen verfolgt werden. Er drückt das Gaspedal durchs Bodenblech und rast über die nicht befestigte Straße. Als er eine Anhöhe passiert, geschieht das Unglück: Er kann nicht mehr bremsen, als er und seine Frau in vollem Tempo auf eine parkende Wagenkolonne zurasen. Er knallt mitten in das Gebilde aus Metall, Menschen und Sand und muss mit ansehen, wie der Kopf eines Überfahrenen förmlich auf seiner Windschutzscheibe explodiert. Auch der Verfolger des Ehepaares kann nicht mehr bremsen und nietet einen anderen Menschen um, um kurz darauf in zwei anderen parkenden Wagen einzuschlagen…

Kurz darauf entsteigt das Ehepaar relativ unverletzt seinem Wagen und wird des Chaos um sich herum gewahr. Leichen, Blut und Autowracks … angenehme Flitterwochen sehen anders aus. Was sie nicht sehen: Ein Mann nutzt das Chaos, um einen anderen zu erwürgen und sich seiner Handschellen zu erledigen. Als das Ehepaar den Mann bittet, ihnen bei der Bergung anderer Überlebender zu helfen, verhält sich der Kerl sehr auffällig, tötet sogar einen der Verletzten. Man rettet aber zumindest eine junge Frau mit Baby und den Verfolger, der allerdings im Koma liegt. Kurz darauf taucht noch ein Fremder auf, der vorgibt, mit dem Motorrad in der Nähe liegengeblieben zu sein. Gemeinsam beschließt man, sich aus der misslichen Lage zu befreien. Doch aus dem Miteinander wird nichts, denn kaum ein Charakter der Sechsergruppe spielt mit offenen Karten…

Intersections

Roschdy Zem bildet den Ruhepol des Filmes.

Normalerweise sind Filme, in denen man mit keinem der Charaktere mitfiebern mag, bzw. sie einem gar gänzlich unsympathisch erscheinen, dem Untergang geweiht. Denn wenn ein Film keine involvierenden Figuren hat, wird der Zuschauer niemals aus seiner rein zuschauenden Position herausgehen, sich nicht in die Figuren hineindenken und keinerlei Spannung ob des Gesehenen empfinden. „Intersections“ beweist, dass es auch andersherum funktioniert. Denn der Film kommt gänzlich ohne sympathisch gezeichnete Figuren aus. Das Ehepaar besteht aus einem Finanzier, der offensichtlich an Kontrollsucht leidet, und einer manipulierenden Zicke, die nur aufs Geld des Mannes aus ist. Der sich selbst befreiende Gefangene geht ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen, der Verfolger des Ehepaars ist das letzte Charakterschwein und die Frau mit Baby mal eben eine Kidnapperin. Festhalten kann man sich eigentlich nur an dem zu der Truppe stoßenden Unbekannten, der aber nicht nur eine Waffe trägt, sondern auch noch munter vor sich hin lügt.

Doch „Intersections“ generiert aus dieser Ausgangssituation ordentlich Spannung. Wer spielt hier warum ein falsches Spiel, wer steckt mit wem unter einer Decke, warum liegt da bereits eine Leiche im Leichensack am Unfallort, wie passen Diamanten in die ganze Geschichte und wer wird am Ende den Kampf der Unsympathen überleben? Immer neue Enthüllungen zu den Figuren sorgen für immer neue Twists, Volten und Kooperationen und das gegenseitige Belauern der Charaktere macht richtig Laune. Erst gegen Ende, wenn „Intersections“ den Schnittpunkt (wie der Originaltitel auf deutsch heißen würde) der Lebenswege der Charaktere – und damit den Unfallort – verlässt, büßt er an Spannung ein. Zwar bringt das Drehbuch den Film zu einem runden Ende, doch fernab der Wüste häufen sich die Zufälle und muss schon ganz schön an der Geschichte herumgebogen werden, um die Spannungskurve auf Kurs zu halten. Dennoch ist die Luc Besson Produktion endlich mal wieder eine mit einem halbwegs brauchbaren Drehbuch, die sich nicht nur auf optische Blenderei und hochtourige Action verlässt.

Intersections

Das Arschloch im Team…beim Feuerlöschen.

Gerade Action hat es abseits des großartigen, handlungsauslösenden Crashs keine weiter. Es setzt zwar immer mal wieder harsche Brutalitäten wie stark suppende Einschüsse, rabiat in Mitleidenschaft gezogene Unfallopfer und einen fiesen Armbruch, ansonsten findet die Action hier mehr zwischen den Zeilen statt und äußert sich in Form forscher oder misstrauischer Blicke. Frank Grillo („The Grey“) darf als der Ehemann das gefühlt größte Arschloch im Film geben und erledigt diesen Part mit routiniert wirkender Arroganz, die den Zuschauer wirklich sofort gegen ihn aufbringt. Jaimie Alexander („The Last Stand“) als seine holde Angetraute ist das optische Schmankerl an Bord und geht in ihrer Rolle als manipulative Schlampe vollkommen auf. Twilight Schnuckel (*örks*) Charlie Bewley als Liebhaber und Marie-Josee Croze als Kindesentführerin kommen in ihren Rollen so gut wie gar nicht im Film an, während Moussa Maaskri als emotional absolut explosionsgefährdeter Sträfling richtig glänzen darf. Roschdy Zem („The Cold Light of Day“) als dazustoßender Ruhepol hat den ambivalentesten Part abbekommen, bei dem man eigentlich nie weiß, in welche Richtung sich seine Figur entwickeln wird.

Intersections

Jaimie Alexander macht ihre Rolle der berechnenden Schlampe viel Spaß.

Die optischen Highlights setzen die tollen Bilder aus der marokkanischen Wüste. Farbgesättigt und mit aller Macht setzt sie Regisseur David Marconi in Szene und lässt unter den schönen Bildern lebensfeindlicher Natur einen zutiefst verunsichernden Score wummern, der die uneinschätzbare Grundsituation nur noch verschärft. Diese gewinnt vor allem daraus, dass der Zuschauer aufgrund der eigenwilligen und vor allem twistreichen Figurenzeichnung kaum vorhersehen kann, wer hier am Ende als „Gewinner“ aus den Ereignissen hervorgehen wird. Daraus resultiert eine angenehme Grundspannung, die der Film auch niemals verliert, allerdings auch nie in richtige Hochspannungsgefilde pushen kann. Was vor allem gegen Ende auffällt, wenn man beständig das Gefühl hat, der Film verwehre einem einen echten Showdown und verlasse sich lieber auf kleinere Unwahrscheinlichkeiten. Das Ergebnis ist nicht ganz das übliche Luc Besson’sche Blendwerk der letzten Jahre, denn hier sind wirklich mal ein paar Hirnzellen mehr für das Drehbuch angestrengt wurden und die sonst so durchgestylte „Action“ beschränkt sich auf harsche Gewaltausbrüche.

Die deutsche DVD/Blu-ray von Universum Film kommt am 22. November in die Läden und ist mit einer FSK 16 Freigabe gegenüber der französischen Kinofassung von „Intersections“ ungeschnitten. Allerdings erschien in Frankreich auch eine ca. 15 Minuten längere Langfassung auf Blu-ray.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Universum Film__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein, es existiert allerdings eine Extended Version__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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