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Kiss Kiss Bang Bang

Originaltitel: Kiss Kiss Bang Bang__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2005__Regie: Shane Black__Produktion: Joel Silver__Darsteller: Robert Downey Jr., Val Kilmer, Michelle Monaghan, Corbin Bernsen, Dash Mihok, Larry Miller, Rockmond Dunbar, Shannyn Sossamon, Angela Lindvall u.a.
Kiss Kiss Bang Bang

Val Kilmer und Robert Downey Jr. witzeln sich durch die Joel Silver Produktion “Kiss Kiss Bang Bang”

Shane Black ist schon so einer. Da steigt der Mann erst mit „Lethal Weapon“, „Last Boy Scout“ und „The Long Kiss Goodnight“ zu Hollywoods bestbezahltem Drehbuchautor auf, verschwindet danach in der Versenkung – um jetzt mit „Kiss Kiss Bang Bang“ mal eben den besten Film des Jahres 2005 hinzulegen.

Schnell fällt die ungewöhnliche Erzählweise des Films auf: Harry Lockhart (Robert Downey Jr.), ein professioneller Dieb, erzählt die Geschichte und was man über die Charaktere wissen muss. Dabei kommentiert er die Erzählung, baut Rückblenden ein usw. Wenn ein Starlet auf einer Hollywoodparty erzählt, sie habe es etwas geschauspielert, zeigt „Kiss Kiss Bang Bang“ die Szene in Anlehnung an ultrabillige Horrorfilmchen: Das Starlet wird in dieser Szene (natürlich barbusig) von einem Werwolf im billigsten Kostüm dahingemetzelt.

Harry selbst gelangt nach Hollywood, als sein Partner bei einer Diebestour erschossen wird und er auf der Flucht in ein Casting reinplatzt. Emotional total aufgewühlt spricht er vor, entkommt den Cops – und kriegt die Rolle. Doch die bittere Ironie des Schicksals will es, dass er ausgerechnet einen Detektiv spielen soll und dafür soll ihm Perry Van Shrike (Val Kilmer), genannt Gay Perry, Unterricht geben. Wer diesen Zynismus schon für böse hält, der sollte sich festhalten: Das ist erst der Anfang.

Harry trifft in Hollywood sogar seine Jugendliebe Harmony Faith Lane (Michelle Monaghan), nimmt Stunden bei Perry – und wird gemeinsam mit ihm in einen Mordfall verwickelt. Leider stecken dahinter die mächtigsten Leute Hollywoods, wie die beiden schnell erfahren müssen…

„Kiss Kiss Bang Bang“ beweist, dass Shane Black nichts von seinem alten Biss verloren hat, denn der Ton erinnert an seine Glanzwerke. Allerdings fällt „Kiss Kiss Bang Bang“ weniger actionreich aus, denn das hier ist eine fast reinrassige Krimikomödie. Doch die paar Schusswechsel und Carcrashes sind solide in Szene gesetzt, denn Black erweist sich in seinem Regiedebüt auch als ziemlich guter Inszenator, der viel Gespür für Timing und eindrucksvolle Bilder mitbringt. So baut Black auch kleine optische Gimmicks ein (z.B. wenn Harry den Film anhält, als ob der Projektor einen Stau hätte).

Die Handlung bietet Kurzweil und Spannung, auch wenn die Lösung des ganzen Rätsels nach einer Weile für den erfahrenen Seher erkennbar wird. Doch genau da hakt „Kiss Kiss Bang Bang“ mit Ironie nach, denn der Film macht sich gerade über die Klischees des Genres lustig: Kurz bevor die Lösung enthüllt wird, fragt Harry den Zuschauer, ob er es auch schon gemerkt habe und bittet im gleichen Moment, die Lösung nicht direkt Richtung Leinwand zu brüllen. Damit nimmt „Kiss Kiss Bang Bang“ jedem Kritiker, der sich über die Story beschweren will, den Wind aus den Segeln. Herrlich auch die Verballhornung von Standardszenen des Thrillers: Das russische Roulette, um Gefangene zum Reden zu bringen (was hier natürlich einen ganz anderen Ausgang nimmt als in sonstigen Filmen) usw.

Herzstück des Films ist die Komik und die ist ebenso gelungen wie bösartig. Da wird schon mal versehentlich ein Finger abgetrennt oder eine Leiche vom Dach geworfen, weil das schneller, bequemer und sicherer ist, als sie aus dem siebten Stock durchs ganze Hotel nach unten zu tragen. Neben diesem bösartigen, oft makaberen Slapstick fallen auch noch zahlreiche Wortgefechte und Oneliner, die allesamt so spruchreif sind wie die Dialoge in Blacks früheren Filmen. Ähnlich wie Bruce Willis in „Last Boy Scout“ haben die Charaktere vor nichts Respekt, noch nicht mal vor sich selbst, z.B. redet Perry wenig zimperlich über seine Homosexualität.

Doch während ein Gag den nächsten jagt, vergisst Black eines nicht: Die richtige Portion Herz, die seine Machocharaktere immer so sympathisch macht. Da trauert Harry seiner Jugendliebe nach und wenn Harmony etwas entsetzt über seine Gefühle ruft: „Why me? There are younger and better.“ antwortet Harry mit rührender Ehrlichkeit: „I don’t want younger and better. I want you.“ Trotzdem beißt sich der emotionale Kern nie mit dem extrem zynischen Ton des Films und gerade das macht Blacks Genremix so absolut unterhaltsam und liebenswert.

Robert Downey Jr. liefert hier zudem eine absolute Glanzleistung als Dieb mit Herz ab. Auch die Chemie mit Val Kilmer stimmt und auch wenn Kilmer nicht mit Downey Jr. mithalten kann, so erbringt auch er eine gute Leistung. Etwas fett geworden, aber mit der nötigen Hingabe spielt er den zynischen Perry. Michelle Monaghan macht ebenfalls einen guten Job, ebenso wie Corbin Bernsen als Hollywoodproduzent.

„Kiss Kiss Bang Bang“ ist eine urkomische, von vorne bis hinten gelungene Komödie, die erfreulich böse und unangepasst daherkommt. Die Action von Blacks früheren Werken fehlt zwar, doch ansonsten ein rundum genialer Film.

Starke:

Der Film kommt von Warner Brothers auf DVD und Blu Ray und ist mit einer FSK 16 uncut.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Warner Home Video__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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