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Kickboxer – Die Vergeltung

Originaltitel: Kickboxer: Vengeance__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: John Stockwell__Darsteller: Jean-Claude Van Damme, Alain Moussi, Gina Carano, Dave Bautista, Sara Malakul Lane, Sue-Lynn Ansari, Darren Shahlavi, Matthew Ziff, Georges St-Pierre, T.J. Storm u.a.
Kickboxer - Die Vergeltung

Der Kult geht weiter: “Kickboxer – Die Vergeltung”. Mit dabei: Jean Claude Van Damme

Jeder, der auch nur ansatzweise auf Martial-Arts-Filme und/oder Jean Claude Van Damme steht, wird diesen Streifen kennen: „Der Kickboxer“. In Deutschland als dritter Teil der imaginären „Karate Tiger“-Reihe veröffentlicht, rief der Erfolg des Filmes tatsächlich ein eigenes Franchise ins Leben, an dem neben Albert Pyun auch Mark Dacascos („Kickboxer 5“) mitwirken durfte.

Erzählt wird in „Kickboxer“ die simple, aber höchst effektive Geschichte der Gebrüder Sloan. Eric, Heißsporn und Karate-Weltmeister, wird zu einem Titelkampf nach Thailand eingeladen. Sein Gegner: Tong Po, ein Meister im Muay Thai, der Eric in den Rollstuhl prügelt. Erics Bruder Kurt ist nicht bereit, diese Schmach hinzunehmen. Er will gegen Tong Po in den Ring steigen und Rache für seinen schwer verletzten Bruder nehmen, weswegen er sich von einem verschrobenen thailändischen Muay-Thai-Lehrmeister unterrichten lässt…

Die Folge sind absolut ikonische Szenen, die aus heutiger Sicht vor allem trashig rüberkommen. Aber zu der Zeit, als beispielsweise ich den Film zum ersten Mal sah, waren ebenjene Momente absolut kultig und mutierten mal eben zum Schulhofgesprächsthema Nummer 1. Damals, als Action noch cool war. Ich meine, wer von euch Lesern kennt nicht die Sequenz um Van Damme, der eine Palme umtreten soll? Wer kennt nicht den Hund, der bei den Kicks von Van Damme an Tong Pos Schädel mitwippt wie der Zuschauer daheim auf dem Sofa? Oder die absolut abgefahrene Tanzsequenz des leicht überengagiert wirkenden Belgiers zur Mucke einer Jukebox, was freilich in einer Kickerei endet? Oder die „Nok Su Kow“-Rufe des Publikums im Finale? Die Tritte Tong Pos gegen die Steinsäule, die sofort das große Zittern bekommt, und freilich Tong Po selbst, der bedrohlichste aller Van-Damme-Gegner…? Seht ihr!

Kickboxer - Die Vergeltung

Jean Claude Van Damme als Trainer des neuen Kickboxers.

Nicht einmal „Hot Shots 2“ konnte einen Bogen um den „Kickboxer“ machen und variierte die Sequenz, in der Van Damme und Tong Po ihre mit Hanf umwickelten Hände in Wachs und dann in Glas versenkten, indem er das Glas durch Schokolinsen ersetzt. „Der Kickboxer“ ist Kult! Punkt. So sehr, dass man tatsächlich auf die Idee kam, diesen Film für ein neues Publikum neu aufzulegen. Dieser Film behält die grundlegende Handlung bei, modernisiert sie aber in einigen Aspekten deutlich.

So wird alles ein wenig zwingender umgesetzt. Beispielsweise segnet Eric in „Kickboxer – Die Vergeltung“ bei dem Kampf gegen Tong Po vollends das Zeitliche. Was freilich Kurts Rachegelüste überproportional ansteigen lässt. Eine Underground-Fighting-Szene wird etabliert. Eine ermittelnde Polizistin wird eingeführt. Tong Po wird zu einer Art Herrscher seiner eigenen Welt aufgebaut und Kurt scheitert auf seinem Weg zu seiner Rache gleich mehrfach an Tong Po beziehungsweise dessen Schergen.

Dazu kommen Parkour-Kämpfer, ein Fight auf den Rücken von Elefanten, viel mehr Thailand-Lokalkolorit und ordentlich Fanservice. „Kickboxer – Die Vergeltung“ ist sich sichtlich bewusst, auf was für einen Kult er hier aufbaut. Highlight ist dahingehend natürlich das Mitwirken von Jean Claude Van Damme („Harte Ziele“), der die Rolle des Trainers von Kurt übernimmt und in dieser ein paar tolle Fights absolvieren darf. Die belgische Springbohne präsentiert sich in körperlich mehr als beeindruckender Form und die ihm aufgebrummten Choreografien dürften ein paar seiner besten schlechthin sein.

Kickboxer - Die Vergeltung

Tong Po wartet auf sein nächstes Opfer.

Doch auch als weiser Lehrer macht er viel Spaß. Bringt etwas Augenzwinkern in die abgefahrenen Trainingsmethoden, bei denen natürlich auch Palmen gekickt werden. Und Baseballschläger. Und es wird unter Wasser Fahrrad gefahren. So wirklich ernst kann man das nicht nehmen, aber das Training Kurts ist enorm kurzweilig montiert und macht richtig Spaß. Dabei steuert natürlich alles auf den großen Showdown zu. Der rollt bereits nach 60 Minuten an und nimmt sich ordentlich Zeit.

Er wird sogar hoch gelevelt. Beginnt also als „simpler“ Vollkontaktsport, zollt dann dem „Glashandschuh-Finish“ des Originals Respekt und geht in einen Schwertkampf über. Vor allem bei letzterem wirken sowohl Tong-Po-Darsteller Dave Bautista als auch Kurt-Darsteller Alain Moussi etwas überfordert, im restlichen Fight geben sie sich aber amtlich Saures. Der Schlussfight ist toll choreografiert, hat einige Härten im Gepäck und gerät mit zunehmender Laufzeit immer mitreißender.

Kickboxer - Die Vergeltung

Kurt steigt Tong Po aufs Dach…

Hier darf vor allem Alain Moussi („Wolves“) einige coole Moves raushauen. Allgemein kann der zwar einige Kicks von Van Damme toll nachahmen, ansonsten ist er aber deutlich der Tony-Jaa- und Scott-Adkins-Abteilung zuzurechnen. Der Typ hat eine wahnsinnige Körperbeherrschung und eine enorm elegante Anmutung. Dazu kommt, dass er rein äußerlich einen ähnlichen Milchbubi abgibt wie Van Damme im Original. Allerdings kann er etwas besser spielen als Van Damme damals. Das Wichtigste allerdings: Er ist ein toller Sympathieträger.

Bautista („Spectre“) darf derweil seinen Tong Po herrlich souverän anlegen. Wenn Kurt und Co. nach amtlichen Flugkicks an ihm abprallen wie an einer Mauer, ist das schon ein krasser Überlegenheitsbeweis. In Sachen Fitness macht dem WWE-Superstar sowieso keiner etwas vor und in den Muay-Thai-Choreografien macht er eine starke Figur. Einzig die Bedrohlichkeit Tong Pos aus dem Original kann er nicht so wirklich aufbauen. In weiteren Rollen sind noch einige Kampfsportler mehr untergekommen. Darunter UFC-Fighter Georges St-Pierre („Killing Salazar“), T.J. Storm („The Martial Arts Kid“) und UFC-Fighter Cain Velasquez („Term Life“). Diese bekommen alle ihre kleinen Momente zugestanden, in denen sie nette Fighting-Skills präsentieren dürfen.

Die Damenriege wird derweil von Gina Carano und sexy Sara Malakul Lane befeuert. Schade ist, dass Regisseur John Stockwell seine „In the Blood“-Heldin Carano nicht fighten lässt. Sie darf nur ein intrigantes Miststück von einer Fight-Promoterin geben und ausschließlich dekorativ in der Gegend herumstehen. Lane („Shark Lake“) ergeht es nicht viel besser, aber zumindest hat ihre Rolle der Polizistin, in der sie wieder einmal ihren prachtvollen Vorbau präsentieren darf, Sinn für den Film. Gewidmet ist „Kickboxer – Die Vergeltung“ im Übrigen Darren Shahlavi („The Package“), der Eric spielt und hier einen seiner letzten Auftritte vor seinem leider viel zu frühen Ableben hinlegte.

Kickboxer - Die Vergeltung

Star der Chose: Jean Claude Van Damme, der den Charakter trainiert, den er einst selbst gegeben hat.

In technischer Hinsicht ist „Kickboxer – Die Vergeltung“ absolut sauber in Szene gesetzt. John Stockwell präsentiert einige tolle Landschaftsbilder des Schauplatzes Thailand und lässt seinen Film immer mal wieder ins Güldene kippen. Die gebotenen Schauplätze sind funktional, gerade die Showdown-Arena macht aber nicht so viel her. Vor allem im Vergleich zum Original. Dafür ist beispielsweise die Festungsanlage, in der Tong Po residiert, schön abgehoben. Stockwell selbst lässt seinen Film niemals zur Ruhe kommen, macht ordentlich Tempo und setzt immer wieder auf kleinere Martial-Arts-Scharmützel, die in deutlich höherer Schlagzahl aufkommen als im Van-Damme-Original. Einzig die Storyline um die ermittelnden Cops wirkt irgendwann seltsam ziellos, überladen und überflüssig – gegen Ende sogar dämlich.

Den größten Lacher hebt sich Stockwell für den Abspann auf. Im Split-Screen-Verfahren tanzt hier Moussi den legendären Tanz von Van Damme nach und imitiert den Belgier geradezu perfekt. Da bleibt wahrlich kein Fan-Auge trocken. Selbiges erspähte kurz zuvor einen weiteren Grund zur Freude. Denn in einer wundervoll getimten Szene raunzt hier Original-Tong-Po-Darsteller Michel Qissi Van Damme an, ob er ihn etwa vergessen habe, was der mit einem wundervoll verwirrten Blick quittiert. Kurzum: Es fällt schwer, „Kickboxer – Die Vergeltung“ irgendetwas übel zu nehmen. Dieser Film ist stellenweise purer Fanservice und stimmt einen mehr als wundervoll nostalgisch. Selbst die Nok-Su-Kow-Rufe (in der deutschen Fassung leider blöd synchronisiert) ertönen irgendwann und verursachen beim wissenden Zuschauer eine Gänsehaut. Gleichzeitig ist der Film angenehm modern und flott in Szene gesetzt, bietet tolle Schauplätze, sympathische Darsteller, sehr feine Action mit zeitgemäßen Einsprengseln und eine Story, die auch neue Generationen von Martial-Arts-Fans mitreißen sollte. Modernisierung absolut gelungen. Und das Beste: Es geht weiter! Die Fortsetzungen sind schon abgesegnet!

8 von 10

Die deutsche DVD/Blu-ray zum Film erscheint am 18. November 2016 von dem Label Ascot Elite und hat neben diversen Trailern zum Film auch eine Behind the Scenes Featurette an Bord. Der Film ist ursprünglich ab 16 freigegeben. Die FSK 18 auf dem Cover dürfte von enthaltenen Trailern herrühren.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Ascot Elite__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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