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Into the Badlands

Originaltitel: Into the Badlands__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2015__Regie: David Dobkin, Guy Ferland__Darsteller: Daniel Wu, Orla Brady, Sarah Bolger, Aramis Knight, Emily Beecham, Oliver Stark, Madeleine Mantock, Ally Ioannides, Marton Csokas, Benjamin Papac, Stephen Lang, Lance Henriksen, Cung Le u.a.

„Into the Badlands“ basiert lose auf der klassischen chinesischen Sage „Die Reise nach Westen“, kleidet diese in ein retrofuturistisches Gewand, reichert sie mit viel Action an und garniert sie mit weitreichenden und hinterhältigen Intrigen und Machtkämpfen. Ergebnis ist eine zunächst einmal sechsteilige Serie, die ihrem produzierenden Sender AMC („Walking Dead“, „Hell on Wheels“) einen veritablen Hit lieferte.

AMC fiel es daraufhin sehr leicht, einer zweiten Staffel der Showrunner Alfred Gough und Miles Millar („Smallville“) grünes Licht zu geben. Man kann nur hoffen, dass Staffel zwei dem Actionfan genauso munden wird, wie es der ersten Staffel gelingt…

Der Episodenführer der ersten Staffel von „Into the Badlands“

Into the Badlands

Die AMC-Serie “Into the Badlands” sei Fans cooler Martial-Arts-Fights dringend ans Herz gelegt.


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Episode 1: Das Fort

Kriege haben die Welt, wie wir sie kennen, zerstört. Chaos und Leid sind die Folge. Ordnung ins Chaos bringen erst ein paar Menschen, die das Schicksal ihrer Spezies eigenverantwortlich in die Hand nehmen: Die Barone. Diese teilen die verbliebene postapokalyptische Gesellschaft unter sich auf. Nach anfänglich positiven Effekten – so verbieten sie alle Feuerwaffen – entwickeln sich die Barone jedoch mehr und mehr zu Despoten, die ihre Gefolgsleute ausbeuten und unterdrücken und auch untereinander in immer größere Streitigkeiten geraten.

Einer dieser Barone heißt Quinn und lebt vom Opiumhandel. „Into the Badlands“ fokussiert auf Quinns besten Kämpfer Sunny. Der ist ein sogenannter Clipper, der die Ländereien seines Barons beschützt und die Untertanen unter Kontrolle hält. Als Sunny eines Tages den Teenager M.K. vor einer Bande Nomaden beschützt, erkennt er in dem Jungen die Möglichkeit, dem Joch seines Barons zu entkommen und mit seiner großen Liebe Veil zu fliehen.

Doch das ist leichter gesagt, als getan, denn die Witwe, zur Baronin aufgestiegen nachdem sie ihren brutalen Ehemann umgebracht hat, will unbedingt den unberechenbaren Quinn aus dem Weg räumen und dessen Ländereien übernehmen. Doch nicht nur deren Aktivitäten drohen Sunnys Flucht zu sabotieren. So spinnen die Damen in Quinns Haus jede für sich eigene Intrigen, M.K. entpuppt sich als mit Superkräften getarntes „Kind der Dunkelheit“ und Veil ist obendrein auch noch schwanger…

Into the Badlands

Der Clipper Sunny verrichtet sein Tagwerk mit eiskalter Präzision.

Episode 2: Faust aus Stahl

Die Witwe sucht überall nach Verbündeten für ihren Kampf gegen Quinn. Sie lockt Quinns Sohn Ryder in eine Falle und verletzt ihn schwer, woraufhin Quinn ihr den Krieg erklärt…

Episode 3: Der Storch breitet die Flügel aus

Quinn attackiert die Witwe auf ihrem Anwesen und löscht ihre Gefolgschaft beinahe vollständig aus. Derweil erklärt sich Sunny bereit, M.K. auszubilden und ihm zu helfen, seine Kräfte unter Kontrolle zu bekommen…

Episode 4: Zwei Tiger bändigen den Drachen

Quinn läuft in einen Hinterhalt, den die Witwe für ihn eingefädelt hat. Während Quinn gegen einen anderen Baron um sein Leben kämpft, greift die Witwe das Fort Quinns an…

Episode 5: Die Schlange verkriecht sich

Quinn tobt vor Wut und beauftragt Sunny und M.K. die Witwe zu finden und umzubringen. Den beiden gelingt es, die Tochter der Witwe gefangen zu nehmen und sie als Lockmittel einzusetzen. Quinn bemerkt, dass Sunny und M.K. gegen ihn arbeiten…

Episode 6: Eine Hand voll Gift

Quinn brandmarkt Sunny als Verräter und will M.K. auf seine Seite ziehen. Doch unbemerkt ist der Baron längst in die ultimative Falle der Witwe getappt…


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Eastern trifft auf Western in „Into the Badlands“

Der aktuelle Serien-Hype treibt mitunter seltsame Blüten. Alles wird ausprobiert, um einen neuen Dauerbrenner ins Programm zu hieven und die Fans mit immer neuen Stoffen zu begeistern. „Into the Badlands“ gehört definitiv zu den unverbrauchtesten und mutigsten Stoffen der aktuellen Seriengeschichte, wird hier doch vieles zusammengeworfen, was nicht zwingend zusammengehört: Historienfilm trifft auf Science Fiction. Western trifft auf Eastern. Der Intrigantenstadl flankiert eine Liebesgeschichte und für etwas Coming of Age ist genauso Platz wie für ein wenig Superheldenflair.

Wie gesagt, „Into the Badlands“ traut sich etwas. Das geht nicht alles immer harmonisch zusammen, wirkt ab und gar ein wenig trashy, aber im Großen und Ganzen funktioniert die Serie prächtig. Das liegt auch am hohen Erzähltempo. Aufgrund der Konzeption auf zunächst nur sechs Folgen muss die erste Staffel der Serie sehr konzentriert, auf den Punkt und vor allem schnell erzählen. Erstaunlicherweise kommt trotzdem die Charakterentwicklung nicht zu kurz und entwirft einige interessante Figuren, denen man nur zu gerne durch die Handlung folgt.

Into the Badlands

Der finstere Baron Quinn unterjocht seine Gefolgsleute.

Der Weg zum Showdown ist definitiv hoch unterhaltsam. Der Binge-Watching-Faktor aufgrund der nahtlos ineinander übergehenden Episoden unerhört hoch. Vor allem die geschmiedeten Intrigen und Ränkespielereien der Witwe bringen viel Verve in den Erzählreigen und halten die Spannung oben. „Game of Thrones“-Niveau erreicht das Strippengeziehe zwar nicht, die Entwicklungen und Konfrontationen, die sich daraus ergeben, haben aber durchweg Schmackes. Erst gegen Ende zahlt die Serie ihren Tribut an das straffe Erzähltempo, wenn sich die Ereignisse schier zu überschlagen drohen und der Zuschauer sich schon ein wenig verloren fühlt in den Entwicklungen.

Zudem endet die Serie mit einer ganzen Flut an Cliffhangern und zeigt hier schon auf, dass die Story von „Into the Badlands“ bei weitem nicht auserzählt ist. Man spürt an allen Ecken und Enden ein enormes Potential, das hoffentlich allsbald ans Licht befördert wird. Apropos Licht: Die Macher tauchen ihre Serie überwiegend in ein bräunlich-gelbliches Licht, schrauben an den Kontrasten und setzen immer mal wieder auch komplementärfarbene Lichtspiele ein, um „Into the Badlands“ einen gelungenen, unwirklichen, leicht comichaften Anstrich zu verleihen. Was freilich vor allem in den Actionszenen Sinn macht.

Into the Badlands

Ein absolutes Highlight der Serie: Die Witwe!

Hier atmet die Serie eine unerhörte Dynamik. Verantwortlich für deren Umsetzung war Stephen Fung („Tai Chi Zero“), der gemeinsam mit Hauptdarsteller Daniel Wu die Serie auch mit produziert. Er entwarf brillante Choreografien für die Fights, die er als Action-Regisseur mit sicherem Auge für spektakuläre Momente einfing. Hier wackelt keine Kamera und dürfen die Fähigkeiten der Darsteller in Totalen richtig atmen. Zudem geraten die Martial-Arts-Einlagen nicht zu eintönig, da Fung immer und immer wieder die Settings variiert, in denen die Kampfeinlagen steigen, seine Protagonisten mal mit Waffen und mal ohne kämpfen lässt und mal das Tänzerische der Choreografien betont und mal das Blutig/Brutale.

Letzteres besorgten unter anderem die Mannen von der legendären KNB EFX GROUP („From Dusk Till Dawn“), die in einigen Fights fontänenartige Blutschwälle in Richtung Publikum spritzen lassen. Abgehackte Körperteile und blutige Fleischwunden inklusive. Leider setzte man nicht durchweg auf Handwerkskunst. So mischen sich immer wieder auch CGI-Blutspritzer unter, die aber überzeugend umgesetzt wurden und den comichaft überzogenen Gewaltgehalt der Serie ordentlich steigern.

Mit zunehmender Laufzeit nehmen auch die Wirework-Einlagen zu. Zudem findet vermehrt die Superpower von M.K. Einzug in die Serie, weshalb manche Kontrahenten schonmal meterweit durch die Luft geschleudert werden oder ganze Häuserwände durchbrechen. Den Hongkong-Fantasy-Fan stört das nicht weiter, den Otto-Normalseher könnte „Into the Badlands“ spätestens hier zu spinnert werden. Doch auch Actionfans müssen in den letzten beiden Episoden echt tapfer sein, denn hier finden sich im Vergleich zu den vorherigen Folgen keine richtigen Kracherfights mehr. Vor allem der Showdown zwischen Sunny und drei Priestern ist richtiggehend enttäuschend geraten.

Into the Badlands

Sunny erklärt sich bereit, M.K. zu helfen, seine Superkräfte unter Kontrolle zu bekommen.

Gegeben wird Sunny von Hongkong-Star Daniel Wu („Naked Weapon“). Der immer verlässliche Mime macht als Superkiller Quinns einen starken Eindruck, wirkt physisch sehr präsent und legt seinen Helden angenehm altmodisch als schweigsamen Lonesome Wolf an. So wird er zum absoluten Ruhepol der Serie, ohne zur langweiligen Schlaftablette zu verkommen. Als sein Antagonist darf Marton Csokas („The Equalizer“) in der Rolle des Quinn ordentlich aufdrehen und mit jeder Pore Gefahr versprühen. Sein herrlich sinisterer Baron lehrt nicht nur den Protagonisten ordentlich das Fürchten. Highlight der ersten Staffel ist aber definitiv Emily Beecham („Hail, Caesar!“) als Witwe. Ihre Rolle ist angenehm ambivalent angelegt und jeder Auftritt der sexy Feministin ist eine einzige Schau! Gegen diese drei Schwergewichte wirken manche wichtige Nebenrollen leider etwas blass und nichtssagend. Vor allem die von Madeleine Mantock gespielte Veil verstört geradezu mit ihrer unemotionalen Art und ihrem ewig gleichen Gesichtsausdruck. Und auch Aramis Knight wirkt als M.K. doch extrem öde…

In kleineren Rollen gibt es Stephen Lang („Beyond Valkyrie“) und Kampfsport-Brecher Cung Le („Dragon Eyes“) zu sehen. Des Weiteren ist Lance Henriksen („Stung“) als undurchsichtiger Priester mit von der Partie. In den Episoden 5 und 6 wird er als Vater von Quinns Erstfrau Lydia eingeführt, darf aber nicht wirklich viel zu der ersten Staffel beitragen.

Into the Badlands

In “Into the Badlands” darf Style gerne mal über Substanz gehen.

„Into the Badlands“ hat eine Menge auf der Habenseite zu verbuchen: Zum einen wäre da der großartige retrofuturistische Look der Serie. Hier brausen schwere Harleys und Trucks mitten durch eine fantastische und detailreiche „Fackeln im Sturm“-Ausstattung. Lange, schwere Ledermäntel werden mit filigranen und edlen Kleidern im altmodischen Schnitt kontrastiert. Alte Herrenhäuser stehen neben Western-Städtchen und modernen Fabrikbauten. Inmitten dieser Melange steigen fantastische, brillant inszenierte, extrem blutige Martial-Arts-Fights und finstere Intrigen. Dazu kommen ein irres Erzähltempo, eine ordentliche Story und eine immer stimmige, atmosphärisch dichte Musikuntermalung (das Titelthema stammt von Linkin Parks Mike Shinoda!). Leider ist die erste Staffel mit gerade einmal sechs Episoden etwas kurzatmig konzipiert. Das bekommt man vor allem gegen Ende zu spüren, wenn ein ganzer Schwall an Cliffhangern vor allem eines offenbart: Dass man hier eher der Ouvertüre zu einer viel größeren Geschichte beiwohnte und weniger einer in sich schlüssigen ersten Staffel einer Serie. Zudem bleiben auch abseits der Cliffhanger einige Fragen mehr als offen. Das schürt die Spannung auf Staffel 2, lässt Staffel 1 aber auch ein bisschen unrund und vor allem unfertig wirken. Für Actionfans ist diese Serie aber definitiv eine Entdeckung wert!

7 von 10

Die deutsche DVD/Blu-ray zur Serie erscheint am 4. November 2016 von Universum Film und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Leider gibt es keinerlei Beigaben wie ein Making Of der Kampfszenen zu bewundern.

In diesem Sinne:
freeman

© aller Szenenbilder im Artikel: 2015 AMC Film Holdings LLC. Artwork and Supplementary Materials are TM, (R) and (c) 2015 AMC Network Entertainment LLC. All Rights Reserved.

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