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Looper

Originaltitel: Looper__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Rian Johnson__Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Bruce Willis, Emily Blunt, Paul Dano, Noah Segan, Piper Perabo, Jeff Daniels, Pierce Gagnon, Qing Xu, Tracie Thoms, Frank Brennan, Garret Dillahunt u.a.
Looper

Bruce Willis jagt sein junges Ich in “Looper”

Wir schreiben das Jahr 2044. Zeitreisen sind noch nicht erfunden, aber in 30 Jahren ist es soweit. Allerdings werden sie aufgrund der unabsehbaren Auswirkungen auf Zeit und Raum sofort wieder verboten. Doch mächtige Verbrecherorganisationen nutzen sie weiterhin. Denn in der Zukunft ist es aufgrund der neuesten Ermittlungsmethoden unmöglich geworden, Leichen spurlos verschwinden zu lassen. Also schickt man die unliebsamen Konkurrenten 30 Jahre zurück in die Vergangenheit und lässt dort sogenannte Looper die Zeitreisenden direkt bei Ankunft hinrichten und beseitigen. In letzter Zeit mehren sich Ereignisse, die die Looper als „Den Loop schließen“ bezeichnen. Dies bedeutet, dass ihre alten Ichs aus der Zukunft geschickt werden, damit sie von den jüngeren Ichs getötet werden können. Vor dieser Tatsache steht eines Tages auch Looper Joe. Dummerweise wird er von seinem älteren Ich abgelenkt und niedergeschlagen und muss nun selbigem hinterherhetzen. Dieses plant nämlich, eine Person namens “der Regenmacher” auszuschalten, da diese in der Zukunft alle Verbrecherbanden mit eiserner Härte unter ihre Knute zwingt und das Leben des zukünftigen Joe zur Hölle macht …

Rian Johnson, in Filmkreisen vor allem für seinen tollen “Brick” abgefeiert, entwirft in “Looper” ein cleveres Szenario, das während des Genusses ordentlich die Synapsen im Hirn kitzelt. Dabei setzt er die Möglichkeit der Zeitreisen einfach als gegeben voraus. Weder erklärt er, warum sie möglich sind, noch wie sie funktionieren. Auch auf jedwede Form von Paradoxien verzichtet er. Er braucht die “Technik” nur, um ein spannendes Duell zwischen zwei Personen zu entwickeln, die eigentlich ein und dieselbe Person sind und für den Zuschauer fast schon verstörend ungleich ticken. Da ist der junge Looper Joe, der methodisch und geradlinig denkend seinem brutalen Job ohne mit der Wimper zu zucken nachgeht und für den Werte wie Familie, Liebe und einfach nur leben keine Rolle zu spielen scheinen. Er plant für die Zukunft ein Leben in Paris … und eigentlich hat er mit seinem Leben irgendwo schon abgeschlossen, denn ihm scheint es vollkommen egal zu sein, das auch er dem Zeitpunkt immer näher kommt, sich selbst zu richten und auszulöschen. Immerhin hat er dann noch 30 Jahre vor sich …

30 Jahre, die ihn komplett verändern werden und zu dem alten Joe machen, der nun ganz andere Ziele für sein Leben hat! Der Leben will! Der lieben will! Der andere Menschen braucht und der nicht mehr töten will, es aber tun wird, wenn er seine vorgezeichnete Zukunft auslöschen kann. Diese Entwicklung des jungen Joe zum alten Joe bebildert Johnson mit einer unglaublich genialen Sequenz, in der er eine Alternativrealität aufspannt und dem Zuschauer ohne jedweden Dialogballast aufzeigt, welche Entscheidungen und Zufälle den zukünftigen Joe prägen werden. Dabei lässt er mittels ungestümen Perspektiven und ebensolchen Kamerabewegungen, gekonnter Montage und dem Mittel der Auslassung eine wahre Flut an Emotionen auf den Zuschauer einstürzen und schickt seinen Joe einmal zur Hölle und wieder zurück. Spätestens nach dieser Montage und aufgrund der geschickten Einführung des jungen Joes ist dem Zuschauer vollkommen klar, warum welcher Joe tickt, wie er eben tickt. Ein cleverer Schachzug, der Empathie für beide Figuren hervorruft und jedweder Schwarz-Weiß-Zeichnung ein Schnippchen schlägt.

Dabei kann sich der Regisseur voll und ganz auf seine beiden Hauptdarsteller verlassen. James Gordon-Levitt (“Inception”) leistet Großes als junger Joe. Der hier und da immer etwas zu weich wirkende Darsteller wird auch dank Prosthetics zum harten Hund stilisiert, der obendrein (eben dank der Maske) frappierende Ähnlichkeit mit dem jungen Bruce Willis hat und dessen Manierismen verblüffend echt imitiert. Das Lächeln, die Haltung, da stimmen selbst kleinste Details. Dabei stehen ihm die actionlastigen Momente ebenso wie die ruhigen Szenen um seine Figur auf einer Ranch irgendwo im Nirgendwo, die vom ganzen Aufbau her eklatant an „Mein Freund Hondo“ und ähnliche Western erinnern, in denen der Held einer allein gelassenen Frau und ihrem Kind beispringt. Hier wird er flankiert von einer souverän aufspielenden Emily Blunt, deren Figur auch alles andere als hollywoodtypisch gezeichnet wurde. Bruce Willis derweil tut es Gordon-Levitt gleich und spielt absolut großartig auf. Vor allem die Szenen, in denen er den “Regenmacher” ausschalten will, sind an Intensität kaum zu überbieten. Zudem, welcher Film sonst würde es sich trauen, Bruce Willis  (“Stirb Langsam – Ein guter Tag zum Sterben“) sowohl als knallharten Actionhelden als auch als Kindermörder zu präsentieren? Mutig, mutig! Auch von Willis, denn seine Rolle ist wahrlich nicht ohne. Des Weiteren fällt noch Jeff Daniels (“Speed”) als Looperchef mit einer starken Performance auf. Und auch in den Nebenrollen kann man kaum Ausfälle ausmachen.

Inszenatorisch ist “Looper” vor allem eines: Rau, roh, teils ziemlich ungestüm und mit einigen erstaunlichen Gewalteruptionen versehen, die punktgenau sitzen. In Rian Johnsons Film wird vornehmlich sehr dreckig verreckt. “Looper” bedient sich einer eher gedeckteren Optik und reißt selbst in dem Farmabschnitt nicht wirklich auf. Genial sind die unauffällig gesetzten Special Effects des Filmes, die mittels geringstem Aufwand und eher beiläufig eine ziemlich glaubwürdige, auf Funktionalität ausgerichtete Zukunft entwerfen. Ein weiterer Pluspunkt ist der düster dräuende Score zum Film, der so manch beklemmende Szene noch eindrücklicher macht.

Denn soviel ist sicher, ein Action-Funhouse ist “Looper” definitiv nicht geworden. Zum Glück! Dennoch hat er leider einen Punkt, wo “Looper” sich ein wenig verrennt und der ohnehin teilweise etwas zu ambitioniert wirkende Film vollkommen überdreht, weil er zu sehr in Richtung Fantasy abdriftet. Denn trotz des Zeitreiseelementes wirkt der Film bis zum Finale unglaublich geerdet und realitätsverbunden. Spätestens mit Einsetzen des Showdowns und dem Erstarken der Kinderfigur im Cast opfert er diese Note aber und könnte da so manchem Zuschauer plötzlich ziemlich quer einfahren. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, erlebt einen wirklich toll erzählten, stark gespielten, top inszenierten und sehr spannenden Streifen, der auch vor kleineren, eindrücklichen Actionscharmützeln nicht halt macht und mit gewitzten Effekten zu punkten vermag. Seine größte Kraft entwickelt der Film aber nicht in seiner Gesamtheit, sondern eher in diversen Einzelszenen, die man so teilweise noch nie gesehen hat. Dazu gehört auch und vor allem die „Joe wird alt“ Szene und eine wirklich unglaublich beklemmende Szene um einen Looper, dem ebenfalls sein zukünftiges Ich entkommt und dem nach und nach diverse Körperteile abhanden kommen, wodurch das Kopfkino beim Zuschauer geradezu Achterbahn fährt. Wieso? Selbst herausfinden! Es lohnt sich!

Die deutsche DVD / Blu Ray kommt von Concorde Home Entertainment und erscheint in der FSK 16 freigegebenen Kinofassung mit einigen Featurettes und einen Audiokommentar an Bord. Im Übrigen existiert für den asiatischen Markt eine andere Schnittfassung dieses Filmes.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Concorde Home Entertainment__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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