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Jumanji – The Next Level

Originaltitel: Jumanji: The Next Level__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Jake Kasdan__Darsteller: Dwayne Johnson, Karen Gillan, Kevin Hart, Jack Black, Awkwafina, Danny Glover, Danny DeVito, Alex Wolff, Madison Iseman, Ser’Darius Blain, Morgan Turner, Colin Hanks, Nick Jonas, Rory McCann, John Ross Bowie, Bebe Neuwirth u.a.
Jumanji - The Next Level

Dwayne ‘The Rock’ Johnson und seine Truppe treten in “Jumanji – The Next Level” zur nächsten Partie an

Es begann 1981 mit Chris Van Allsburgs Jugendbuch „Jumanji“, das 14 Jahre später als Blockbusterverfilmung ein veritabler Erfolg wurde. Als weitere 22 Jahre später ein Nostalgie-Sequel erschien, hätte niemand damit gerechnet, dass „Jumanji – Willkommen im Dschungel“ ein ernsthafter Konkurrent für „Star Wars – Die letzten Jedi“ werden würde – aber es kam tatsächlich so. Kein Wunder, dass es bis zum nächsten Sequel, „Jumanji – The Next Level“, nur zwei Jahre dauerte.

Die offensichtlichste Herausforderung des dritten Teils besteht darin, dass die bekannten Figuren wiederkehren und man irgendwie erklären muss, warum sie das Game noch einmal spielen sollten. Die vier Youngster sind nun im College-Alter: Anthony ‘Fridge‘ Johnson (Ser’Darius Blain) ist immer noch der Sportheld, Bethany Walker (Madison Iseman) engagiert sich jetzt für Hilfsprojekte, während Martha Kaply (Morgan Turner) und Spencer Gilpin (Alex Wolff), das nerdige Außenseiterpärchen, das sich am Ende des Vorgängers fand, nicht mehr zusammen sind und auf getrennte Colleges gehen. Spencer fühlt sich in New York verloren und vom Pech verfolgt, weshalb es schmerzhaft ist, als ihn die anderen zu einem Get-Together in der alten Heimat in den Weihnachtsferien einladen. Dass Spencers Minderwertigkeitskomplexe nun die nächste Jumanji-Runde auslösen, ist ein kaum verschleierter Vorwand für das neueste Abenteuer, auch wenn das Script sich zumindest bemüht zu erklären, warum Spencer noch einmal dorthin zurückkehrt: Er möchte wieder wer sein, genauer gesagt sein Avatar, der Abenteurer Smolder Bravestone (Dwayne‘ The Rock‘ Johnson).

Weder die anderen drei noch Spencers Großvater Eddie (Danny DeVito), der sich nach einer Hüft-OP bei Spencers Mom auskuriert, bemerken, dass Spencer die zerstörte Konsole gerettet und nun im Keller repariert hat, doch sein Fehlen fällt ihnen auf. Im Keller finden sie das Jumanji-Game, während Eddie seinen alten Kumpel Milo Walker (Danny Glover) zu Gast hat, mit dem er sich einst zerstritt. Das Youngstertrio will derweil Spencer retten, doch durch eine Fehlfunktion der Konsole können sie keine Avatare auswählen und das Game sucht sich seine Spieler selbst aus.

So sind die Rollen neu verteilt, als Eddie, Milo, Martha und Fridge in den Körpern von Spencer, dem Zoologen Franklin ‘Mouse‘ Finbar (Kevin Hart), dem Kartographen Sheldon ’Shelly‘ Oberon (Jack Black) und der Killerin Ruby Roundhouse (Karen Gillan) landen, während Bethany zurückbleibt. Noch dazu hat sich das Spiel verändert und es gibt eine neue Mission, weshalb das Quartett bei seiner Suche nach Spencer nicht auf die Erfahrungen des Vorgängers bauen kann…

Jumanji - The Next Level

Getting the Band Back Together: Franklin ‘Mouse‘ Finbar (Kevin Hart), Smolder Bravestone (Dwayne ‘The Rock’ Johnson), Sheldon ’Shelly‘ Oberon (Jack Black) und Ruby Roundhouse (Karen Gillan)

„Jumanji – The Next Level“ teilt einen großen Pluspunkt des Vorgängers: Das Bodyswitch-Konzept, das Darsteller gegen den Strich agieren lässt, was vor allem Dwayne Johnson („Fighting with my Family“) und Kevin Hart („Fast & Furious: Hobbs & Shaw“) zugutekommt. Beide agieren hier als Rentner in den Körpern von Videospielavataren, der eine ein aggressiver Meckerpott, der andere ein Laberkopp, beide ohne Plan von Videospielen. Vor allem Kevin Harts Alter-Mann-Darbietung macht wesentlich mehr her als sein Gehampel im direkten Vorgänger. Jack Black („Der Staatsfeind Nr. 1“) und Karen Gillan („Stuber“) lassen ihre Rollen ähnlich gut wie im Vorgänger aufleben, Neuzugang Awkwafina („Crazy Rich Asians“) ist als neuer Avatar ganz okay. Dagegen sind die wiedervereinten Darsteller der Spieler außerhalb des Games wenig gefragt, trotz der bekannten Gesichter von Danny Glover („Death Race: Anarchy“) und Danny DeVito („Twins“). Colin Hanks („Untraceable“) schaut etwas länger als im Vorgänger vorbei, während Bebe Neuwirth („Teen Lover“) auf ganz amüsante Weise ihre Rolle aus dem Erstling in einem Gastauftritt ausleben lässt.

Jedoch scheint die Bodyswitch-Comedy dann auch die Hauptmotivation hinter dem Film gewesen zu sein, zumal es hier auch möglich ist, den Avatar während des Spiels zu tauschen, was den Darstellern noch mehr Möglichkeiten gibt. Erzählerisch kracht es dagegen noch deutlicher im Gebälk als schon im Vorgänger. Das fängt schon bei der eigentlichen In-Game-Mission an, bei der man erneut ein Artefakt aus den Händen eines Schurken zurückholen muss. Der heißt nun Jurgen the Brutal und wird von Rory McCann in einem Type-Casting als minimale Variation seiner „Game of Thrones“-Rolle gespielt (sogar das Outfit ist beinahe identisch). Und weil man schon so unoriginell war, wird sein Sprecher von John Ross Bowie verkörpert, als wäre dessen Barry Kripke vom „Big Bang Theory“-Set kurzerhand nach Jumanji gewechselt. Aber der egale Schurke hat wenig bis gar nichts zu tun, während die eh schon schwammige Levelstruktur des Vorgängers noch weiter aufgeweicht wird: Die ersten Levels (Wüste und Oase) sind nur kleine Intermezzi, danach steht man quasi schon vor Jurgens Festung, die mehr oder weniger in kleine Prüfungen unterteilt ist. Aber man merkt alldem an, dass es nur Mittel zum Zweck ist, dass der Mainplot bloß lästige Pflicht für die Drehbuchautoren Scott Rosenberg („Venom“), Jeff Pinkner („Der dunkle Turm“) und Jake Kasdan („Walk Hard“) war, wobei letzterer den Film erneut als Regisseur in Szene setzt.

Jumanji - The Next Level

Neuer Charakter freigespielt: Ming Fleetfoot (Awkwafina) ist jetzt mit dabei

Zudem kann „Jumanji – The Next Level“ nur schwer übertünchen, dass er auch auf der zweiten Ebene, nämlich jener der Figuren, wenig zu erzählen hat. Fridge und vor allem Bethany wirken wie Ballast aus dem Erstling, zumal sie keine Entwicklung durchmachen, nur die zerbrochene Beziehung von Martha und Spencer sowie das angeknackste Selbstwertgefühl von letzterem sind hier ein wirkliches Problem, das es zu beheben gilt. Deshalb sind nun auch noch Eddie und Milo an Bord, die mit ihrem Alter klarkommen und ihren Streit beilegen müssen, was aber weniger interessant ist als die „Breakfast Club“-mäßige Annäherung des Quartetts im Erstling. In einem Punkt bleibt „Jumanji – The Next Level“ seinen Vorgängern allerdings klar treu: Das Friede-Freude-Eierkuchen-Happy-End gibt es mit der Extraportion Zuckerguss und Zufriedenheit für alle, volle Kitschkraft voraus.

Immerhin ist der Humor phasenweise ganz amüsant, gerade wenn mit dem Game-Setting gespielt wird und/oder die Figuren neue Eigenschaften bzw. Schwächen haben. Natürlich werden die Vorgänger referenziert, um noch einmal die Nostalgiegefühle der Fans anzusprechen, etwa wenn man Mouse Kuchen anbietet oder Ruby eine Neuauflage ihres Dance Fightings vorführen darf. Natürlich ist das alles etwas weniger frisch als beim direkten Vorgänger, wobei „Jumanji – The Next Level“ von der erwähnten Komik durch das erweiterte Bodyswitch-Konzept profitiert.

Jumanji - The Next Level

Spencer Gilpin (Alex Wolff) mit seinem Großvater Eddie (Danny DeVito)

In Sachen Action bleibt man dem Rezept von „Jumanji – Willkommen im Dschungel“ treu: Zwar steht mit Bravestone ein Kratzprotz im Mittelpunkt, doch in erster Linie lassen die Rechner die Muskeln spielen, wenn es um die Set-Pieces geht. Die sind bunter Quatsch ohne jede Bodenhaftung, aber immerhin phasenweise kreativ angerührt, etwa wenn die Gruppe über sich bewegende Hängebrücken flüchten muss und dabei von einer riesigen Pavianhorde attackiert wird. Gelegentlich sind auch die Stuntleute gefragt, gerade bei einer mehr als brauchbar choreographierten Schlägerei mit Jurgens Schergen, in der vor allem Ruby zulangt. Ansonsten stehen unter anderem eine Strauß-Stampede und eine Szene auf dem Plan, der Bravestone die Gegner im Videospielstil meterweit fliegen lässt.

So ist „Jumanji – The Next Level“ eines dieser typischen Dwayne-Johnson-Vehikel der letzten Jahre: Der Charmebolzen steht im Mittelpunkt eines CGI-lastigen Actionfilms für die ganze Familie, dem es größtenteils an Ecken und Kanten mangelt und dessen Happy End wirklich nie in Frage steht. Hier profitiert er von einem gelungen Supportcast und der genüsslich ausgespielten Körpertauschkomik, dafür sind Story und Charaktere wesentlich egaler als beim direkten Vorgänger. „Jumanji – The Next Level“ ist ganz amüsant, aber auch profillos und schnell wieder vergessen – der bisher schwächste Beitrag zur Franchise.

Sony bringt „Jumanji – The Next Level“ ab dem 12. Dezember 2019 in die deutschen Kinos.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Sony__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 12.12.2019 in den deutschen Kinos

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