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Kill ’em all

Originaltitel: Kill ’em all__Herstellungsland: Thailand__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Raimund Huber__Darsteller: Gordon Liu Chia-Hui, Johnny Messner, Joe Lewis, Tim Man, Ammara Siripong, Brahim Achabbakhe, Erik Markus Schuetz, Rashid Phoenix u.a.
Kill 'em All

Rasante Kampfsportaction in “Kill ’em all”

„Kill ‘em all“ beginnt mit dem Tagwerk einiger Profikiller: Eiskalt und ohne mit der Wimper zu zucken, schalten sie ihre Ziele aus. Während der eine mit seinen Opfern „spielt“ und sie mit Martial Arts Moves ausschaltet, zieht der andere Sprengstoff vor. Eine junge Dame nutzt lieber Klingen und Schusswaffen… Viel gemeinsam haben die Killer nicht. Außer, dass sie eines Tages alle betäubt zusammenbrechen und in einem großen, unwirtlichen und abgerissenen Raum wieder zu sich kommen.

Eine Stimme verkündet, dass sich alle Killer in den nächsten Stunden gegenseitig im Kampf stellen müssten und am Ende nur einer der Profikiller diesen Raum lebend verlassen werde. Als sich die Killer gegen die Anweisungen sträuben, leitet die Stimme Gas in den Raum und verhängt an den bewusstlosen Mördern eine drakonische Strafe. Derart überzeugt fügen sich die Killer in ihr Schicksal und treten nun in immer neuen Paarungen gegeneinander an, um bis zum Tod zu kämpfen. Der Sieger darf sich jeweils aus einer Waffenkammer voller Hieb- und Stichwaffen bedienen…

Ninjas, kill ’em all!

„Kill ’em all“ macht von Beginn an wortwörtlich keine Gefangenen. Ohne einen Anflug von Handlung werden in den ersten zehn Minuten unzählige Menschen gekillt und stürmt eine actionreiche Sequenz nach der anderen auf den Zuschauer ein. In dem von der Außenwelt abgeschnittenen Raum kommt der Film dann kurz zur Ruhe, pausiert aber nur kurz, um seine stark an die Prüfungen in „SAW“ erinnernde Grundprämisse zu etablieren. Und dann geht es Schlag auf Schlag und setzt es Kampf um Kampf. Weder wird eine tiefergehende Handlung eingeführt noch werden die Killer über bloße oberflächliche Merkmale hinaus irgendwie charakterisiert. Zur Hälfte des Filmes ist die Belegschaft mehr als radikal ausgedünnt und man beginnt sich mit Blick auf die Uhr zu fragen, was nun wohl noch kommen mag. Zum Glück kommt tatsächlich noch etwas.

Kill 'em All

Johnny Messner macht als suizidgefährdeter Killer einen ordentlichen Job.

Zum einen brechen die Figuren mit diversen Dialogen kurz die Handlungsarmut ironisch auf. Sprechen etwa von einem Videospiel, an das „Kill ’em all“ tatsächlich immer mehr erinnert: Denn die verbliebenen Killer killen sich nun durch verschiedene Ebenen des Gebäudekomplexes, „leveln“ ihre Waffen auf und treffen auf immer größere Gegnerhorden des Obermotzes, der ganz am Ende wartet. Ganz nebenbei wird auch die Ahnung einer Geschichte entwickelt, die dabei aber so unterschwellig und egal anmutet, dass man es hier wirklich im besten Sinne mit einem absolut auf das Wesentlichste reduzierten Martial Arts Kracher zu tun hat. Und im Grunde muss man als Zuschauer eigentlich nur wissen, ob man sich 80 Minuten lang mit krachiger Kampfsportaction arrangieren kann, oder ob einem bei einer endlosen Dauerprügelei die Füße einschlafen.

Meinereiner zählt sich zur ersten Fraktion und ließ sich von den stark choreographierten und mit zunehmender Laufzeit immer brutaler werdenden Fights hervorragend unterhalten. Regisseur Raimund Huber hatte Jahre zuvor mit „Bangkok Adrenaline“ bereits bewiesen, wie druckvoll und dynamisch er Martial Arts Action inszenieren kann. Dies zeigt er hier erneut und begeistert mit einer extrem dynamischen Kamera und einem rasanten Schnitt, lässt aber die coolen Choreografien von Hauptdarsteller Tim Man, der mit brachialer Körperbeherrschung zu begeistern vermag, niemals untergehen. Sprich: Kein Kameragewackel, kein hektisches Gezoome, nichts. Abseits der Action gibt es dann leider nicht viel zu sehen. Ein altes Gebäude ist der einzige Schauplatz des gesamten Filmes. Das muss nicht von Nachteil sein, wie „The Raid“ bewiesen hat, doch in „Kill ’em all“ wird das Gebäude nicht zu einer weiteren Art Hauptdarsteller und seine Gänge, Winkel und Räume werden auch nicht für Suspensemomente genutzt.

Kill 'em All

Sexy Ammara Siripong haut auf die Kacke!

In dem Gebäude steigt dann auch kaum anders geartete Action. Es wird zwar auch mal geballert und eine kleine Explosion sorgt kurz für klare Verhältnisse, ansonsten steht aber durchweg Martial Arts Action im Fokus. Dementsprechend haben sich auch kaum echte Schauspieler in den Film verirrt und selbst wenn sie es gewesen wären, hätten sie keine wirklichen Charaktere zum Interpretieren bekommen. Die Figuren sind allesamt Killer. Kaum einer hat eine besondere Vergangenheit, kaum einer hat besondere Motivationen, kaum einer sorgt für irgendwelche Überraschungen. Das bekannteste Gesicht gehört Johnny Messner („Ring of Death“, „Chuck“), der als Killer Gabriel mit Todessehnsucht den wuchtigsten Charakter im Cast geben darf. Der Mime ist nicht wirklich als Kampfsportler bekannt, darf daher vor allem als Brawler fungieren und vor mit kräftigen Ringermoves punkten. Der eigentlich ganz sympathische Messner wirkt von „Kill ’em all“ aber reichlich unterfordert und erscheint mal gelangweilt, mal übermotiviert und mal vollkommen neben sich stehend (die klimatischen Bedingungen am Drehort Bangkok forderten wohl eindeutig ihren Tribut, Messner sieht durchweg ziemlich angeschlagen aus). Für die geilste Action sorgen Tim Man („Bangkok Adrenaline“) als eigentliche Hauptfigur und Ammara Siripong („Chocolate“) als sexy Killerbraut mit Faible für Stichwaffen und verschwitzte Hemdchen.

Interessant ist das Mitwirken von zwei Legenden. Der eine ist einer der erfolgreichsten Kampfsportler überhaupt, der in seiner Laufbahn so gut wie alle Titel gewonnen hat und einer von 5 Sportlern war, die Chuck Norris zu dessen aktiver Zeit eine Niederlage beibringen konnten. Die Rede ist von Joe Lewis, der hier, stark gealtert, als Carpenter noch einmal aufzeigt, dass er nach wie vor amtlich Power in den Fäusten hat! Der zweite große Name im Cast ist Gordon Liu („The Man with the Iron Fists“), der als Lehrmeister von Uma Thurman in „Kill Bill 1 + 2“ auch dem westlichen Publikum ein Begriff wurde, da allerdings schon auf eine wahrlich atemberaubende Karriere in Hongkong zurückblicken konnte. Er bestreitet mit Tim Man und Ammara Siripong einen stark choreographierten Showdown, der den Altmeister noch einmal in bester Form präsentiert.

Kill 'em All

Tim Man und Ammara Siripong sorgen für die kampftechnischen Sahnestückchen in “Kill ’em all”

„Kill ’em all“ ist ein weiterer kleiner Paukenschlag seines Regisseurs Raimund Huber. Schon mit „Bangkok Adrenaline“ hatte er aufgezeigt, dass er weiß, wie spektakuläre Kickeraction heutzutage auszusehen hat. Diesmal verzichtet er im Vergleich zu seinem Erstling aber komplett auf eine Geschichte und mag auch seine Charaktere nicht vorstellen. Das macht es ein wenig schwer, sich vollkommen in den Film hineinfallen zu lassen. Da gleichzeitig aber Actionszene auf Actionszene folgt, hat er mich als Actionfan doch ziemlich schnell gepackt. Die Choreographien sind toll, die Fighter haben ordentlich was auf dem Kasten, die unter den Fights dröhnende Musik macht richtig Dampf und diverse Brutalitäten verleihen der Action ordentlich Intensität. Leider fehlt innerhalb der extrem dichten Abfolge immer neuer Actionszenen das eine oder andere echte Highlight! Die Darsteller bleiben weitgehend blass, werden aber auch vom Drehbuch allein gelassen. Gerade Tim Man wirkt zudem als Held wenig charismatisch. Doch die „Darsteller“ sollen nur kicken und das schaffen sie problemlos. Dass der Film nicht viel kosten durfte, sieht man ihm leider an. Das Setting ist doch arg abgerissen und trostlos, erfüllt aber zumindest seine Funktion ordentlich. Technisch gesehen kann man sich bis auf eine räudige CGI Explosion zu Beginn des Filmes nicht beklagen und vor allem in den Fightszenen ist die Kameraarbeit richtig genial! Das Ergebnis ist ein temporeiches Non-Stop Fratzengeballer, dem aber etwas mehr Geschichte und Charakterzeichnung ebenso wenig geschadet hätte, wie das Rauslassen von Gegnern, die wie eine Horde wilder Affen durch die Gänge des Gebäudes rennen. Hat man allerdings kein Faible für Kampfsport, kann und sollte man den Film lieber auslassen. Die Gefahr, sich trotz Daueraction zu langweilen, ist dann nämlich verdammt groß…

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt von Sunfilm und ist mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten. Dabei hat Sunfilm vermutlich durchaus Glück gehabt mit der Freigabe, ähnlich harte Werke sind schon deutlich weniger glimpflich davon gekommen.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Tiberius Film, Sunfilm__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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