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Left to Die

Originaltitel: A Perfect Vacation__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2015__Regie: Mark Atkins__Darsteller: Edward Furlong, Daryl Hannah, Vinnie Jones, Jason London, Robert Davi, Michael Paré, David Keith, Natalie Burn, Christa Campbell, Michael Copon u.a.
Left to Die

Vinnie Jones und Michael Pare sind “Left to Die”.

Der Actioner „Left to Die“ ist der filmgewordene Beweis für den Fakt, dass selbst eine von fünf Leuten zusammengeschraubte Story noch lange keinen Sinn machen muss…

Der Streifen beginnt am Strand einer scheinbar idyllischen Tropeninsel. Hier erwacht sexy Billie in stylish zerrissener Jeans und mit nur wenigen Erinnerungsfetzen dahingehend, wie sie an diesem Strand gelandet ist. Als sie die Insel zu erkunden beginnt, laufen ihr vier Fremde über den Weg, die vor militärisch eingekleideten Gestalten fliehen. Eine junge Dame verliert bei der Hetzjagd ihr Leben und die Überlebenden bringen Billie in ihr Lager. Hier lebt man munter vor sich hin und wartet auf den Tag, an dem man ebenfalls gejagt und „erlegt“ wird. Der perfekte Urlaub – wie einer der vielen Alternativtitel des Streifens („A Perfect Vacation“) tönt.

Wie Billie haben auch die anderen Lagerbewohner kaum Erinnerungen daran, wie und vor allem warum sie auf dem Eiland gelandet sind. Das sollen sie jedoch bald erfahren: Sie sind nicht mehr als menschliche Ersatzteillager, denn der skrupellose Geschäftemacher Rich, der auf einer Nachbarinsel haust, verkauft die Organe der Insulaner höchstbietend…

Und spätestens hier wird es dann richtig abstrus. Warum der Organhändler eine Insel als eine Art Kühlschrank für seine Organlieferanten nutzt, wird niemals so wirklich klar. Zwar faselt er irgendwann davon, dass die Leute bei Früchten, Brot und Wasser alle Giftstoffe aus ihren Körpern spülen würden, warum sie das aber nicht in einem Kerker tun können, erschließt sich nie. Schlimmer noch: Rich muss seine Söldner immer wieder losschicken, um einen neuen Organlieferanten zu jagen. Inklusive der Gefahr, dass die Verfolgten dabei sterben und unbrauchbar werden. Wenn der Film auch noch genau das passieren lässt, fragt man sich schon, wieso dieser logische Riesenbug bei den Dreharbeiten nicht aufgefallen ist.

Leider kann man diesen stupiden Drehbucheinfall auch niemals genug beiseite schieben, um „Left to Die“ einfach nur als billigen B-Knaller zu genießen. Dazu knallt er nämlich nicht genug. Vor allem die arg zerdehnte Einführung von Billie und ihren neuen Inselfreunden geht Regisseur Mark Atkins („Knight of the Dead“) nicht wirklich flott von der Hand. Zudem werden hier Figuren vorgestellt, die im weiteren Verlauf des Filmes sang-, klang- und obendrein spurlos verschwinden. Action kommt im Einstieg auch eher selten auf. Zumeist besteht sie dann auch nur aus simplen Hetzjagden, die uninspiriert herunter gedreht wirken.

Weitaus interessanter als die gurkige Story und ihre lahmen Figuren ist der nette B-Cast. So gibt Vinnie Jones („Thrill to Kill“) den Anführer des Söldnertrupps von Organhändler Rich, kommt allerdings nie so wirklich ins Rollen. Sein sonst so schön fieses Overacting hätte hier mal gut gepasst. Einer seiner Handlanger wird von Michael Pare („4Got10“) gegeben, der darf aber kein richtiges Profil entwickeln und fliegt viel zu schnell aus dem Film. Robert Davi („Blood of Redemption“) teilt das Schicksal von Edward Furlong („Assault on Wall Street“): Er verschwindet irgendwann einfach aus dem Film und ward nie mehr gesehen.

Daryl Hannah („Blade Runner“) übt sich derweil im Auf- und Absetzen einer Sonnenbrille und macht damit sogar Horatio Caine aus „CSI Miami“ Konkurrenz. Abseits dieser einprägsamen schauspielerischen Leistung wandelt sie scheintot durch die Tropenkulisse. David Keith („Der Feuerteufel“), Jason London („Dracula 3“), Christa Campbell („Seed 2“) und ein erschreckend alt gewordener und extrem abgemagerter Benny “The Jet” Urquidez („Powerman“) runden die charismatische B-Fressen-Runde ab.

Die Hauptrolle wird derweil etwas farblos von Natalie Burn gegeben. Per se keine absolute Schönheit, aber zumindest sehr nett anzusehen und toll gebaut, zeigt sie ein paar nette Fighting-Skills und hat sich für den Film als Produzentin, Story-Mit-Erfinderin, Casting-Chefin, Stuntwoman und Interpretin des Abspann-Songs mal so richtig ins Zeug gelegt. Sie wollte offensichtlich auch mal einen netten Actioner in ihr Kerbholz schnitzen. Leider kam nur „Left to Die“ heraus.

Der dreht erst in seinem letzten Drittel auf. Serviert hier einen angenehm langen, durchaus blutigen und mit harschen Kopfschüssen arbeitenden Showdown, der keine Fragen offen lässt. Zwar bleibt die Action immer auf Geballer und etwas Gekämpfe beschränkt, das Gebotene macht aber durchaus Laune und bietet dem Actionfan einige hübsche Momente. Störend fallen hier nur die Restausläufer der verquasten Story auf, die noch ein paar weithin offensichtliche „Twists“ nachschießen wollen und die Action immer mal bremsen.

Regisseur Mark Atkins („Android Cop“) setzt das Ganze eher funktional denn schön um. Gerade das hübsche Inselsetting hätte er noch weitaus gewinnbringender implementieren können. Ein schöner Score wäre auch nicht verkehrt gewesen. So bleibt am Ende ein Film, der in seinen Anlagen durchaus das Zeug gehabt hätte, zu rocken. Denn einen Menschenjagdfilm sehen Actionfans doch immer wieder gerne. Garniert man dies dann noch mit etwas Organhandel, scheint blutige Unterhaltung garantiert. Blöderweise mischt „A Perfect Vacation“ aka „Left To Die“ diese Zutaten auf denkbar dämlichste Art und Weise. So ist ein immerhin netter Showdown leider alles, was einigermaßen positiv in Erinnerung bleibt.

Über eine deutsche Veröffentlichung ist mir bisher nichts bekannt. In UK erschien „A Perfect Vacation“ als „Left To Die“ auf DVD und kommt von dem Label Kaleidoscope. Diese ist ab 15 freigegeben und macht einen ungeschnittenen Eindruck.

In diesem Sinne:
freeman

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