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Kill Kane

Originaltitel: Kill Kane__Herstellungsland: Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2016__ Regie: Adam Stephen Kelly__Darsteller: Vinnie Jones, Nicole Faraday, Sean Cronin, Sarah Alexandra Marks, Sebastian Street, Lee Bane, Dan Richardson, Mitchell Fisher, Conor Boru u.a.
Kill Kane

Vinnie Jones geht auf Rachetour in “Kill Kane”.

Ray Brookes ist wirklich angepisst. Soeben erwachte er aus einem künstlich herbeigeführten, dreimonatigen Koma, da muss er erfahren, dass er und seine Familie von ein paar Gangstern überfallen wurden. Nur Ray überlebte die anschließende Nacht mit einer Kugel in der Brust. Obendrein macht der Polizist, der kurz nach seinem Erwachen bei Ray vorstellig wird, nicht unbedingt den Eindruck, als wolle er die blutigen Morde an Rays Frau und Kindern wirklich aufklären.

Sofort keimt in Ray der Wunsch nach Rache auf. Da kommt es ihm sehr gelegen, dass seine Erinnerungen an die Vorfälle dieser brutalen Nacht fragmentarisch zurückkehren. So bekommt „Kill Kane“ einen durchaus interessanten Aufbau. Denn der Film präsentiert die Ereignisse der Morde an Rays Familie nicht am Stück, sondern er dröselt sie Schritt für Schritt auf.

Wir erfahren, dass Ray und seine Frau sich eines Tages verfahren haben. Bei einem Halt zur Orientierung wird Ray Zeuge einer Exekution unter Gangstern. Und freilich wollen diese keine Zeugen. Deshalb muss Ray weg. Seine Familie gerät dabei unverhofft auch in die Schusslinie. Fortan erleben wir, was den einzelnen Familienmitgliedern Rays von dem jeweiligen Lumpen angetan wurde. Sexuelle Bedrängung, Schläge, tödliche Schüsse. Ray durchlebt die Nacht mit jedem der insgesamt vier Verbrecher, die er nach und nach aufspürt und erledigt, aufs Neue.

Für den Zuschauer entsteht so aus vielen kleinen Puzzle-Teilen bzw. Parallelhandlungen das große Ganze. Das folgt im Übrigen keiner chronologischen Abfolge. So kann es sein, dass im Filmverlauf bereits gestorbene Leute im nächsten Segment wieder „quicklebendig“ auftauchen, weil sie bei der Misshandlung eines anderen Familienmitgliedes noch lebten.

Schade ist, dass dieser prinzipiell nicht uninteressante Aufbau total schnarchig dargeboten wird. Das hat diverse Gründe. So nimmt die gewalttätige Behandlung von Rays Familie irgendwie nie so recht mit. Man kennt die Figuren viel zu wenig. Für eine plausible Einführung der Charaktere bleibt nämlich bei 70 Minuten Nettolaufzeit kein Raum. Zudem wirkt Ray von dem Tod seiner Lieben nicht wirklich mitgenommen. Fast als wären sie ihm genauso egal, wie sie es dem Zuschauer sind. Zudem gibt es keine temporeichen Momente. Es brandet nie Action auf. Ray lauert den Lumpen auf, es wird gerangelt und schon ist der jeweilige Mörder hin.

Dazu gesellen sich viele offene Fragen. Die wichtigste: Wie schafft es Ray, die Typen aufzuspüren? Man sieht ihn nie aktiv suchen, er hat keinen Helfershelfer, es gibt auch keinen geheimnisvollen Tippgeber. Und dennoch taucht Ray wie ein Geist an den jeweiligen Schauplätzen auf und killt die Schuldigen. Die Polizei guckt dabei tatenlos zu, lässt ihn gewähren und hilft ihm gar. Warum und weshalb, das wird auch nie wirklich klar.

Als Ray Brookes wuchtet sich Vinnie Jones („Escape Plan“) etwas behäbig durch den Plot. Auf dem Papier ist er freilich die Idealverkörperung des Dynamitfasses mit kurzer Lunte, im fertigen Film wirkt er erstaunlich zurückhaltend und, wie bereits angedeutet, seltsam emotionslos. Das weiß in gewisser Weise zu gefallen, weil er eben nicht den overacteten 0815-Arschlochtypen gibt, den er im Standgas zu verkörpern weiß. Von daher ist seine Performance echt nicht uninteressant. Aber mitreißen kann er den Zuschauer so nie. Seine vier Gegner agierten für mich ähnlich wie Jones: Ein wenig zu cool, zu ruhig, zu unnahbar. Das sollte vermutlich souverän wirken, lässt aber final die Galle einfach nicht überlaufen. Man hasst die Typen nie. Sie sind einem egal. So bleiben vier Gestalten, an die man sich direkt nach ihrem Ableben nicht einmal ansatzweise erinnern kann. Weder wie sie aussahen noch wie sie hießen oder was sie gleich gemacht haben.

Kurzum: So richtig packen will einen dieser Thriller nicht. „Kill Kane“ wirkt trotz kurzer Laufzeit ziemlich lang und nimmt nie Tempo auf. Einzig der Aufbau der Story weiß ansatzweise zu gefallen, weckt aber auch den Eindruck, dass ohne diesen verklausulierten Ansatz kaum mehr als ein 30minütiger Kurzfilm herausgekommen wäre. Optisch bietet „Kill Kane“ solide DTV-Kost, ohne in irgendeiner Abteilung irgendwie aufwändig zu wirken. Zumindest die in Teilen angenehm melancholische Musik weiß zu gefallen. Insgesamt muss ich festhalten, dass ich mir einen Vinnie-Jones-Rachefilm irgendwie ganz anders, viel wuchtiger, viel derber und vor allem viel überdrehter vorgestellt habe. Das Ergebnis wirkt beinahe, als wollte man einen Rachefilm mit rudimentärem Anspruch generieren… was bei diesem Langweiler nicht wirklich funktionierte.

Über eine deutsche Veröffentlichung ist mit bisher noch nichts bekannt. In UK erschien der Film von dem Label 4 Front Films auf DVD und ist mit einer (vermutlich rein dem Thema geschuldeten) hohen Freigabe ab 18 versehen.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label der UK-VÖ: 4 Front Films__Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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