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Jumanji – Willkommen im Dschungel

Originaltitel: Jumanji: Welcome to the Jungle__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Jake Kasdan__Darsteller: Dwayne Johnson, Jack Black, Kevin Hart, Karen Gillan, Madison Iseman, Ser’Darius Blain, Morgan Turner, Nick Jonas, Bobby Cannavale u.a.
Jumanji - Willkommen im Dschungel deutsches Filmplakat

Dwayne Johnson, Jack Black, Kevin Hart und Karen Gillan erleben haarsträubende Abenteuer in “Jumanji – Willkommen im Dschungel”.

1995 brachte Joe Johnston („Jurassic Park 3“) den vor Special Effects überlaufenden Film “Jumanji” auf die großen Leinwände. Dieser basierte auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Chris Van Allsburg und zehrte ordentlich vom Ruhm des 1993 mit „Mrs. Doubtfire“ zum Superstar mutierten Hauptdarstellers Robin Williams. Erstaunlicherweise befand Hollywood den Kinoerfolg erst 22 Jahre später für würdig, eine Fortsetzung zu erfahren.

In dieser geraten vier Nachsitzer beim Verbüßen ihrer Strafe an eine zur Videokonsole mutierten Version des Brettspiels “Jumanji”. Als die vier das Spiel starten, ertönen die vom Original bekannten Buschtrommeln und unsere Helden werden wie einst Robin Williams’ Allan Parrish in die Welt von Jumanji gesaugt. Wie es sich für ein Videospiel gehört, schlüpfen die vier Nachsitzer in digitale Abbilder, Avatare, deren Fähigkeiten, Stärken und Schwächen sie übernehmen und zum Bestehen diverser Gefahren richtig kombinieren müssen.

Und das ist auch dringend notwendig, denn den vier Helden stehen unterschiedlich schwere Quests bevor, die sich wie die Level eines Videospiels anfühlen und jeweils mit verschiedenen Gegnern und Aufgaben aufwarten. Das Hauptziel besteht darin, einen von einem fiesen Oberlump gestohlenen Edelstein wiederzuerlangen und dorthin zurückzubringen, von wo er einst gestohlen wurde. Nur so sei der Fluch von Jumanji zu brechen und nur so sei es Spencer, Fridge, Bethany und Martha möglich, in ihre Welt zurückzukehren…

Schaut in den Abenteuerspaß “Jumanji” mit Dwayne Johnson hinein

Die Folge ist ein wildes Abenteuer, das die Story des 1995er Originals stark genug variiert, um als eigenständige Fortsetzung wahrgenommen zu werden. Eine Fortsetzung, die zum einen Allan Parish offensiv erwähnt und zum anderen aufzeigt, was der erlebt haben könnte, als er im Prolog zum 95er Original in das Brettspiel “Jumanji” gezogen wurde.

Dementsprechend bricht diesmal nicht der Dschungel in den Alltag einer amerikanischen Vorstadt, sondern vier Vorstädter landen in einer knallig bunten Dschungelwelt voller Gefahren und wilder Tiere. Die Idee um die Videospiel-Avatare, in die die vier Teenager schlüpfen, startet dann eine selbstironische Aneinanderreihung von Abenteuerszenarios, in denen vor allem Dwayne „The Rock“ Johnson („Baywatch“) und Jack Black („Year One“) zu punkten vermögen.

Jumanji - Willkommen im Dschungel alle Hauptdarsteller

Auch wenn sie nicht so aussehen: Eigentlich sind diese erwachsenen Abenteurer Teenager.

Wenn der schlaksige und wenig heldenhafte Spencer in den Körper Johnsons schlüpft, darf Johnson richtig aufdrehen. Wenn er beispielsweise seine eigenen Muskelberge bestaunt und diese als übernatürlich groß bezeichnet, sind ihm die Lacher ebenso gewiss, wie in den Momenten, in denen Johnson vollkommen mit seinem Heldenimage bricht und laut schreiend als erster vor Gefahren wegrennt.

Dem steht Jack Black in keiner Sekunde nach. Zwar wird er zugunsten The Rocks und Kevin Harts („Central Intelligence“) deutlich zurückgenommen, dennoch ist er in den Momenten, in denen er „It Girl“-Bethany in sich hat, einfach absolut großartig. Wenn er seinen Penis „entdeckt“, wegen den Temperaturen herumzickt, endlich bei Instagram posten will oder aus weiblicher Sicht erklärt, wie man flirtet, läuft “Jumanji” richtig rund und amüsiert gekonnt.

Da können Kevin Hart und Karen Gillan nicht mithalten. Beide haben großartige Szenen, keine Frage. Aber beide haben nichts, womit sie wirklich selbstironisch spielen könnten. Kein Image, keine „Markenwelt“. So wird Kevin Hart auf den nöligen Sidekick reduziert, der von allen als zu klein wahrgenommen wird, und Gillan latscht betont sexy durch den Dschungel und darf in der Action ein paar hübsche Kampfsportmoves zeigen. Nicht mehr, nicht weniger. In jedem Fall jedoch ist die Chemie zwischen den vier Stars als rundweg stimmig zu bezeichnen.

Jumanji - Willkommen im Dschungel Kevin Hart

Kevin Hart versucht einer Nashorn-Stampede zu entkommen. Lauf, Kevin! Lauf!

In Sachen Tempo kann man sich bei “Jumanji – Willkommen im Dschungel” nicht beschweren. Regisseur Jake Kasdan („Sex Tape“) hält das Abenteuer und seine Helden beständig in Bewegung. Lässt keinerlei Leerlauf aufkommen und hält sich nicht mit Emotionalitäten und dergleichen auf. Dennoch schafft er es, die Botschaften seines Filmes rund um Selbstvertrauen und des „Zu-sich-selbst-stehens“ gut rüberzubringen. Zahlreiche Wortwitze und kleinere, niemals überbordende Slapstickeinlagen sorgen für Lacher. Überdrehte Actionszenen für Eye Candy.

Die Action hat dabei durchweg einen übergroßen und künstlichen Einschlag: Da legen Helikopter unfassbare Flugmanöver hin, rasen wilde Nashorn-Stampedes durch den Dschungel, erinnern manche Konfrontationen an das Aufeinandertreffen von Cartoon-Figuren und fliegen von The Rock beschleunigte Gegner mal eben Hunderte Meter weit durch die Gegend. Vieles stammt dabei aus dem Rechner und trotzt jedweder Physik. Teilweise auch überdeutlich. Aufgrund der gesamten Ausgangssituation des Filmes und der Tatsache, dass die Helden eben in einem Videospiel agieren, wird das allerdings egalisiert. Und keine Sorge, die Effekte sehen richtig gut aus! Einzig ein paar Tiere aus dem Rechner schaffen es nicht aus dem Uncanny Valley. Wirken also seltsam künstlich…

Schade ist, dass die Bösewichter, angeführt von Bobby Cannavale („Ant-Man“), nie wirklich im Film ankommen. Man nimmt sie nicht als bedrohlich wahr und schreibt sie schnell als Kanonenfutter ab. Ihre Motive wirken nicht wirklich durchschaubar und insgesamt haben sie zu wenig Screentime, um die Spannungskurve des Filmes wirklich zu befeuern. Des Weiteren hätte man sich von den Dschungelszenarios gerne mehr schöne Aufnahmen gewünscht und auch die Musik hätte deutlich mehr rocken dürfen.

Jumanji - Willkommen im Dschungel Dwayne Johnson, Jack Black und Kevin Hart

Im Laufe des Filmes stößt ein Pilot (links) zur Heldenparty…

Zudem hätte man sich mehr Ideen wie jene rund um die videospieltypischen drei Leben der Hauptfiguren gewünscht. Die sorgen nämlich immer mal wieder für unvermutet zynische Komik-Einlagen, die dem Film richtig gut stehen.

Was am Ende bleibt, ist eine temporeiche und extrem unterhaltsame Abenteuer-Sause, die actionprall von einem optisch ansprechenden Setpiece zum nächsten rast, von topp aufgelegten Stars zusammengehalten wird und zwei Stunden Laufzeit wie im Fluge vergehen lässt. Dabei hebt sich “Jumanji – Willkommen im Dschungel” angenehm von seinem – schwächeren – Original ab, variiert dessen Story gelungen und topft es überzeugend in unsere Realität um (man denke als Negativbeispiel nur an die „Ring“-Reihe, die uns selbst in ihrem aktuellsten Erguss immer noch etwas von VHS-Kassetten erzählen will). Das größte Pfund der Actionkomödie aber ist Dwayne Johnson, der als zwischen Hysterie und purem Charisma changierender Held eine irre selbstironische Show abliefert, die dem ganzen Unterfangen ihren Stempel aufdrückt.

7 von 10

“Jumanji – Willkommen im Dschungel” ist seit dem 21. Dezember 2017 in den deutschen Kinos zu sehen, kommt von Sony Pictures und ist mit einer Freigabe ab 12 ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Sony Pictures__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 21.12.2017 in den Kinos

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