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McQuade – Der Wolf

Originaltitel: Lone Wolf McQuade__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1983__Regie: Steve Carver__Darsteller: Chuck Norris, David Carradine, Barbara Carrera, Leon Isaac Kennedy, Robert Beltran, L.Q. Jones, Dana Kimmell u.a.
McQuade, der Wolf

Chuck Norris verteilt Arschtritte in “McQuade – der Wolf”

Ein Jahr bevor er als Vietnamhaudrauf Colonel James Braddock bei der legendären Actionschmiede Cannon anheuerte und vermissten Kameraden den Weg aus Vietnam zurück in die amerikanische Heimat freischoss, war Kampfsportpionier Chuck Norris 1982 bereits in einer Rolle zu sehen, die neben dem patronengurtbewährten Einzelkämpfer, der in reaktionären Kriegsspektakeln wie den „Missing in Action“- und „Delta Force“-Filmen durch die Reihen der Klischeebösewichter pflügen sollte, gleichzeitig zum Markenzeichen und Idealcharakter des Genrehelden werden sollte: Bereits ein Jahrzehnt vor seiner Kultrolle als Texas Ranger Cordell Walker in der gleichnamigen langlebigen TV-Serie räumte er im selben Bundesstaat in annähernd der selben Rolle des Martial-Arts erprobten Gesetzeshüters auf.

McQuade ist hier der Name des einsamen Wolfs, der einer Waffenschiebergang das Handwerk legen und seine Tochter aus den Händen von Entführern befreien muss. Zwei Jahre zuvor hatte Norris, der sich nach mehrmaligem Erringen des Weltmeistertitels im Karate Mittelgewicht 1974 aus dem aktiven Sport zurückgezogen und den Einstieg ins Filmgeschäft vollzogen hatte, bereits eine für seine damalige Schaffensperiode typische Rolle im Kampfsportkrimi „Der Gigant“ unter der Regie von Steve Carver absolviert. Dieser nahm nun auch bei „Lone Wolf McQuade“ auf dem Regiestuhl Platz. Der Film markiert gleichzeitig den Übergang zwischen den Martial-Arts betonten Krimitrashspektakeln der späten 70er zu den hauptsächlich auf Krawall und Feuergefechte bauenden Materialschlachten der Cannon-Ära, huldigt charmant dem Westerngenre und lässt Chuck Norris in einer Rolle brillieren, die wie für ihn geschaffen ist.

McQuade, der Wolf

Chuck killt sie alle!

Texas Ranger J.J. McQuade (Chuck Norris) hat erfolgreich eine Bande von Pferdedieben auseinandergenommen, wird dafür von seinem Vorgesetzten jedoch keineswegs mit Lobeshymnen bedacht, sondern aufgrund seiner rücksichtslosen Vorgehensweise gerügt, werfe er doch ein schlechtes Licht auf die als gewalttätig verschriene Polizei. Um den Bodycount von McQuades Einsätzen zu reduzieren, wird ihm ein Jungspund als Partner zur Seite gestellt, was dem einsamen Wolf überhaupt nicht ins Konzept passt. Als seine Tochter allerdings Zeugin des Überfalls auf einen Waffentransport wird und nur knapp dem Tod entrinnt, kann McQuade jede Hilfe gebrauchen. Gangster Rawley Wilkes (David Carradine) will die erbeuteten Waffen im Ausland verscherbeln und kidnappt J.J.s Tochter – der sieht rot und greift zu schwerem Geschütz…

Die Stilisierung Norris’ zum Larger-Than-Life-Helden charakterisierte vor allem die folgenden Cannon-Einsätze, die ihn als unbesiegbare One-Man-Army darzustellen pflegten. In „McQuade, der Wolf“ erreicht diese Tradition jedoch Ausmaße, die in kaum einem anderen Werk des Karatekünstlers anzutreffen sind. Majestätisch thront Ranger McQuade anfangs auf einem Felsen mitten in der Wüste, MP-Salven der im Tal darunter befindlichen Badguys schlagen um ihn herum ein, ohne ihm auch nur Anlass zum Ausweichen zu geben. Kurz nachdem ein lässiger Schuss McQuades selbstverständlich voll ins Schwarze trifft, sehen wir unseren Helden in effektvollen Gegen-die-Sonne-Einstellungen nach unten schreiten – die Grenze zum Lächerlichen wird hier nicht nur fast überschritten, dennoch macht gerade diese comichaft überzogene Überstilisierung Norris’ Figur zum reinrassigen 80s-Helden, dessen unerschütterliches Auftreten in Anbetracht der Tatsache, dass sich derartiges heute wohl niemand mehr trauen würde, einen gehörigen Nostalgie-Charme heraufbeschwört.

McQuade, der Wolf

Wer will sich da nicht ankuscheln?

Gleichzeitig zeigt der Auftakt des Streifens überdeutlich, dass man es im Grunde mit einem Neowestern zu tun hat: Von Cowboyhüten über Pferdediebe bis zu rauchenden Colts wird dem Genrefan jedes charakteristische Merkmal geboten und lediglich der Gebrauch von Autos, MPs und die urbanen Schauplatzabschnitte machen deutlich, dass sich die Handlung im 21. Jahrhundert abspielt. Vor allem der atmosphärische Westernsoundtrack untermalt das Geschehen perfekt und generiert ein grandioses Feeling, das überdies wunderbar mit dem allgegenwärtigen staubigen und dreckigen Touch des Gezeigten harmoniert. Wo Walker als sauberer Hochglanzheld für Recht und Ordnung sorgt, ist McQuade meist verdreckter als sein Auto, schwitzt in der Wüstensonne und lässt keinen Zweifel daran, dass sein Job kein Zuckerschlecken ist.

Persönliche Dimensionen nimmt sein aktueller Fall darüber hinaus für den Ranger an, als seine Tochter erst einen Überfall der Waffenschieber beobachtet und dann selbst gekidnappt wird. Was in TV-Zeitschriften gerne als knappe Inhaltsangabe Verwendung findet, ereignet sich tatsächlich allerdings erst in der letzten Viertelstunde. Viel Handlung hat „Lone Wolf McQuade“ nämlich wahrlich nicht aufzubieten. Bis die eigentliche Story um die Machenschaften des Waffenschieber-Syndikats ins Rollen kommt, ist die Hälfte des Films beinahe schon vorbei und auch im Folgenden spielt das dünne Alibikonstrukt, das dem Zuschauer hier als roter Faden präsentiert wird, eine äußerst untergeordnete Rolle.

Dementsprechend wenig aufregend gestalten sich zwar McQuades Ermittlungen, doch hier liegt auch nicht unbedingt die Stärke des Films. In der Hauptsache verlässt sich „Lone Wolf McQuade“ auf seine stimmige, von Westernstyle mehr als nur inspirierte Atmosphäre und garniert das Geschehen darüber hinaus mit den obligatorischen Actionszenen, die zwar nie den Gigantomanismus der späteren Kriegskracher erreichen, mit einer ausgewogenen Mixtur aus Martial-Arts-Fights und Schießereien den Genrefan aber dennoch bei Laune zu halten wissen. Bereits beim Auftakt darf Norris per MP Badguys in die ewigen Jagdgründe ballern und – nachdem man in der Mitte des Films eher auf kurze Kampfsporteinlagen fokussierte – beim großen Showdown zur Shotgun greifen und unter den Männern von Ober-Badass David Carradine aufräumen. „McQuade, der Wolf“ hält mit konstanter Fightfrequenz bei Laune, zelebriert seine einzelnen Actionszenen aber nie allzu ausführlich, was über die Dauer der dünnen Story zu einigen Längen führt und auch qualitativ gehört das Gezeigte nicht zur Speerspitze des Norrisschen Schaffens. Solide gestaltet sich die Action aber allemal, zumal gegen Ende auch die Pyrotechniker noch ordentlich zu tun bekommen.

McQuade, der Wolf

Keiner macht mich so feucht wie du, Chuck!
Ich weiß!

Norris selbst ist in der Rolle des einsamen Wolfes in seinem Element und braucht mit der ihm eigenen Fähigkeit, einen Film mit noch weniger Gesichtsausdrücken als Steven Seagal zu tragen, keinerlei Schauspielerei zu bemühen, um den Part des McQuade charismatisch mit Leben zu füllen. Dass ihm nicht einmal der Tod des besten Freundes ein Fünkchen Emotion zu entlocken vermag, mutet zwar ein wenig befremdlich an, lässt sich aber beinahe schon als Markenzeichen von Stoneface Norris werten. Währen L.Q. Jones eine gewohnt coole Performance als McQuades väterlicher Partner absolviert, steht mit „Kung Fu“-Star David Carradine auch ein illustrer Antagonist zur Verfügung, der seinem Bad Ass genussvoll Leben einhaucht und auch hin und wieder kicken darf. Chucks Bruder Aaron, der 1988 mit dem Dudikoff-Kracher „Platoon Leader“ und der dritten „Missing in Action“-Folge „Braddock“ erstmals auf dem Regiestuhl Platz nehmen sollte, hat darüber hinaus eine Minirolle als Punk.

Fazit: „McQuade, der Wolf“ gehört nicht zu den Topfilmen von Karate-Stoneface Chuck Norris, weiß wohl aber als cooler, atmosphärischer Actionwestern zu überzeugen, der die Rolle von Texas Ranger Walker vorwegnahm und seinem Star den Übergang zur glanzvollen Cannonära bereitete. Deutlich über den Kamfpsportkrimis der späten 70er anzusiedeln, gefällt „Lone Wolf McQuade“ mit ordentlichen Actionszenen und einem hervorragenden Westernscore, hat aufgrund der dünnen Handlung aber auch mit einigen längeren Passagen zu kämpfen. Für Norris-Fans und Actionnostalgiker auf jeden Fall einen Blick wert.

Die DVD von MGM präsentiert den Klassiker mit einer FSK-18 ungekürzt. In dieser Version schaffte es der Film auch in die „Action Cult Uncut“ Reihe der 20th Century Fox. Am 28. Juni 2013 erscheint die Blu-Ray zum Film aus dem Hause Fox!

© Ed Hunter

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Copyright aller Filmbilder/Label: Twentieth Century Fox Home Entertainment__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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