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Johnny Handsome – Der schöne Johnny

Originaltitel: Johnny Handsome__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1989__Regie: Walter Hill__Darsteller: Mickey Rourke, Ellen Barkin, Elizabeth McGovern, Morgan Freeman, Forest Whitaker, Lance Henriksen, Scott Wilson, Yvonne Bryceland, Jeffrey Meek, David Schramm, Peter Jason u.a.
Johnny Handsome

Mickey Rourke sucht Rache an Lance Henriksen und Ellen Barkin: „Johnny Handsome“ von Walter Hill

Für seine Gangsterballade „Johnny Handsome“ entschied sich Walter Hill zu einem interessanten Casting: Ausgerechnet Mickey Rourke, eines der Sexsymbole der 1980ers, sollte die Titelfigur darstellen, deren Name ursprünglich noch ironisch oder spöttisch gemeint ist.

John Sedley (Mickey Rourke) ist nämlich am Kopf missgebildet und wird daher nur Johnny Handsome oder Johnny, der Schöne, genannt. Doch trotz seines leicht monströsen Äußeren hat er das Herz am rechten Fleck, wie man schon in den ersten Minuten erfährt. Mit seinem alten Freund Mikey Chalmette (Scott Wilson), einem Fahrer und dem Gaunerpärchen Rafe Garrett (Lance Henriksen) und Sunny Boyd (Ellen Barkin) will man einen Juwelier ausräumen. Natürlich ist es die pure Loyalität dem in Geldnot steckenden Mikey gegenüber, die Johnny zu dem Coup treibt, denn anderweitig kann man seine Kooperation mit den totalen Arschlöchern Rafe und Sunny nicht erklären.

Doch nach diesem etwas klischeehaften Auftakt kommt es dann wie es kommen muss und das mit halbwegs ordentlichem Bumms: Der Überfall klappt, jedoch erschießt Rafe einen Kassierer, weil der den Alarm auslöst. Doch das ist noch nicht das Ende, denn Rafe und Sunny versuchen ihre Mitstreiter ebenfalls mit der Bleispritze loszuwerden – und haben außer bei Johnny auch Erfolg. Nichts Neues also, aber immerhin recht flott umgesetzt, wie man es bei Walter Hill beinahe schon erwartet.

Johnny wandert in den Bau, packt jedoch auch auf Drängen des Cops Drones (Morgan Freeman) nicht aus. Stattdessen sitzt er seine Strafe ab und erhält nach einem Anschlag auf sein Leben sogar die Chance mit einem wiederhergestellten Gesicht neu anzufangen. Johnny tut dies, doch die alten Schulden von Rafe und Sunny sind nicht vergessen…

Johnny Handsome

Nach der OP macht Johnny Handsome (Mickey Rourke) seinem Spitznamen tatsächlich Ehre

Doch darauf artet „Johnny Handsome“ nicht in einem Rachefeldzug Marke „The Punisher“ aus, sondern schlägt weiterhin leise Töne an. Die wenigen, weiteren Actionszenen (ein weiterer Raub sowie der kurze Showdown) sind dafür ebenfalls gut inszeniert, denn gerade beim zweiten Raub treibt Hill das Adrenalin noch mal so richtig in die Höhe. Leider ist die Menge etwas zu gering, um „Johnny Handsome“ mit Hill-Werken wie „Red Heat“, „Ausgelöscht“ oder „The Warriors“ gleichzusetzen.

Leider ist auch der Plot nicht unbedingt ein Ausbund an Innovation, denn derartige Geschichten von der späten Rache gibt es nun mal wie Sand am Meer. Der Kniff mit dem neuen Gesicht liefert immerhin einen plausiblen Grund, warum Rafe und Sunny Johnny nicht mehr wieder erkennen und auch sonst bleibt die Geschichte wasserdicht, nur echte Aufregung sieht anders aus. Zu sehr nach Schema F läuft das Geschehen ab, bei dem allenfalls das recht ungewöhnliche Ende zu überraschen weiß, doch der Rest ist altbekannt.

Johnny Handsome

Das Gaunerpärchen Sunny (Ellen Barkin) und Rafe (Lance Henriksen)

Immerhin füllt „Johnny Handsome“ den Plot mit überraschend viel Tiefe, wenn Johnny mit seinem neuen Gesicht in die Welt entlassen wird und nun zumindest teilweise die Anerkennung findet, die ihm früher aufgrund seines Äußeren versagt blieb. Mit einer Mitarbeiterin seiner neuen Arbeitsstelle kann er anbandeln und findet nach Mikey den ersten Menschen, der ihm Gefühle entgegenbringt. Mit viel Feingefühl lässt Hill den Zuschauer an den Empfindungen der Hauptfigur teilhaben und hebt „Johnny Handsome“ auf diese Weise vom handelsüblichen Rachefilm auf die Ebene einer halbwegs gelungenen Gangsterballade

Ebenfalls eine große Freude ist das Spiel der ziemlich prominenten Besetzung: Mickey Rourke („Angel Heart“) bringt Johnny in jeder Situation glaubwürdig rüber, Lance Henriksen („Harte Ziele“) als Fiesling ist sowieso top und Ellen Barkin („Brooklyn’s Finest“) überrascht als extrem biestige Oberbitch. Größter Coup dürfte jedoch die Besetzung Morgan Freemans („…denn zum Küssen sind sie da“) sein, denn der sonstige Saubermann vom Dienst kommt hier als harter, desillusionierter Cop mit wenig Mitgefühl daher. Weniger schillernd und daher schnell vergessen sind Forest Whitaker („Bloodsport“) als mitfühlender Arzt und Elizabeth McGovern („Kampf der Titanen“) als Johnnys spätere Freundin.

So retten Besetzung und die richtige Portion Gefühl „Johnny Handsome“ letztendlich über den Durchschnitt, denn dem Plot mangelt es an Innovationen und die Action ist extrem dünn gesät.

Die deutsche DVD kommt von ehemals Kinowelt/Arthaus, jetzt Studiocanal, ist mit FSK 16 ungekürzt und bietet als Bonusmaterial lediglich den Trailer zum Film.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Kinowelt/Arthaus/Studiocanal__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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