Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Megaforce 2

Originaltitel: Lip Mo Kwan Jing__Herstellungsland: Hongkong__Erscheinungsjahr: 1989__Regie: Lu Chin-Ku__Darsteller: Moon Lee, Sibelle Hu, Alex Man, Ray Lui, Candy Wen Hsueh-Erh, Tai Chi-Wai, Francis Ng, Michael Chan Wai-Man, Ken Lo, Lau Siu-Ming u.a.
Megaforce 2

Nach lahmem Auftakt rumpelt es in “Devil Hunters” aka “Megaforce 2” aka … ordentlich.

Eigentlich ist die Story von „Megaforce 2“ ziemlich simpel: Zwei große Syndikate planen, einen gewaltigen Drogendeal abzuwickeln. Der geht schief und der eine Drogen-Obermufti macht den anderen für das Scheitern des Deals verantwortlich. Also entsendet der Gangster Han San seine Killer und lässt den vermeintlichen Verräter Chai umnieten. Der stirbt in den Armen seines Sohnes, der freilich Rache will. Feuer frei für einen simplen und unterhaltsamen Hongkong-Actioner!

Doch leider meint es das Drehbuch mit dem Krawall-Fan in uns nicht so gut. Denn der Film verliert recht schnell seinen Rachefeldzug-Fokus und erzählt uns stattdessen lieber von einem internen Machtkrieg in der Bande von Han San. Dabei geht es irgendwann auch noch um irgendwelche Diamanten und immer wieder tauchen neue Figuren auf, die keinen interessieren. Der Sohn Chians spielt erst im Showdown wieder eine echte Rolle und eine zu Beginn als ach so handlungsantreibend etablierte Spezialeinheit der Hongkonger Polizei ward auch bald nicht mehr gesehen. Immerhin darf eine Dame aus der Einheit im Showdown mit kicken.

Es ist nun nicht so, dass diese immer mehr ausufernde Handlung den gemeinen Actionfan kognitiv überlasten würde. Mitnichten. Sie ist aber auch nicht interessant genug, um irgendwie Spannung zu erzeugen oder den Zuschauer bei der Stange zu halten. Der wird mit einem zunehmend erlahmenden Tempo konfrontiert und muss obendrein feststellen, dass die pseudokomplizierte Handlung der Action ordentlich Laufzeit klaut. Die ballt sich dann mit ihren besten Momenten im letzten Drittel, belohnt den Zuschauer aber hinreichend für dessen Geduld.

Schaut in “Megaforce 2” hinein

Doch spricht man bei „Megaforce 2“ von der Action, kommt man nicht umhin, über einen besonders schlimmen Unfall zu schreiben. Im Finale entkommen die verbliebenen Helden dem Tod nur, indem sie todesmutig aus den Fenstern eines explodierenden Zimmers springen. Die Hauptdarsteller des Streifens agierten hier mal eben als ihre eigenen Stuntmen und sollten diesen Eifer teuer bezahlen. Der Sprengmeister hatte nämlich die Menge des in der Explosionsszene zum Einsatz kommenden Schießpulvers falsch berechnet. Die daraus resultierende, extreme Stichflamme hüllte vor allem die beiden Darstellerinnen Moon Lee („Zu – Warriors from the Magic Mountain“) und Sibelle Hu beinahe vollständig ein. Ihre echten Schmerzensschreie untermalen nun die mehrfach in Zeitlupe dargereichte Szene im Film… Beide Damen verletzten sich schwer.

Die restliche Action des Filmes ist weniger explosiv angelegt, geht aber dennoch gut nach vorne. Es wird eine Menge geballert und blutig verreckt. Gegen Ende dürfen die Helden dann auch mehrere Treffer kassieren und die Lumpen ordentlich durchsieben. In einigen Momenten kommt durchaus auch mal Heroic-Bloodshed-Feeling auf. Im Finale wird dann auch mal deutlich derber um sich geschlagen. Vor allem der Fight zwischen Sibelle Hu, Moon Lee und Francis Ng rockt ordentlich! Dabei wirkt die ohnehin harte Action auch deshalb so brutal, weil „Megaforce 2“ bar jeden Humors dargereicht wird. Vor allem die verstörenden Foltersequenzen (mit blutrünstigen Grashüpfern!) gegen Ende atmen dadurch eine beklemmende Atmosphäre, die es direkt unangenehm macht, diese Szenen zu begutachten.

In darstellerischer Hinsicht leidet der Film unter seinem zu großen Figuren-Interieur und der mangelhaften Fokussierung auf eine oder zwei Hauptfiguren. Ein wirkliches Profil kann so keiner der Darsteller entwickeln, was vor allem bei Francis Ng („The Warriors Gate“) schade ist, dem man deutlich mehr Raum für seinen Fiesling gewünscht hätte. Doch nicht einmal die vermeintlichen Stars, Sibelle Hu und Moon Lee, kommen so wirklich in diesem Streifen an. Am Ende ist man fast versucht, zu sagen, dass die reine Gegenwart einiger Figuren im Showdown dafür spricht, dass sie anscheinend eine wichtige Rolle im Film gespielt haben müssen. Ob dem so ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Allerdings unterstreicht diese Wahrnehmung nur noch einmal, wie seltsam zerfahren dieser Film wirkt.

“Megaforce 2” fordert einiges an Geduld, belohnt aber mit einem fetten Showdown

Was am Ende bleibt, ist ein unentschlossen zwischen Rachestreifen und Bandennachfolgeepos lavierender Film, der niemals so wirklich zu wissen scheint, auf welche Handlungsingredienzien und Figuren er nun tatsächlich fokussieren soll. Die Folge für den Zuschauer sind diverse Momente des Leerlaufs, zunehmendes Desinteresse und Langeweile. Leider steuert der Film vor allem zu Beginn zu selten mit seiner eigentlich nett in Szene gesetzten Action dagegen. Erst gegen Ende holzt er so richtig los und rockt dann sehr ordentlich, blutig und mit hohem Bodycount durch. Ein weiterer echter Pluspunkt ist die konsequente Humorlosigkeit von „Megaforce 2“. Das verleiht dem sauber inszenierten Film eine gewisse Grimmigkeit, die die allgemeine Härte des Streifens gut zur Geltung bringt.

6 von 10

In Deutschland erschien der Streifen als „Devil Hunters“, „Ultra Force 2“, „Megaforce 2“ und sogar als „Red Force 3“. Ungeschnitten kommt der Film in dem „Megaforce“-Bundle von Laser Paradise und in der Eastern Edition desselben Labels, dann allerdings unter dem Titel „Ultra Force 2“. Wichtig in beiden Fällen: Die FSK 18 Freigabe! Ansonsten droht eine echte Rumpffassung zugunsten des deutschen Jugendschutzes.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Laser Paradise__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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