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Jungle Cruise

Originaltitel: Jungle Cruise__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2021__Regie: Jaume Collet-Serra__Darsteller: Dwayne Johnson, Emily Blunt, Edgar Ramírez, Jack Whitehall, Jesse Plemons, Paul Giamatti, Sulem Calderon, Andy Nyman, Veronica Falcón, David Lengel u.a.
Jungle Cruise mit Dwayne Johnson und Emily Blunt Poster

Dwayne Johnson aka The Rock macht eine gemütliche “Jungle Cruise”.

Seit 1955 ist „Jungle Cruise“ eine der Hauptattraktionen des kalifornischen Disneylands in Anaheim. Die Parkattraktion begeisterte die Besucher so sehr, dass sie in leicht abgewandelter Form auch in andere Disneylands aufgenommen wurde. Nach dem gewaltigen Erfolg des „Fluch der Karibik“-Franchises, das ja ebenfalls auf einer solchen Themenpark-Attraktion beruhte, war man sich bei Disney sicher, dass man auch die beliebte „Jungle Cruise“ erfolgreich für die große Leinwand adaptieren könne. Viel mehr als ein „Fluch der Karibik“-Wiedergänger ist dabei aber nicht herausgekommen.

Vor Hunderten Jahren brach der Konquistador Aguirre gen Amazonas auf, um ein Heilmittel für seine schwerkranke Tochter zu finden. Die Tränen des Mondes, Blüten eines extrem seltenen Baumes, sollten, richtig behandelt, seine Tochter retten können. Doch der Dschungel hatte etwas gegen die aggressiv agierenden Spanier um Aguirre und trieb sie ins Verderben. Einheimische retteten die nahezu toten Eindringlinge, die sich mit einem Gemetzel bedankten. Daraufhin sorgte der Dschungel erneut für ausgleichende Gerechtigkeit und in Verbindung mit einem mächtigen Fluch eines Indios wurden die Spanier Teil der einheimischen Flora und Fauna.

Jahrhunderte später tobt in Europa der erste Weltkrieg. Dem Chaos will Lily Houghton etwas entgegensetzen. Sie möchte die Tränen des Mondes finden und daraus ein Heilmittel für sämtliche Krankheiten dieser Welt gewinnen. Doch niemand außer ihr glaubt die Story um das Heilmittel. Da hilft ihr auch das scheinbar authentische Kartenmaterial wenig, das sie zuletzt aufgetrieben hat.

Wenigstens gelangt sie bei einem ihrer Raubzüge in den Besitz einer alten Pfeilspitze, die bei der Interpretation des Kartenmaterials unabdingbar ist und scheinbar den Weg zum Baum mit den magischen Blüten leitet. Doch um diesen zu erreichen, muss Engländerin Lily gen Brasilien reisen. Hier engagiert sie Skipper Frank, der den Amazonas wie seine Westentasche kennt. Ihnen immer auf den Fersen: Der fiese Deutsche Prinz Joachim, der mittels der Blüten auf einen deutschen Endsieg hofft. Zudem erweckt Joachim die Konquistadoren um Aguirre zu neuem Leben.

Schaut in den Abenteuerfilm mit Dwayne Johnson hinein

Was nach einer Menge Aufregung klingt, wird von Regisseur Jaume Collet-Serra („The Shallows“) betont ruhig und frei von zu viel Hektik im Stil alter Abenteuerfilme erzählt. Infolgedessen bekommen die wichtigsten Charaktere genug Raum, um sich zu entfalten, und der Zuschauer kann gut in die leider ein wenig zu beliebige Story um irgendwelche MacGuffin-Heilpflanzen eintauchen. Das gelingt vor allem aufgrund des netten Heldengespannes aus Frank und Lily ziemlich gut.

Hierzu muss man wissen, dass Walt Disney die Boote seiner „Jungle Cruise“ einst nach dem Vorbild des Bootes aus „African Queen“ designen ließ. In dem Abenteuerfilm kabbelten sich Humphrey Bogart und Katharine Hepburn durch die Handlung. Collet-Serra und das Drehbuch zu „Jungle Cruise“ referenzieren überdeutlich auf diesen Film und lassen nun auch The Rock (Frank) und Emily Blunt (Lily) humorig aneinandergeraten und stetig frotzelnd unüberwindbar scheinende Hindernisse bezwingen. Leider gerät der Humor dabei eher flach. Wie konsequent sich beispielsweise Dwayne Johnson („Fast & Furious: Hobbs & Shaw“) an dem Fakt abarbeiten muss, dass Blunts Charakter Hosen trägt, spricht dahingehend Bände.

Jungle Cruise mit The Rock

Das Posen hat The Rock nie verlernt.

Und trotzdem halten die beiden Darsteller den Film mühelos zusammen. Emily Blunt („A Quiet Place 2“) spielt The Rock einfach in jeder gemeinsamen Szene an die Wand, worauf der mit seinem entwaffnenden Charisma und seiner weithin bekannten Fähigkeit zur Selbstironie trefflich kontert. The Rock hat obendrein das große Glück, dass rund um seine Figur ein interessanter Twist gezündet wird. Der gibt der vor allem im Mittelteil etwas trutschig erzählten Story frischen Pepp.

Etwas verschenkt wirken die Fieswichter des Filmes. Jesse Plemons („Fear Itself: “The Sacrifice”“) etwa spielt herrlich überkandidelt den deutschen Widersacher Joachim, der im U-Boot den Amazonas entlang tuckert und teils fast schon zu souverän den Helden die Butter vom Brot klaut. Aber „Jungle Cruise“ macht viel zu wenig aus der Figur. Lässt sie nie Fahrt aufnehmen und installiert stattdessen ungelenk noch mehr Bösewichter.

Diese stammen samt und sonders aus dem Rechner: Die Konquistadoren, die zum Teil des Dschungels wurden. Einer – ein vollkommen verschenkter Edgar Ramirez als Aguirre („Point Break“) – besteht aus lauter Schlangen, ein anderer aus lauter Bienen, einer aus Matsch und einer aus dem Holz der Urwaldriesen. Diese Gestalten werden für interessante Actionszenen genutzt, dürfen wie Joachim aber keinerlei Bedrohlichkeit entwickeln und kommen leider viel zu selten zum Einsatz.

Jack Whitehall sorgt für Lacher in dem Disney-Abenteuer

Jack Whitehall (rechts) sorgt für den einen oder anderen witzigen Moment.

An Action gibt es in „Jungle Cruise“ einiges zu sehen. Etwa eine Verfolgungsjagd zwischen Skipper Franks altem Schiff und dem U-Boot von Joachim, bei der eine kleine Urwaldstadt in Flammen aufgehen darf. Immer wieder mal darf The Rock irgendwelche Fieswichte umpumpen. Eine Schifffahrt durch Stromschnellen darf bei einem solchen Film freilich auch nicht fehlen und bombt mal eben jedwede Grenzen der Physik aus dem Film. Und freilich müssen unsere Helden auch mal gegen die sich ständig verändernden Dschungelkonquistadoren ran und rennen auf gewaltigen Urwaldbäumen herum, krachen durch Blätter- und Astwerk und springen dem Tod nur knapp von der Schippe.

Was man dabei ein wenig vermisst, ist das Auge für die ganz großen Actionszenen. Irgendwie fehlt immer wieder das letzte Quäntchen an Gigantismus oder besonderen Bildern. Selbst der Showdown bleibt seltsam klein skaliert und bietet wenig Material, das in Erinnerung bleiben würde. Dafür stimmen die von ILM sowie Weta lancierten Bilder. Und auch der stark themenaffine Score von James Newton Howard verfängt sofort beim Zuschauer.

Emily Blunt und Dwayne Johnson in "Jungle Cruise"

Wer hat hier “African Queen” gesagt?

Abseits der Action inszeniert Collet-Serra sauber, auch wenn seinem Amazonas immer etwas Künstliches anhaftet. „Jungle Cruise“ macht nur selten den Eindruck, tatsächlich vor Ort gedreht worden zu sein. Alles wirkt ein wenig zu idyllisch und… ja… keimfrei. Was aber freilich auch zu dem ganzen Projekt passt, das Elemente wie Tropenkrankheiten, Hitze, Luftfeuchte, allzu ekliges Getier und die Gefahren des Amazonas reichlich konsequent ausblendet. Und bis auf Dauerschwitzer The Rock mag auch kein anderer Darsteller mal Wasser ausscheiden.

„Jungle Cruise“ tuckert etwas beliebig vor sich hin

Letzten Endes mutet „Jungle Cruise“ leider nur wenig eigenständig an. Disney reproduziert ein wenig zu beliebig das Erfolgsrezept von „Fluch der Karibik“: Ein paar exaltierte Figuren stolpern durch einen egalen Abenteuerplot, hauen sich zahllose Sprüche an den Kopf und kämpfen gegen fantasievoll entartete Fieswichte, bei denen die Prozessoren der Traumfabrik die Muskeln spielen lassen dürfen. Als frisches Element werden ein paar „African Queen“-Flair versprühende Momente untergemischt, die in ihrem Humor allerdings zu platt geraten sind.

Klingt jetzt vermutlich harscher, als es gedacht ist. Denn prinzipiell ist das Fluch-der-Karibik-Erfolgsrezept nun definitiv nicht das Verkehrteste. Im Vergleich zur Reproduktion in „Jungle Cruise“ wirkte es seinerzeit aber deutlich frischer.

Dennoch hat man mit „Jungle Cruise“ seinen Spaß. Die Paarung Dwayne Johnson und Emily Blunt funktioniert – bis auf die romantischen Einsprengsel, die man vor allem The Rock nicht abnimmt – gut, die erdig braune Optik passt, das Tempo ist hoch, einige erzählerische Schlenker passen, der Humor ist weitgehend sympathisch und ILM und Weta sorgen für tolle Amazonas-Impressionen und wunderbar surreale, leider unter Wert verkaufte, einige Horrormomente in den Film pumpende Fieswichter. Wieso dagegen die CGI-Großkatze im Film so unecht wirkt… man weiß es nicht.
6 von 10

Der Film ist seit dem 29. Juli 2021 in den deutschen Kinos zu sehen. „Jungle Cruise“ wird von Disney vertrieben und ist mit einer FSK 12 ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Disney__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, seit dem 29.07.2021 im Kino

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