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Mandy

Originaltitel: Mandy__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Panos Cosmatos__Darsteller: Nicolas Cage, Andrea Riseborough, Linus Roache, Bill Duke, Richard Brake, Ned Dennehy, Olwen Fouere, Hayley Saywell u.a.
Mandy deutsches DVD Cover

Nicolas Cage darf in “Mandy” mal wieder richtig aufdrehen!

Holzfäller Red Miller lebt mit seiner großen Liebe Mandy ein schönes Leben in der Abgeschiedenheit der Shadow Mountains.

Alles könnte perfekt sein, würde sein introvertiertes Herzblatt bei einem Spaziergang nicht dem Sektenführer der „Children of the New Dawn“ auffallen.

Der redet sich fortan ein, Reds Liebe unbedingt in seiner Gefolgschaft haben zu müssen. Mithilfe von ein paar dämonischen Motorradmutanten gelingt es ihm, das Liebespaar zu überwältigen und zu entführen.

Doch Mandy fügt sich nicht in ihre “neue” Rolle. Ihren Widerstand bezahlt sie mit dem Leben. Bei lebendigem Leibe zünden die Sektierer die Frau an. Die verbrennt vor den Augen des machtlosen Reds. Als der sich irgendwann befreien kann, schwört er Rache. Er schmiedet sich selbst eine Kriegsaxt und räumt unter den Mördern seiner großen Liebe auf.

Caruthers: Was willst du jagen?
Red: Jesus Freaks.
Caruthers: Wusste gar nicht, dass dafür Saison ist.

Schaut in “Mandy” mit Nicolas Cage hinein

In seiner ersten Stunde ist „Mandy“ schlicht und ergreifend ein einziger Trip. Ein Trip der Farben, der Formen und der filmischen Stilmittel. Ständig fließen Bilder ineinander oder vereinen sich zu neuen, Collagen-artigen Kunstwerken. Bildinhalte werden verzerrt. Es wird mit der Tiefenschärfe gespielt. Die Bilder werden verlangsamt abgespielt, sie illuminieren aus sich selbst heraus, sie pulsieren. Farben werden verfremdet, übersteuert, ausgelaugt. Bildinhalte werden manipuliert oder digital hinzugefügt. Trickfilme-Abschnitte symbolisieren Träume. Rot- und Stroboskop-Lichter flackern über die Leinwand. Das Ergebnis ist mehr als beeindruckend: Es ist farbsatt, intensiv, experimentell, fremdartig, avantgardistisch.

Unter den Bildern dräut der irre Score von Jóhann Jóhannsson. Für den Komponisten, der zuletzt den genialen Score zu „Sicario“ und die außerweltlichen Klangwelten von „Arrival“ schuf, bedeutete „Mandy“ eine seiner letzten Arbeiten vor seinem leider viel zu frühen Tod im Februar 2018. Mit dem Score zu „Mandy“ setzt er sich selbst ein finster pumpendes, Metal-Riffe einbindendes und disharmonischen Klängen einen Sinn gebendes Denkmal.

Mandy mit Nicolas Cage als Red Miller

Red Miller hat alles verloren, was ihm wichtig war. Also revanchiert er sich…

Fantastische Bilder, irrer Score… ununterbrochen wird der Zuschauer bei „Mandy“ von neuen Sinneseindrücken überwältigt. Da kann die Geschichte irgendwann nicht mehr Schritt halten. Weder werden die Figuren ausreichend vertieft noch will der emotionale Kern der Geschichte richtig berühren. Regisseur Panos Cosmatos, Sohn von “Rambo 2”-Regisseur George Pan Cosmatos und Macher von „Beyond the Black Rainbow“, ist mehr um die Atmosphäre seines Werkes bemüht als um dessen Geschichte. Packt einen diese Atmosphäre nicht und kann man auch dem in jeder Sekunde zelebrierten, optischen und akustischen Rückblick auf die 70er/80er Jahre nichts abgewinnen, könnte „Mandy“ mit manch manieriertem Monolog in der ersten Stunde durchaus zur Geduldsprobe werden.

In der zweiten Stunde wird „Mandy“ ein wenig konventioneller. Sowohl in seiner Bildsprache als auch hinsichtlich des Vorantreibens seiner Story. Hat Red in den Rachemodus geschaltet, fokussiert „Mandy“ auch vollkommen darauf. Die Bilder werden klarer, die Stilmittel zurückgefahren. „Mandy“ fühlt sich jetzt aufgrund der transportierten Inhalte und der gefahrenen Optik sehr grindhousig an. Das Trippige, das Psychedelische ist raus. Was begeistert, sind die Parallelwelten, die Cosmatos jetzt entwirft.

Mandy mit Nicolas Cage und Motorradmutanten

Die Motorradmutanten erinnern frappierend an die Zenobiten aus “Hellraiser”.

Denn Reds Rachfeldzug führt durch Steinbruch-Szenerien oder zerklüftete Gebirgsareale, die aufgrund der optischen Ideen Cosmatos wirken, als sei Red mit seiner Kriegsaxt in einer Art barbarischer Urzeit unterwegs. „Mandy“ wird so zu einer der Fantasy-Geschichten, die Reds Mandy so gerne gelesen hat. Reds Rachefeldzug kommt dabei alles andere als zimperlich daher. Mit Armbrust und Kriegsaxt fällt der bis unter den Scheitel zugedröhnte Red über die Mörder von Mandy her. Einen Schwertkampf mit Motorsägen gibt es ebenfalls zu bestaunen. Hemmungen kennt „Mandy“ dabei keine. Der rote Lebenssaft spritzt in Strömen, Enthauptungen und derlei Nicklichkeiten inklusive. Aber ein reines Splatterfest sollte man sich nicht erwarten.

Rund um den Rachefeldzug steigt dann auch die große Show von Nicolas Cage („Joe“). In der ersten Stunde wird Cage zugunsten der gut aufspielenden Andrea Riseborough („Shadow Dancer“) stark zurückgenommen. Was durchaus schade ist. Denn mehr vertrautes Miteinander zwischen Red und Mandy und weniger Konzentration darauf, „Mandy“ eher nerdy denn sympathisch zu zeichnen, hätten dem emotionalen Kern der Geschichte gut getan. So darf Nicolas Cage erst in der zweiten Stunde richtig in den Film einsteigen. Was er dann aber auch mit Urgewalt tut. Cage-Overacting-Deluxe inklusive. Mit weit aufgerissenen Augen lacht er irre in die Kamera, leert eine Pulle Schnaps in einem augenkrebserregend tapezierten Badezimmer, zerhackt seine Gegner und schreit sich den Frust von der Seele. Und genau das passt auf „Mandy“ in dieser Phase des Filmes wie Arsch auf Eimer.

Mandy mit Nicolas Cage und seiner Kriegsaxt

Für seinen Rachefeldzug schmiedet sich Red eine Hellebarde.

Ein Lob geht auch an die Darsteller der ständig vollkommen degeneriert rüberkommenden Sektenmitglieder. Genannt seien Linus Roache („Non-Stop“), Ned Dennehy oder Clément Baronnet. In jeder Sekunde ihres Wirkens sind sie absolut hassenswert, wenngleich das Drehbuch zu „Mandy“ ihnen gerne noch mehr irre Momente hätte einräumen dürfen. Schade ist, dass die Fieswichte beim großen „Aufräumen“ allesamt eher Fallobst darstellen und Red im Grunde nie fordern. In winzigen Nebenrollen schauen auch die Charaktervisagen Bill Duke („Surviving the Game“) und Richard Brake („31“) vorbei.

Fans der 70er und 80er Jahre kommen bei „Mandy“ im Übrigen nicht nur optisch und akustisch auf ihre Kosten. Cosmatos erwähnt in seinem Film sowohl den Crystal Lake (huhu Jason!), lädt zum „Texas Chainsaw Massacre“-Schwanzvergleich und kleidet seine Motorradmutanten wie „Hellraiser“-Zenobiten. Dazu gesellen sich immer wieder Bilder, die wirken, als seien sie direkt von 80er Jahre-Heavy-Metal-Alben kopiert wurden. Dazu die eindeutig unzweideutigen Metal-T-Shirts von Mandy oder die großartigen 80er Jahre-Sendungen, die hier beständig in den TVs der handelnden Figuren laufen. In „Mandy“ gibt es für Nostalgiker eine Menge zu entdecken.

“Mandy” ist fraglos ein audiovisuelles Meisterwerk, aber…

Aufgrund seiner experimentellen Bilder, der darunter dräuenden, großartigen Musik, der aufgebauten Stimmung sowie der aus allem resultierenden Atmosphäre ist „Mandy“ kaum weniger als ein echtes Meisterwerk. Ein Meisterwerk, das unumwunden in seine Welt hineinzieht und einem halluzinogenen Trip gleichkommt. Problematisch wird der Streifen für all jene Zuschauer, die sich auf einen derartigen Trip nicht einlassen können oder wollen und aufgrund des Marketings, das „Mandy“ sehr in Richtung blutiger Horrorspaß drückt, etwas anderes erwarten. Denn von einer Non-Stop-Schlachtplatte ist der Film weit entfernt.

Allen Zuschauern dürfte zudem auffallen, dass „Mandy“ kaum involviert. Zwar schafft es der Film, auch über seine Stimmung und Atmosphäre gefangen zu nehmen, aber er vergisst immer wieder seine Figuren. So fesseln weder das Schicksal von Andrea Riseborough noch der Rachefeldzug von Nicolas Cage – trotz hervorragender Schauspielleistungen. Wird man aber erst einmal von den Bildern aufgesogen, wird all das zumindest für 120 Minuten Laufzeit absolut nebensächlich. Wie lange der Film darüber hinaus bestehen kann, wird die Zeit zeigen.

7 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 29. November 2018 von dem Label Koch Media und wird mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten sein. Auf beiden Datenträgern gibt es einige Extras zum Film, dank derer man noch ein wenig mehr in die Welt von „Mandy“ eintauchen kann. Zudem wird dem Film auch eine Mediabook-Edition von Koch Media gegönnt. Die enthält den Film auf DVD und Blu-ray und die Dokumentation “Rewind This” auf einer Extra-DVD.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Koch Media__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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Categorised in: Reviews, the Horror Pit

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