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Kriegssöldner – The Killer War

Originaltitel: Pyataya kazn / The Fifth Execution__Herstellungsland: Russland__Erscheinungsjahr: 2010__Regie: Aleksandr Yakimchuk__Darsteller: Rutger Hauer, Michael Madsen, Anna Geller, Brahim Achabbakhe, Pawel Delag, Fedor Emelianenko, Geoffrey Giuliano u.a.
Kriegssöldner - The Killer War

Blöder Titel, blödes Cover, nicht ganz so blöder Film. Mittendrin: Rutger Hauer und Michael Madsen

Die Russen versuchen schon seit geraumer Zeit vor allem im actionorientierten Filmsektor mit Produktionen aufzutrumpfen. Genannt seien einmal Filme wie „Russian Transporter“, „Apocalypse Code“, „Phantom Commando – Die Rückkehr“, „Paradox Soldiers“, „Die neunte Kompanie“, …. Die Gründe dafür sind recht einfach. Actionfilme brauchen keine hochtrabenden Geschichten und wenn es auf der Leinwand kracht, ist das universell verständlich, was eine internationale Vermarktung durchaus begünstigt. Womit die russischen Actionfilme zumeist punkten, sind ihre technische Umsetzung und die lancierten Bilder, die es meist schwer machen, festzustellen, ob man nun vor einem B- oder A-Film russischer Prägung hockt. Leider leiden die russischen Actionfilme aber auch unter diversen Kinderkrankheiten, zumindest unter westlichen Gesichtspunkten gesehen. Das wichtigste Problem ist, dass die Russen es nicht schaffen, einen wirklichen Star mit Wiedererkennungswert zu etablieren. Des Weiteren tut man sich bei russischen Actionfilmen häufig schwer, was die Sympathiewerte angeht. Denn Actionhelden russischer Prägung sind meist so unironisch Old School, dass man teils glaubt, die Darsteller und ihre Figuren seien irgendwie aus der Zeit gefallen. Die Ergebnisse sind zwar meist wunderbar kernig, aber größtenteils auch irgendwie komplett uncharismatisch. Ein weiteres Problem, das mir persönlich immer mal wieder aufstößt: Wirklich griffig sind die meisten Geschichten russischer Actionfilme nicht. Eher verschwurbelt, unpointiert …

Dies trifft auch auf „Kriegssöldner – The Killer War“ zu. In diesem findet ein schwerreicher Industriemagnat namens Hunt eine Möglichkeit, anhand isolierter Salamandergene die Regenerationskräfte der menschlichen Zellen anzuregen. Dies funktioniert so gut, dass Hunt, ehedem Rollstuhlfahrer, inzwischen wieder laufen kann. Leider hat sein Mittel diverse Nebenwirkungen. Die schlimmsten: Es macht aggressiv und die Probanten, die das Mittel auch nehmen, neigen zu suizidalem Verhalten. Die Gründe hierfür findet eine russische Wissenschaftlerin in den Tiefen des thailändischen Dschungels heraus. Damit sie Hunts neue Einnahmequelle nicht gefährden kann, schickt er ihr einen eiskalten Söldner auf den Hals, der die Wissenschaftlerin festsetzen soll. Das können die Russen nicht auf sich sitzen lassen und schicken ein Befreiungskommando los …

Kriegssöldner - The Killer War

Dicke Explosionen gehören im Russenactionkino einfach dazu!

Dieses trabt nun durch den Dschungel und muss sich damit zufrieden geben, dass das zugrundeliegende Drehbuch seine Geschichte weitaus komplizierter aufzieht, als es der Film verdient hat. Das sorgt zu Beginn noch für Spannung, da man sich die gröberen Zusammenhänge zwischen der Dschungelmission und diversen Selbstmordeinlagen nicht wirklich erklären kann, verläuft aber irgendwann in arg lethargischen Bahnen, da man den „Geheimnissen“ der Geschichte als Zuschauer weit vor den Filmcharakteren auf die Schliche kommt. Mit fatalen Folgen für die Spannung im Film. Und leider versäumt es „Kriegssöldner“ immer wieder, von diesem Umstand mit fetter Action abzulenken. Es steigen zwar beständig kleinere Scharmützel, aber immer, wenn man glaubt, der Film habe seinen Break Even Point erreicht und starte jeden Augenblick richtig durch, schmeißt „Kriegssöldner“ wieder die Bremse rein und verlegt sich lieber auf labernde Charaktere, die aber eigentlich so gar nichts zu erzählen haben …

Ärgerlich wird der Umgang mit der filminhärenten Action spätestens in Richtung Showdown, wenn die große vermeintliche Endschlacht nunmehr nur zu hören und nicht zu sehen ist. Einem anders angelegten Film hätte diese Darstellung vielleicht sogar gut gestanden, als Actionfan fühlt man sich aber fast ein wenig verhöhnt – zumal an dieser Stelle fast alle eingeführten Figuren das Zeitliche segnen. Die Figuren sind ein weiteres Problem des Filmes. Ihnen irgendwelche Formen von Motivation zuzusprechen, ist schlicht unmöglich. Auch werden hier schon mal Helden eingeführt, nur um sie kurz darauf in der Masse an Figuren absaufen zu lassen und sie nicht mehr zu nutzen. Da können die durchaus kernig auftretenden Hauptdarsteller auch nicht viel gegen ausrichten. Und so weiß man als Zuschauer gar nicht so recht, an wem man sich nun eigentlich orientieren soll.

Kriegssöldner - The Killer War

Rutger Hauer entwirft einen bedrohlich souveränen Bösewicht!

Keine Figuren zum Festhalten, eher schwache Darsteller, eine zu umständlich aufgezogene Geschichte und der actionfilmuntypische Wille, nicht jede Actionszene wirklich breit auszuspielen plus die vollkommene Abwesenheit von Spannung klingen eigentlich nach einem filmischen Desaster. Doch ganz so schlimm ist es auch wieder nicht.

Die Gründe dafür sind zum einen die großen Namen im Cast, die sicherlich verpflichtet wurden, um den Film international sauber durchvermarkten zu können. Dabei findet Michael Madsen als fieser Söldnerlump Rik wirklich gar nicht statt. Demotiviert schlurft er durch sein beeindruckendes Söldnercamp – das leider nicht mal zerbröselt wird! – labert Müll und amüsiert mit einem schrecklich peinlich gebundenen Kopftuch. Beim Spielen lässt er sich ebenso wenig erwischen, wie seine Figur irgendwie irgendeinen Sinn für den Film machen will. Da macht Rutger Hauer als Riks Auftraggeber Hunt schon einen deutlich besseren Job. Er spielt seine Rolle unglaublich cool runter und entwirft eine souveräne Figur, die in erster Linie Geschäftsmann und erst in zweiter Linie ein wirklicher Bösewicht ist. Problematisch ist eigentlich nur, dass Rutger in seinem Glaspalast keine wirklichen Berührungspunkte mit den Helden hat und so eher wie die graue Eminenz im Hintergrund wirkt und keine echte Bedrohung aufbauen kann. Doch egal, ob die beiden nun funktionieren oder nicht, sie sorgen zumindest für einiges an Flair … auch wenn das beim Michael ein eher trashiges ist.

Kriegssöldner - The Killer War

Einer der Helden … besondere Merkmale? Ärm, äh, er ist halt ein Held! Menno!

Für richtig viel Urlaubsflair sorgen dagegen die Thailandsettings der 10 Millionen Dollar teuren Produktion, die in breiten Bilderfolgen zelebriert werden. Allgemein macht man in Sachen Präsentation verdammt viel richtig. Auch und vor allem in der Action, die, wenn sie denn losgeht, durchaus ansehnlich geraten ist und neben fetten Kamerafahrten auch einiges zu bieten hat, was der Actionfan so sehen will. Etwa handgemachte dicke Explosionen, platzende Bloodpacks, Keilereien und Martial Arts Einlagen, Shootouts mit diversen derben Headshots und auch kleinere Gewaltspitzen wie eine Enthauptung mittels Machete. Das alles etwas stringenter und griffiger durchgezogen und man hätte über diverse kleinere Problemchen im Story- und Figurenbereich hinwegsehen können. Auch die musikalische Untermalung ist durchaus stimmig und hat neben einigen passenden Hip Hop Einlagen diverse russische Songs im Gepäck, die sehr stimmungsvoll geraten sind.

Bleiben eigentlich nur noch ein paar Worte zum deutschen Titel zu sagen, der so dämlich ist, dass man meint, ein Programm für suchmaschinenoptimiertes Schreiben habe ihn erfunden! „Kriegssöldner – The Killer War“! Was auch immer der Titel bedeuten soll oder was für einen Film er zu beschreiben versucht, man weiß es nicht. Vielmehr schadet er, in Verbindung mit dem arg trashigen Coverartwork, dem Film an sich. Der kommt so nämlich rüber wie eine sleazige Trashgranate. Dass er davon aber meilenweit entfernt ist, sieht man schon nach den ersten 5 Minuten Film, in denen die Russen richtig fett inszenieren. Obendrein kommt man sich als Käufer auch ein wenig blöd vor, wenn man einen Film mit einem solch endbekloppten Titel sucht. Vor allem, wenn man eine sexy Servicekraft befragen muss, wo der Film denn stehen könnte. Die hält einen doch gleich für geistig minderbemittelt. Egal, für die deutsche Lokalisierung kann der Film ja nichts. Er muss sich ja nur vorhalten lassen, was er selbst versäumt. Am schlimmsten fällt dabei ins Gewicht, dass er eigentlich nie so richtig loslegt und im Grunde Versprechungen in Actionhinsicht macht (Wieso wird das Söldnerlager so breit gefilmt, wenn man es dann nicht platt gemacht? Wieso wird die Endschlacht ausgeblendet?, …), die er nie halten kann. So wirkt „Kriegssöldner“ beständig, als fahre er mit angezogener Handbremse und als wolle er einfach nicht durchstarten. Aber vielleicht waren sowohl das Setting als auch die internationalen Stars im Endeffekt zu teuer, um richtig losrocken zu können? Man weiß es nicht. Für den verregneten Nachmittag kann man sich den Film aber durchaus einmal vormerken, zumal er aufgrund seiner Thailandbilder immer an wettertechnisch schönere Zeiten erinnert.

„Kriegssöldner – The Killer War“ kommt von NewKSM auf DVD und Blu Ray und ist mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten. Die Bildqualität der Blu Ray ist dem tollen Setting mehr als angemessen, die deutsche Tonspur allerdings in Sachen Dialogverständlichkeit bzw. Abmischung wenig gelungen …

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: NewKSM__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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