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Maverick

Originaltitel: Maverick__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1994__Regie: Richard Donner__Darsteller: Mel Gibson, Jodie Foster, James Garner, Graham Greene, Alfred Molina, James Coburn, Dub Taylor, Geoffrey Lewis, Paul L. Smith, Dan Hedaya, Art LaFleur, Corey Feldman, Danny Glover u.a.
Maverick

Eine weitere Zusammenarbeit des „Lethal Weapon“-Teams Richard Donner und Mel Gibson: „Maverick“

Nach drei Folgen „Lethal Weapon“, aber noch vor „Fletchers Visionen“ und „Lethal Weapon 4“, da arbeiteten Richard Donner und Mel Gibson zusammen an der Westernkomödie „Maverick“, basierend auf den Fernsehserien aus den 1950ern und 1980ern.

Bret Maverick (Mel Gibson) wird seinem Namen gerecht – ein Teufelskerl, der beim Pokerspielen Wagnisse eingeht und eine Lippe riskiert, der seinen Colt schneller zieht als jeder andere und bei Schlägereien mit mehreren Opponenten noch die Oberhand behält. Allerdings ist Maverick auch ein Schlitzohr, der seinem eigenen Mythos gerne mal nachhilft, wie man bald erfährt, denn wie so mancher Neo-Western zielt auch „Maverick“ darauf ab, dass hinter den Westernhelden weniger steckt als ihr Mythos einen vermuten lassen mag, im Gegensatz zu ernsten Revisionen wie „Erbarmungslos“ ist dies hier aber eine durch und durch komödiantische Variation.

Doch „Maverick“ ist nicht allein mit seiner Attitüde: Die schöne Annabelle Bransford (Jodie Foster) will ihn scheinbar verführen, in Wahrheit aber beklauen, die Leute, die ihm Geld schulden, reden sich mit fadenscheinigen Ausreden heraus. Dabei braucht Maverick noch 3.000 Dollar um das für ein großes Pokerturnier nötige Startgeld von 25.000 Dollar aufzubringen. Doch da hier jeder jeden bescheißt, ist das Eintreiben von Knete ein schweres Brot, noch dazu, wenn Banditen (darunter Danny Glover) die Bank ausrauben, in der Maverick gerade den Zaster eintreibt. Natürlich ist das Treffen der „Lethal Weapon“-Buddies mit In-Jokes gespickt, vom Wiedererkennen des anderen (ohne zu wissen vorher) bis hin zu einem von besagtem Räuber gefluchten „I am too old for this shit!“.

Doch Maverick hat mehr als eine ausstehende Zahlung und macht sich auf den Weg zum Turnier, wobei bald nicht nur Annabelle, sondern auch der Marshall Zane Cooper (James Garner) zu seinen Reisegefährten gehören – und die Reise ist nicht ohne Risiken…

Maverick

Spielen mit- und gegeneinander: Bret Maverick (Mel Gibson) und Annabelle Bransford (Jodie Foster)

Stars und gute Laune, das ist das Rezept von Donners sicher nicht tiefschürfender Westernkomödie, die sich auf Drehbuchseite etwas schwachbrüstig gibt. So wird der Trip zum Turnier eine Verkettung von Episoden, bei denen Maverick eh nie wirklich in Gefahr zu sein scheint, während er Zeit bei Indianern verbringt, mit Annabelle und Cooper ein paar Banditen stellt oder sich des schurkischen Angel (Alfred Molina) erwehren muss, der ihn an der Turnierteilnahme hindern will. Das ist mal mehr, mal weniger gut verbunden und läuft halbwegs flüssig, aber einen richtigen Spannungsbogen baut „Maverick“ dabei nicht ein, egal wie oft Mavericks Teilnahme an dem Turnier hinausgezögert wird.

So sind besagte Episoden dann auch von schwankender Qualität, das definitive Highlight ist sicherlich Mavericks Aufenthalt beim Stamm seines schlitzohrigen Freundes Joseph (Graham Greene), der einen russischen Touristen mit „authentischen“ Indianer-Erlebnisse bei Laune und am Zahlen hält. Das Stellen von als Indianer verkleideten Banditen lässt die Frotzeleien zwischen Maverick, Annabelle und Cooper auf Hochtouren laufen und gibt dem Trio seine wohl besten gemeinsamen Momente, während andere Stellen (etwa die Begegnungen mit dem Treck ausgeraubter, religiöser Frauen) dann doch etwas zäh und leider auch nur begrenzt lustig sind.

Maverick

Zur Klärung der Verhältnisse greifen Maverick und Marshall Zane Cooper (James Garner) auch mal zum Colt

Ebenfalls nicht ganz befriedigend ist das Pokerfinale des Films, das zwar imposant auf einem Dampfer stattfindet und bei dem Rivalitäten nicht nur am Spieltisch ausgetragen werden, das als Höhepunkt aber nicht ganz ausreicht. Zwar werden den Plottwists, bei denen das Leitthema des gegenseitigen Verrats und Übers-Ohr-Hauens auf die Spitze getrieben wird, im Minutentakt abgefeuert, doch auch hier wirkt Maverick etwas zu überlegen, der Sieg nie wirklich in Gefahr, was zwar zum lässigen Gestus des Films passt, das Finale aber auch etwas zu lang für das erscheinen lässt, was es letztendlich darstellt.

Dafür kann „Maverick“ mit liebevollen Anspielungen auf das Genre punkten, die vor allem den klassischen US-Western auf die Schippe nehmen. Wenn Maverick in einer modernen Variante von „Stagecoach“ auf einer fahrenden Kutsche herumturnt, wenn Indianer nicht die grausamen Wilden sind, für die man sie hält, wenn sich Maverick dem Tod durch Erhängen entziehen muss, wie man ihn aus Clint-Eastwood-Western kennt und wenn noch viele weitere Klischees gegen den Strich gebürstet werden, dann ist gute Laune garantiert.

Maverick

Eine akrobatische Einlage Mavericks

Diesem Gestus entsprechend befinden sich unter den Pokerspielern im Finale nicht nur viele bekannte Gesichter, ein Großteil der Anwesenden bringt auch noch entsprechende Credibility durch Schauspielerfahrung in Western mit. So geht es auch James Coburn (als Veranstalter des Turniers) und Ur-Maverick James Garner, die hier charismatisch der Altherrenfront vorstehen. Mel Gibson hingegen liefert eine charmante, weniger düstere Variante seines Parts als Martin Riggs ab, ist aber immer noch draufgängerisch und nie um einen Spruch verlegen, während die Chemie mit Jodie Foster ebenfalls stimmt. Foster ist hier nach Filmen wie „Angeklagt“ und „Das Schweigen der Lämmer“ mal in einer leichteren Rolle zu sehen, doch auch die Komik steht ihr hervorragend zu Gesicht. Etwas unterbeschäftigt ist Alfred Molina, der aus seiner stereotypen Fieslingsrolle Einiges rausholt, und Graham Greene, der wohl prominenteste indianische Darsteller der 1990er („Der mit dem Wolf tanzt“, „Halbblut“), darf als linkischer Häuptling in der dankbarsten Rolle des Scripts richtig aufdrehen.

Die Darstellerriege ist enorm gut aufgelegt, der Western wird liebevoll auf die Schippe genommen und einige echte Brüller hat „Maverick“ zu bieten – und doch: Mehr als eine amüsante Fingerübung scheint er nie zu sein. Zu schwankend ist die Qualität der Episoden, zu lasch das Finale und ein wenig zu souverän die Hauptfigur. Das macht zwar gute zwei Stunden lang Spaß, aber doch nicht komplett satt.

Die deutsche DVD kommt von Warner, ist mit FSK 12 ungeschnitten und besitzt als Bonusmaterial lediglich ein paar Texttafeln.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Warner__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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