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Max’s Bar

Originaltitel: Inside Moves__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1980__Regie: Richard Donner__Darsteller: John Savage, David Morse, Diana Scarwid, Amy Wright, Tony Burton, Bill Henderson, Steve Kahan, Jack O’Leary, Bert Remsen, Harold Russell, Pepe Serna, Harold Sylvester u.a.
Maxs Bar

Mit „Inside Moves“ alias „Max’s Bar“ inszenierte Richard Donner ein überraschend stilles Drama

Ein Film von Richard Donner („Superman“), das Drehbuch mitverfasst von Barry Levinson („Rock the Kasbah“) und mit einer Oscarnominierung für die beste weibliche Nebenrolle, das sollte doch ein bekanntes Werk sein, doch „Inside Moves“ verschwand in der Aufmerksamkeit des Publikums über die Jahre.

Als stilles Drama ist der Film auch ungewöhnlich für Donner, den man eher von großen Eventfilmen kennt, und der bereits den Selbstmordversuch eines seiner zwei Protagonisten, Roary (John Savage), wahrlich unaufgeregt an den Anfang des Films setzt. Roary überlebt den Sprung von einem Gebäude, allerdings mit gesundheitlichen Problemen. Körperlich und seelisch ausgebrannt läuft er durch die Straßen und findet sich schließlich eine Bar namens Max’s, die viele körperlich Geschädigte anlaufen: Am Pokertisch sitzen ein Blinder, ein Rollstuhlfahrer und ein Händeloser, hinter der Bar steht Jerry (David Morse), der leicht hinkt. Dass es sich hierbei um einen Behindertentreffpunkt handelt, schwingt unterschwellig mit, wird aber nie groß zum Thema gemacht.

Jerry und Roary freunden sich an, übernehmen sogar die Bar, als Inhaber Max (Jack O’Leary) in Geldnöte kommt. Nachdem der sportliche Jerry allerdings mit Roarys Hilfe eine Knie-OP bezahlen kann und damit eine Karriere als Profibasketballer verfolgen kann, wird die Freundschaft der beiden auf eine harte Probe gestellt…

Maxs Bar

Zwei Versehrte, eine Bar: Roary (John Savage) und Jerry (David Morse)

Wenn man „Inside Moves“ eines zugutehalten kann, dann ist es sein unverkrampfter Umgang mit dem Thema der körperlichen Behinderung: Weder verharmlosend noch über die Maßen dramatisch zeichnet er die verschworene Gemeinschaft aus Besuchern und Angestellten bei Max’s als Menschen, die mit ihrem Leiden umzugehen gelernt haben oder es noch müssen, dabei weder wehklagend verzweifeln noch alles ganz easy wuppen. Gerade das Trio der Pokerspieler zeigt die Akzeptanz der eigenen Behinderung, die ihnen selbst den Humor nicht nimmt, während Jerry und Roary mit ihren physischen, aber auch psychischen Problemen umzugehen lernen müssen; vor allem in Jerrys Falle geht es um Zugehörigkeit oder Abgrenzung zu seiner Community, nachdem er durch die Operation geheilt worden ist.

Doch trotz dieses lobenswerten Understatements mäandert der Film zwischen einzelnen Episoden und Handlungssträngen hin und her. Mal geht es um Jerrys Sportlerkarriere, mal um seine drogensüchtige On-und-Off-Freundin Anne (Amy Wright), die ihn ins Unglück zu stürzen droht, mal um Roarys Zurückfinden ins Leben, mal um seine aufkeimende Liebschaft mit der Kellnerin Louise (Diana Scarwid). Das sind an und für sich interessante, teilweise sogar echt herzige Facetten, die jedoch wild aufgenommen und fallen gelassen werden, sodass man sich am Ende für nichts, was der Film erzählt so richtig interessiert. Noch dazu bleibt Roary nicht nur seinen Kumpels, sondern auch dem Publikum über lange Zeit so sehr verschlossen, dass man als Zuschauer schwer in den Film hineinfindet, in dem er nun einmal die Hauptfigur ist, die in beinahe jeder Szene auftritt.

Maxs Bar

Die schräge Mischung aus Belegschaft und Gästen macht mal wieder einen drauf

So registriert man auch Schicksalsschläge der Figuren ohne große Regung, während Donners Film vor allem dann punkten kann, wer er einen lockeren, beschwingteren Ton anstrebt: Die gute Laune der Bargemeinschaft überträgt sich in solchen Szenen schnell auf den Zuschauer, die Wortgefechte und Eigenheiten des Pokertrios sind immer für Schmunzler gut und allgemein strahlt der Film eher eine milde Wärme aus denn als tiefschürfendes Drama zu erscheinen.

Das schmälert die durchgehend guten Schauspielleistungen an sich nicht, nimmt ihnen aber an Kraft. John Savage („Bullet“) als verschlossener Selbstmordkandidat verkörpert eindringlich jemanden, der mit sich und seinen Gefühlen nicht im Reinen ist, während David Morse („World War Z“) in seinem Filmdebüt das Gegenteil verkörpert: Denjenigen, der sich schon mit seiner Situation abgefunden hat und nun damit klarkommen muss, dass sein Leiden los ist. Morse zeigt sein beachtliches Talent, das er leider danach oft nur in Nebenrollen anwenden durfte. Diana Scarwid („Rumble Fish“) wurde durchaus zu Recht für den Oscar nominiert, liefert sie inmitten des Männerhaufens doch eine denkwürdige Performance ab, während talentierte Nebendarsteller wie Tony Burton („Zwei unter Volldampf“) , Harold Sylvester („Mörderischer Irrtum“) und (der tatsächlich händelose) Harold Russell („Dogtown – Stadt der Lügen“) als mehr oder wenige Leute aus dem Umfeld der Protagonisten punkten können.

„Inside Moves“ ist gut gespielt und nähert sich dem Thema der körperlichen Behinderung auf unverkrampfte Weise, bleibt aber insgesamt zu seicht und zu oberflächlich um großen Eindruck zu hinterlassen. Vielleicht ist es doch kein Wunder, dass der Film größtenteils vergessen wurde.

Verschiedenen Quellen zufolge war „Inside Moves“ hierzulande als „Max’s Bar“ zu sehen, aber anscheinend hat er es nie auf einen Datenträger geschafft, noch nicht einmal auf eine VHS. Laut Imdb lief er hierzulande zumindest wohl im Fernsehen. In den USA gibt es den Film bei Lionsgate auf DVD.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Lionsgate__Freigabe: PG__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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