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Jason Bourne

Originaltitel: Jason Bourne__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Paul Greengrass__Darsteller: Matt Damon, Alicia Vikander, Julia Stiles, Vincent Cassel, Tommy Lee Jones, Riz Ahmed, Neve Gachev, Alexander Cooper, Ato Essandoh, Stephen Kunken, Marla Aaron Wapner u.a.
Jason Bourne

“Jason Bourne” is back!

Jason Bourne ist untergetaucht. Lebt im tiefstem Europa ein Außenseiterleben. Bei Untergrundkämpfen verdient er sich das bisschen Geld, das er zum Leben braucht. Er wirkt apathisch, abgekämpft und ausgebrannt. Ab und an scheint er den ihm im Kampf widerfahrenden Schmerz förmlich herbei zu sehnen. Als müsse dieser ihn daran erinnern, dass er überhaupt noch lebendig ist. Eines Tages nimmt Hackerin Nicky Parsons mit ihm Kontakt auf. Sie hat die CIA gehackt und hochbrisante Akten der verschiedensten Projekte des Geheimdienstes gestohlen. Darunter auch alle Informationen zu Treadstone und Jasons Vorgeschichte.

Viel wichtiger jedoch ist, dass der Chef der CIA ein neues Projekt angeschoben hat. „Iron Hand“ soll neue Agenten vom Schlage eines Jason Bourne hervorbringen. Eine Social-Media-Plattform soll bei den geplanten Vorgängen eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Diese könnte die CIA nebenbei auch noch für die ultimative Überwachung aller eingeloggten und nicht eingeloggten Menschen nutzen.

Natürlich muss Jason genau das irgendwie verhindern. Nebenher tobt in der CIA-Führungsspitze ein unausgesprochener Machtkampf. Und damit Bourne auch mal die Fäuste fliegen lassen kann, wird noch ein Killer installiert, mit dem ihn eine persönliche Vendetta verbindet…

Viel Neues ist den Machern von „Jason Bourne“ für den neuen Teil des Amnesie-Agenten-Franchises nicht eingefallen. Die interessantesten Momente hat der Film dann, wenn er die aktuelle Paranoia vor der Komplettüberwachung aufgreift, einen Julian-Assange-Typen sowie einen Mark-Zuckerberg-Wannabe lanciert, mehrmals den Namen Snowden fallen lässt und anhand der Arbeit der CIA aufzeigt, wie gläsern wir Menschen inzwischen wirklich schon geworden zu sein scheinen.

Ansonsten bleibt aber alles beim Alten. Und das derart konsequent, dass man sogar den Vorgängerfilm „Das Bourne Vermächtnis“ mit Jeremy Renner vollkommen ausblendet. Aus Treadstone wird einfach Iron Hand. Der Rest sind die üblichen Verwicklungen, Winkelzüge, Bauernopfer und Geheimdienstquerelen, wie man sie schon zur Genüge kennt. Wirklich spannend oder packend wird „Jason Bourne“ nie. Zwischen den aufwändigeren Actionmomenten wird es gar regelrecht langweilig, obwohl die dynamische Regie von Paul Greengrass darüber hinweg zu täuschen versucht.

Jason Bourne

Alicia Vikanders Figur will Bourne zurück zur CIA holen.

Das gelingt vor allem dann, wenn Greengrass zu Beginn und im Showdown richtig Action machen darf. In den ersten Minuten lässt er dazu eine Demo in Athen richtig aus dem Ruder laufen und bemüht neben einer coolen Motorradraserei und starken Stunts beinahe apokalyptische Bilder, um ein echtes Actioninferno zu entwickeln. Allerdings toppt der knallige Showdown auf den Straßen von Las Vegas die Einstiegsactionszene noch einmal mühelos. Der hier betriebene Aufwand ist enorm, die Verfolgungsjagd zwischen einem Swat-Gefährt und einem PKW einfach fettestes Spektakel und der erzeugte Blechschaden wird zwar wenig logisch, aber dafür höchst aufregend dargereicht.

Die bekannten musikalischen Themen der Franchise treiben diese Szenen zusätzlich an. Genau wie der bekannte, höchst dynamische Optikansatz des Regisseurs. Wer also die „Bourne“-Filme ob ihrer Wackelkamera verflucht, der wird auch nach diesem Film keinen Frieden mit Greengrass schließen. Die Kamera zoomt, wackelt, fliegt und zittert, dass sich jeder Schiffsschaukelbremser die Hände reibt. Die große Frage, die sich auch nicht so vehementen Kritikern der Shaky-Cam stellt: Warum gibt man Geld für aufwändige Action aus, wenn man davon letzten Endes kaum etwas erkennt?

Zudem hat Bourne an Härte verloren. Das vollkommen unblutige Spektakel lässt seine Hauptfigur nur selten körperlich werden. Und ist es dann endlich mal so weit, walzt der physisch sehr präsente Matt Damon alles binnen Sekundenbruchteilen platt. Nur sein langer Kampf gegen Vincent Cassels Killer ragt da ansatzweise ein wenig heraus, die Brachialität der Infights aus den vorherigen „Bourne“-Nummern kann aber auch dieser Moment nicht heraufbeschwören.

Jason Bourne

Matt Damons ärgster Feind in den Actionszenen: Die Wackelkamera, die ihn aus dem Fokus verliert.

Matt Damon („Elysium“) macht ansonsten auch abseits der Action eine gute Figur. Auch wenn man das Gefühl nicht los wird, dass man seine Verfolger doch wesentlich häufiger zu sehen bekommt. Die sind mit dem angenehm lakonisch aufspielenden Tommy Lee Jones („Malavita“) und Alicia Vikander („Son of a Gun“) prominent besetzt, können allerdings beide kaum ein glaubwürdiges Profil entwickeln. Gerade die extrem fehlbesetzt wirkende Vikander starrt mehr auf irgendwelche Bildschirme als zu spielen und ist dabei auch noch Hort unzähliger Technik-Bla-Momente, die teilweise schon haarsträubend schwachsinnig sind. Da kommt Tommy Lee Jones als Hardliner deutlich besser weg.

Nicky Parsons wird erneut von Julia Stiles (in allen Matt Damon Bournes an Bord) gegeben, bleibt aber leider auf ihre katalytische Wirkung beim Anschieben der Story beschränkt. Deutlich häufiger hätte auch Vincent Cassel („Der Pakt der Wölfe“) als Actionman auftreten dürfen. Der französische Superstar ist beständig in Bewegung und immer da, wo es brennt. Unklar ist eigentlich nur, wieso er alles und jeden absolut folgenlos umnieten darf.

Jason Bourne

Coole Sau: Vincent Cassel hat als Killer Asset coole Momente.

Aber nach Motiven sollte man bei diesem Film eh nicht wirklich fragen. Wozu „Iron Hand“ gebraucht wird, wird nie wirklich klar. Ob Tommy Lee Jones’ Figur auf eigene Faust agiert oder im Auftrag von übergeordneten Stellen, bleibt ebenfalls ein einziges Rätsel. Was das Drehbuch nun wirklich mit Alicia Vikanders Figur vorhatte, konnte ich mir auch dank des finalen „Gags“ nicht wirklich erklären. Und die familiären Bande Bournes und deren Verstrickung in die gesamte Story verlaufen irgendwo im Nichts. Mag sein, dass man sich hier Türen für weitere Filme offen halten will, ob die aufgrund dieser „Geheimnisse“ aber funktionieren werden, wage ich mal zu bezweifeln.

Am Ende ist „Jason Bourne“ ein erstaunlich simpler Thriller geworden. Die Ausgangslage wird installiert, daran arbeiten sich alle Charaktere ab und ohne irgendwelche Überraschungen, Twists oder sonstige dramaturgisch wohltuende Schlenker kommt man zu einem absolut vorhersehbaren, generischen Finale. Das klingt auf dem Papier angenehm geradlinig, ist auf 125 Minuten Lauflänge verteilt aber wenig spannend und schon gar nicht mitreißend geraten. Ordentlich Leerlauf inklusive. Ebenso überraschungsfrei, aber zumindest technisch auf höchstem Niveau ist die technische Umsetzung des Ganzen. Greengrass inszeniert dynamisch, schnell geschnitten und täuscht auch da Tempo vor, wo manchmal gar keines ist. Darstellerisch gibt es an dem Film auch nicht viel zu mäkeln und die beiden großen Actioneinlagen des Streifens sind schon echte Bringer. Doch auch diese werden manchem Filmfan aufgrund ihrer Umsetzung extrem quer einfahren. Im Grunde fühlt man sich am Ende des Filmes genauso, wie Matt Damon seinen Jason Bourne zu Beginn des Actionthrillers anlegt: Abgekämpft, müde, ausgebrannt. Kurzum: Die Luft ist raus…

5 von 10

Jason Bourne ist seit dem 11. August in den deutschen Kinos zu sehen. Er kommt von Universal Pictures und ist mit einer erstaunlich hoch angesetzten FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Universal Pictures__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab dem 11. August in den deutschen Kinos

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