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Kingdom

Originaltitel: Kingudamu__Herstellungsland: Japan__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Shinsuke Satô__Darsteller: Kento Yamazaki, Ryô Yoshizawa, Masami Nagasawa, Kanna Hashimoto, Tak Sakaguchi, Kanata Hongô, Shinnosuke Mitsushima, Masahiro Takashima, Jun Kaname, Takao Ohsawa, Shin’nosuke Abe u.a.
Kingdom DVD Cover

“Kingdom” ist eine flotte Manga-Verfilmung aus Japan.

Der japanische Actionstreifen „Kingdom“ basiert auf der gleichnamigen Mangaserie von Yasuhisa Hara. Diese ist im China der streitenden Reiche angesiedelt. Film und Manga erzählen von den beiden Waisen Shin und Hyou, die als Sklaven auf einem Bauernhof mit einem erstaunlich wohlmeinenden Besitzer aufwachsen. Beide sind sehr empfänglich für die Geschichten über glorreiche Kriegsherren. Irgendwann, so der Plan, wollen beide die größten Generäle ihrer Zeit werden.

Dementsprechend trainieren sie verbissen den Umgang mit dem Schwert. Eines Tages, beide sind längst zu Teenagern herangereift, taucht ein königlicher Minister auf und nimmt Hyou mit sich. Shin trainiert fortan noch härter, um irgendwann wieder mit seinem Freund zusammen sein zu können. Da steht urplötzlich Hyou wieder vor Shin und bricht halbtot zusammen. Mit letzter Kraft bittet er seinen Freund, zu einem bestimmten Ort zu eilen. Dort wisse er, was zu tun sei. Kurz darauf ist Hyou tot und Shin bricht umgehend auf, die letzte Bitte seines Freundes zu erfüllen.

Vor Ort angekommen, steht Shin vor einem seltsamen Zelt. Als er es öffnet und hineinblickt, ist er baff: Hyou sitzt quicklebendig darin. Oder auch nicht. Denn der Mann, der Hyou wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sieht, ist in Wirklichkeit der König des Landes. Aus Amt und Würden geputscht. Shin muss nun herausfinden, was all das mit seinem Freund zu tun hat. Und er setzt alles daran, den König wieder auf den Thron zu hieven. Dazu muss er kampfstarke Verbündete um sich scharen und beweisen, dass er im Schwertkampf tatsächlich unbesiegbar ist.

Schaut in die Manga-Verfilmung hinein

Die Japaner drehen einen Wuxia-Streifen in China. Das ist doch mal eine interessante Kombination. Dabei dreht sich alles um die Reise eines Helden, der zum einen eine fest vorgegebene Queste zu bestehen hat und zum anderen zu einem Mann heranreifen soll. Das Ergebnis ist flott erzählt, gnadenlos auf ein jugendliches Publikum zugeschnitten, immer mal wieder ein wenig überladen – und zu keiner Sekunde langweilig. „Kingdom“ ist immer in Bewegung, was schnell zu Lasten der Charaktere geht. Während die Figuren infolgedessen durch die Bank relativ konturlos bleiben und sogar Possenspiele um die geschlechtliche Identität einer Hauptfigur nicht weiter aufgeklärt werden, wird zumindest die überraschungsfreie Geschichte geradlinig abgespult.

Kingdom Shin

Shin erlebt in “Kingdom” ein gefährliches Abenteuer.

Um letztere immer mal wieder zu pushen, lanciert Regisseur Shinsuke Sato häufiger flotte Actionintermezzos, die sich im Verlauf des Filmes in ihrem Aufwand steigern. Während zu Beginn vor allem Mano-a-Mano-Duelle dominieren, ballt sich im 40-minütigen Showdown das Schlachtengetümmel mit einem Overload an Swordplay und diversen pathetischen Momenten. Dabei hat Actionregisseur Yûji Shimomura („Re:Born“) ein deutlich besseres Händchen für die intimeren Duelle. Schon der erste Fight direkt zu Beginn des Filmes überrascht mit ein paar hübschen Bewegungsabläufen und einer sehr dynamischen Inszenierung.

Ein Fight in einem Bambushain legt sogar noch einmal eine Schippe drauf und hat neben ein paar coolen Moves der Kontrahenten auch ein paar starke, noch nicht sonderlich verbraucht anmutende Bilder zu bieten. Das letzte Mano-a-Mano-Duell ist aus Actionfan-Sicht sehr interessant. In dem darf „Versus“ und „Re:Born“ Kult-Japano-Actionstar Tak Sakaguchi gegen Shin ran und einen schönen Schwertkampf mitgestalten. Leider ist der japanische Actionheld ansonsten ein Opfer der doch recht krassen Ausrichtung des Filmes auf ein jugendliches Publikum. Figuren, die sichtlich älter als 20 sind, haben in „Kingdom“ nichts zu melden.

Kingdom Hyou

Shins Freund Hyou überlebte seine Pflichten als Schatten des Königs, dem er zum Verwechseln ähnlich sah, nicht.

Die Figuren, die etwas zu melden haben, dürften so manchen Westler vor eine echte Herausforderung stellen. Denn Overacting wird in „Kingdom“ zum teilweise sehr nervigen Prinzip erhoben. Hier ist jede Geste zu groß, jede Mimik zu überzogen. Von dem teils salbungsvollen Geschwalle ganz zu schweigen. Ein Problem ist zudem, dass ausgerechnet der von Kento Yamazaki gespielte Held Shin doch reichlich vorlaut, prollig, besserwisserisch und teils auch arrogant rüberkommt. Was es nicht unbedingt leicht macht, auf dem heimischen Sofa mit ihm mit zu fighten.

In optischer und akustischer Hinsicht gibt es derweil kaum etwas zu beklagen. Die Action ist dynamisch in Szene gesetzt. Einige CGI-Effekte fallen zwar deutlich als solche auf, stören aber nicht groß. Die eigentliche Handlung präsentiert große Kinobilder und zehrt von den chinesischen Schauplätzen, die von Wüsten bis Bambuswäldern eine weite Range abdecken. Musikalisch werden ein paar bombastische Stücke abgefeiert.

Manga-Verfilmung aus Japan, die in China spielt

Die Manga-Verfilmung wartet mit tollen Bildern auf.

Interessant ist, dass ausgerechnet die Elemente, die man den Mangawurzeln des Filmes zuweisen würde, in „Kingdom sehr gewollt und deplatziert wirken. Dazu gehören nicht näher erklärte seltsame Deformierungen mancher Figuren und mehrere Meter hohe Gegner unserer Helden.

„Kingdom“ bietet ordentliche Unterhaltung

Was am Ende bleibt, ist ein unterhaltsamer Wuxia-Film, der immer dann besonders lebendig gerät, wenn er seine weitgehend überzeugende Action abfeiern darf. Auch die großen, farbsatten Bilder von den chinesischen Schauplätzen und die detailverliebte Ausstattung wissen zu überzeugen. Und obschon die Geschichte von „Kingdom“ reichlich generisch geraten ist, hält sie den Film gut zusammen und rettet ihn auch über manch unrunden Moment hinweg.

Schade ist, dass man über die Figuren nicht wirklich viel erfährt. Die größten Minuspunkte sammelt „Kingdom“ jedoch für seine Blockbusterausrichtung und Orientierung an einem doch recht jungen Publikum. Infolgedessen gerät die an und für sich gute und wuchtige Action unverhältnismäßig blutleer und verschenkt damit Intensität. Noch schlimmer sind jedoch die Overactingeinlagen eigentlich aller Darsteller und der teilweise doch recht nervige Held.

06 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erschien von Capelight Pictures und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Capelight Pictures__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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