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Jungle Force

Originaltitel: Eye of the Eagle__Herstellungsland: Deutschland, USA__Erscheinungsjahr: 1986__Regie: Cirio H. Santiago__Darsteller: Brett Baxter Clark, Robert Patrick, Ed Crick, William Steis, Cec Verrell, David Anderson, Tony Beso, Mel Davidson, Vic Diaz, Jerry Hart u.a.
Jungle Force

“Jungle Force” aka “Battlefield Vietnam” aka “Eye of the Eagle” und in allen drei Filmen spielt der Typ auf dem Cover NICHT mit.

Stellt euch einen Film über den Vietnamkrieg vor, der die Hintergründe des Stellvertreterkrieges aufrollt, anhand ambivalenter Figurenzeichnungen etwas Sozialkritik einbringt, mittels intensiver Actionszenen die feingliedrigen Naturstudien in den ruhigen Momenten konterkariert und dank hervorragender Darstellerleistungen den Zuschauer mitten ins Geschehen in dem heißen vietnamesischen Dschungel hineinzieht, der düster dampfend von ganz alleine eine bedrohliche Atmosphäre entwickelt. Habt ihr all das vor eurem inneren Auge visualisiert, wisst ihr ganz genau, was euch „Jungle Force“ garantiert nicht liefert. Und auch gar nicht liefern will, denn „Jungle Force“ will einfach nur blöde durchrocken und schafft das ziemlich gut.

Gleich zu Beginn soll eine dreiköpfige Spezialeinheit der Amis eine in Vietnam abgestürzte Hubschraubermannschaft aus der Scheiße boxen. In dem Prolog, in dem sich die drei Superhelden im Dienste der amerikanischen Flagge im coolen Waffenposing einen Schwanzvergleich liefern, wird einfach munter auf die Kacke gehauen. Ein paar tote Vietcongs hier, ein paar platzende Blutbeutel da und obendrauf Anzeichen, dass Panzerfäuste in diesem Film eine große Rolle spielen könnten. Kaum ist die Hubschrauberbesatzung gerettet, sollen die Mannen um Sergeant Stratton einen hochrangigen Vietcong ausschalten, der mit einem Zug durchs Landesinnere tuckert. Nachdem auch diese Episode beendet ist, steigt nach 40 Minuten Film die Haupthandlung. Diese berichtet von einem versprengten und verschollenen Kommando, das, aus Amerikanern und Vietcongs bestehend, seinen eigenen Krieg kämpft, um sich die Taschen voll zu stopfen. Dabei kennt das Kommando weder Freund noch Feind. Was natürlich unsere drei Superhelden auf den Plan ruft. Und die haben mit dem Anführer des Kommandos auch noch ein persönliches Hühnchen zu rupfen …

„Jungle Force“ ist einer dieser Filme, in dem die längsten Handlungsszenen in einem Strippschuppen spielen und selbst dabei unweigerlich in einer hanebüchen herbeigeführten, schlecht choreographierten Actionszene gipfeln. Dementsprechend viel Fleisch hat der Streifen auch auf den Rippen. Warum die Spezialeinheit hier gegen wen ins Feld zieht, ist dabei sowohl der Einheit als auch dem Zuschauer schneller egal, als der tote Vietcong vom Baum fallen kann. Die Charaktere des Filmes unterscheiden sich alleine durch ihre Frisuren und ihre Motive standen sicher auf irgendeiner Drehbuchseite, mit der sich der Regisseur am Set irgendwann beherzt den Arsch abgewischt hat. „Eye of the Eagle“, wie dieser Actiontrash im Original heißt und als solcher sogar Fortsetzungen nach sich zog (Teil zwei inszenierte Carl Franklin, später bekannt geworden mit „One False Move“ oder „Out of Time“), will einfach nur Tempo machen und Action pur bieten. Das geht in den ersten 50 Minuten auch durchaus auf, doch dann leistet sich der Film, sicher auch budgetbedingt, ein paar kleinere Tempohänger, die freilich umso mehr weh tun, dass da eben nichts ist, was von den Pacingproblemen ablenken könnte. Sogar die Strippschuppengirls behalten ihre Oberteile an…

Jungle Force

Die furiosen Drei …

Die Action im Film besteht fast vollständig aus Shootouts, die allerdings teils ziemlich mies inszeniert wurden. Meist funktionieren sie nach dem unblutigen „Peng, Peng, du bist tot“ Schema und präsentieren wundervoll kopflos durch die Gegend spurtende Kontrahenten, bei denen man irgendwann wirklich darauf wartet, dass sie sich gegenseitig über den Haufen rennen. Dementsprechend laufen die Actionszenen auch alle gleich ab. Eine Partei flieht hektisch vor der hektisch heranstürmenden anderen Partei und man bleibt kurz stehen, um zu ballern. Spektakuläre Szenen bleiben bis auf großformatig explodierende Strohhütten durchweg aus, dafür geht der Bodycount ordentlich nach oben. Die planlose Inszenierung der Action wird am besten offenbar bei den Explosionsszenen. Hier erkennt man immer wieder seltsame Jumpcuts, die für eigenartige Anschlussfehler sorgen und wirken, als sei man live dabei, wie die Hauptdarsteller durch durch die Gegend fliegende Stuntmen ausgetauscht werden. Das wäre bei einmaligen Auftreten sicher nicht schlimm, da die Figuren im Film aber die Panzerfaust wie eine Art Handfeuerwaffe mit sich herumschleppen und so alle Furzminute eine Explosion ihren Feuerball gen Himmel schickt, nerven die Editingprobleme des Filmes schon sehr. Zwischen den Ballereien und Explosionen setzt es auch immer wieder mal kleinere Keilereien, bei denen der Asiate im Spezialeinheitsteam schlecht choreographiert loskicken darf. Eine ganz übel beschleunigte Actionszene mit Motorrädern lässt gar Erinnerungen an die Schwarz-Weiß-Kurzfilme eines Charlie Chaplin aufkommen.

Die Darsteller des Filmes derweil als untalentiert zu bezeichnen, wäre definitiv geprahlt. Vor allem wenn der Hauptdarsteller des Streifens, ein Vokuhila tragender Typ namens Brett Clark, Emotionen aus seinem Gesicht pressen soll und es nach langem Kampf meist bei einem betroffenen Augenschließen belässt, kommt schon brutal viel unfreiwillige Komik auf, die durch die deutsche Synchronisation nur noch wildere Purzelbäume schlägt und in ihren besten Momenten an die berühmt berüchtigten Rainer Brandt Arbeiten erinnert. Andere Darsteller im Film rocken lieber mit wildem Overacting durch. Darunter auch ein blutjunger Robert Patrick (“Safe House“), der wie ein Duracell Hase auf Speed durch den Film wütet und seiner Figur als Heißsporn im Supersoldatenteam mal so richtig Zucker gibt. Vor allem in der Action ist er hechtend, rettend, hetzend richtig derbe präsent und macht meist beidhändig ballernd den Dschungel platt.

Jungle Force

Robert Patrick ballert, bis alle Rohre glühen!

Am interessantesten an dem Film ist aber eh sein Regisseur. Der Philippine Cirio H. Santiago begann in den 70ern Filme zu drehen und stach bald besonders dadurch hervor, vermehrt farbige Darsteller in starken Leading Roles zu casten. Darum gilt er heute als einer der Vorreiter und Wegbereiter der Blaxploitationwelle. Die 80er standen dann im Zeichen billiger Vietnamactioner wie eben die „Eye of the Eagle“ Reihe, die ihm den Spitznamen „Meister des Vietnam Actionfilmes“ einbrachte. In den 90ern machte er sich um die Weiterentwicklung der philippinischen Filmindustrie verdient, verlor aber bis zu seinem Tod im Jahre 2008 den billigen Actionfilm nie aus den Augen. So produzierte er auch die Mark Dacascos Streifen „Die Jagd auf Eagle One“ und „Die Jagd auf Eagle One: Crash Point“. Betrachtet man dann sein Portfolio etwas näher, fällt auf, dass er ähnlich den heute berühmt berüchtigten Enfant Terribles der Filmszene (Uwe Boll und Albert Pyun seien einmal stellvertretend genannt) immer mit den gleichen Darstellern und Crewmitgliedern arbeitete und er zwar offensichtlich wusste, was es brauchte, um Filme zu produzieren bzw. bezahlt zu kriegen, aber den Endergebnissen ging dann der letzte Funke Leidenschaft immer irgendwie ab. Dafür mischte sich immer wieder ein starker Hauch Dilettantismus unter.

So eben auch bei „Jungle Force“. Der poltert zwar von einer Actionszene zur nächsten, findet aber nie einen wirklichen Rhythmus. Die Figuren sind lachhaft, Spannung gibt es keine und die Dialoge sind so machomäßig wie blöd. Die Action ist lahm und uninspiriert, die Bebilderung teils echt amateurhaft und die ertönende Musik lässt einem die Ohren bluten. Zumindest aber hatte Robert Patrick sichtlich Spaß im philippinischen Dschungel und wirklich öde wird das trashige Gebräu auch nie … Also: Ansprüche runterschrauben, Bier auf und das Dauerfeuer genießen.

Die deutsche DVD ist mit einer FSK 18 Freigabe uncut, heißt „Battlefield Vietnam“ und kommt von dem Label KNM / Movie Power. Die Bild- und Tonqualität ist allenthalben auf VHS Niveau.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: KNM/Movie Power__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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