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Kill Command

Originaltitel: Kill Command__Herstellungsland: Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Steven Gomez__Darsteller: Vanessa Kirby, Thure Lindhardt, David Ajala, Tom McKay, Deborah Rosan, Bentley Kalu, Kelly Gough, Mike Noble, Tim Ahern, Osi Okerafor u.a.
Kill Command

Wenn aus Jägern die Gejagten werden: “Kill Command”.

Irgendwann in der Zukunft. Ein Unternehmen entwickelt immer neue Roboter, die eines Tages menschliche Soldaten auf den Schlachtfeldern dieser Erde ersetzen sollen. Die ersten Prototypen werden bereits genutzt, um auf einer Insel menschlichen Soldaten als Kanonenfutter für deren Übungen zu dienen. Doch eines Tages registrieren die Verantwortlichen mal eben Millionen von Eingriffe in die Codezeilen der Übungsroboter.

Da sie sich dies absolut nicht erklären können, entsenden sie den Supertech Mills mit einer Handvoll Soldaten einer Spezialeinheit auf die Insel. Mills – halb Mensch, halb Maschine – bemerkt schnell, dass auf der Insel Seltsames vorgeht. Als es die ersten Toten unter den Soldaten gibt, realisieren auch jene, dass hier nicht nur Übungsroboter auf sie warten. Vielmehr scheint eine neue Generation von Kampfrobotern ihre Taktiken genau zu studieren und nachzuahmen.

Bald ist klar, dass es diesmal nicht die menschlichen Soldaten sind, die auf der Insel militärische Manöver üben sollen. Gemeinsam mit der unbeliebten Mills müssen sie sich der Bedrohung stellen…

„Kill Command“ ist das Regiedebüt des vornehmlich auf Special Effects spezialisierten Steven Gomez. Dieser müht sich dann auch redlich, seinen maschinellen Hauptfiguren bedrohliches Leben einzuhauchen. Dank erstaunlich gelungener Effekte, in denen er auf CGI-Effekte und Animatronics setzt, gelingt ihm dies vorzüglich. Die S.A.R.-Einheiten (neuartige Killerroboter) stechen dabei genauso wie die Flugmaschinen oder die Maschinengewehre auf Beinen deutlich heraus. Allerdings gibt es auch den einen oder anderen Ausreißer, der nicht auf den Punkt funktioniert (CGI-Rauchschwaden seien ebenso genannt wie der eine oder andere Compositing-Fehler), im Großen und Ganzen ist „Kill Command“ effekttechnisch eine kleine Offenbarung im DTV-Sektor.

Kill Command

“Kill Command” punktet mit beeindruckenden visuellen Effekten.

Dass von Gomez verfasste Drehbuch kann da nicht Schritt halten. So gelingt es Gomez zwar, seine Ausgangssituation schnell zu installieren und die Ereignisse zügig ins Rollen zu bringen, bei seinen Charakteren aber überzieht er es dann mit der Hetze. Kurz leuchten die Namen der Soldaten auf der Netzhaut des Supertechs auf, aber einen wirklichen Bezug zu den Figuren bekommt man als Zuschauer nie. Sie bleiben immer nur Abziehfiguren der Archetypen deutlich besserer Actionstreifen. „Predator“ etwa lugt hier immer mal verstohlen um die Ecke. Aber mit dessen charismatischen Kerle-Interieur kann „Kill Command“ niemals konkurrieren.

S.A.R: Studieren. Analysieren. Reprogrammieren.

Was vor allem deshalb schade ist, weil die Darsteller richtig gut spielen. Der Däne Thure Lindhardt („Fast & Furious 6“) etwa gibt einen sperrigen Anführer. Zu Beginn so gar nicht greifbar, zurückgezogen und ruhig. Gefangen zwischen Old-School-Brummeltyp und Supersoldat, der auch moderne Technik zum Einsatz bringt, um zu überleben. Auf ihn fokussiert das Drehbuch viel zu spät. Lässt ihn nicht wirken und macht ihn nicht ausreichend zum Bezugspunkt für den Zuschauer.

Doch auch die Darsteller um Lindhardt, die seine Einheit geben, spielen richtig gut, leiden aber genauso darunter, dass sie keine ausgereiften Charaktere verkörpern dürfen. So passiert es dann auch, dass manche reichlich planlos aus dem Spiel genommen werden und die Möglichkeiten für echte Involvement-Momente ungenutzt verstreichen. Zumindest bei Vanessa Kirby („Jupiter Ascending“) und ihrem Charakter funktioniert das Drehbuch ganz ordentlich. Umgibt den Supertech Mills mit einer geheimnisvollen Aura und lässt auch „etwas“ unter die Oberfläche dieses Mensch-Maschine-Hybrids blicken.

Kill Command

Der Supertech Mills ist halb Mensch, halb Maschine.

Schade ist zudem, dass Gomez seine Story eher actionorientiert anlegt. Das ist in dem richtig coolen Showdown absolut verschmerzbar, weil „Kill Command“ hier ordentlich Wucht zu entwickeln vermag und den Actionfan mehr als zufriedenstellt. Zu Beginn jedoch, wenn die Soldaten meist durchs Unterholz eines dichten Waldes streichen, ist die Action viel zu klein skaliert, um den Film übers Ziel zu tragen. Auch vermisst man etwas Härte in den Aufeinandertreffen zwischen Soldaten und Killermaschinen. Hier hätte Gomez mit einer Spannungsdramaturgie a la „Predator“ ordentlich was reißen können.

Doch er bekommt keinen rechten Spannungsaufbau hin. Installiert keine Schocks. Zehrt nicht von der eigentlich beständig vorhandenen Bedrohung durch die allgegenwärtigen Maschinen. Die Folge sind dann einige Tempohänger im Mittelteil, in denen die Soldaten erstaunlich viel zu labern haben, einem aber trotzdem seltsam fremd bleiben. Auch optisch hat dieser Abschnitt wenig zu bieten, steigt er doch in einem x-beliebigen Wald, der zwar in schönen Breitwandbildern in Szene gesetzt wird, letzten Endes aber doch eher ein fades Setting darstellt. Da haben der Beginn und der Showdown wesentlich mehr Eye Candy zu bieten.

Kill Command

Die Roboter ziehen die Schlinge zu!

Vor allem zu Beginn erfreut der Streifen mit einem angenehm martialischen Score, dieser wird aber mit zunehmender Laufzeit immer eintöniger und banaler. Dagegen ist das Sounddesign in den Actioneinlagen angenehm kraftvoll und markerschütternd und lässt euer Heimkino ordentlich beben…

Die Grundidee hinter „Kill Command“ ist definitiv interessant. Maschinen sollen den Mensch im Krieg ersetzen, bevor sie dies allerdings können, müssen sie von ihm die besten Kriegstaktiken erlernen. Dass sie dabei dann in rasend schnellen Schritten und kühl analysierend ihre Erbauer übertrumpfen, ist leider das einzige Horror-Element, dass der Film zu transportieren versteht. Dieser verlegt sich nämlich zu schnell auf etwas halbseidene Wald- und Wiesenaction, die erst in dem größer angelegten Showdown zu überzeugen vermag. Das relativ geringe Aufkommen an temporeichen Momenten und das dünne Drehbuch sorgen für einigen Leerlauf. Gute Darsteller, sehr gelungene, wenngleich nicht perfekte Robotereffekte und die weitgehend gelungene Optik heben den Film dann leider nur knapp über den Durchschnitt.

Die deutsche DVD/Blu-ray zum Film erschien am 3. Juni 2016 von dem Label Universum Film/Square One und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Universum Film/Square One__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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