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John Wick: Kapitel 3

Originaltitel: John Wick: Chapter 3 – Parabellum__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Chad Stahelski__Darsteller: Keanu Reeves, Halle Berry, Laurence Fishburne, Mark Dacascos, Asia Kate Dillon, Lance Reddick, Anjelica Huston, Ian McShane, Saïd Taghmaoui, Robin Lord Taylor, Tiger Chen, Yayan Ruhian, Cecep Arif Rahman u.a.
John Wick: Kapitel 3 deutsches Kinoplakat

“John Wick: Kapitel 3” mit Keanu Reeves und Mark Dacascos sollte jedem Actionfan munden.

In „John Wick“ verlor der gleichnamige Superkiller zunächst seine geliebte Frau, wegen der er vor kurzem in den Ruhestand getreten war, durch einen Schicksalsschlag. Russische Gangster meinten daraufhin, seinen Hund töten und seinen Wagen klauen zu müssen. Beides verband John Wick mit Erinnerungen an seine geliebte Frau. Wick ging daraufhin auf einen unvergleichlichen Rachefeldzug und räumte in der New Yorker Unterwelt auf.

Seinen Wagen holte er sich in „John Wick: Kapitel 2“ zurück und hoffte daraufhin, endlich seinen Ruhestand genießen zu können. Doch da tauchte ein Schatten aus seiner Vergangenheit auf und verlangte die Einlösung eines Blutschwurs. Als John Wick ablehnte, zerstörte der Kerl Wicks Haus mit allen Erinnerungen an dessen geliebte Frau darin. Als er John Wick auch noch hinterging, hatte der die Schnauze voll und schaltete erneut in den „Rage-Modus“.

Hunderte tote Lumpen später hatte John Wick allerdings einen entscheidenden Fehler gemacht. Er hatte auf neutralem Boden, im Continental, dem Hotel seines Freundes Winston, jemanden getötet. Darauf steht der Ausschluss aus der Killergemeinde. Die „Hohe Kammer“, Aufsichtsorgan der Killerorganisation, erklärte John zum Excommunicado. Zum Vogelfreien. Und genau hier setzt „John Wick: Kapitel 3“, der im Englischen den schönen Beinamen „Parabellum“ (etwa: „Bereite den Krieg vor“) trägt, nahtlos ein.

John Wick hetzt durch die Nacht. Sein Freund Winston konnte ihm einen Vorsprung von einer Stunde gewähren, bevor er endgültig vogelfrei ist. Sein Verstand arbeitet fieberhaft. Er muss die Stunde nutzen, um seine nächsten Schritte zu planen. Denn gegen die Übermacht aller Killer weltweit, die alle scharf sind auf die 14 Millionen Kopfgeld, die auf John ausgeschrieben wurden, kann selbst er nicht ankommen.

Schnell erkennt er, dass er alte Gefallen einfordern muss. Auch ihm sind Killerkollegen in Form von Blutschwüren verpflichtet. Sie sollen ihm helfen, nach Casablanca zu kommen. Hier will John mit einem sogenannten Ältesten, welcher noch über der „Hohen Kammer“ steht, über einen Deal sprechen, der ihm vielleicht das Leben retten könnte. Derweil räumt die „Hohe Kammer“ in New York auf. Sowohl Winston als auch der Bowery King müssen sich dafür verantworten, dass sie John Wick geholfen haben. Das scharfe Schwert Zeros, ein ab und an leicht neben sich stehender Superkiller, schwebt fortan drohend über ihren Köpfen.

Schaut in “John Wick: Kapitel 3” mit Keanu Reeves und Mark Dacascos hinein

„John Wick: Kapitel 3“ schließt derart organisch an „John Wick: Kapitel 2“ an, dass direkt der Eindruck eines großen Filmes entsteht. Dabei treibt der Film die in den Teilen 1 und 2 entwickelte Geschichte konsequent voran und erweitert sie organisch um neue Handlungsmotive und neue Figuren. Auch die großartige Mythologie um die Parallelwelt der Killer wird mit immer neuen Informationen angereichert und mit dem Besuch des Ältesten in Marokko beinahe ins Märchenhafte überhöht. Auch wie die Organisation versucht, die Ereignisse aus „John Wick: Kapitel 2“ aus der Welt zu räumen, ist extrem faszinierend geraten. Dazu gibt es natürlich wieder neue Münzen und Insignien. Einfach stark.

Im Vergleich zum direkten Vorgänger wirkt „John Wick: Kapitel 3“ trotz längerer Laufzeit straffer und temporeicher. Was freilich direkt durch den gehetzten Einstieg und das danach nicht abreißen wollende Erzähltempo dick unterstrichen wird. Ganz nebenbei erhalten wir interessante Einblicke in die Anfänge John Wicks. Wir erfahren seinen wahren Namen, seine Nationalität und wieso er heute kann, was er so gut kann. Kurzum: Die Welt John Wicks wird immer lebendiger, immer weitreichender und immer faszinierender. Dennoch überhebt sich das Drehbuch zum Film nicht. Packt nicht zu viel hinein, sondern spart sich spürbar immer noch weitere Ideen für einen in „Parabellum“ bereits angedeuteten 4. Teil auf.

John Wick: Kapitel 3 mit Keanu Reeves als Killer

John Wick steckt zu Beginn von Kapitel 3 mehr als in der Klemme.

Und wo wir gerade am Schwärmen sind, kommen wir zur Action. Die kann einfach nur als absolut gelungen bezeichnet werden. Regisseur Chad Stahelski gelingt es scheinbar spielend, jeder Actionszene mindestens einen wirklich genialen „Wow-Moment“ zu verpassen. So muss John Wick direkt zu Beginn in einer engen Bibliothek gegen den riesigen Basketballer Boban Marjanovic ran. Der Fight gibt in seiner knüppelharten Grundattitüde den weiteren Ton der folgenden Action gut vor. Zumal versehen mit derberen Nicklichkeiten.

So wird in der direkt folgenden Konfrontation Wicks mit mehreren chinesischen Killern ein Auge in Großaufnahme so ekelhaft langsam mit einem Messer ausgestochen, dass es einem eiskalt den Rücken runterläuft. Allgemein atmet gerade diese Actionszene in einem Waffenmuseum voller Hieb- und Stichwaffen eine derbe Härte. Danach erledigt John Wick einige Killer mit einem Pferd als Waffe(!!!), um nur kurz darauf auf einem Pferd reitend, diverse Motorrad-Killer auszuschalten und dabei wiederum Szenen zu liefern, die man so noch nie gesehen hat.

John Wick: Kapitel 3 mit Keanu Reeves und Anjelica Huston

Anjelica Hustons Figur ist John Wick einen Gefallen schuldig.

Apropos Action mit Tieren: Wenn John Wick schonmal in Marokko ist, kann er hier ja auch ein paar Killer killen. Allerdings rückt in der ausladenden, bodycountintensiven Szene Keanu Reeves zugunsten von Halle Berry und deren tierischen Begleitern einen kleinen Schritt in den Hintergrund. In der Actionszene beweist Halle Berry als Wicks Teilzeitverbündete Sofia, was in ihr steckt. Und obschon sich die Darstellerin hervorragend schlägt, sind es doch ihre beiden Hunde, die richtig einen raushauen.

Im Umfeld von John Wick werden ja gerne „Fu“-Begriffe gebildet. In der 1 kam zum „Kung Fu“ das „Gun Fu“ hinzu. In Teil 2 war es „Car Fu“. Und in Teil 3 kann man nun mit Fug und Recht von „Dog Fu“ sprechen, denn was die beiden abgerichteten Schäferhunde hier abbrennen, ist echt irre. Die Hunde reißen mit einer irren Vehemenz ihre Gegner um und zerfleischen sie. Häufig krachen sie mit angesprungenen Gegnern noch mehrere Meter irgendwo herunter. Und sie folgen bei ihren Bewegungsabläufen sichtlich einer Choreographie. Was sogar die Actionszenen der Hunde wie einen Tanz wirken lässt. Großartig.

John Wick: Kapitel 3 mit Keanu Reeves und Halle Berry sowie zwei Schäferhunden

“John Wick: Kapitel 3” bietet sogar “Dog Fu”! Ausgeführt von Halle Berrys und Keanu Reeves Begleitern.

Zurück in New York kracht es diverse Male eindrücklich. Etwa bei einem Schwertkampf auf Motorrädern, für den man sich sichtlich von „The Villainess“ inspirieren ließ. Das Highlight ist hier aber ganz klar der Showdown, der in mehreren Momenten wieder überdeutlich aufzeigt, was für einen Spaß die Macher bei der Konzeption von Actionszenen haben.

Alles beginnt damit, dass die Killerhorde in Reisebussen angeliefert wird! Zudem tragen sie alle eine Ganzkörperpanzerung, die John Wicks Waffen kaum zu durchdringen vermögen. Ergo muss der Killer immer und immer wieder auf die Gegner ballern, damit sie durch die kinetische Energie der Kugeln zu Boden gedrückt werden und da bleiben, bis Wick sich ihnen widmen kann. Etwa indem er die Visiere hochklappt und den Gegnern frontal ins Gesicht schießt. Diese irre Idee bringt eine ganz neue Dynamik in die Choreographie der Action und ist einfach nur begeisternd. Dass Wick irgendwann auf derbere Waffen zurückgreift, ist natürlich auch klar. Und so dürfen dann auch bald Köpfe platzen.

Die finalen Fights steigen dann in einem faszinierend designten Schauplatz. Dieser besteht aus derart krass polierten Glasscheiben, dass die Kontrahenten permanent Gefahr laufen, genau gegen eine dieser Scheiben zu rennen. Zudem knüppelt man sich natürlich bald gegenseitig durch die Scheiben, was für stylischen Glasbruch sorgt. Dabei darf Keanu Reeves zunächst gegen die The-Raid-Veteranen Yayan Ruhian und Cecep Arif Rahman ran. Ein fetter Fight. Der große Endfight gehört allerdings Mark Dacascos. Und wenn der am Ende feststellt, dass das gerade ein geiler Fight war, kann man einfach nur mit dem Kopf nicken.

Parabellum mit Laurence Fishburne und Ian McShane

The Bowery King und Winston geraten in Schwierigkeiten, weil sie John Wick geholfen haben.

Keanu Reeves („Replicas“) bewältigt die physischen Seiten seiner Rolle erneut genial. Sichtlich hat er wieder die meisten Stunts selbst erledigt. Auch die Rolle des stoischen Superkillers steht ihm inzwischen wie ein zweiter Anzug. Ian McShane („Hellboy – Call of Darkness“), Lance Reddick („The Domestics“) und Laurence Fishburne („Standoff“) nehmen ihre bereits etablierten Rollen wieder auf. Reddick und Fishburne dürfen dabei ihre Rollen deutlich vertiefen und ausbauen. Was „John Wick: Kapitel 3“ hervorragend steht.

Anjelica Huston, Asia Kate Dillon und Halle Berry („Kidnap“) fügen dem Killerkosmos von John Wick in Nebenrollen ein paar weibliche Farbtupfer hinzu. Huston hat eine schöne Szene mit Keanu Reeves und entführt in die Vergangenheit des Killers. Asia Kate Dillon darf der Hohen Kammer ein eiskaltes Gesicht verleihen. Und Halle Berry haut in Marokko auf den Putz.

Yayan Ruhian („The Raid“), Cecep Arif Rahman („The Raid 2“) und Tiger Chen („Triple Threat“) sind eher den Hardcore-Actionfans ein Begriff und bekommen in der Funktion jeweils einen eindrücklichen Fight zugestanden. Wobei man bei Tiger Chens Auftritt schon ganz genau hinschauen muss, um ihn nicht zu verpassen.

John Wick: Kapitel 3 mit Mark Dacascos als Zero

Marc Dacascos’ Killer Zero wird als Koch eingeführt.

Richtig viel Spaß macht derweil Mark Dacascos („Ultimate Justice“) als Superkiller Zero. Wie ich bei der Pressekonferenz zum Film erfragen konnte, war für dessen Rolle zunächst Hiroyuki Sanada („47 Ronin“) vorgesehen. Doch der verletzte sich im Vorfeld bei einem Training zu schwer, um noch im Film mitwirken zu können. Ursprünglich sollte seine Figur, dem Wesen des japanischen Darstellers entsprechend, sehr einsilbig und ruhig bedrohlich rüberkommen. Doch als Mark Dacascos übernahm, durfte er sich die Rolle zu eigen machen.

Und das hat ihm sichtlich Spaß gemacht. Mal eiskalt und brutal, mal fast schon kindischer „John Wick“-Fanboy. Mark schaltet mühelos zwischen den Polen hin und her und bringt durchaus auch Humor ins blutige Treiben. Zudem wird er ironischerweise als Koch eingeführt, eine schöne Referenz an seine TV-Aktivitäten in „Iron Chef“. Und der Mime darf auch ein paar für ihn ungewohnte Moves und Bewegungsabläufe präsentieren. Man kann echt nur hoffen, dass er und Stahelski (man kennt sich seit „Drive“) noch häufiger zusammenarbeiten.

Auch in technischer Hinsicht gibt es keinerlei Gründe zur Beschwerde. Der nachtschwarze Hochglanzlook der vorhergehenden Teile wird 1:1 weitergeführt. Der Abstecher nach Marokko bringt interessante Farbtupfer ins Spiel und hat mit der Wüste natürlich ein feines Setting aufzubieten. Die Action ist ideal bebildert. Die Kamera wackelt nicht, der Schnitt muss nichts vertuschen. Es gibt keine aus dem Film herausreißende CGI-Unfälle. Und unter den stylischen Bildern gibt es die bekannten „John Wick“-Musikthemen zu hören, die den Film gut vorantreiben.

“John Wick: Kapitel 3” liefert einfach mal richtig ab!

Kurzum: „John Wick: Kapitel 3“ sollte eigentlich jedem, der sich auch nur ansatzweise als Actionfan bezeichnet, ein fettes und vor allem zufriedenes Grinsen ins Gesicht zaubern. Denn die Action macht einfach nur Spaß. So richtig. Man spürt in jeder Szene, dass Stahelski und Reeves Elemente zeigen wollen, die man so in noch keinem Actionfilm zuvor gesehen hat. Dazu gesellen sich eine atemberaubende Choreographie, schweinecooles Waffen-Handling und eine durchaus beachtliche Brutalität, die dem Treiben auch noch gehörig Wucht mitgibt.

Schade ist eigentlich nur, dass Wicks Muscle-Car-Vorliebe nicht ausgespielt und beispielsweise in einer schönen Verfolgungsjagd zelebriert wird. Und der eine oder andere aufwändigere Moment fehlt leider auch. Sprich: Fette Explosionen oder Feuersbrünste – Fehlanzeige. Das ist aber wahrlich Meckern auf unfassbar hohem Niveau.

Doch nicht nur in der Action passt hier fast alles. Auch die Story wird ordentlich weiterentwickelt. Die Mythologie hinter der Geschichte plausibel weitergesponnen und die Figur des John Wick weiter mit Leben befüllt. Das Tempo ist hoch, das Spannungsniveau passt und die technische Umsetzung ist tadellos. „John Wick: Kapitel 4“ kann und sollte kommen. Teil drei zieht derweil für mein Dafürhalten mit Teil 1 gleich. Fettes Ding!

8
Mit starker Tendenz zu 9/10

In diesem Sinne:
freeman



Das Ende von „John Wick: Kapitel 2“ hatte bereits angedeutet, dass die Saga um den aus dem Ruhestand zurückgekehrten Profikiller weitergehen würde. „John Wick: Kapitel 3“ schließt dann auch tatsächlich direkt an die Fortsetzung an, quasi nahtlos an dessen letzte Szene.

John Wick: Kapitel 3

Contintental-Chef Winston (Ian McShane) gerät in Schwierigkeiten

Wir erinnern uns: John Wick (Keanu Reeves) tötete seinen Kontrahenten Santino D’Angelo auf dem Grund und Boden des Continental-Hotels, nachdem dieser gerade in die Hohe Kammer der Unterwelt aufgenommen wurde und dort Schutz suchte. Für diesen Regelbruch wurde er von ebenjenem Rat exkommuniziert, während sein alter Freund, der Continental-Chef Winston (Ian McShane), ihm immerhin eine Stunde Vorsprung verschaffen konnte. Während John also durchs nächtliche New York hetzt, ehe ein 14 Millionen Dollar schweres Kopfgeld in Kraft tritt, trifft er Vorbereitungen fürs Untertauchen, holt wichtige Utensilien aus Verstecken und darf sich direkt nach Ablauf der Gnadenfrist mit Ex-Kollegen schlagen, was zu einer mehrteiligen, bereits wahrhaft kreativen Auftaktactionsequenz führt, deren Highlight ein Kampf in einem Waffenlager ist, in dem sowohl Wick als auch seine Kontrahenten Unmengen von Messern, Dolchen und Äxten finden.

Doch die Flucht vertieft auch das Wordbuilding sowie die Charakterisierung von John selbst: Er sucht eine russische Mafiapatin (Anjelica Huston) auf, die für sein Training verantwortlich war. Noch heute werden junge Frauen dort im Ballett, junge Männer im Nahkampf unterrichtet. Man erfährt Johns ursprünglichen Namen und mehr über weitere Regeln und Zahlungsmittel der Unterwelt. Etwa ein Ticket in Form eines Rosenkranzes, das John einmalig einsetzen kann. Beim Ausbau der „John Wick“-Welt erhält Originalautor Derek Kolstad („The Package“) erstmals Unterstützung von den Kollegen Shay Hatten („Army of the Dead“), Chris Collins („Sons of Anarchy“) und Marc Abrams („Entourage“), doch tatsächlich fügt sich auch Teil 3 nahtlos in den Kosmos der bisherigen Filme ein.

John Wick: Kapitel 3

John Wick tritt in cool designten Räumlichkeiten gegen seine Gegner an

Während John alte Schulden eintreibt und sich auf den Weg nach Marokko auf die Suche nach dem Vorsitzenden der Hohen Kammer macht, erscheint eine Schiedsrichterin des Konzils (Asia Kate Dillon) in New York. Sie soll nicht nur John Wick, sondern alle, die ihn unterstützt haben, zur Rechenschaft ziehen. Zu diesem Zweck heuert sie den extrem gefährlichen Profikiller Zero (Mark Dacascos) an…

Im Vergleich zu den Vorgängern fügt „John Wick: Kapitel 3“ der comichaften Profikiller-Unterwelt nicht mehr so viel Neues hinzu, baut einzelne Aspekte aus und zeigt etwa die Continental-Filiale in Casablanca, aber kann auf gute Vorarbeit bauen. Auch wenn der Film es manchmal übertreibt: Zumindest das mit übertriebenem Mystik-Mumbo-Jumbo aufgeschäumte Treffen mit dem Ratsvorsitzenden in der Wüste wirkt bisweilen etwas albern. Dies gehört zu den kleineren Schwachpunkten des Films, ebenso wie Johns vorgetragene Motivation, dass er weiterleben wolle, um sich an seine verstorbene Frau erinnern zu können, was dann doch etwas dünn wirkt. Aber irgendwie muss der Actionmotor ja am Laufen gehalten werden und dafür reicht ein todessehnsüchtiger Killer ohne Ziel für eventuelle Rache eben nicht. John Wicks Rachlust könnte dafür in einem etwas überdeutlich angekündigten vierten Teil neue Nahrung bekommen.

John Wick: Kapitel 3

Continental-Concierge Charon (Lance Reddick) hilft John Wick aktiver als in den Vorgängern

Von diesen Schwächen aber einmal abgesehen liefert auch „John Wick: Kapitel 3“ wieder mächtig ab. Schon allein der erwähnte Auftakt pulverisiert mehr oder weniger alles, was seit Teil 2 an klassischer Action über die Leinwände flimmerte. Neben diversen kleineren Scharmützeln kleinerer Natur gehören zum Programm des dritten Teils: Ein aufwändiges Gefecht in Casablanca, bei dem die zwei hervorragend abgerichteten Schäferhunde von Ex-Killerkollegin Sofia (Halle Berry) zum Einsatz kommen, eine Motorradjagd inklusive Feuergefecht und Schwertkampf sowie der Showdown, der als eine Art „Assault on Precinct 13“-Version beginnt, ehe John dann aktiv gegen seine Gegner auf dem Gelände vorgeht. Dabei gibt es erneut atemberaubend choreographierte Fights und Shoot-Outs, für die erneut der erfahrene Stunt Coordinator und Fight Choreographer Jonathan Eusebio („Deadpool 2“) verantwortlich zeichnet. Wie gewohnt wechselt Wick nicht nur blitzschnell die Waffen, sondern switcht zwischen Feuergefecht und Nahkampf hin und her, benutzt selbst beim Grappling noch Schießprügel und ist auch bei Nachladeproblemen noch Herr der Lage. In den kreativen Kampfszenen werden Bücher, Gürtel und sogar Pferde zweckentfremdet, während die Gegner aufgerüstet haben: Einige Unterweltprofis tragen nicht nur kugelsichere Anzüge, sondern auch entsprechende Helme, was Johns Kreativität und Beharrlichkeit testet. Aber wo ein Wick ist, das ist auch ein Weg.

Dabei erweist sich „John Wick: Kapitel 3“ als zackiger One-Man-Army-Reißer, auch wenn John in einigen Szenen Schützenhilfe erhält – meist ist er aber auf sich allein gestellt. Die Nebenhandlungen um das Vorgehen der Hohen Kammer schmücken den Film aus, geben bekannten Nebenfiguren wie Winston, seinem Concierge Charon (Lance Reddick) oder dem Bettlerkönig (Laurence Fishburne) mehr Raum zur Entfaltung, doch es bleibt beim Feldzug John Wicks gegen einen übermächtigen Gegner. Das Tempo stimmt, die Action ist hervorragend verteilt, wobei neben den Einsätzen Johns auch ein paar Szenen vorkommen, in denen Zero und seine Gang wüten, was Regisseur Chad Stahelski Raum für Fights gibt, in denen sich Parteien mit mehreren Teilnehmern gegenseitig bekämpfen.

John Wick: Kapitel 3

Sein Weg führt John Wick bis nach Marokko

Vor allem hat auch „John Wick: Kapitel 3“ wieder mächtig Style, der sich erneut in den Locations und der Ausstattung niederschlägt. Größtes Highlight in dieser Hinsicht ist ein spezieller Gebäudeteil im Continental, dessen Wände und Decken aus Glas bestehen, damit niemand etwas verbergen kann, und der voller Vitrinen steht, in denen sich Glaskunstwerke (vor allem in Schädelform) befinden. Im nächtlichen New York regiert das elegante Neonlicht, während „John Wick: Kapitel 3“ wie sein direkter Vorgänger auf seinen eigenen Kunstcharakter nicht bloß im Arrangement seiner hoch stilisierten Actionszenen verweist: Fand in „John Wick: Kapitel 2“ noch eine Actionszene in einer Galerie statt, so sind es hier klassische Musik und Ballett, die vor allem im Versteck der russischen Gangsterchefin ein wichtiges Motiv darstellen.

Neben dem Style und den atemberaubenden, knüppelharten Actionszenen ist die Hauptattraktion von „John Wick: Kapitel 3“ mal wieder Keanu Reeves („Gefährliche Brandung“): Der Star hat sich die Rolle des gnadenlos coolen Profikillers inzwischen vollends zu eigen gemacht, spielt ihn mit Charisma und bestreitet seine Actionszenen selbst. Das tut auch Halle Berry („X-Men: Days of Future Past“) mit überraschend viel Elan, die zwar nur eine Nebenrolle hat, aber in der aber richtig Akzente setzt, wenn auch vor allem mit ihrem Körpereinsatz. Laurence Fishburne („Ant-Man and the Wasp“), Lance Reddick („The Guest“) und vor allem Ian McShane („Hercules“) gehen in ihren gewohnten Rollen auf und nutzen die erhöhte Screentime, während Anjelica Huston („The Player“) und Jason Mantzoukas („Sleeping With Other People“) in kleinen Parts Gutes leisten. Ebenfalls stark ist Mark Dacascos, der seinen Profikiller als elanvollen Mann anlegt, der sich als Fan seines Gegners outet und gerne mal die Lage kommentiert, ohne aber einfach zum doofen Sprücheklopfer zu werden: Zero bleibt durchweg ein Angstgegner. Schön, dass Hollywood Dacascos gewinnbringend einzusetzen weiß, auch wenn er dort trotz seiner populären Rollen in „Crying Freeman“, „Pakt der Wölfe“ und „Cradle 2 the Grave“ nie ganz Fuß fassen konnte. Die indonesischen Martial-Arts-Profis Cecep Arif Rahman („Star Wars: Das Erwachen der Macht“) und Yayan Ruhian („Beyond Skyline“) treten als Teil von Zeros Crew auf und langen ordentlich zu. Schwachstellen hat die Besetzung eigentlich nur zwei: Jerome Flynn („Game of Thrones“) gibt sich in seiner Nebenrolle dem Overacting hin, während Asia Kate Dillon („Orange is the New Black“) schon bald erhebliches Nervpotential entwickelt, was aber vielleicht auch am Drehbuch liegen kann. Denn die Schiedsrichterin ist in erster Linie ein ziemlich arrogante Nörgeltante und wirkt noch nicht einmal besonders bedrohlich oder charismatisch.

„John Wick: Kapitel 3“ hat kleinere Schönheitsfehler, darunter das etwas überdeutliche Anteasern der nächsten Fortsetzung und die Wüsten-Zusammenkunft in der Mitte des Films. Aber insgesamt ist der Film auf Augenhöhe mit seinen Vorgängern, liefert erneut ebenso famos choreographierte wie inszenierte Action ab, die durch immer wieder neue Einfälle ebenso wie kompromisslose Härte besticht. Der elegante Style, die faszinierende Unterweltmythologie und die fast durchweg tolle Besetzung des Films tragen ihr Übrigens zum Gelingen von „John Wick: Kapitel 3“ bei.

„John Wick: Kapitel 3“ startet am 23. Mai 2019 in den deutschen Kinos und kommt vom Concorde Filmverleih. Eine FSK 18 wurde aufgrund der gebotenen Härte vergeben.

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Copyright aller Filmbilder/Label: Concorde Filmverleih__Freigabe: ab 18__Geschnitten: ???__ Blu-ray/DVD: Nein/Nein, ab 23.5. in den deutschen Kinos

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