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Jack Reacher

Originaltitel: Jack Reacher__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Christopher McQuarrie__Darsteller: Tom Cruise, Rosamund Pike, Robert Duvall, Jai Courtney, Richard Jenkins, Werner Herzog, James Martin Kelly, David Oyelowo, Alexia Fast, Michael Raymond-James u.a.
Jack Reacher

Tom Cruise als Jack Reacher im gleichnamigen Film.

Eine Stadt in Indiana. Vor dem stadteigenen Stadion gehen verschiedenste Menschen unterschiedlichsten Tätigkeiten nach. Manche joggen, andere sitzen auf Bänken und wieder andere gehen ihrer Arbeit nach. Die Sonne scheint. Ein idyllischer Tag, möchte man meinen. Doch wir beobachten diese Szenerie durch das Zielfernrohr eines Scharfschützen! Und da bricht auch schon der erste Schuss. Ein Mann auf einer Bank sackt leblos zusammen und fällt vornüber. Eine Frau beobachtet fassungslos das Geschehen, als der nächste Schuss bricht. Bevor die Frau auf den Boden fällt, ist sie bereits tot. Vier weitere Schüsse werden abgegeben und drei weitere Menschen getötet.

Die Polizei findet kurz darauf am Tatort hinreichend Indizien und belastende Beweise, um einen jungen Mann namens James Barr zu inhaftieren. Doch dieser gesteht nicht. Er verlangt auch keinen Anwalt. Stattdessen möchte er einen Mann namens Jack Reacher sprechen. Jack Reacher stellt sich als eine Art Phantom heraus. Ein hochdekorierter Veteran, der nach seinem Dienst für alle unauffindbar abtauchte und jedweden sozialen Radar unterflog. Den Cops wird schnell klar: Wenn dieser Mann nicht gefunden werden will, wird man ihn auch nicht finden. Just in diesem Moment steht Jack Reacher bei ihnen auf der Matte! Doch erstaunlicherweise will er Barr nicht herausboxen. Ganz im Gegenteil! Er will Barr unter die Erde bringen! Erst die Gespräche mit Barrs Verteidigerin Helen Rodin lassen Reacher von seinem Plan ablassen, kommen ihm doch allmählich Zweifel an der Schuld des Verdächtigen…

Jack Reacher

Tom Cruise als supercooler Jack Reacher

Was vielleicht aufgrund der Inhaltsangabe wie ein typisches Whodunit-Movie klingt, ist weit davon entfernt, sich allzu sehr dessen Handlungsingredienzien zu bedienen. Denn im Gegenteil zu Jack Reacher weiß der Zuschauer von Anbeginn an, wie es um die Schuld des Verdächtigen bestellt ist. “Jack Reacher” bezieht seine Spannung vielmehr aus den Ermittlungen Reachers, der sich mit größter Verbissenheit in den Fall kniet und dabei weder sich noch andere schont. Dabei spielt ziemlich bald die Schuld des Verdächtigen keine große Rolle mehr. Vielmehr rücken die Hintergründe der Tat immer mehr in den Fokus und das damit verwobene Personengeflecht bietet noch die eine oder andere hübsche Überraschung für Reacher und Zuschauer.

Du denkst, ich bin ein Held? Ich bin kein Held. Und das sollte dir Angst machen!

Die auf dem neunten Roman “Sniper” (One Shot) basierende Buchverfilmung „Jack Reacher“, die ganz offensichtlich ihrem Star Tom Cruise ein zweites Hitfranchise neben “Mission Impossible” bescheren soll, macht über ihre beachtliche Laufzeit von über zwei Stunden hinweg ordentlich Tempo und zehrt vor allem von der ausführlichen Charakterisierung ihres Helden Jack Reacher. Erschaffen von Lee Childs, der im Film ein Cameo als Cop absolviert, bringt es die Figur bereits auf 17 Bücher und gibt dem Begriff des Antihelden ordentlich Zucker. Was auch im vorliegenden Film hervorragend funktioniert und einen Charakter erschafft, dem man nur zu gerne durch die Fallstricke der Story folgt.

Dabei schreckt Regisseur Christopher McQuarrie auch nicht vor gewissen Pulp- oder Trash-Elementen zurück, die dem Film viel von seiner Schwere und seinem Ernst nehmen. Dazu gehören die teilweise grandios überzogene Coolness von Jack Reacher, der dem Begriff cool teils ganz neue Dimensionen verleiht – und dennoch nur Bus fährt -, und der ganze Gestus und Habitus von Werner Herzog als Gegenspieler “The Zec” verstärkt diesen Eindruck nur. Davon abgesehen ist “Jack Reacher” in erster Linie ein wundervoll geradliniger, fast schon altmodisch erzählter Thriller, der sich Zeit für seine Figuren nimmt und sich in Sachen Action erstaunlich zurückhält. Nur ganz selten wird es auf der Leinwand hektischer. Dann wird es allerdings auch sehr rabiat, denn in der Action arbeitet der Regisseur sehr direkt und realistisch. Hier dauert kein Fight länger als zwei Schläge und wenn doch, geraten die Kontrahenten durchaus an ihre körperlichen Grenzen. Genannt seien eine Schlägerei Reachers mit einer Handvoll junger Bäddies, die er äußerst rüde weich klopft, oder der harte Showdownfight. Ein weiteres Highlight ist eine nette Autoverfolgungsjagd, die wunderbar schräg – und irgendwie auch herrlich unlogisch – endet.

Jack Reacher

Der brachiale Endfight von Jack Reacher.

Doch gegen Ende lässt es sich der Filmdebütant Jack Reacher freilich nicht nehmen, auch mal den Prügel herauszuholen. Und so endet der Streifen in einem wirklich rabiaten Showdown, in dessen Verlauf vornehmlich die Großkaliber sprechen, auch wenn Jack selber nur mit einem mickrigen Messer unterwegs ist. Mehr brauchen echte Männer nicht. Trotzdem ist der Bleianteil in diesem Abschnitt enorm, nur der Bodycount bleibt eher verhalten. Dennoch brachte der waffenstarrende Showdown in “Jack Reacher” die produzierende Paramount dazu, die Filmpremiere in den USA zu verschieben. Der Pietät wegen, ereignete sich doch kurz vor der Premiere ein neuerliches Schulmassaker in Amerika. Da sich “Jack Reacher” weder über die Action noch über die Verherrlichung von Waffen definiert, geschweige denn Massaker gut heißt, kann man darüber – wie so oft, wenn es in den USA um waffenstarrende Gewalt geht – vortrefflich sinnieren.

Doch egal, Regisseur Christopher McQuarrie, der bereits bei “Operation Walküre” mit Tom Cruise kollaborierte, inszeniert seinen Film unaufgeregt und sehr geerdet. Dazu operiert er mit einer satten, erdigen Farbpalette und mischt immer ein paar rauere Elemente unter, um dem Film das Gelackte und Saubere zu nehmen, das vor allem seinem Star Tom Cruise nach Ansicht vieler nach wie vor anhaftet. Genau deshalb war die Wahl des Hauptdarstellers auch eine kleine Überraschung. Mehr noch, wenn man die Buchvorlage kennt, in der Reacher als Hüne beschrieben wird, knapp 2 Meter groß, mit blauen Augen und blonden Haaren. Da kommt einem nicht zwingend Tom Cruise als Idealbesetzung in den Sinn. Doch jener macht – im Übrigen mit dem Segen von Lee Child – das einzig Richtige: Er macht sich die Figur vollkommen zu eigen und lässt gar keine großen Fragen darüber aufkommen, ob er nun auf die Rolle passt oder nicht. Cruise dominiert ab seinen ersten Auftritt den Film und gibt ihn selbst in den Momenten mit Robert Duvall, den er ja aus “Tage des Donners” kennt und wo er große Probleme hatte, gegen dessen Charisma anzuspielen, nicht aus den Händen. Und auch Cruises Co-Stars um Rosamund Pike, Werner Herzog oder Richard Jenkins machen einen guten Job, um die Welt Reachers zum Leben zu erwecken. Auch wenn mir persönlich Frau Pike zu septisch ist und ich auf Werner Herzogs Spiel nicht wirklich klargekommen bin und mir einen besseren Bösewicht für Reachers Debüt gewünscht hätte. Einzig das Ende, dass der Film Herzog vorbehält, rockt brutal und erinnert in seiner Moral schwer an die Heldenepen der guten alten 80er Jahre.

Jack Reacher

Lonesome Wolf Jack kurvt durch eine coole Autoverfolgungsjagd.

Ein weiteres großes Lob gebührt Joe Kraemer, dem Soundtrackmaestro von “Jack Reacher”, der endlich mal wieder vornehmlich auf Bläser zurückgreift und einige herrliche Soundwälle errichtet, die mal gehörig Druck machen und dann wieder einzigartige Gänsehautmomente erst so richtig wirken lassen. Genannt sei die Szene, in der der Anschlag aus der Einleitung aus Sicht der Opfer gezeigt wird. Hier läuft der Score zu wahrer Größe auf und fühlt sich “Jack Reacher” gerade wegen der Musik herrlich altmodisch an.

Und altmodisch (und zwar im besten Sinne des Wortes gemeint) fühlt sich auch der ganze Film an. Geradlinig erzählt “Jack Reacher” seinen Stiefel herunter und obwohl man als Zuschauer weitaus mehr weiß als die Hauptfiguren, kommt der Fluss des Filmes niemals ins Stocken (allerdings hätte er durchaus ein wenig kompakter/kürzer sein dürfen). Dafür sorgt vor allem der charismatisch aufspielende Tom Cruise als wundervoll aus der Zeit gefallen wirkender Antiheld, der weder Smartphones, Computer oder sonstige moderne Errungenschaften braucht, um ein finsteres Komplott aufzudecken. Dass der analog aufgestellte Held dann papierne Aktenberge als simplen Schutz vor der Waffengewalt seiner Gegner nutzt, zeugt zusätzlich davon, dass “Jack Reacher” über einen wirklich gesunden Humor verfügt und sich niemals zu ernst nimmt. Die technische Umsetzung, die gediegene Inszenierung und der großartige Soundtrack runden ein wahrhaft gelungenes Debüt einer hoffentlich neuen Thrillerreihe ab.

Der Film ist ab 3. Januar in den deutschen Kinos zu sehen und dürfte mit einer FSK 16 Freigabe uncut durchgehen…

In diesem Sinne:
freeman



Jack Reacher

Rosamund Pike unterstützt Tom Cruise alias Jack Reacher

Tom Cruise ist mit seiner „Mission: Impossible“-Reihe bereits einer der Goldesel für Paramount, mit der Figur des Jack Reacher könnten er und das Studio bereits das zweite Franchise-Eisen im Feuer haben. Die ersten Minuten des Films kommen nicht nur ohne Jack Reacher, sondern auch ohne Dialog aus: Ein Scharfschütze bereitet sich vor, fährt mit einem Van in ein Parkhaus, bezieht mit einem Präzisionsgewehr Stellung. Von dort aus feuert er sechs Mal, tötet fünf Menschen und verschwindet vom Tatort. Eine Montage zeigt die Ermittlungen der Polizei, die anhand von Indizienbeweisen den ehemaligen Army-Scharfschützen James Barr (Joseph Sikora) verhaftet. Erst bei dessen Vernehmung werden Dialoge gesprochen, als wolle man die Fassungslosigkeit des anfänglichen Blutbades in Bilder fassen.

Barr verlangt während seiner Vernehmung nach einer Person namens Jack Reacher, wird auf dem Gefangenentransport anschließend ins Koma geprügelt. Jack Reacher (Tom Cruise), ein früherer Militärpolizist, ist seit zwei Jahren untergetaucht, erscheint allerdings von selbst, als er von der Tat hört, die man Barr vorwirft. Von Anfang an wird Reacher als asketischer Übermensch inszeniert: Seine Spur können die Behörden nicht finden, er muss selbst aufkreuzen, doch er kommt nur im Bus an, kauft Billigkleidung von der Stange, nur eine spartanische Garnitur, ehe er in ein billiges Motel eincheckt.

Von Barrs Anwältin, Helen Rodin (Rosamund Pike), wird Reacher überredet, die Ermittlungen zu führen, obwohl er selbst von Barrs Schuld überzeugt ist. Doch bald stößt er auf Unstimmigkeiten, die ihn zweifeln lassen…

Jack Reacher

Der fiese Killer?

„Jack Reacher“ ist zwar die erste Verfilmung eines Reacher-Romans, basiert jedoch auf dem neunten Buch aus Lee Childs Reihe, „One Shot“. Wie im Buch ist Reacher ein Übermensch, ein Supermann: Er muss sich keine Notizen machen, da sein Gehirn unglaublich scharf ist, er ist Scharfschütze, Nahkampfexperte und hervorragender Fahrer. Christopher McQuarrie greift diese Elemente auf und überhöht sie ironisch: Reacher bindet jedem auf die Nase, was er kann, er betritt kein Lokal, ohne dass sich nicht lauter weibliche Gäste bewundernd nach ihm umgucken – genau in dieser Steigerung liegt die Stärke des Films, die diesen übermächtigen, übermenschlichen Gerechtigkeitsfanatiker nicht nur erträglich, sondern auch irgendwie cool macht, einen modernen Pulp-Helden in einem modernen Pulp-Film.

Obwohl Reacher an Barrs Schuld glaubt (die Gründe hierfür werden später aufgedeckt), so ist er dermaßen hyperkorrekt, dass er es eben nicht bei seinem Glauben belassen kann, sondern Beweise braucht. Während dem Zuschauer früh enthüllt wird, dass Barr nicht der Schütze ist und dass es Hintermänner hinter der Tat gibt, so tut dies der Spannung wenig Abbruch: Das genaue Motiv der Tat erfährt man quasi zeitgleich mit den Protagonisten, offene Fragen zu bestimmten Details und möglichen Verrätern in den eigenen Reihen laden zum Mitraten ein. Punkte macht der Film auch durch Reachers konsequenten modus operandi, denn der Held nimmt die Formulierung „jemanden totschlagen“ noch wörtlich, wenn er einem Schergen androht: „I’m going to beat you to death with my own bare hands.“

Diese Drohung wird im famosen Endkampf auch in die Tat umgesetzt, wobei die Kampfszene nicht nur durch Körperlichkeit und Choreographie glänzt, sondern sogar noch realistischer als die Bourne-Filme oder „Taken“ daherkommt: Bereits nach den ersten Körpertreffern taumeln die Kämpfer vor Schmerz und halten sich den Rumpf, kämpfen aber gezwungenermaßen weiter. Die weitere Actionpalette umfasst weitere Nahkämpfe, ein paar Shoot-Outs (inklusive eines Sniper-Duells) und eine temporeiche Verfolgungsjagd in der Filmmitte. Zum reinen Actionreißer mutiert „Jack Reacher“ dennoch nicht, die Einlagen lockern den Thrillerplot eher auf.

Jack Reacher

Ein Mann, der keinen Widerspruch duldet … Jack Reacher.

Bei genauer Betrachtung fällt freilich auf, dass besagter Plot weniger komplex ist als „Jack Reacher“ vorgibt, und dass der Film vielleicht etwas kürzer und zackiger hätte ausfallen dürfen. Und so gelungen die ironische Darstellung Reachers stellenweise auch ist, gelegentlich wirkt die Figur etwas zu perfekt: Weniger durch ihre menschlichen Schattenseiten wie Rachsucht oder Überheblichkeit, sondern eher aufgrund ihrer professionellen Unfehlbarkeit und Unbesiegbarkeit.

Trotz aller Unkenrufe im Vorfeld, er sei eine Fehlbesetzung (der Jack Reacher der Bücher erinnert von der Beschreibung her eher an Dolph Lundgren), schlägt sich Tom Cruise in der Hauptrolle ziemlich gut, verkörpert den harten Hund trotz seiner Körpergröße durchaus glaubwürdig und mit Augenzwinkern. Rosamund Pike liefert eine solide Performance ab, bleibt aber etwas unterfordert, während in den Nebenrollen Gold zu finden ist: Richard Jenkins überzeugt als knurriger Staatsanwalt, Robert Duvall setzt Akzente als bärbeißiger Schießstandbetreiber, während der deutsche Regisseur Werner Herzog als russischer Schurke eine charismatische, aber auch leicht ironisch gezeichnete Fieslingsfigur abgibt (sein Englisch mit Akzent ist famos und passt wie die Faust aufs Auge). Jai Courtney als seine rechte Hand hat auch seine Momente, ist aber eben nur ein guter Bösewicht, kein ausgezeichneter.

So bleibt ein moderner Pulp-Film, der stets zwischen ironischer Überzeichnung (Hauptfigur) und Realismus (Endfight) schwankt. Christopher McQuarries Actionthriller hält den Plot vergleichsweise simpel und hat ein wenig mit seiner Lauflänge zu kämpfen, aber angesichts der knalligen Actionmomente, des lässigen Helden und der schnieken Inszenierung überzeugt der Film, der gern den Franchise-Auftakt im Kino markieren darf.

© Nils Bothmann (McClane)

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