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Kill the Messenger

Originaltitel: Kill the Messenger__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2014__ Regie: Michael Cuesta__Darsteller: Jeremy Renner, Mary Elizabeth Winstead, Paz Vega, Michael Sheen, Robert Patrick, Tim Blake Nelson, Ray Liotta, Michael K. Williams, Barry Pepper, Andy Garcia, Rosemarie DeWitt, Oliver Platt u.a.

„Die Bösen sind normalerweise ehrlicher als die Guten… und unterhaltsamer.“

Kill the Messenger

Jeremy Renner als aufrechter Journalist in “Kill the Messenger”

Gary Webb arbeitet als Investigativ-Journalist für das relativ unbedeutende Blättchen San Jose Mercury News. Als solcher ist er Mitte der 90er Jahre einigen interessanten Hinweisen auf der Spur, laut denen die US-Regierung den Besitz von verhafteten Drogendealern jedweder Couleur beschlagnahmt und in jedem Fall einbehält, egal, ob die Dealer verurteilt werden oder nicht. Doch wieso?

Da tritt eine Informantin an ihn heran und offeriert ihm Beweise, die belegen sollen, dass diese eigentümlichen Vorgänge erst die Spitze des Eisberges seine. Ihren Aussagen zufolge habe die US-Regierung unter Reagan in den 80ern im großen Stil sowohl den Schmuggel von Heroin in die USA als auch dessen Streckung und Verkauf geduldet. Dabei wurden Milliarden US-Dollar umgesetzt, die weitgehend an die CIA zurückgingen. Doch wofür wurde soviel Geld gebraucht?

Webbs wichtigste Spur wird ein Großdealer namens Danilo Blandon. Als er dessen Spuren folgt, findet Webb heraus, dass die CIA das Drogengeld nutzte, um die Contra-Revolution in Nicaragua zu finanzieren, die verhindern sollte, dass der Kommunismus in dem mittelamerikanischen Land Fuß fasst.

Webb bringt seine Erkenntnisse in der Artikelserie „Dark Alliance“ zu Papier und lanciert einen Artikel, der die Bevölkerung aufhorchen lässt. Doch das Land scheint nicht bereit für die Botschaft. Webb wird diskreditiert, seine Arbeit in den Schmutz gezogen und seine Glaubwürdigkeit unterminiert. Als Zeugen verschwinden oder ihre Aussage zurückziehen, wird es für den Journalisten immer schwerer, sich der Vorwürfe der Lügenverbreitung zu entziehen…

„Manche Geschichten sind zu wahr, um sie zu verbreiten.“

„Kill the Messenger“ hat seine stärksten Momente dann, wenn er auf Gary Webb und dessen Recherchen fokussiert. Hier ist der Film ein Hohelied auf den investigativen Journalismus und zeigt Webb beim verbissenen Kampf um Informationen, den vor allem seine Familie teuer bezahlt. Das ist spannend und hoch interessant, wirkt aber auch, als kratze der Film nur an einer viel interessanteren Oberfläche.

Kill the Messenger

Gary Webb mit seiner Ehefrau, die er über die Ereignisse fast zu verlieren droht.

In seiner Fokussierung auf Webb und dessen Arbeit versäumt es „Kill the Messenger“, die Wurzeln der Ereignisse, die sogenannte „Iran-Contra-Affäre“, zu beleuchten. Dabei ist jene eigentlich wesentlich für den gesamten Fall. Hierbei wurden unter der Reagan-Regierung heimlich Waffen an den Iran verkauft, um mit den Erlösen die rechtsgerichteten Guerilla-Kämpfer der Contras in ihrem Kampf gegen die sozialistisch sandinistische Regierung in Nicaragua zu unterstützen.

Als diese aus vielen verschiedenen Gründen heiklen Vorgänge (Iran galt als verfeindeter Staat, der gegen den Irak kämpfte, den man insgeheim unterstützte) 1987 aufgedeckt wurden, kamen auch Erkenntnisse rund um den CIA-gesteuerten Drogenhandel auf den Tisch. Allerdings blieben diese erstaunlicherweise eine Randnotiz. Eine milliardenschwere Randnotiz wohlgemerkt. Die Webb rund zehn Jahre später aufdeckte, deren ganze Dimension offenbarte und aus der Randnotiz ein Politikum machte, das vor allem die schwarze Gemeinschaft empörte. Diese war nämlich die Hauptzielgruppe des damals verkauften Koks.

Kill the Messenger

Gary Webb schreibt seine Erkenntnisse in der Artikelreihe “Dark Alliance” nieder.

Doch all diese Möglichkeiten für ein Mehr an Komplexität blendet „Kill the Messenger“ vor allem in seinem zweiten Teil vollkommen aus. Es geht nun „nur noch“ darum, wie Webbs Leben zerstört wird. Und selbst hier hält der Film in den Texttafeln vor seinem Abspann wichtigere und spannendere Informationen bereit, als sie das Drehbuch von „Kill the Messenger“ für seinen zweiten Akt aufzubieten vermag. Als Zuschauer wartet man beständig darauf, dass Webb weiter enthüllen, weiter an der Oberfläche kratzen und tiefer in das Politikum eintauchen wird. Doch genau das bleibt aus.

Doch selbst in seiner Konzentration auf die Zerstörung der Reputation des Journalisten fehlen dem Film die eindrücklichen Momente. Das zwingende Element. Die dramaturgische Zuspitzung. Und egal wie intensiv Hauptdarsteller Jeremy Renner auch aufspielt, das Schicksal seiner Figur berührt nicht ausreichend genug. Man ist sich der Ungeheuerlichkeit der präsentierten Vorgänge bewusst, aber man fühlt sich nicht involviert. Man ist Beobachter und nicht mehr. Der vom Aufbau her sehr ähnlich funktionierende „Fair Game“ mit Sean Penn und Naomi Watts etwa nahm da deutlich mehr mit.

Kill the Messenger

Jeremy Renner erweckt Gary Webb zu störrischem, aufrechten Leben.

Inszeniert ist „Kill the Messenger“ im Stil eines klassischen Politthrillers und steht dabei in der Tradition von Filmen wie „Die Unbestechlichen“ oder zuletzt „State of Play“. Klar und nüchtern in der Bildsprache fokussiert er stark auf das gesprochene Wort, wobei den Dialogen ein wenig die Schärfe abgeht. Ein großes Plus von „Kill the Messenger“ ist seine bis in die Nebenrollen hinein prominent und versiert besetzte Darstellerriege. Leider kommen die meisten bekannten Gesichter auf kaum mehr als eine oder zwei Szenen. So etwa auch Robert Patrick („Safe House“) oder Ray Liotta („Operation Olympus“).

Das größte Pfund aber ist Jeremy Renner („Mission: Impossible – Rogue Nation“), der in einer starken Performance als fehlbarer, allzu menschlicher Held gegen ein übermächtiges System ankämpft, das auch heute, knapp 20 Jahre später, noch immer von vielen kritisch beäugt wird. Es ist der ewige, übergroße Opportunismus von Geheimdiensten wie dem CIA, der dem Film und seinem Thema auch heute noch ordentlich Brisanz auf den Weg mitgibt. Leider weiß der Film aus den vorhandenen Potentialen nicht viel zu machen. Vor allem verliert er zunehmend an Spannung. Während die erste Filmhälfte großartig funktioniert, fällt die zweite deutlich ab. Gefühlt fehlt zudem ein letzter Akt. „Kill the Messenger“ steigt relativ unvermutet aus seiner Geschichte aus und lässt dabei diverse Chancen ungenutzt liegen. So das traurige Ende Webbs, der nie wieder journalistisch tätig wurde, in eine Depression abglitt und 2004 tot aufgefunden wurde. In seinem Kopf steckten zwei Kugeln. Der Schluss der ermittelnden Behörden: Selbstmord…

Die deutsche DVD/Blu-ray zum Film erscheint am 21. Januar 2016 von Universal Pictures Home Entertainment und ist mit einer FSK 12 Freigabe ungeschnitten. Nur die Blu-ray hat zumindest ein paar kurze Extras im Gepäck.

In diesem Sinne:
freeman

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Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Universal Pictures Home Entertainment__Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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