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Meg

Jason Statham gegen den Urhai. In der recht freien Pulp-Roman-Adaption „Meg“ wird der Actionheld als Tauchexperte Jonas Taylor damit konfrontiert, dass Megalodons die Jahrtausende in der Tiefsee unbemerkt überlebt haben. Als mindestens eins der Biester ausbüchst und das Meer vor China unsicher macht, müssen Jonas und seine Sidekicks die Bedrohung aufhalten.

Originaltitel: The Meg__Herstellungsland: USA/China__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Jon Turteltaub__Darsteller: Jason Statham, Li Bingbing, Ruby Rose, Rainn Wilson, Cliff Curtis, Jessica McNamee, Ólafur Darri Ólafsson, Robert Taylor, Masi Oka, Page Kennedy, Winston Chao, Shuya Sophia Cai u.a.
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In Jon Turteltaubs “Meg” jagt Jason Statham nach dem Urhai Megalodon, der die Meere wieder unsicher macht

Egal ob Guillermo del Toros „Pacific Rim“, das mit „Godzilla“ und „Kong: Skull Island“ begonnene Monsterverse oder der Dwayne-Johnson-Böller „Rampage“ – Hollywood produziert derzeit gerne Monsterspektakel mit Blick auf mögliche Kassenerfolge auf dem asiatischen Markt. Kein Wunder, dass der Riesenhai-Film „Meg“ nicht nur chinesisch co-produziert wurde, sondern auch dort spielt.

Die Romanvorlage des Pulp-Autoren Steve Alten dient bei dem Leinwandspektakel eher als grobe Richtschnur, aus der man einige Hauptfiguren, Schlüsselszenen und den allgemeinen Handlungsrahmen nahm, aber ansonsten alles massiv umschrieb und die Figuren stark veränderte. So hat Tauchexperte Jonas Taylor (Jason Statham) seine Erstbegegnung mit dem Urhai Megalodon nicht bei der Erforschung des Marianengrabens, sondern während der Bergung der Mannschaft eines gekenterten U-Boots, das von einem ungesehenen Wesen attackiert wird. Anstelle zweier Wissenschaftler wie in der Vorlage sterben hier zwei Kumpane Taylors, da er sich entschließt das Scott zu schließen, diese zurückzulassen und mit dem Rettungs-U-Boot und den geborgenen Verletzten abzuhauen, bevor die Explosion des havarierten U-Boots sie alle tötet.

Jahre später ist Jonas ein verbitterter Alki in Thailand, während der Millionär Jack Morris (Rainn Wilson) eine Tiefseeexpedition finanziert, bei der Jonas‘ Ex-Frau Lori (Jessica McNamee) das Forschungs-U-Boot steuert, durch eine Schicht eiskalten Wassers, unter der warme tropische Gewässer liegen. Genau hier hausen allerdings Megalodons, einer legt das Boot lahm, was natürlich der Grund ist den zweifelnden Helden zu reaktivieren, der sonst mit Bier in der Hand, Strohhut auf dem Kopf und Motorroller unterm Hintern im Vorruhestand dahinvegetiert. Doch Jack und Jonas‘ alter Kumpel James ‘Mac‘ Mackreides (Cliff Curtis) überreden Jonas zur Hilfeleistung.

Also legt Jonas eine tollkühne Rettungsaktion aufs Parkett, in deren Verlauf er nicht nur U-Boot-Pilotin Suyin (Li Bingbing) alt aussehen lässt, sondern auch ein Unterwasservulkan ausbricht, dessen Dämpfe die kalte Wasserschicht für kurze Zeit durchbrechen. Für genug Zeit, dass mindestens ein Megalodon ausbricht und von den forschen Forschern zur Strecke gebracht werden muss…

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Jonas Taylor (Jason Statham) und Suyin (Li Bingbing) machen sich bereit zur Haijagd

Eines muss man Regisseur Jon Turteltaub („Das Vermächtnis der Tempelritter“) und seinem Drehbuchautorentrio Dan Geogaris („Paycheck“), Jon Hoeber („Whiteout“) und Erich Hoeber („Battleship“) lassen: Sie haben immerhin verstanden, dass das titelgebende Urzeitvieh die Hauptattraktion des Films ist und lassen es schnell und häufig von der Leine. Anfangs sieht man das Biest nicht oder nur ausschnittsweise, so wie man es von „Der weiße Hai“ und „Alien“ gelernt hat, aber dennoch demoliert es mehrere U-Boote und verspeist einen Riesenoktopus, damit für ordentlich Hai-Action gesorgt ist. Nebenher handelt man noch im Schweinsgalopp alles an nötigen Erklärungen sowie Einführung der Scherenschnittfiguren aus dem Satzbaukasten ab. Da ist Suyin als potentielles Love Interest und patent zupackende Frau an Jonas‘ Seite, Kumpel Mac, der exzentrische Geldgeber Jack mit dem losen Mundwerk, Lori als Motivation, die im Film danach quasi gar nichts mehr zu tun hat. Ergänzt wird das Team um gleich zwei Plappermaulsidekicks, den schwarzen DJ (Page Kennedy) und den dicken Wall (Ólafur Darri Ólafsson), Konstrukteurin Jaxx (Ruby Rose) und den Jonas nicht wohlgesonnenen Dr. Heller (Robert Taylor). Der dritte lustige Plappermaulsidekick, Toshi (Masi Oka), scheidet dagegen schon vorzeitig aus.

Doch „Meg“ weiß mit seinem Kabinett von Schießbudenfiguren nichts anzufangen, die allesamt aneinander vorbeiagieren und deren Subplots nirgendwohin gehen. Es wird kurz ein Liebesdreieck angerissen, wenn Jonas sowohl für Suyin und für Lori attraktiv ist, aber das lässt man fallen, und ob Jack nun der verschrobene Geldgeberonkel oder der eiskalte Kapitalist ist, ist für den Verlauf fast vollkommen egal. Doch nicht nur jeder Hauch von Charakterentwicklung geht baden, auch jede Form von filminterner Logik. Da versenkt der Megalodon ganz easy mehrere Fischerboote, lässt das Boot der Helden aber ohne ersichtlichen Grund in Ruhe und kurvt in einiger Entfernung gemütlich herum, damit diese sich erst einmal einen Plan überlegen können, wie man dem Hai denn nun am besten zu Leibe rücken könne, was dieser gemütlich abwartet.

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Jonas und Suyin im Kreise ihrer Sidekicks: James ‘Mac’ Mackreides (Cliff Curtis), Jaxx (Ruby Rose), Lori (Jessica McNamee), DJ (Page Kennedy) und Suyins Tochter Meiying (Shuya Sophia Cai)

Dass bei diesem Spektakel fast alle außer Jonas inkompetent sind, versteht sich von selbst, weshalb dieser alle paar Minuten ins Wasser hüpft um seine (irgendwann dezimierten) Sidekicks zu retten, deren hauptsächlicher Job darin besteht in Gefahr zu geraten oder gleich gefressen zu werden (zur Fischbekämpfung trägt eigentlich nur Suyin etwas bei). So scheint vieles von dem Ensemble nur da zu sein, damit diese oder jene Romanfigur noch untergebracht wurde. Noch schlimmer ist allerdings eine Hinzufügung: Mit Suyins Tochter Meiying (Shuya Sophia Cai) ist jene Art von nervigem neumalklugem Nutellafratz am Start, die mit ihrer aufgesetzten Bauernschläue und ihrem Ach-so-putzig-Gebaren nahezu jeden Zuschauer in den Wahnsinn treibt. Wem das noch nicht reicht, dem geben verunfallte Oneliner der Fremdschämklasse und einige himmelsschreiend doofe Momente den Rest: Etwa wenn ein Megalodon Meiying in einem durchsichtigen Unterwassergang angreift, die ganze Station von dem Aufprall wackelt und die mehrere Etagen höher befindliche Suyin „My daughter“ brüllt, als habe sie bereits telepathisch gewusst, dass gerade ihre Tochter in Gefahr ist.

Nun wäre all diese geballte Blödheit noch zu ertragen, wenn die massive Hai-Action wenigstens einigermaßen kompetent inszeniert wäre, doch auch da sieht es schlecht aus. Die Tricks werden Marvel und „Transformers“ zwar keine schlaflosen Nächte bereiten, machen aber angesichts des 100-Millionen-Dollar-Budgets doch immer noch einiges her. Nur leider sind die Set Pieces fast durchweg egal inszeniert, so viel auch dabei zu Bruch gehen mag. Doch die Heldentruppe ist einfach zu egal, als dass man um irgendwen Angst haben würde, die schurkischen Figuren sind zu banal, als dass man ihr Gefressenwerden mit Schadenfreude verfolgen würde, und der obligatorische Haiangriff auf einem vollbesetzten Badestrand ist fast vollends vergeigt: Da zieht der Hai gefühlte fünf Minuten seine Runden um die Badegäste, um dann für vielleicht 30 Sekunden anzugreifen, zwei oder drei Leute semi-onscreen zu verknurpsen und sich danach wieder ablenken zu lassen. Das wird dann auch nicht aufregender, weil man ein weiteres nerviges Kind (hier: ein kleiner Moppel mit Eis und Schwimmring) in Gefahr bringt. Auch der schnell und pflichtschuldig abgehandelte Showdown mit dem Megalodon und zwei Unterseegleitern weiß kaum zu begeistern, auch wenn „Meg“ immerhin ein schönes Finish für sein Urvieh parat hält.

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Auge in Auge mit dem Urhai Megalodon

Bei all dem Unsinn macht immerhin Jason Statham („Fast & Furious 8“) eine gute Figur, erweist sich als kompetenter Actionstar mit Muckis, Charisma und einem Quäntchen Selbstironie im Kampf gegen ein mieses Script und eine dröge Handwerkerregie. Li Bingbing („Guardians of the Tomb“) als großer Star fürs chinesische Publikum ist okay und kommt noch mit am besten weg, was das sonstige Ensemble angeht. Rainn Wilson („Army of One“) haut ein paar Sprüche raus und zieht sich noch halbwegs achtbar aus der Affäre, Cliff Curtis („Last Knights“) hat Charisma, kommt aber nie so recht im Film an und wirkt wie ein besserer Statist. Jessica NcNamee („The Loved Ones“), Robert Taylor („Turkey Shoot“), Winston Chao („Skiptrace“) und Masi Oka („Death Note“) bleiben ebenfalls egale Beinahe-Statisten, während Ólafur Darri Ólafsson („The Last Witch Hunter“) schon ziemlich an den Nerven sägt. Noch schlimmer ist Page Kennedy („S.W.A.T.“), dem das Drehbuch so viele üble Schwarzenklischees auf den Bauch schreibt, dass es sich noch nicht einmal die größten Schlonz-Filmemacher vergessen geglaubter Dekaden getraut hätten: DJ ist großmäulig, keift, wenn es gefährlich wird, und fängt an zu rappen, wenn es gut läuft. Und schwimmen kann er natürlich auch nicht. Ebenfalls eine peinliche Figur macht Ruby Rose mit ihrer dauerangepissten Miene, die aber auch vollkommen fehlbesetzt ist. Die Killerin in Filmen wie „xXx 3: The Return of Xander Cage“ und „John Wick 2“ nahm man ihr ja ab, aber dass dieses Tattoo-Testgelände eine brillante Ingenieurin sein soll, kann der Film zu keiner Sekunde verkaufen.

Es hätte eine Monstergaudi in chinesischen Gewässern werden können, die das Budget war üppig genug, Jason Statham ist als Held kernig genug und hin und wieder blitzt bei der Hai-Action jene Form von unterhaltsamem Spektakel auf, das der Film hätte sein können. Meist sind die Set Pieces jedoch von dröger Pflichtschuldigkeit, verpackt in ein schluriges Script voller unfassbar egaler Schießbudenfiguren, noch dazu mit lauter Logiklöchern und saudusseligen Momenten. Immerhin: Man kann sich „Meg“ über vielleicht ganz gut amüsieren, aber nicht mit ihm.

Warner bringt „Meg“ ab dem 9. August 2018 ungekürzt mit einer Freigabe ab 12 Jahren in den deutschen Kinos.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Warner__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 9.8.2018 in den deutschen Kinos

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Categorised in: Creature Feature, Reviews

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