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Maggie

Originaltitel: Maggie__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2015__Regie: Henry Hobson__Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Abigail Breslin, Joely Richardson, Laura Cayouette, J.D. Evermore, Dana Gourrier, Raeden Greer, Amy Brassette, Denise Williamson, Aiden Flowers, Wayne Pére, John L. Armijo u.a.
Maggie

Arnold Schwarzenegger mal anders: Als hilfloser Familienvater in dem Zombie-Drama “Maggie”

Nach dem Ende seiner Politikerzeit blieb Arnold Schwarzenegger dem Actiongenre mit Filmen wie „The Last Stand“, „Sabotage“ und „Terminator: Genisys“ treu, doch nahm zwischendurch auch die männliche Hauptrolle in dem Independentfilm „Maggie“ an, der er zudem auch noch produzierte.

Der Zuschauer wird unmittelbar in eine düster ausgemalte Zukunft geworfen, in der ein neuartiges Virus Menschen zu Zombies mutieren lässt. Über eine Mailboxnachricht wird klar, dass Maggie Vogel (Abigail Breslin) ihre Familie auf dem Land zurückgelassen hat um einen gefährlichen Ausflug in die Stadt zu machen, wo sie von einem Zombie gebissen wurde. Details über den Ausflug, die Entstehung des Virus, das große Gesamtbild vom Umgang mit der Seuche – all diese Dinge spart „Maggie“ konsequent aus, spricht eine Verseuchung von Feldern an, aber konzentriert sich in erster Linie auf das interpersonelle Drama im kleinen (Familien-)Kreis.

Vater Wade (Arnold Schwarzenegger) holt Maggie nach dem Vorfall aus dem Krankenhaus ab und spricht mit dem zuständigen Arzt, den er kennt. Der erklärt Wade, dass Maggie für einige Zeit bei ihm bleiben darf, bei Anzeichen fortgeschrittener Zombifizierung allerdings in Quarantäne geschickt werden muss, den offiziellen Regelungen zufolge. Wade bleiben drei Optionen: Entweder er folgt diesem Plan, wobei Maggie später in Quarantäne, umgeben von lauter anderen Zombies via Giftcocktail ins Jenseits befördert wird, gibt ihr das schmerzhaft wirkende Exitusgemisch irgendwann selbst oder erledigt den letzten Schritt auf andere Art, so spricht es der Mediziner explizit aus. Keine Hoffnung, kein Heilmittel, sondern ein Sterben auf Raten, das ist hier von Anfang an klar.

Wade, in zweiter Ehe mit Caroline (Joely Richardson) verheiratet, bringt die Tochter heim, wo er und seine Frau dem Kind aus erster Ehe einen Lebensabend im Schoss der Familie ermöglichen wollen, während ihre Geschwister fortgeschickt werden, der Sicherheit wegen. Doch Maggies Veränderungen werden zur Belastungsprobe…

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Wade Vogel (Arnold Schwarzenegger) will bis zum Ende für seine Tochter da sein

Die Besetzung der männlichen Hauptrolle mit Arnold Schwarzenegger („Phantom Kommando“) ist natürlich ein Coup: Ausgerechnet der Actionstar, der die unzerstörbarsten, unverwundbarsten und unaufhaltsamsten aller Helden spielte, wird hier mit einem Gegner konfrontiert, gegen den er nichts ausrichten kann. Noch dazu muss man der Leistung des gealterten Stars Anerkennung zollen: Ein Dustin Hoffman oder Robert de Niro ist Arnie vielleicht nicht, doch sein furchiges, markiges Gesicht passt zur Rolle des altersweisen Farmers, der mit wenigen Worten folgenschwere Entscheidungen treffen muss. Die durch „Zombieland“ bereits im Untotengenre erfahrene Abigail Breslin liefert eine überzeugende, nuancierte Darstellung als dem Ende entgegen gehender Teen ab, während Joely Richardson („Der Patriot“) als verständnisvolle, aber überforderte Stiefmutter nicht die Präsenz ihrer beiden Kollegen erreicht, aber ebenfalls keinen Anlass zur Klage bietet. Der Rest der Nebendarsteller hat dagegen wenig Screentime, da sich der Film nur auf diese kleine Familieneinheit konzentriert.

Dabei könnte man den Zombiebiss beinahe durch eine andere tödliche Krankheit ersetzen, denn trotz der phantastischen Hintergrundes geht es in erster Linie um den Umgang mit dem Unausweichlichen. Dementsprechend ist auch die Bildsprache angelegt, die schlicht, farbarm und gewollt trostlos eine entsprechende Stimmung erzeugt. Jedoch nutzt Regiedebütant Henry Hobson den Zombiehintergrund hin und wieder aus, gerade wenn Wade zweimal im Laufe des Films auf Zombies trifft und diese fachgerecht entsorgt wie man es von einem von Arnie dargestellten Charakter erwartet. Nur ist der Kontext hier ein anderer: Er führt dem Familienvater schmerzlich vor Augen wie wenig seine Kraft gegen den Verfall der Tochter nutzt, die bald ebenso sein wird. Und Maggie, die bei einer solchen Szene zugegen ist, wird klar was ihr drohen wird, sobald sie sich verwandelt.

Maggie

Maggie (Abigail Breslin) spürt die Veränderungen, die sich auch optisch bemerkbar machen

Dabei kann „Maggie“ einige gelungene, sich einbrennende Szenen bieten. Etwa wenn Wade den zum Zombie gewordenen Nachbarn und dessen Tochter trifft, diese anfleht doch etwas zu sagen und doch weiß, dass alles bereits zu spät ist. Die wohl emotionalste und stärkste Szene ist die, in der sich Maggie und ihre Clique zum Rumhängen treffen. Es sind gerade Sommerferien, man sitzt am Lagerfeuer und versucht Normalität zu spielen, ein unschuldiges Beisammensein. Doch das Gespräch driftet immer wieder zu der Seuche, zu gebissenen Klassenkameraden und mit Maggie und ihrem Ex-Freund sitzen gleich zwei in der Runde, die das verhängnisvolle Schicksal teilen, auch wenn keiner es so recht auszusprechen wagt – erst als die beiden unter sich sind, reden sie offener darüber. Erst nach diesem Treffen platzen die Emotionen aus Maggies bester Freundin heraus.

Schade allerdings, dass Hobsons Film nicht durchgängig auf diesem Niveau ist. Die Geschichte vom baldigen Ende zerfasert etwas in kleine Episoden, die sich gelegentlich etwas wiederholen, gerade im Eigenheim der Vogels. Noch dazu schwebt die angedrohte Quarantäne zwar immer wie ein Damoklesschwert über der Familie, doch selten macht der Film diese Bedrohung konkret: Wade knurrt hin und wieder Mediziner und Cops an, dass sie Maggie nur über seine Leiche bekommen werden, zum Ende spitzt es sich etwas zu, aber da kommt auch schon das Holterdiepolter-Ende, ehe „Maggie“ aus diesem Aspekt Kapital in Form von Spannung schlagen kann.

So ist Hobsons Independent-Zombie-Sterbedrama nicht durchgängig rund, bietet aber das Vergnügen Arnold Schwarzenegger mal in einer anderen Rolle zu sehen, überzeugt mit starken Darstellerleistungen und eingängiger Bildsprache, zerfasert aber in unterschiedlich packende Episoden und schöpft nicht immer das Potential seiner Geschichte aus.

„Maggie“ erscheint am 28. August 2015 bei Splendid/WVG auf DVD und Blu-Ray und ist außerdem derzeit beim Fantasy Filmfest in Deutschland zu sehen. Der Film wurde von der FSK ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben, auch wenn auf den bisher veröffentlichen Vorab-Covern noch das 18er-Siegel zu sehen ist.

© Nils Bothmann (McClane)


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“Maggie” ist intim, bewegend und erschütternd

Es mag wie das übliche PR-Gewäsch klingen, wenn Arnold Schwarzenegger im Interview behauptet, er habe Teil sein dürfen des emotionalsten Zombiefilms, der je gedreht wurde. In einer Retrospektive auf das Zombiegenre, dessen Prioritäten im Allgemeinen ohnehin anders gelagert waren und sind, wird jedoch deutlich, dass dieser Slogan für die Kameras im Kern so falsch gar nicht ist: „Maggie“ ist in jedem Fall intim, bewegend und erschütternd wie kaum eine Produktion der letzten zehn, fünfzehn Jahre aus der boomenden Untoten-Subsparte, die sich normalerweise zwischen Horror, Action und Parodie bewegt.

Wenigstens im Film mag einem kein vergleichbares Beispiel einfallen, Parallelen böten sich in Sachen Konstellation und emotionaler Kraft lediglich auf dem Videospielsektor: „The Last Of Us“ basierte, wenngleich spielerisch als opulentes Abenteuer aufgezogen, im Kern auf einer ähnlich humanistischen Beschützergeschichte. Regisseur Henry Hobson, der zuvor unter anderem an „The Last Of Us“ mitgewirkt hatte, wird sich hier eine Scheibe abgeschnitten haben, legt sein Filmdebüt zugleich aber wesentlich kleiner an. Informationen zur Epidemie werden angedeutet, selbst die Vorgeschichte der kleinen Familie muss man sich anhand weniger Andeutungen selbst erschließen. Schauplatz ist lediglich ein Farmerhaus mit anliegenden Feldern und Wäldern. In Großproduktionen so beliebte Zombie-Massenszenen bleiben aus, drei, vier zufällige Infiziertenbegegnungen geben ein eher deduktives Bild der Apokalypse, die mit ausgeblichenen, freudlosen Farben durchdringend in der Luft liegt.

All dies resultiert sicherlich auch aus budgetbedingten Entscheidungen, wendet sich für den gewählten Ansatz jedoch meist eher zum Verwertbaren. Der bärige Schwarzenegger beispielsweise ist in diesem eher ungewohnten Indie-Kontext eine wahre Entdeckung. Auf eingeengtem Raum wirkt er wie ein gefangenes Tier, das mit all seiner körperlichen Stärke nichts ausrichten kann; die Darstellung seines fortgeschrittenen Alters schmeichelt ihm derweil schauspielerisch bemerkenswert. Mögen einige Seiten auch ätzen, dass sein Mitwirken an derlei Filmen ein endgültiges Indiz für sein Karriereende darstellt, so sollte die Actionikone künftig viel mehr solcher Rollen annehmen. Schwarzenegger profitiert auch von seiner jungen Partnerin Abigail Breslin, für die dieser Film viel eher ein Heimspiel darstellt – eine vortreffliche Kombination, resultierend aus einem gelungenen Casting.

Dem subtil sich verändernden Make-Up Breslins, das interessanterweise nicht nur den Weg geradeaus ins Zombiedasein kennt, sondern manchmal wieder zurück ins Menschliche schwenkt, gilt ein hohes Augenmerk und wurde daher auch mit viel Sorgfalt umgesetzt, denn es bestimmt praktisch das gesamte Erzähltempo. Das Skript erweist sich als kaum ereignisgetrieben, sondern orientiert sich vollständig am Befindlichkeitszustand der Hauptperson. Da diese im Laufe der Handlung mal bessere, mal schlechtere Tage erlebt, mag ein Eindruck der Sprunghaftigkeit entstehen, der jedoch die Machtlosigkeit des Vaters nochmals unterstreicht. Etwas intensiver hätte man vielleicht noch die Mutterrolle ausleuchten können, allerdings kann die passive Darstellung Joely Richardsons in dieser Form auch gewollt sein.

Ein bemerkenswertes kleines Drama vor endzeitlicher Kulisse, schwer verdaulich und geschickt besetzt. Die Mühe um einen neuen Ansatz macht sich in vielerlei Hinsicht bezahlt, auch wenn für die ganz runde Note womöglich noch ein wenig Erfahrung der Beteiligten auf ihren jeweiligen Gebieten fehlt. Dennoch, ein Stoff wie gemacht für das Medium Film: Hauptdarsteller und Publikum teilen die Verdammnis zur Handlungsunfähigkeit.

© Sascha Ganser (Vince)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Splendid/WVG__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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