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Justice League

Originaltitel: Justice League__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Zack Snyder__Darsteller: Ben Affleck, Gal Gadot, Jason Momoa, Ezra Miller, Ray Fisher, Henry Cavill, Amy Adams, Diane Lane, Jeremy Irons, J.K. Simmons, Amber Heard, Billy Crudup, Connie Nielsen, Joe Morton u.a.
Justice League

Zack Snyder lässt die DC-Helden in “Justice League” gerudelt zur Weltenrettung antreten

Marvel hat nicht nur in Comicform sein Team-Up, auch in Filmform waren „The Avengers“ plus Fortsetzung Megahits. Kein Wunder, dass das DC Universe ebenfalls auf die Heldenzusammenkunft der Justice League setzte, deren filmische Umsetzung größtenteils von Zack Snyder („300“) betreut wurde. Nachdem dieser aus persönlichen Gründen eine Auszeit nahm, übernahm ausgerechnet „The Avengers“-Regisseur Joss Whedon die anberaumten Nachdrehs und den Endschnitt, weshalb er in den Credits auch als Co-Autor neben Chris Terrio („Argo“) angeführt wird.

Im Gegensatz zu Marvel hat bei diesem Team-Up kaum ein Held einen vorigen Solofilm absolviert, dafür schließt die Handlung relativ direkt an „Batman v Superman“ an. Superman (Henry Cavill) beguckt sich die Grasnarbe von unten, doch Bruce Wayne (Ben Affleck) alias Batman hat neue Hoffnung geschöpft und hat durch die Materialfunde aus dem Quasivorgänger bereits ein Auge auf weitere Helden. Da wäre Barry Allen (Ezra Miller) alias The Flash, der sich schnell wie der Blitz bewegen kann, der aus Atlantis stammende Arthur Curry (Jason Momoa) alias Aquaman, die bereits zuvor an Batmans Seite kämpfende Amazone Diana Prince (Gal Gadot) alias Wonder Woman und Victor Stone (Ray Fisher) alias Cyborg, über dessen Kräfte und Natur sein Name eigentlich alles aussagt. Jeden stellt „Justice League“ in kurzen Szenen vor, die alle löcherig genug sind um diverse Einzelfilme anzuteasern; ein Problem, das viele Superheldenfilme haben, aber “Justice League” gehört zu denen, die es am weitesten treiben.

Batmans Verdächtigungen bestätigen sich bald. Nicht nur, dass Paradämonen genannte Flügelmänner auftauchen und von Angst magisch angezogen werden, bald darauf materialisiert sich auch der gehörnte Übelwicht Steppenwolf, der auf der Suche nach drei sogenannten Mutterboxen ist, von denen er eine aus den Händen der Amazonen auf Themyscira erobert, was auch Wonder Woman, die Batmans Misstrauen zuvor nicht teilte, auf den Plan ruft. Und so sehr man Snyders Einfluss auf „Wonder Woman“ merkte, so fallen bei der Inszenierung dann doch die Unterschiede zwischen ihm und Patty Jenkins auf: Hier sind tote Amazonen nur Randerscheinungen, keine großen Tragödien, und Aufnahmen von Dianas Hintern verkniff sich Jenkins auch.

Also rekrutieren Bruce und Diana nach und nach die potentiellen Mitglieder, von denen nicht alle gleich willig sind: Aquaman greift erst ein, als Steppenwolf die zweite Mutterbox aus Atlantis stiehlt, Cyborg hält sich für eine Abnormität, die lieber nicht existieren sollte. Da Steppenwolf nach dem Fund der dritten Mutterbox die drei Artefakte jedoch vereinen und damit das Ende der Welt herbeiführen könnte, rauft man sich zusammen…

Justice League

Flash (Ezra Miller), Batman (Ben Affleck) und Wonder Woman (Gal Gadot) treten freiwillig zur Weltenrettung an

Man fragt sich, ob manche Ähnlichkeit zu Marvels Filmuniversum auf die Comicvorlagen zurückgeht (da waren die beiden Verlage nie Kinder von Traurigkeit, wenn es darum ging ikonische Figuren der Konkurrenz zu imitieren) oder Ideenklau ist: Flash als Sprücheklopfer-Jungspund hat etwas von Spider-Man, während Aquaman als grimmig-ungestümer Königssohn, der mit der modernen Welt nicht ganz kompatibel ist, stark an Thor erinnert. Was der Justice League im Gegensatz zu den Avengers fehlt, das ist das austarierte Zusammenspiel. Viel zu selten entwickeln die Figuren Chemie miteinander, egal ob Diana damit ringt eine Führungsrolle in der Justice League zu übernehmen oder Cyborg davon überzeugt werden muss, dass er mehr als nur ein Freak, mehr als nur das Resultat des Unfalltodes von Victor Stone plus anschließender Wiederbelebung durch den Tüftlerpapi ist. Diese und andere Subplots verlaufen immer wieder schnell im Sande, haben null Nachhall und wirken eher als Ballast denn als Bereicherung.

Das mag auch an der Tatsache liegen, dass viele der Helden nicht zuvor etabliert worden sind und man sich manche Frage für später, also wahrscheinlich für Solofilme, aufspart: Welche Ereignisse führten zum Bruch von Aquaman und seiner Königsfamilie? Warum sitzt Barry Allens Vater Henry (Billy Crudup) im Knast und warum ist Barry von dessen Unschuld überzeugt? So kann der Film die Zuschauer kaum an die Figuren binden, zumal ja auch noch die Mainstory erzählt und die Bedrohung eingeführt werden muss, bei der es aber auch hapert. Steppenwolf ist der Gesandte seines Onkels Darkseid, der noch viel böser ist und eventuell mal die Erde angreifen wird (also das Äquivalent zu Thanos aus dem MCU darstellt), und spricht mit seiner in einer Säule befindlichen Mutter, über die man exakt gar nichts erfährt. Auch die Mutterboxen bleiben bloße MacGuffins, sodass Steppenwolf nur einer von vielen profillosen Blockbusterschurken ist, die mal wieder die Erde unterjochen oder zerstören wollen. Die Paradämonen an seiner Seite sind ebenso profilloses Prügelfutter, damit die Helden sich nicht immer nur mit Steppenwolf kloppen müssen.

Justice League

Aquaman (Jason Momoa) braucht etwas länger mit dem Beitreten zur Justice League

Und das machen sie immer noch oft genug, worin ein weiteres Problem von “Justice League” liegt: Nach „Man of Steel“ und „Batman v Superman“ gibt es jetzt zum dritten Mal die ewig gleiche Superwesen-dreschen-sich-gegenseitig-durch-die-Wände-schlittern-über-den-Boden-und-greifen-wieder-an-Routine von Snyder, was schon arg anödet. Hin und wieder sind da kleine nette und kreative Einfälle dabei, meist mit Aquaman (der Unterwasserkampf oder das Surfen auf dem erlegten Paradämon) oder die (ein wenig von den Quicksilver-Sequenzen aus „X-Men: Days of Future Past“ und „X-Men: Apocalypse“ inspirierten) Einsätze von Flash, aber in Sachen Action ist der Film meist routiniert bis lau – kein Vergleich etwa zum Kampf auf der Amazoneninsel in „Wonder Woman“ oder der Splash-Panel-Sequenz aus „Captain America: Civil War“. Oder die Kreativität geht in die falsche Richtung, etwa wenn die Balgerei um die Mutterbox auf Themyscira eher wie ein bizarres Polospiel denn wie ein lebensbedrohlicher Kampf anmutet. Überraschend schwach sind dabei auch manche CGI-Effekte, gerade die Animationen von Cyborg sind für einen sündhaft teuren Blockbuster schon arg mau.

Wobei Cyborg auch als Figur ein relativ schwacher Part in dem Film ist: Sein Background ist nicht sonderlich interessant und seine Superkräfte mit Hacken und Technikmanipulation plus Laserstrahlen aus dem Roboarm sind auch nicht gerade aufregend. Superman spielt nur am Rande eine Rolle, bleibt aber eine fade Figur, bei der zum wiederholten Male die Beziehung zu Freundin Lois Lane (Amy Adams) und Mutter Martha Kent (Diane Lane) für Tiefe sorgen soll, nur dass man dabei „Man of Steel“ oder „Batman v Superman“ nichts mehr hinzufügen kann. Dafür sind die restlichen vier Hauptfiguren Stärken des Films, die auch über die eine oder Länge hinwegretten: Batman als gealterter, mit seinem Schaffen hadernder Rächer eignet sich zur Reflexion auf Heldentum, gerade im Gegensatz und Zusammenspiel mit der idealistischen Wonder Woman. Flash als Held in der Ausbildung und Aquaman als grummeliger Weltenretter wider Willen komplettieren das Team auf jeweils ganz eigene Weise – schade nur, dass jeder hier in erster Linie als Einzelfigur und selten als Teamplayer punktet.

Justice League

Cyborg (Ray Fisher) hadert mit seinem Schicksal

Hin und wieder durchzieht mal ein auflockernder Witz das Geschehen, etwa wenn Alfred (Jeremy Irons) anmerkt, dass man früher maximal gegen explodierende Aufziehpinguine kämpfen musste oder Batman Flashs Frage, was denn seine Superkraft sei, mit „Ich bin reich“ beantwortet. Doch das DCU bleibt insgesamt seiner düstereren Ausrichtung treu, was optisch jedoch unterschiedlich überzeugend ausfällt: Batmans erster Auftritt in Gotham ist atmosphärisch top, karg und schmucklos wirken dagegen die Szenen in und um Steppenwolfs Wirkungsstätte, einen vor 30 Jahren explodierten Atomreaktor in Russland, den aber keiner im Film Tschernobyl nennen will. Dort wohnt (un)sinnigerweise noch eine Handvoll angesiedelter Zivilisten, die auch trotz umherstromernder Paradämonen nicht die Flucht ergreifen will, damit es im Finale noch Leute zum Retten gibt und man immerhin feigenblattmäßig nochmal die Topoi aus „Batman v Superman“ aufnehmen kann. In der Post-Credit-Sequenz wird noch ein weiterer Faden aus Snyders vorigem Film weitergesponnen, der immerhin interessant werden könnte.

Schauspielerisch können die Beteiligten an ihre früheren Leistungen anschließen, gerade Ben Affleck („Paycheck“) und Gal Gadot („Criminal“) verkörpern ihre Helden ähnlich stark wie in den Vorgängern. Jason Momoa („Once Upon a Time in Venice“) punktet mit seiner rauen Aquaman-Interpretation, während Ezra Miller („We Need to Talk About Kevin“) einen charmanten Comic Relief abgibt, ohne zum nervenden Witzbold zu verkommen. Henry Cavill („The Cold Light of Day“) schaut nur für ein paar Szenen vorbei und ist dabei weder besonders gut noch besonders schlecht, während gestandene Mimen wie Amy Adams („The Fighter“), Diane Lane („Mord im Weißen Haus“), Jeremy Irons („Assassin’s Creed“) und J.K. Simmons („Boston“) in undankbaren Bit-Parts verschenkt werden – und zumindest Adams wirkt so, als habe sie keine Lust mehr auf die Lois-Lane-Rolle. Wirklich schwach ist allerdings bloß der ursprünglich vom Theater kommende Ray Fisher, was aber auch daran liegen mag, dass die Cyborg-Rolle so undankbar geschrieben ist und er gerade einmal mit einem Teil seines Gesichts schauspielern darf; der Rest verschwindet unter einer CGI-Rüstung.

“Justice League” ist nicht der große Wurf, der das DC-Universe weiterbringt, mit seinem Standardplot um mögliche Erdenzerstörung, MacGuffins und einen profillosen Schurken. Dazu kommen nur teilweise kreative Action und unzulänglich etablierte Figuren, die wenig Chemie haben. Das ist schade, denn zumindest vier der fünf Haupthelden sind für sich genommen ziemlich interessante Figuren und werden ebenso stark verkörpert. Nur zu einem überzeugenden Ganzen findet “Justice League” nie zusammen. Ob Snyders Erstversion da besser war, ist eine legitime Frage – rein optisch und stilistisch ist “Justice League” jedoch auch in der Kinofassung sein Baby.

“Justice League” läuft seit dem 16. November 2017 in den deutschen Kinos und ist mit FSK 12 ungekürzt. Fans haben eine Petition gestartet, dass Zack Snyders Ursprungsversion später auf DVD oder Blu-Ray erscheinen soll, aber ob dies passiert, steht in den Sternen. Bei „Batman v Superman“ gab es ja immerhin auf Blu-Ray den Director’s Cut.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Warner__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 16.11.2017 in den deutschen Kinos

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