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L.A. Slasher – Der Promi-Ripper von Hollywood

Originaltitel: L.A. Slasher__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2013__ Regie: Martin Owen__Darsteller: Danny Trejo, Dave Bautista, Mischa Barton, Eric Roberts, Brooke Hogan, Frank Collison, Tori Black, Jamie Bernadette, Marisa Lauren, Franklin Ruehl, William Nicol u.a.
L.A. Slasher

In Deutschland versucht man die Vermarktung von “L.A. Slasher” über den Slasher-Ansatz und wirbt mit Namen wie Eric Roberts, Danny Trejo und Dave Bautista.

Reality TV. Für die einen die Speerspitze des Trashs, für die anderen spottbillig produzierte Volksverdummung. Die Wahrheit liegt sicherlich irgendwo zwischen diesen negativen Polen. Denn wirklich etwas Positives kann man diesem Genre kaum abgewinnen. Das sieht auch der L.A. Slasher so. Der hat die Schnauze gestrichen voll von diesen dämlichen Sendeformaten und den Stars, die sie auskotzen: Sich selbst viel zu ernst nehmende, belanglosen Müll sülzende Vollpfosten, bar jeden Charismas. Doch der L.A. Slasher jammert nicht nur über diese Pervertierung des Stardoms, er handelt.

Er entführt die bekanntesten „Stars“ der Szene und versammelt sie in einem Gemäuer fernab jeglicher Zivilisation. Hier meuchelt er die Reichen und Schönen und überträgt das Ganze ins World Wide Web, wo man ihn bald selbst feiert wie einen Star.

Der Zuschauer hockt derweil vor dem Fernseher und fragt sich, was ihm dieser Film eigentlich sagen will. Denn letzten Endes fühlt er sich genauso dumpf und leer an, wie das Genre, das er vorgibt zu sezieren. Vielleicht ist es genau das, was die Genialität des Filmes ausmacht, mich hat dieser Ansatz allerdings nicht erreicht.

Der Film arbeitet mit Klischee-Abziehbildern echter Menschen. Versucht uns zu erklären, dass die Kardashians und Hiltons dieser Welt nicht anders funktionieren. Nur springt der ätzende Funke nie über. Beständig fragt man sich, wen diese Zelebrierung des Dekadenten einerseits und der Dummheit andererseits jucken soll? Und warum zum Teufel soll man dann einem fehlgeleiteten Irren die Daumen halten, der diese Pest ausrotten will, sich selbst aber über die sozialen Medien abfeiern lässt, eine eigene Website mit seinen Untaten pflegt und ziemlich gierig nach Aufmerksamkeit zu sein scheint?

Zudem kann der Film selbst mit dem L.A. Slasher nichts anfangen. Vollkommen beiläufig taucht der in den Szenen auf und entführt eine der handelnden Personen. Weder kann der Film daraus spannende Momente generieren noch Tempo, Action oder sonst irgendetwas. Obendrein laufen da Nebenhandlungen, die nur mit Mühe irgendwann die Haupthandlung streifen und einen vollkommen ratlos zurücklassen.

Hat man die ersten 45 Filmminuten halbwegs unbeschadet durchgestanden und freut sich auf ein Exploitation-Ende, wird es nun erst recht vollkommen abstrus. Der L.A. Slasher killt nun den einen, verstümmelt den anderen und macht mit den meisten… nichts. Ja, echt spannend und sehr unterhaltsam. Nicht. Dafür wird „L.A. Slasher“, der einen bis hierhin schon mit Stilmitteln zugeschmissen hat (Komplementär-Farb-Dramaturgie, Split Screens, Jump Cuts, Farbfilterspiele, Standbilder mit Texteinblendungen), richtig artsy fartsy. Kaum eine Szene, die nun nicht irgendeinen künstlerischen Anspruch atmet: Stroboskop-Licht hier, grelle Lichteffekte da… Das schaut gut aus, macht den Film aber nicht besser. Eher im Gegenteil.

Irgendwann geht einem jeglicher Zusammenhang verloren. Wen der L.A. Slasher nun noch irgendwo verstaut hat, wird einem vollkommen egal. Was mit ihnen passiert, erst recht. „L.A. Slasher“ beginnt, sich fürchterlich zu ziehen. Weder über Nachrichtensendungen, Internetmeldungen oder beständig im Bild herumflirrende Social-Media-Mitteilungen kann der Film einen Sinn hinter die Bilderflut bringen. Von dem total verquasten Ende ganz zu schweigen.

L.A. Slasher

In UK macht man aus der Gurke einen Actioner. Geworben wird mit diesem Cover. In den Läden steht eines nur mit Bautista, explodierenden Hochhäusern und Hubschraubern. Alles nicht Teil des Filmes.

Dennoch muss in dem Drehbuch etwas gewesen sein, dass zumindest einige B-Stars hinter dem Ofen hervorgelockt hat. WWE-Star Dave Bautista („Spectre“) wurde in UK in cooler Pose auf ein Actioncover gepackt (witzigerweise werben alle Versandhäuser mit einem anderen Cover, auf dem obendrein Eric Roberts und Mischa Barton zu sehen sind), um den Film vielleicht so an den Mann zu bringen. Soviel vorweg: Weder brennen in dem Film Häuser noch explodieren hier Hubschrauber. Bautista ist in einem Storystrang dabei, der dem Film wirklich gar nichts bringt. Damit er da nicht so alleine ist, darf Danny Trejo („Machete“) die ganze Zeit neben ihm dilettieren und verdammt viel Blödsinn quatschen. Eric Roberts („Hunt to Kill“) ist als notgeiler Bürgermeister am Start und hat in seinen zwei Szenen sichtlichen Spaß, passt aber so gar nicht in die Handlung hinein. Allgemein wirken die Szenen dieser drei bekannten Nasen, als seien sie im Nachhinein für den Film abgedreht und irgendwie passig eingebaut worden.

Die restlichen Darsteller sind junge, vermeintlich sexy Schauspieler, von denen nur Mischa Barton („Bunker“) aufzufallen vermag. Das aber weniger wegen ihrer darstellerischen Leistung und mehr wegen der Tatsache, dass sie nun wohl endlich ihre lange vor sich her getragenen 20 Kilo Übergewicht wieder abgestoßen hat. In einer kleinen Nebenrolle ist sexy Pornostar Tori Black dabei, die leider nicht mal Nacktheit in den Film bringen darf. Der L.A. Slasher erinnert einen derweil immer ein wenig an Michael Jackson. Seine Vorliebe für Weiß (sogar seine Machete ist weiß!) hat Stil, ansonsten ist er aber nur eine arme Wurst mit öder Maskierung.

Am Ende bleibt ein Film, der vermutlich gerne eine ätzende Satire wäre, aber nichts auf die Reihe bekommt. Er entwickelt keine Schärfe, keinen Biss und langweilt mit einer zusammenhanglosen Inszenierung, in der unbedarfte und talentbefreite Darsteller durch die Kulissen stapfen und absolut unsympathische Gesichtsbaracken entwerfen. Zumindest kann man „L.A. Slasher“ zugutehalten, dass er erstaunlich gut ausschaut, einen fantastischen, viel zu guten Soundtrack hat und mittels ebenjenem ein paar groteske Szenarien entwirft. Viel mehr kann man an diesem verschwurbelten Mist nicht finden. Leider.

Am 18. März 2016 erscheint der Film in Deutschland von Kinokater auf DVD und Blu-ray und kommt mit einer FSK 16 Freigabe. Das Review basiert auf der britischen DVD von dem Label Kaleidoscope. Dort heißt der Film „Abducted“ und hat eine extrem krasse Freigabe ab 18 erhalten, welche für starke, blutige Gewalt und Gore vergeben wurde. Was auch immer die Prüfbehörde da gesehen haben mag, es muss aus einem anderen Film gewesen sein.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Kinokater/Lighthouse Home Entertainment (BRD) / Kaleidoscope (UK)__Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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