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Malavita – The Family

Originaltitel: The Family__Herstellungsland: USA/Frankreich__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Luc Besson__Produktion: Luc Besson, Martin Scorsese u.a.__Darsteller: Robert De Niro, Michelle Pfeiffer, Dianna Agron, John D’Leo, Tommy Lee Jones, Jimmy Palumbo, Domenick Lombardozzi, Stan Carp, Vincent Pastore, Jon Freda, Michael J. Panichelli Jr., Paul Borghese, David Belle u.a.
Malavita - The Family

In Luc Bessons neuer Komödie „Malavita – The Family“ muss eine Mafiasippschaft abtauchen

Ursprünglich hatte Luc Besson nach 10 Filmen als Regisseur aufhören wollen, mittlerweile hat er das Versprechen gebrochen. Waren Werke wie „The Lady“ oder „Adele und das Geheimnis des Pharaos“ auf eher wenig Interesse gestoßen, so wurde die Roman-Verfilmung „The Family“, immerhin zusammen mit Martin Scorsese produziert, schon mit mehr Spannung erwartet.

Familie, das ist hier in mehrerlei Hinsicht zu sehen. Aus der ehrenwerten Familie, der Mafia, entstammt Giovanni Manzoni (Robert De Niro), der allerdings gegen ebenjenen Clan aussagte. Seitdem sind er und seine Familie im eigentlichen Sinne im Zeugenschutzprogramm. Die Namen wechseln, derzeit heißt man Blake mit Nachnamen, Giovanni heißt Fred, seine Frau Maggie (Michelle Pfeiffer) und seine Kinder Belle (Dianna Agron) und Warren (John D‘Leo). Damit es Stoff für eine Culture-Clash-Komödie gibt, hat das FBI unter der Führung von Robert Stansfield (Tommy Lee Jones) sie nach Europa verfrachtet, weit weg von den ehemaligen Weggefährten.

In Italien hatte es dem Clan noch ganz gut gefallen, doch der nächste Umzug verfrachtet sie in ein kleines französisches Kaff. Schuld an der Misere sind die cholerischen Manzonis, Verzeihung, Blakes höchstselbst: Mit ihrem Temperament brechen sie immer wieder Streit vom Zaun und fallen auf, wonach das FBI sie erneut verlegen muss. Auch in der französischen Stadt sieht es nicht so aus als würde alles glattgehen…

Malavita - The Family

Da wollte wieder jemand Fred Blake (Robert De Niro) alias Giovanni Manzoni dumm kommen

Man sollte sich nicht vom Marketing täuschen lassen, das „The Family“ als Actionkomödie vermarktet. Heuer wird ja anscheinend jeder Film, in den mal eine Knarre angefasst wird oder ein Auto schneller als Schrittgeschwindigkeit fährt, als Action angepriesen. In „The Family“ gibt es den Showdown, der kurz in Richtung des Actiongenres schreitet, aber die pflichtschuldige und obendrein auch noch relativ hüftsteife Ballerei ist nicht nur extrem kurz, sondern auch so mau in Szene gesetzt, dass sie keinen Genrefan mehr hinter dem Ofen vorlocken kann. In ihrer kläglichen Müdigkeit, wenn sich ein paar Profikiller größtenteils wie Amateure von den Blagen der Familie über den Haufen ballern lassen, ist sie allerdings auch ein fast schon konsequenter Schlusspunkt für Bessons Film.

Denn „The Family“ entpuppt sich als ultraflache Komödie, die zwar versucht Amerikaner und Franzosen gleichsam aufs Korn zu nehmen, letztendlich aber nur mit Klischees arbeitet, die noch nicht einmal besonders pointiert dargeboten werden. Die Amis sind ungebildete, gewalttätige Prolls, wobei sich zumindest die destruktiven Tendenzen ja noch mit dem Mafia-Hintergrund rechtfertigen lassen, die Franzosen dagegen arrogante Klugscheißer, deren Teenager samt und sonders unbehandelte Akne in der Fresse haben, während die zarte Haut von Belle und Warren nicht mal eine einzige verstopfte Pore verunreinigt – so weit, so doof. Überraschenderweise scheinen an französischen Schulen die gleichen Tendenzen zu herrschen wie an US-Highschools: Prügelbereites Sportlervolk und Oberbitches bilden die obere Stufe der Hackordnung, beißen sich aber an den gewieften Mafia-Sprößlingen die Zähne aus. Das ist in einer Szene ganz witzig gemacht, wenn Warren durch raffinierte Tricks zum Paten der Schule wird, meist aber im wahrsten Sinne des Wortes dumpf in die Fresse, etwa wenn Belle aufdringliche Mitschüler mittels Tennisschläger zu Klump haut.

Malavita - The Family

Mutter Maggie (Michelle Pfeiffer) mit Tochter Belle (Dianna Agron) und Sohn Warren (John D’Leo)

In die Fresse ist sowieso ein gutes Stichwort, denn so lösen die Mafiosi im Exil ihre Probleme meist. Supermärkte mit unfreundlichen Inhabern werden kurzerhand gesprengt, Abzocker-Handwerker mit dem eigenen Handwerk zu Brei gehauen. Das mag beim ersten Mal noch ganz witzig sein, nutzt sich aber schnell ab, was Besson allerdings nicht davon abhält unerbittlich mit den immergleichen Ausrastergags weiterzumachen, auch wenn er diese später teilweise als Tagträume Freds offenbart. Insofern erschöpft sich das Schadenfreudepotential bald, auch zum Thema des Mafioso incognito fällt „The Family“ nicht viel ein: Neben dem Gewaltpotential der Blakes gibt es kurze Verweise auf italienische Kochkunst der Dame des Hauses (gepaart mit der Abneigung gegen französisches Essen in der Familie) und jene Szene, in der Fred einen amerikanischen Filmklassiker für den örtlichen Kulturverein kommentieren soll. Anstatt des erwarteten „Some Came Running“ (mit Frank Sinatra, dem Mafia-Connections nachgesagt wurden, und Mob-Bezug) läuft dort aufgrund einer Kopienverwechslung das Mafiadrama „GoodFellas“ (gedreht von „The Family“-Produzent Scorsese, mit dem gleichen Hauptdarsteller). Robert De Niro schaut „GoodFellas“ – kurzes Amüsement ist garantiert.

Kurz ist dieses Amüsement unter anderem deshalb, da De Niro sein Mafia-Image bereits vor knapp 15 Jahren in „Reine Nervensache“ auf die Schippe nahm, der dazu noch fortgesetzt wurde, weshalb diese Meta-Ebene in „The Family“ kaum noch originell ist, wenngleich Robert De Niro seinen Part mehr als überzeugend spielt. Michelle Pfeiffer, dereinst als Gangsterliebchen in „Scarface“ zu sehen, schlägt sich als treue Ehefrau ebenfalls ziemlich gut, während Dianna Agron („Ich bin Nummer Vier“) und John D’Leo („Brooklyn’s Finest“) durchweg blass bleiben. Auch Tommy Lee Jones („Auf der Flucht“) murmelt seinen Part eher routiniert und pflichtschuldig denn wirklich enthusiastisch herunter, während eine ganze Riege bekannter Gesichter in den Nebenrollen, darunter Domenick Lombardozzi („The Wire“) sowie die vor allem als Mafiadarsteller bekannten Vincent Pastore („The Sopranos“), Paul Borghese („Find Me Guilty“) und Anthony Desio („Kick-Ass“), sträflich unterfordert bleibt. Gleich doppelt unterfordert ist Parkour-Erfinder David Belle („Banlieue 13“), der weder viel schauspielern noch viel von seinen akrobatischen Künsten zeigen darf.

Malavita - The Family

Der Zeuge und der FBI-Agent: Fred mit Robert Stansfield (Tommy Lee Jones)

Zu allem Überfluss ist den Ton in „The Family“ gänzlich uneben: Neben relativ platter Komik stehen Szenen, in denen Bessons Film in Richtung Drama schielt, das aufgrund der platten und teilweise recht unsympathischen Figuren nicht funktioniert. Etwa, wenn die intrigante und so abgeklärte Belle an Selbstmord denkt, weil der junge Lehrer, den sie sich angelte, doch nur kurzen Sex und keine Beziehung wollte – warum soll man auf einmal Mitleid haben, zumal sie das Verhältnis ohne Rücksicht auf Verluste eingefädelt hat? Besonders zynisch wird es dann am Ende: Zivilisten, Unschuldige und sogar Freunde sind tot, aber irgendwie ist ja alles happy, denn die Familie hat ja überlebt, selbst der Köter, warum sollte man einen Gedanken daran verschwenden oder gar betrübt sein? Zum Kotzen.

Hin und wieder hat „The Family“ seine kleinen Schmunzler, gerade in den Momenten, in denen er auf die Schadenfreude baut, wenn wieder jemand versucht ausgerechnet den Mafiosi dumm zu kommen, weil er nicht weiß, wen er vor sich hat. Ansonsten schwankt Luc Bessons filmischer Culture Clash zwischen platter Komödie und hohlem Drama, da die Figuren für letzteres zu platt und unsympathisch sind. Ein ziemlich großer Ausfall – Besson hätte vielleicht besser wirklich nach 10 Filmen aufgehört.

Der Film startet am 21. November 2013 in den deutschen Kinos.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Universum__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 21.11.2013 in den deutschen Kinos

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