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Marauders – Die Reichen werden bezahlen

Originaltitel: Marauders__Herstellungsland: Kanada, USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Steven C. Miller__Darsteller: Bruce Willis, Christopher Meloni, Dave Bautista, Adrian Grenier, Lydia Hull, Johnathon Schaech, Christopher Rob Bowen, Chris Hill, Danny A. Abeckaser, Texas Battle u.a.
Marauders

Bruce Willis langweilt sich als Bösewicht durch den netten “Marauders”.

Mit eiskalter Präzision überfallen vier Vermummte eine Filiale der Hubert National Bank. Dabei erleichtern sie das Finanzhaus um drei Millionen Dollar und richten den Manager der Bank vor den Sicherheitskameras brutal hin. Der erste Cop am Tatort ist Mims. Er findet einen Fingerabdruck, der ihn auf eine vermeintlich heiße Spur bringt…

Während er dieser nachgeht, startet das FBI unter Führung von Agent Montgomery in der Bankfiliale weitere Ermittlungen und kommt schnell zu der Erkenntnis, dass der gefundene Fingerabdruck einem gefallenen Soldaten gehört. Er war verstrickt in einen Entführungsfall rund um den Bruder des Bankbesitzers Hubert. Der erweist sich schnell als aalglatter und kalter Drecksack und macht keine Anstalten, die Ermittlungen zu unterstützen. Die Bankräuber beweisen derweil vermeintlich Herz, denn sie spenden ihre Beute Bedürftigen.

Diese und weitere Winkelzüge geben Montgomery zunehmend mehr Rätsel auf und sorgen so dafür, dass er sich richtig in den Fall verbeißt…

„Marauders“ ist ein anfänglich hübsch konstruiertes Whodunit, das um die wahre Identität vieler seiner Charaktere ein nettes Geheimnis macht. Vor allem bei den Bankräubern verweigert einem der Film jedweden möglichen Anhaltspunkt, wer unter der effektiven und coolen Vermummung stecken könnte. Coole technische Gimmicks machen zudem das Erkennen ihrer Stimmen unmöglich. Am zackigen Vorgehen erkennt man maximal, dass sie militärisch trainiert sein müssen.

An der Seite von Agent Montgomery deckt der Zuschauer mehr und mehr die Hintergründe der Banküberfälle (zwei weitere folgen) auf und ist dem FBI-Mann niemals voraus. Ein paar nett gestreute falsche Fährten führen zudem gekonnt in die Irre und halten die Spannung auf einem ordentlichen Niveau.

Marauders

Bruce Willis macht als Inhaber der überfallenen Bankfilialen keinen motivierten Eindruck.

Leider misslingt dem Film nach einem starkem Auftakt seine Auflösung. Sie fühlt sich nicht wuchtig genug für das bislang Gesehene an. Macht auch Andeutungen, die dann schnell wieder fallen gelassen werden und den Zuschauer eher verwirren. Die Motive hinter den ganzen Vorgängen sind zudem nicht vollkommen klar. Hinzu kommt, dass das Finale in Mexiko blöd konstruiert ist und es obendrein an Nachvollziehbarkeit mangeln lässt. Dass der Film zudem nur die Identität des Anführers der Bankräuber komplett offenlegt, schafft Raum für Enttäuschung und wirkt obendrein nachlässig.

Bis dahin wurde man von „Marauders“ aber sehr gut unterhalten. Der Thriller wurde von Regisseur Steven C. Miller („Extraction“) in edle Widescreen-Bilder gegossen, die vor allem den bislang eher selten genutzten Schauplatz Cincinnati in echtem Hochglanz erstrahlen lassen. Dabei funktioniert „Marauders“ zwar weitgehend über Dialoge, dennoch lässt es sich Miller nicht nehmen, hier und da die Dynamik seiner Bilder enorm zu erhöhen. Die Banküberfälle stechen dabei ebenso deutlich hervor wie die allgemeine Verdichtung des Tempos in Richtung Auflösung.

Marauders

Die Bankräuber schlagen eiskalt und methodisch brillant zu.

Echte Action kommt dabei aber eher selten auf. Letzten Endes finden sich nur zwei größere Shootouts in „Marauders“. Die wirken ein wenig zu hektisch in Szene gesetzt und verlassen sich zu sehr auf die inzwischen üblichen CGI-Visualisierungen. Die transportierte Härte (vor allem der Kopfbereich wird gerne „bearbeitet“) ist dabei nicht ohne. Die anderen Actionmomente sind eher sehr kurzer Natur und erschöpfen sich in minimal kurzen Schusswechseln bzw. in den Hinrichtungen, die die Bankräuber vollstrecken. Der flotte Score und die dynamische Inszenierung Millers lassen den Film trotzdem recht temporeich wirken, wenngleich eben echte Schauwerte wie ausufernde Ballereien, Explosionen, Prügeleien oder Verfolgungsjagden vollkommen fehlen.

Ein echtes Highlight des Streifens ist seine testosteronlastige Besetzung. Die Hauptrolle hat Christopher Meloni („Rage“) inne, der seinen gebrochenen FBI-Agenten mit dem losen Mundwerk mit Charme und Charisma zum Leben erweckt und definitiv als Involvement-Zentrum taugt. Sein engster Partner wird von WWE-Superstar Dave Bautista („Guardians of the Galaxy“) gegeben, der aber insgesamt nur wenig Screentime zugestanden bekommt, dafür aber hübsch herum frotzeln darf. Als Newbie im FBI-Team bekommen wir „Entourage“-Star Adrian Grenier zu sehen, der seine Rolle routiniert runter reißt, aber ein wenig unterfordert wirkt. Erst wenn er dem Cincinnati-Cop Mims, gegeben von Johnathon Schaech („The Prince“), an die Seite gestellt wird, wirkt er sicherer. Wobei allgemein festgehalten werden muss, dass Schaech die besten darstellerischen Momente vom Drehbuch abbekommen hat. Vom arroganten Arschloch bis zum liebenden Ehemann seiner todkranken Ehefrau darf er eine große Bandbreite bedienen und schafft ein paar angenehm menschelnde Momente, die „Marauders“ durchaus aus der Masse ähnlich gelagerter Thriller herausheben.

Marauders

Christopher Meloni muss Bruce Willis retten und schultert nebenher fast alleine den ganzen Film.

Die über der gesamten Handlung von „Marauders“ schwebende moralische Grundfrage, ob zur Beseitigung eines großen Übels viele kleinere Übel tolerierbar sind, wertet „Marauders“ ebenfalls auf. Der Background von Melonis Figur und deren Umgang damit stößt genau in dasselbe Horn. Hier hat der Thriller ein paar starke, tiefergehende Momente. Als starke Momente kann man die Auftritte von Bruce Willis („Precious Cargo“) leider nicht bezeichnen. Der Mime langweilt sich betont angeödet durch den Plot. Was vor allem deshalb schade ist, weil er letzten Endes wichtiger Dreh- und Angelpunkt der ganzen Chose ist. Hier wären Steven C. Miller und Co. gut beraten gewesen, einen engagierteren Darsteller an Bord zu holen.

Trotz der toughen Besetzung ist in „Marauders“ die Story King. Diese funktioniert über weite Strecken sehr gut, bedient souverän die bekannten Genre-Stereotypen und schmeckt diese mit kleineren, recht interessanten moralische Implikationen ab. Ausgerechnet gegen Ende verliert die Handlung aber an Kraft, wirkt in ihrer Auflösung beliebig und lässt einen echten Knalleffekt vollkommen missen. Und obwohl man sich bis dahin gut unterhalten fühlte, entsteht in der Bauchgegend unvermittelt dieses unbestimmbare „Warum habe ich mir das jetzt angetan?“ Gefühl, das den Film im Nachgang gehörig runter reißt. Und das ist wegen den ordentlichen Darstellern (Willis mal außen vor), der wertigen und flotten Inszenierung und dem trotz Actionmangels hohem Tempo echt traurig.

5 von 10

Eine deutsche DVD / Blu-ray erscheint am 16. Januar 2017 von dem Label KSM. Mit einer FSK 16 Freigabe ist der Film ungeschnitten. Die hübschen Extras der Code 1 Scheibe von Lionsgate hat man dabei laut Ankündigung nicht komplett übernommen. Der Audiokommentar des Regisseurs und seines Kameramannes scheint zu fehlen.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: KSM__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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