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Kommando Leopard

Originaltitel: Kommando Leopard__Herstellungsland: Deutschland, Italien, Schweiz__Erscheinungsjahr: 1985__Regie: Antonio Margheriti__Darsteller: Lewis Collins, Klaus Kinski, Cristina Donadio, Manfred Lehmann, John Steiner, Hans Leutenegger, Thomas Danneberg, Francis Derosa, Alan C. Walker, Michael James u.a.
Kommando Leopard

“Kommando Leopard” versucht nicht nur “Geheimcode Wildgänse” zu wiederholen.

Geheimcode Wildgänse“ war für Erwin C. Dietrich ein großer, sich weltweit gut verkaufender Erfolg. Dementsprechend wohlgemut investierte er in einen Söldnerstreifen, der beinahe die gesamte Besetzung des Vorgängerfilmes aufbot, an weitgehend denselben Schauplätzen gedreht wurde und wieder Klaus Kinski als Oberbösewicht präsentierte. Im Extra-Kernstück der Blu-ray zum Film von Ascot Elite, einem beinahe einstündigen Making Of, geht man auf Kinskis Wirken am Set besonders ein. Der Maniac pflegte auch am Set dieses Streifens seine Marotten, gab kryptische Antworten auf dumme Reporterfragen und flippte am Set mehr als einmal ordentlich aus. Zudem mied er seine Co-Stars und wurde umgekehrt von ihnen gemieden. Doch genau ein solch unberechenbares Moment kann einem Film ja auch richtig gut tun…

Carrasco ist der Anführer einer Gruppe Guerillas, die die Truppen eines Generals stürzen wollen, der eine eiserne Militärdiktatur in einem namenlosen lateinamerikanischen Land errichtet hat und seine Bevölkerung ordentlich knechtet. Wie der Zuschauer bald bemerken muss, ist aber nicht der General das eigentliche Problem, sondern dessen rechte Hand, Silveira. Eiskalter Chef der Milizen des Landes, der raubend und mordend die Bevölkerung unterjocht. Um der Militärdiktatur ein Ende zu setzen, sprengen Carrascos Männer Staudämme, führen Attentate durch und spucken Silveiras Männern in die Suppe, wo sie nur können. Die Lage wird deutlich komplizierter, als ein Pfarrer ins Spiel kommt, der das Wohl der Menschen des Landes über alle Maßen wertschätzt und dabei den manchmal recht skrupellos vorgehenden Männern Carrascos so manch harte moralische Nuss zu knacken gibt…

Den Söldneraspekt der Söldnertrilogie von Erwin C. Dietrich bekommt man bei „Kommando Leopard“ nur sporadisch zu spüren. Hier und da klingt an, dass mancher Begleiter Carrascos ein Söldner zu sein scheint. Davon abgesehen sind die Söldner dieses Mal eher Freiheitskämpfer, was Antonio Margheriti („Im Wendekreis des Söldners“) freilich erneut nicht davon abhielt, kriegerische Handlungen als großen Abenteuerspielplatz für große Jungs zu inszenieren und auf eine wirklich intelligente Handlung zu verzichten. Die Fronten sind schnell und klar umrissen, Ambivalenzen kennt „Kommando Leopard“ keine. Selbst der genretypische Verrat durch einen Mitstreiter der Helden fällt beinahe komplett unter den Tisch und wird fast schon pflichtschuldig in nur wenigen Sekundenbruchteilen dargereicht. Ansonsten ragt eigentlich nur das moralisch manchmal nicht ganz einwandfreie Vorgehen der Helden etwas inspirierter aus dem Actionwust heraus. Leider werden diese Momente, in denen die Helden ihr eigenes Vorgehen hinterfragen, immer wieder arg schnell beiseite gewischt.

Grund dafür ist auch das hohe Actionaufkommen des Filmes. Denn Margheriti, der hier noch sichtlich mit einem ordentlichen Budget haushalten durfte, haut in regelmäßigen Abständen aufwändige Actionszenerien raus. Das beginnt bei dem reizvollen Setting eines riesigen Staudammes, der gesprengt wird, geht über diverse kleinere Ballereien und endet in mehreren Shootouts im Rahmen eines netten Showdowns, bei dem sogar Klaus Kinski wild um sich ballern darf. Die Action ist dabei sauber inszeniert, hätte aber gerne blutiger ausfallen dürfen. Meist bleibt nämlich das Bebildern der Treffer-Effekte aus. Die Spektakelszenen inszenierte Margheriti wie gewohnt mittels diverser Modelle: So die Explosionen eines Drogenlagers und eines Staudammes, von zig Helikoptern oder eines Flugzeuges. Die rührend naiven Effekte sind gar nicht mal so übel, werden aber teilweise einfach zu lange fokussiert, weswegen man sie schnell als Modelltricks enttarnt. Echte Highlights setzen diverse Pyrotechnikeffekte, bei denen fette Feuerbälle gen Himmel steigen dürfen.

Lewis Collins wirkt als lateinamerikanischer Rebellenführer leicht fehlbesetzt, entwirft aber dennoch einen glaubwürdigen Anführer und weiß vor allem in den Actionszenen zu gefallen. Ein einziges Ärgernis ist seine mit Klischees zugemüllte Beziehung zu der einzig wichtigen Frauenfigur des Filmes. Was zum einen daran liegt, dass die Figur, die Cristina Donadio hier spielen muss, ihre Meinungen und Ansichten mit der jeweils vorherrschenden Wetterlage zu ändern scheint und sie zum anderen einfach nur nervt, den Film bremst und ihre gewollt coolen Auftritte genauso rüberkommen – gewollt. Thomas Danneberg und Manfred Lehmann sind wie fast alle Darsteller von „Geheimcode Wildgänse“ übrig geblieben und bekleiden hier einfach nur andere Rollen. Ansonsten sind sie auch nur da, um zu sterben. Und Klaus Kinski? Nunja, der gibt halt den Maniac. Mal schmierlappig, mal überdreht, mal fluchend, mal ballernd, letzten Endes ist er aber einfach nur Klaus Kinski.

Was weiterhin gefällt, ist, die ordentliche Kameraarbeit des Filmes, die immer wieder versucht, auch Dialogpassagen und nicht so dynamische Momente aufzuwerten. Etwa durch ungewohnte Perspektiven und schrägere Einstellungen. Vor allem im Vergleich zum Nachfolger „Der Commander“ wirkt der grobkörnige „Kommando Leopard“ geradezu inspiriert, was auch für die Musik des Filmes gilt. Diese stammt komplett aus irgendeinem Synthesizer und ist vor allem in der Action fast schon verharmlosend fröhlich und beschwingt, leistet sich aber in manch anderen Szenen auch erstaunlich düstere Töne.

Was bleibt, ist eine Fortsetzung, die zwar genauso aussieht wie der Vorgänger (gleiche Besetzung, gleiche Settings – immerhin drehte man wieder auf den Philippinen) und sich auch ein wenig so anfühlt, aber dennoch mal etwas anderes versucht: Der Söldneransatz rückt dabei komplett in den Hintergrund und man erzählt eine vollkommen andere Geschichte als im Vorgänger. Von „Geheimcode Wildgänse“ übernimmt man im Grunde nur die besten Tugenden: Das straffe Tempo, die zahlreichen Actionszenen und die Funktionalität der schmalen Geschichte, die alles zusammenhält. Fans mülliger B-Actionstreifen, die „ihre“ Filme per se nicht zu ernst nehmen, finden in diesem Actiontrasher, der aus seinen Möglichkeiten das Maximum herausholt, einen sehr netten Zeitvertreib. Trotzdem brauchen sie für den üblen Abspannsong ganz ganz starke Nerven!

Der Film erschien in Deutschland auf DVD und Blu-ray von Ascot Elite. Beide Datenträger haben vor allem in den dunklen Szenen dank des starken Filmkorns mit ordentlichem Rauschen zu kämpfen. Die volle Ladung Extras erhält man nur auf der Blu-ray zum Film, deren Extras bis auf einen netten Audiokommentar und das bereits erwähnte Making Of identisch sind zu der Disc von „Geheimcode Wildgänse“.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Ascot Elite__FSK Freigabe: 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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