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Killer Instinkt

Originaltitel: Killer Instinct__Herstellungsland: USA/Philippinen__Erscheinungsjahr: 1987__Regie: Cirio H. Santiago__Darsteller: Robert Patrick, Robert Dryer, William Steis, Morgan Douglas, Lydie Denier, Barbara Patrick, Rey Malonzo, Joe Mari Avellana, Henry Strzalkowski, Anthony East, David Light, Mel Davidson, Don ‘The Dragon’ Wilson u.a.
Killer Instinkt

Vietnam-Action von Cirio H. Santiago mit Robert Patrick in der Hauptrolle und einem Auftritt von Don ‘The Dragon’ Wilson: “Killer Instinkt”

Zu Beginn seiner Karriere arbeitete Robert Patrick in schneller Folge mehrfach mit dem philippinischen B-Filmer Cirio H. Santiago zusammen, gleich zweimal für dessen Vietnamactioner, genauer gesagt „Jungle Force“ alias „Eye of the Eagle“ und „Killer Instinkt“.

In beiden Filmen trägt Robert Patricks Figur sogar den gleichen Rollennamen: Johnny Ransom. Um Sequels handelt es sich aber nicht, schließlich erhielt „Eye of the Eagle“ noch zwei Robert-Patrick-freie Sequels, aber im Reich von Cirio H. Santiago wurden Requisiten, Drehbuchelemente und sogar fertige Filmszene gerne mehrfach verwendet. „Killer Instinkt“ spielt kurz vor Ende des Vietnamkriegs, als Ransom und seine Einheit losziehen um vier Kriegsgefangene aus einem Vietcong-Camp in jenem Steinbruch zu befreien, in dem Santiago auch diverse seiner Endzeitreißer („Equalizer 2000“, „Wheels of Fire“, „The Sisterhood“ usw.) runterkurbelte. Allerdings scheitert man, die vier Gefangenen werden vom natürlich megasadistischen Vietcong-Kommandanten Tran Van Minh (Joe Mari Avellana) abgeknallt und Ransoms Einheit wird selber gefangengenommen.

Danach folgt eine Runde „Missing in Action 2“ im Schweinsgalopp: Ransom muss erst ein paar Demütigungen ertragen, ein großmäuliges Mitglied seiner Einheit verdient sich für andauernde Widerworte gegen die Aufseher den Fangschuss und schließlich entkommt Ransom, wobei er natürlich noch diverse Widersacher plattmacht. Kaum im US-Lager angekommen, mobilisiert er Freiwillige und einen Helikopter, fliegt zum Gefangenenlager, schießt es erst aus der Luft sturmreif und befreit dann im Bodenkampf seine verbliebenen Jungs. Daran merkt man: Santiago hat nicht nur „Missing in Action“ plus Fortsetzung gesehen, sondern auch „Rambo 2“, denn daran erinnern die Heli-Attacke und der sowjetische Militärberater Dmitri (Robert Dryer), der die Vietcong anleitet und in Sachen Schurkentum natürlich in die Tasche steckt.

Während Ransom und seine Jungs nach der Befreiung ins Spital nach Thailand verlegt werden, ergibt sich eine weitere Mission: Ein hochrangiger Militär der Nordvietnamesen will überlaufen und hat ein wichtiges Codebuch in seinem Besitz. Dem geneigten Zuschauer ist klar, dass Ransom auch da bald wieder mitmischen wird…

Auch „Killer Instinkt“ wartet mit typischen Santiago-Schwächen auf, gerade in Sachen Dramaturgie. Zwar gehen Gefangenenbefreiung und Jagd auf den Überläufer einigermaßen ineinander über und mit Dmitri haben beide Handlungsfäden den gleichen Oberschurken, aber trotzdem wirkt es ein wenig als ginge der Film zur Mitte noch einmal neu los. Zudem gibt es gleich drei sehr ähnlich aufgebaute Rausholszenen, in denen die guten Ami-Jungs irgendwen aus dem Lager der Vietcong raushauen müssen, wobei diese natürlich allesamt fiese Schweine mit Folterfaible und wenig Zielgenauigkeit sind, die ihr mangelndes Geschick immerhin durch große Zahlen ausgleichen.

Doch wenn die Schurkenhorden in Moorhuhn-Manier von dem bevorzugt mit dem M60 (Rambos Waffe aus Teil zwei) rumballernden Helden niedergestreckt werden, dann merkt man schon, dass „Killer Instinkt“ zu den besser inszenierten Werken Santiagos gehört. Kameraführung und Schnitt sind etwas dynamischer, die Action hat etwas mehr Wumms, auch wenn die Ballerszenarien in Dschungel und Steinbruch sich keine allzu großen Variationen leisten. Dafür sind Schlagzahl und Tempo hoch, das Finale lässt den Oberschurken mal nicht nebenbei krepieren, sondern gönnt diesem sogar einen vielleicht etwas kurzen, aber doch brauchbaren Endfight mit Good Guy Ransom. Da hier mal etwas Geld da war, kommen in den Actionszenen ein Hubschrauber und ein Jeep mit Raketenwerferaufsatz zum Einsatz, in formschönen Explosionen werden Hütten weggesprengt und Stuntleute werden durch die Luft geschleudert, sodass „Killer Instinkt“ dem Actionfan Laune bereitet. Sogar für ein paar Verfolgungsjagden mit Jeep und/oder Motorrad findet Santiago hier Platz.

Killer Instinkt

Johnny Ransom (Robert Patrick) mit einem Kameraden und seinem wichtigsten Utensil: Einem M60

Ein weiterer Pluspunkt ist der gewohnt charismatische Robert Patrick („The Eloise Asylum“) in der Heldenrolle, der natürlich nur den harten Hund nach Schema F geben muss, aber das tut er mit Verve und Charisma. Ausstrahlung hat auch Robert Dryer („Geballte Fäuste“) als Fiesmöpp, während Santiago-Spezi Joe Mari Avellana („Die Todesinsel“), der hier gleich auch noch für Drehbuch und Produktionsdesign verantwortlich war, etwas zu kurz kommt. Der Rest vom Fest ist kaum der Rede wert, allenfalls vielleicht noch Robert Patricks spätere Frau Barbara Patrick („Zero Tolerance“), damals noch Barbara Hooper, welche in ihrem Schauspieldebüt die Krankenschwester Terry gibt, die Vergangenheit mit Ransom hat, weshalb es beim Krankenhausaufenthalt zwischen den beiden kriselt. In einer Minirolle als Gehilfe eines Stadtvorstehers ist Don ‘The Dragon‘ Wilson zu sehen, der auch in Santiagos „Platoon ohne Rückkehr“ mitspielte und dessen Durchbruch „Bloodfist“ Santiago mit produzierte.

„Killer Instinkt“ versucht sich zwischendrin auch an ein paar Nebenhandlungen, die ambitioniert sind, aber etwas ins Leere laufen: Ransom und Terry streiten darüber, ob man mit oder ohne Waffen Frieden schaffen kann, feige Vorgesetzte ziehen nach der Unterzeichnung des Pariser Friedensabkommens aus Vietnam ab und lassen Untergebene zurück, ein paar Revoluzzer werden von der Kommandantin Dupree (Lydie Denier) angeführt, die mit einem Mitglied von Ransoms Einheit romantische Bande knüpft, die für den Rest vom Film völlig egal sind. Das alles bremst „Killer Instinkt“ glücklicherweise nicht aus, wirkt aber auch halbgar, da Santiago nichts davon vertieft. Immerhin lernen wir am Ende, dass die Liebes eines Mannes zu seinem Vaterland stärker ist als die Liebe eines Mannes zu einer Frau.

Doch trotz dramaturgischer Schwächen und trotz oberflächlicher Pappkameraden-Figuren hat „Killer Instinkt“ schon Schmackes und Tempo, kredenzt eine Menge Action, die zwar keine Referenzklasse hat und vor allem Standardgeballer bietet, für Santiago-Verhältnisse aber recht dynamisch und kraftvoll inszeniert ist. Flair hat das Dschungelgeballer auch, einen starken Hauptdarsteller sowieso – „Killer Instinkt“ gehört klar zu den besten Werken in Santiagos Schaffen.

„Killer Instinkt“, im Original „Killer Instinct“, wurde auch unter den extrem generischen Titeln „Behind Enemy Lines“ und „Search and Destroy“ veröffentlicht, bisher weltweit aber nur auf VHS, zumindest meines Wissens nach. Die deutsche FSK-18-Fassung von Vestron wurde stark gekürzt, basiert aber auf der amerikanischen Unrated-Fassung. Ob die Unrated nur in Sachen Handlung (wie so oft bei Santiago) länger ist oder auch in Sachen Gewalt, ist mir unbekannt. Ich habe die niederländische VHS, ebenfalls von Vestron dort veröffentlicht, gesehen und die beinhaltet die komplette Unrated-Fassung, wie damals üblich auf Englisch mit holländischen Untertiteln.

© Nils Bothmann (McClane)

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