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Legendary Assassin

Originaltitel: Long Nga__Herstellungsland: Hongkong__Erscheinungsjahr: 2008__Regie: Jacky Wu, Nicky Li Chung-Chi__Darsteller: Jacky Wu, Celina Jade, Noriko Aoyama, Alex Fong Lik-Sun, Ronald Cheng, Sammy Leung, Hui Siu-Hung, Lam Suet, Mark Cheng, Ken Lo, Tenky Tin Kai-Man, Kara Hui u.a.
Legendary Assassin

Martial-Arts-Action von und mit Jacky Wu alias Wu Jing: “Legendary Assassin”

Mit leuchtenden Augen sprechen Action- und Martial-Arts-Fans vom entsprechenden Hongkong-Kino der 1980er – warum also nicht einen Rücksturz in jene Ära wagen, mit einem populären Star wie Jacky Wu alias Wu Jing in der Hauptrolle? Dabei ist „Legendary Assassin“ allerdings kein klassischer Retrofilm, sondern überträgt in erster Linie alte Strukturen in ein neues Gewand.

Es ist die alte Geschichte vom Profimörder, der an seiner Arbeit abstumpft und an dem Moment angelangt ist, an dem er sein Leben ändert. Noch ist Bo Tong Lam (Jacky Wu), der Killer mit dem gesegneten Appetit, noch nicht soweit. Sein aktueller Auftrag führt ihr auf eine abgelegene Insel, auf welcher der Gangsterboss Timothy Ma (Kou Zhan-Wen) residiert, mit dem sich Lam gleich das erste zünftige Duell des Films liefert. Vorher hat man schon die entsprechenden Charaktereigenschaften des einsamen Wolfs, der innerlich verödet ist, aber trotzdem immer noch weiter macht, hinreichend eingeführt, in einer Restaurantszene.

Als Lam sich nach getaner Arbeit von dem Eiland verdrücken möchte, wird er zum Retter der Polizistin Hiu Wor (Celina Jade), die aus einem Baum stürzt, als sie ihrerseits ihre Katze von dort retten möchte. Hiu Wor lädt den Retter zum Essen ein, bemerkt im Restaurant jedoch drei gesuchte Verbrecher, die sie schlussendlich mit Lams Hilfe ausschaltet. Damit zieht sich der Plot zusammen, wird es doch für den Helden immer enger: Ausgerechnet eine Gesetzeshüterin wird zu seiner Bezugsperson, er muss noch eine Zeugenaussage machen und wird zum stadtbekannten Helden, während er eigentlich schnell von der Insel verschwinden sollte.

Die Lage wird noch brenzliger, als Mas Leute den Mord bemerken und seiner Frau Miho (Noriko Aoyama) Bericht erstatten: Die rachsüchtige Witwe ordnet eine Jagd auf den Attentäter an, während eine Taifunwarnung jede Abfahrt von der Insel unmöglich macht…

Legendary Assassin

Bo Tong Lam (Jacky Wu) bekämpft die Gegner zur Not im Hunderterpack

Auf dem Papier ist das schon eine schweißtreibende Prämisse: Der Held darf nicht auffliegen, ist in einer feindlichen Umgebung gefangen und völlig auf sich allein gestellt. Ein dankbarer Ausgangspunkt, den sich Drehbuchautor Fung Chi Keung („Shaolin Soccer“) da erdacht hat. Und was macht „Legendary Assassin“? Lässt die Geschichte langsam vor sich dahinplätschern. Die Bedrohung ist selten groß, oft auch gar nicht für Lam selbst, sondern für Hiu Wor und ihre netten Kollegen von der Polizei. Die ahnen schon bald, dass Lam ein viel zu souveräner Fighter für seine Tarnung als Jedermann ist, mögen die charmanten Vielfraß aber, weshalb auch die mögliche Enttarnung nie als große Bedrohung erscheint. Und wenn der Einzige, der wirklich etwas gegen Tam hat, der trottelige Tarzan (Sammy Leung), ist der trottelige Comic-Relief-Sidekick aus der Cop-Truppe, der auch an Hiu Wor interessiert ist, dann wird diese Ebene verschenkt, verkommt zur harmlosen Blödelei.

Sowieso ist „Legendary Assassin“, seinem markigen Titel zum Trotz, nicht allein an Action, Krawall und Gangsterposen interessiert, sondern verwendet viel Zeit auf die aufkeimende Romanze zwischen Killer und Cop. Die Szenen, in denen der Assassine und die Polizisten sich näherkommen, geistig wie körperlich, haben etwas von Tanz, egal ob Lam die fallende Hiu Wor auffängt oder ein Selbstverteidigungstraining zum Balztanz wird. Manchmal wirkt „Legendary Assassin“ gar wie ein verkapptes Musical, aber das ist durchaus charmant. Aber auch ein Problem des Films, der zärtliche Momente, typische Hongkong-Slapstick-Comedy und teilweise schon recht brutale Action nicht immer sauber unter einen Hut bekommt.

Legendary Assassin

Miho (Noriko Aoyama) will Rache an dem legendären Assassinen

Zudem ist „Legendary Assassin“ gar nicht so actionreich wie man vielleicht erwarten mag. Es gibt ein paar größere Actionszenen, von denen aber nicht alle gleich überzeugend sind. Ein Scharmützel mit den Schergen in den Straßen oder der anfängliche Mordauftrag sind brauchbar gemacht, aber schnell vergessen. So ragen vor allem zwei Set-Pieces heraus, die für verschiedene Spielarten des Kampfkunstkinos stehen. Zum einen ist da der Kampf gegen die drei Verbrecher im Imbiss, bei denen sowohl der Held und die Frau an seiner Seite als auch die drei Gegner (darunter der riesige Wrestler Jiang Baocheng) enorme Nehmerqualitäten beweisen. Nach diesem famos choreographierten Brawl ist da zum anderen der Showdown, in dem „Legendary Assassin“ so richtig aufdreht. Lam stürzt sich gegen eine Hundertschaft von Gangstern in den Kampf, die er alle besiegt, zur Not auf gebrochenen Knien weiterkämpfend. Der Wirework-Einsatz in den Actionszenen ist dezent, die Choreographie gelungen und die Inszenierung erfreulich übersichtlich, womit „Legendary Assassin“ zwischenzeitlich das Actionherz höher schlagen lässt, vor allem in den beiden erwähnten Highlight-Szenen.

Da ist es dann auch nicht so schade, dass Jacky Wu („Wolf Warrior 2“) die Ausstrahlung und das Charisma von Kollegen wie Jackie Chan, Jet Li oder Donnie Yen abgehen. Der Mann liefert eine routinierte, aber kaum erinnernswerte Performance ab, seine Spielpartnerin Celina Jade („Skin Trade“) ist auch nur etwas besser. Allenfalls Noriko Aoyama („Paranormal Activity – Tokyo Night“) sticht als rachsüchtige Schurkin hervor, der Rest vom Fest erfüllt Standards, etwa Sammy Leung („Trained to Fight – Best of the Best“) als Trottel vom Dienst. Aber vielleicht soll das auch Teil des Retrocharmes sein, denn „Legendary Assassin“ schreckt vor keinem Klischee des Hongkong-Actionkinos vergangener und gegenwärtiger Tage zurück, packt stereotype Genrefiguren lediglich in eine zeitgemäße Optik.

Doch egal ob im gegenwärtigen Kontext betrachtet oder als Throwback in Richtung glorreicher Actiontage von dereinst: Mehr als nette Martial-Arts-Unterhaltung ist „Legendary Assassin“ nicht. Das Regiedebüt von Hauptdarsteller Jacky Wu und Kampfchoreograph Nicky Li Chung-Chi („Lethal Warrior“) hat in seinen Kampfszenen Druck, von denen zwei wirklich herausragend sind. Aus der eigentlich hochspannenden Prämisse macht der Film jedoch nichts, mäandert zwischen halbgarer Romanze und unterentwickelter Gangstergeschichte hin und her, sodass dann doch in erster Linie die Actionszenen in Erinnerung bleiben. Und von denen hat „Legendary Assassin“ dann nicht genug, um seine Mängel vollends zu übertünchen.

In Deutschland hat Splendid den Film auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht, ungekürzt ab 18 Jahren freigegeben. Neben Trailern besteht das Bonusmaterial aus einem rund zehn Minuten langen Making Of.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Splendid__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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