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Mean Machine – Die Kampfmaschine

Originaltitel: Mean Machine__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2001__Regie: Barry Skolnick__Darsteller: Vinnie Jones, Jason Statham, David Kelly, David Hemmings, Ralph Brown, Vas Blackwood, Robbie Gee, Geoff Bell, John Forgeham, Sally Phillips, Danny Dyer, Jason Flemyng, Martin Wimbush, David Reid, David Cropman u.a.
Mean Machine - Die Kampfmaschine

Jason Statham und Vinnie Jones im Remake des Burt Reynolds Klassikers “Die Kampfmaschine”

Nachdem sich Vinnie Jones in den Guy Ritchie-Vehikeln “Bube, Dame, König, grAs” und “Snatch” mit unglaublicher Leinwandpräsenz in den Vordergrund gespielt hatte und dann folglich von Bruckheimer & Co. mit einer Rolle in die USA geködert wurde, die sich mehr durch ihre Mimik und Körpersprache als durch Worte ausdrückte, ergatterte er ein Jahr später seine erste Hauptrolle. Kaum verwunderlich, dass diese zum Zentrum eines ansonsten sehr handlungsarmen Films gemacht wurde, der einzig und allein von der Markanz des Hauptdarstellers lebt: von seiner britischen Härte, seinen stahlblauen Augen, seiner stoischen Mine und seinem trockenen Humor.

Zwar mag die Produktionsstätte dieses komödiantisch aufgepeppelten Gefängnisdramas die USA sein, jedoch ist “Mean Machine” gerade in Hinblick auf den Football spielenden Burt Reynolds aus dem Original ein durch und durch britischer Film. Britische Schauspieler, britischer Humor, und vor allem: Fußball.

Ein einziges Spiel bestimmt den Rhythmus, was schon arg inhaltsflach ist; zumal das Neuaustragen einer in der Realität bestehenden Hierarchie in einem Spiel alles andere als neu ist. So war es einmal ein gewisser Sylvester Stallone, der anno 1981 in “Flucht oder Sieg” vor der Kulisse des Zweiten Weltkriegs an einem Fußballspiel zwischen Deutschen und Amerikanern unter Gefangenschaft teilnahm; und die “Sleepers” sahen in einer solchen Veranstaltung auch eine Möglichkeit, gegen die sonst unnahbaren Wärter aufzubegehren. Alles schon mal dagewesen, außer eben, dass diesmal Mr. Jones dem Film seinen Stempel aufdrücken darf. Und das tut er bravourös.

Was seine Rollenalternation betrifft, strengt er sich noch nicht einmal besonders an, denn sein Danny Meehan könnte genauso gut sein Big Chris aus “Bube, Dame, König, grAs” sein, der den drei schwarzen Gangstern auf die denkbar coolste Art und Weise mitteilt, dass er derjenige ist, der sie an den Eiern hat, und nicht umgekehrt. Das Wort “unglaubwürdig” drängt sich deswegen nie auf, denn Jones ist ein krimineller Ex-Fußballspieler par Excellence. Natürlich mit dem Herz am rechten Fleck, denn guten Menschen begegnet er dort im Knast mit Freundlichkeit.

Nun sieht sich unser Hauptdarsteller einem freien Feld ausgesetzt, in dem er nach Herzenslaune agieren darf. Seiner Präsenz sind keine Grenzen gesetzt. Allem anderen jedoch leider schon, denn wirklich alles ist schon mal in dem ein oder anderen US-Footballfilmchen zu sehen gewesen. Originalität ist den Drehbuchautoren mehr als fremd. Korrupte Gefängnisdirektoren, fiese Mitsträflinge, nette Kerle, denen dann Unrecht widerfährt; pfui, schämt euch was, das ist Klischee bis zum Halsansatz.

Glück für die Macher, wenn dann mal eines dieser Klischees Eigenleben entwickelt. Gemeint ist Jason Statham, neben Vinnie Jones (und vielleicht zusätzlich noch Paul Bettany und Jason Flemyng) der Exportschlager überhaupt. Hier gibt der Schlingel einen geheimnisvollen Einzelgänger, den “Mönch”, der stark an Billy Connollys “Il Duce” aus “Der blutige Pfad Gottes” orientiert ist. Statham weiß seine Figur sehr schön als Exot in den Film zu integrieren, ohne Vinnie Jones wirklich in die Quere zu kommen. Ein bisschen wird der klassische geheimnisvolle Einzelgänger auch von ihm parodiert, denn so ganz ernst ist die Figur nicht ausgelegt. Man glaubt ständig, ein keckes Blinzeln in Stathams Augen erhaschen zu können.

Auch im Spiel ist Statham so ziemlich der Einzige, dem ein wenig Innovation zugestanden wird. Zum Brüllen sind die in schwarzweiß gehaltenen Tagträume des Mönches, wie er als Torwart jedem Stürmer die Fresse poliert und die Bälle abwehrt wie einst Carlos Valderrama im Tor der kolumbianischen Nationalelf. Eleganz, Extravaganz und Exzentrik in einem: was will man mehr?

Nun ja, vielleicht ein Fußballspiel, das etwas weniger von vorgebackenen Strukturen abhängig ist. Wo es schon so sehr zum zentralen Punkt des Films gemacht wird, sollte es sich wenigstens etwas vom Rest des Feldes abheben. Das tut es aber nicht: zwei eloquente Kommentatoren im Nick Diamond & Johnny Gomez-Style geben den spaßigen Off-Kommentar mit deutlicher Parteinahme für die Insassen, auf der Tribüne schwitzt sich ein übergewichtiger Gefängnisdirektor ab, als hinge sein Leben vom Ausgang des Spiels ab. Die Tore fallen natürlich nur so, dass es der Dramaturgie dient. Da darf man halt auch keinen Vorwurf machen, zumal man sich mit dem ersten Tor erfreulich lange zurückhält. Dafür gibt’s dann in der Halbzeit die obligatorische unfaire Schwächung des Insassen-Teams, dem man nun um so mehr die Daumen drückt.

Der Motivationsaspekt ist nicht allzu sehr ausgeprägt; eine kurze Ansprache von Jones vor dem Spiel, ziemlich inhaltsgleich mit der Überzeugungsrede für den unentschlossenen schwarzen Spieler bei “Sleepers”, ist alles. Für Jones selbst gesellt sich nachher noch ein moralisches Dilemma hinzu, das aber eigentlich auch keine neuen Facetten hinzuzuziehen vermag.

Und wie immer können sich die Briten auch einen kleinen Seitenhieb auf die Deutschen nicht verkneifen. Eigentlich darf man geschmeichelt sein, denn das grenzt ja fast an Paranoia – zumal ich mich selbst an einen Werwolf(!)film (“Dog Soldiers”) erinnern kann, in dem auf die Fußballrivalität zwischen Deutschland und England hingewiesen wird.

Sehr viel gibt es also über die “Kampfmaschine” nicht zu sagen. “Mean Machine” ist der perfekte Film für den Feierabend, wenn man nicht mehr großartig nachdenken muss, denn lange hab ich keinen so leeren Film mehr gesehen. Erfreuen kann man sich an frischen Darstellern, von denen man in Zukunft gerne mehr sehen würde. Mehr fällt mir gerade nicht ein. Halt einfach “klein und gemein”.

Die DVD zum Film kommt von Paramount und ist frei von Bonusmaterial. Mit einer FSK 12 Freigabe ist Mean Machine uncut.

Sascha Ganser (Vince)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Paramount Pictures Home Entertainment__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten:Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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