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Karate Kid (1984)

John G. Avildsens „Karate Kid“ hat eine ähnliche Story wie der ebenfalls von ihm gedrehte „Rocky“ und besitzt beinahe ähnlichen Klassikerstatus. In diesem Mix aus Teen-Romanze und Martial-Arts-Film geht es um den Underdog Daniel LaRusso, der vom karatekundigen Hausmeister Mr. Miyagi in der Kampfkunst unterrichtet wird.

Originaltitel: The Karate Kid__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1984__Regie: John G. Avildsen__Darsteller: Ralph Macchio, Pat Morita, Elisabeth Shue, Martin Kove, Randee Heller, William Zabka, Ron Thomas, Rob Garrison, Chad McQueen, Tony O’Dell, Israel Juarbe, Bruce Malmuth, Larry Drake u.a.
Karate Kid

In John G. Avildsens Teen-Martial-Arts-Klassiker “Karate Kid” muss sich Ralph Macchio behaupten

Schon der globale Siegeszug von Bruce Lee hatte Martial Arts im Kino etabliert, doch während die meisten Kampfkunstfilme der 1970er in Amerika eher in den Grindhouses und Bahnhofskinos gespielt wurden, so enterte das Genre in den 1980ern auch den Mainstream, unter anderem wegen Werken wie „Karate Kid“.

„Karate Kid“ wurde zudem zu einer Blaupause für Unmengen von Nachahmern, die Teenfilm und Kampfkunst-Action verbanden, inklusive dreier offizieller Sequels und eines offiziellen Remakes. Im Original geht es um den jungen Daniel LaRusso (Ralph Macchio), der mit seiner Mutter Lucille (Randee Heller) nach Kalifornien kommt und dort der Neuling ist. Findet er naturgemäß nicht gut, schließlich musste er alle Freunde zurücklassen und das neue Eigenheim ist auch alles andere als eine luxuriöse Butze. Doch schon bei der ersten Feier am Strand, zu der ihn Nachbarsjunge Freddy Fernandez (Israel Juarbe) mitnimmt, lernt er Ali Mills (Elisabeth Shue) kennen, woraufhin ihm die neue Heimat gleich viel besser gefällt. Zügig bahnt sich ein mehr als nur freundschaftliches Verhältnis an, da ist „Karate Kid“ unkomplizierter als so manche andere Highschool-Romanze.

Daniels Freude währt aber nicht lange: Alis Ex-Freund Johnny Lawrence (William Zabka) ist ein Bully, der Ali immer noch als sein Eigentum betrachtet und Daniel daraufhin das Leben zur Hölle macht. Daniel beherrscht zwar Karate, doch Johnny ist der örtliche Meister in der Sportart, weshalb er Daniel direkt den Hintern versohlt. Weil Johnny und seine Spießgesellen im Cobra-Kai-Dojo von John Kreese (Martin Kove) gedrillt werden, scheidet Unterricht dort für Daniel aus, womit die Rollen klar verteilt sind: Dort die Schlägertypen aus betuchtem Hause, die sich stets im Recht fühlen, hier der Sohn der alleinerziehenden Mutter, der eigentlich ein netterer Typ ist (siehe Alis Partnerwahl), aber unter ihnen zu leiden hat.

Als diese Bullys Daniel eines Abends mal wieder vermöppen wollen, greift der karatekundige Hausmeister Mr. Miyagi (Pat Morita) ein und besiegt sie spielend. Daniel bittet um Unterricht, während Miyagi Kreese einen Vorschlag macht: Beim nächsten Turnier sollen die Jungs ihre Streitigkeiten ausmachen, im Alltag steht Daniel dagegen unter Artenschutz…

Karate Kid

Daniel LaRusso (Ralph Macchio) mit Lehrmeister Mr. Miyagi (Pat Morita)…

„Auftragen, polieren“ bzw. „Wax on, wax off“ und der Kranichkick aus diesem Film sind in die Popkultur übergangen, der damals genau den Nerv der Zeit traf. Regisseur John G. Avildsen hatte mit „Rocky“ knapp 10 Jahre zuvor eine noch einflussreichere Underdogstory um Selbstbehauptung im Sport und geistiges Reifen erzählt, die hier teenkompatibel und mit catchy Zielgruppensoundtrack (u.a. „You’re the best“ von Joe ‘Bean‘ Esposito und „The Moment of Truth“ von Survivor) aufbereitet wird. War „Rocky“ ein eher zeitloser Film, so ist „Karate Kid“ ein klares Kind der 1980er, nicht nur in der Mode, sondern auch im Zeitgeist. So spielt die soziale Selbstbehauptung eine ähnlich große Rolle wie in den Filmen von John Hughes: Ali sowie Johnny sind aus gutem Hause und gehen mit ihren Eltern in den Country Club, Daniel dagegen muss die klapprige Familienkutsche fahren und noch dazu Mama im Gepäck haben, wenn Ali ausführen will. So ist es dann auch Miyagis Geschenk eines Autos an seinen gelehrigen Schüler, das ihm neuen Willen und neue Selbstachtung beschert. Das ist allerdings eine Konvention des amerikanischen Teenfilms, vor allem jenem der 1980er, in dem das Auto gleichzeitig Freiheitsversprechen und materialistisches Statussymbol ist.

Bis sich Daniel die Karre verdient, muss er aber erst einmal den kultigen Trainingsmethoden Miyagis folgen, die ihn auf subtile Art zum Karatekämpfer machen. Dabei bleibt der Film seinem Karate-nur-zur-Selbstverteidigung-oder-im-Turnier-Grundsatz treu, zeigt die Cobra Kais als Aggressoren und spart sich die meiste Action fürs Turnierfinale auf. Darin sieht man zwar deutlich, dass William Zabka die Kampfkunst sichtlich besser beherrscht als Ralph Macchio, aber Laune macht das Turnier immer noch. Freilich muss man damit leben können, dass „Karate Kid“ seinen titelgebenden Sport mit einer Mischung aus Naivität, Verehrung und Mystifizierung angeht, die nicht unbedingt realistisch ist, aber immerhin zum herrlich unschuldigen Stil des Films passt: Es geht um Ideale, die vielleicht nicht jedem Reality-Check standhalten, aber umso freudiger vom Film hochgehalten werden. Mr. Miyagi verkörpert diese auf seine kauzige Art hinreißend, auch wenn „Karate Kid“ kaum ein Japaner-Klischee auslässt, vom Fliegenfangen mit Stäbchen über das Reden in asiatischen Weisheiten bis hin zum Bonsai-Beschneiden.

Karate Kid

…und mit Freundin Ali Mills (Elisabeth Shue)

Man kann sich zudem sicherlich darüber mokieren, dass Daniel teilweise schon ein ziemlich weinerliches Bratzblag ist – aber das ist vom Film auch so intendiert. Denn auf den zweiten Blick ist die Rollenverteilung nicht mehr ganz so einfach: Daniel ist ein Nörgler, der erst einmal mit sich klarkommen muss, ehe er sich weiteren Herausforderungen stellen kann. Johnny und seine Spießgesellen mögen Bullys sein, werden aber in erster Linie von Kreese dazu gedrillt – am Ende hat Johnny sogar Respekt für seinen Gegner übrig. Vor allem aber funktioniert „Karate Kid“ als leicht komödiantische, leicht romantische Coming-of-Age-Story immer noch ziemlich charmant: Das Werben um Ali, die Unsicherheit angesichts der Klassenunterschiede, der Streit zwischen ihnen, die Versöhnung – all diese Stationen hakt „Karate Kid“ erfreulich nachvollziehbar ab und hat ein paar putzige Ideen, etwa wenn Daniel den Schulball als Dusche verkleidet besuchen muss, damit er sich dort von den Schlägern unerkannt bewegen kann.

Ralph Macchio („Crossroads“) ist manchmal etwas anstrengend in dem Film, gewollt oder nicht, macht sich aber doch recht gut in der Hauptrolle, trotz gewisser darstellerischer Limitierungen, die eine größere Karriere verhinderten. Pat Morita („Bloodsport II“) dagegen ist als Herzstück des Films, spielt mit Schrulligkeit und Verschmitztheit den weisen Lehrmeister – eine Performance, die zur Blaupause fürs Genre wurde. Martin Kove („Tapped Out“) muss eine sehr eindimensionale Fieslingsrolle runterrattern, macht aber das aber gut, während William Zabka („Shootfighter“) als eitler, streitsüchtiger Fatzke einen noch besseren Job macht. Teil seiner Entourage ist Chad McQueen („Martial Law“), der Sohn des berühmten Steve. Als weiblicher Gegenpol zu all den Karatekämpfern spielt Elisabeth Shue („Death Wish“) überzeugend und erfrischend klischeefrei auf: Ihre Ali will nicht einfach nur das Anhängsel sein und geht wesentlich offener und aufgeklärter mit Klassenunterschieden um als Daniel. In einer Minirolle ist „Nachtfalken“- und „Hard to Kill“-Regisseur als Ringrichter zu sehen.

„Karate Kid“ ist nicht so zeitlos wie „Rocky“ und sicherlich phasenweise eher naiv in seiner Darstellung der titelgebende Kampfkunst bzw. der Philosophie dahinter. Und doch ist der Klassikerstatus durchaus verdient, denn auf seine naive Art ist „Karate Kid“ auch charmant idealistisch, eine Coming-of-Age-Teenager-Love-Story mit nur gelegentlichen, aber dann doch nett anzusehenden Hauereien. Drehbuchautor Robert Mark Kamen verlegte sich später auf noch actionreichere Stoffe, verfasste in den USA unter anderem „Lethal Weapon 3“ und belieferte dann in Frankreich die Besson-Hitwerkstatt mit Drehbüchern zu Filmen wie „Kiss of the Dragon“, „The Transporter“ und „Taken“.

Die deutsche DVD und Blu-Ray von Sony sind ungekürzt ab 12 Jahren freigegeben. Während die DVD lediglich Trailer und Filmographien als Bonusmaterial bietet, gibt es auf der Blu-Ray einen Audiokommentar und mehrere Making Ofs.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Sony__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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