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Mike Möller – Martial-Arts-Filme aus Deutschland

Der gebürtige Thüringer Mike Möller machte als Stuntman und Martial Artist soviel Eindruck bei diversen Filmschaffenden, dass ihm ein Quereinstieg in die Branche spielend gelang. Auf zig Jobs in den verschiedensten Stunt-Teams folgten bald kleine Schauspielrollen und irgendwann gar sein Regie-Debüt mit dem Film „Street Gangs“. Sowohl seine Karriere als auch sein erster eigener Film waren Thema in unserem Interview mit Mike Möller, der sich im Gespräch als riesiger Actionfan outete.

Mike Möller – Stuntman, Regisseur, Darsteller und Martial Artist

Mike Moeller

Mike Möller stand den Actionfreunden Rede und Antwort. Bild-Copyright: mike-moeller.com

Mike Möller, der aktuell in dem französischen Blockbuster „Die Schöne und das Biest“ als Handlanger des Oberbösewichtes in den deutschen Kinos zu sehen ist, wuchs in einem kleinen Dorf in Ostdeutschland auf. Schon früh war er dem Sport zugetan, doch mit dem Mauerfall öffnete ihm eine wahre Flut an Martial Arts und Actionfilmen vollends die Augen. Ab sofort trainierte er intensiv die verschiedensten Kampfsportarten und inszenierte mit seinen Kumpels erste Kurzfilme.

Dank eines glücklichen Zufalls am Drehort von „Der Puma“ (eine deutsche Actionserie, an der Donnie Yen und dessen Stunt-Team intensiv mitwirkten) gelang Mike Möller der Einstieg in die Stuntman-Branche, was ihm Jobs in durchaus interessanten Streifen bescherte. Genannt seien: „Halbtot“, „Resident Evil“, „The International“, „Speed Racer“, „Coweb“ (alias „Kill Fighter“), „Pandorum“, „Inglourious Basterds“, „Der Adler der neunten Legion“, „Unknown Identity“, „Die drei Musketiere (3D)“, „Hänsel und Gretel – Hexenjäger“ und ganz aktuell „The Monuments Men“. Aufgrund seiner Körpergröße wird er im Übrigen auch gerne für Kinder- und Frauenstunts engagiert…, der Lohn: Eine Nominierung für den „Best Fight“ bei den „Taurus World Stunt Awards 2003“ für den Film „Half Past Dead“, wo er Frau Nia Peebles doubelte.

Neben seiner Tätigkeit als Stuntman zog es ihn immer wieder auch vor die Kamera und 2012 brachte er letztlich sein Regie-Debüt „Street Gangs“ heraus, bei dem er neben der Regie auch für die Hauptrolle, das Drehbuch, die Choreographien und die Produktion verantwortlich zeichnete. Freilich war der Film auch Thema in unserem ausführlichen Interview mit Mike.

Mike Möllers Weg in die Filmwelt

Mike Moeller

“Half Past Dead” markiert Mikes erste Schauspielrolle. Nebenbei erledigte er die Stunts für Nia Peebles! Bild-Copyright: Sony Pictures Home Entertainment

Hallo Mike, erzähl uns doch ein klein wenig von dir. Wer bist du, was treibt dich um und an, was bist du von Beruf, was sind deine Hobbys…

Mike Möller: Geboren, aufgewachsen und wohnhaft bin ich in Thüringen. Ich absolvierte eine Mechaniker-Lehre, war zwei Jahre beim Bund und bin nun seit über zehn Jahren als Stuntman tätig. Von klein auf war ich schon immer sehr sportlich und ein großer Film-Fan. Noch heute sind das meine beiden großen Leidenschaften. Ich trainiere 6/7 Tage die Woche und freue mich, wenn ich einen guten Film sehe und Menschen begegne, die Filme und das Training genauso lieben wie ich.

Wie kam es zu dem Entschluss, Kampfsport zu trainieren?

Mike Möller: Nach dem Mauerfall (ich bin ja in der ehemaligen DDR aufgewaschen) eröffnete sich uns eine völlig neue und bis dahin unbekannte Welt. Durch die Videotheken kamen auch wir in den Genuss, all die großartigen Filme aus aller Welt zu sehen. Besonders beeinflusst haben mich damals Martial Arts- und Action-Filme.

Die haben mich so sehr motiviert, dass ich anfing, intensiv und gezielt zu trainieren. Neben dem Kraft und Konditionstraining begann ich mit dem Kampfsport. Leider gab es zu der damaligen Zeit keinen Kampfsport-Verein in unserer Gegend, daher habe ich viel aus Büchern und Filmen gelernt. Während meiner Berufsausbildung in Nürnberg habe ich mich dann einem sehr guten Taekwondo-Verein angeschlossen.

Die Akrobatik und verschiedensten Sturz-Fall-Techniken habe ich mir selbst angeeignet. Heute trainiere ich mit Kampfsportlern aus den verschiedensten Bereichen wie Judo, Karate, Boxen und Wrestling.

Wie kam die Idee auf, diese Kampfsportfähigkeiten auch auf Film bannen zu lassen und als Stuntman tätig zu werden?

Mike Möller: An den Wochenenden habe ich mich immer mit meinen Freunden getroffen. Wir sprachen über Filmkämpfe, haben zusammen trainiert und Kampfszenen nachgestellt. Eines Tages brachte ein Freund seine Videokamera mit und wir begannen unsere Kampfsportbewegungen zu filmen.

Kurze Zeit später entwickelten wir unsere eigenen kleinen Martial Arts Filme. Wir haben immer versucht, einfache und witzige Geschichten zu erzählen und immer neue Choreographien für die Kämpfe zu entwickeln.

Damals drehten wir mit einer Hi8-Kamera und wir bearbeiteten das Material mit zwei Videorekordern (damit haben wir geschnitten), einer Stereoanlage und einem Super Nintendo (damit haben wir vertont), da zu jener Zeit niemand von uns einen PC besaß.

Als wichtiges Highlight in deiner Karriere benennst du die Dreharbeiten zu der TV-Serie „Der Puma“ mit Donnie Yen („Blade 2“). Wie war es mit Donnie zu arbeiten? Wie kam es zu dem Engagement und was waren deine Aufgaben bei diesen Drehs?

Mike Möller: Angefangen hat es damit, dass ich in einer TV-Zeitschrift gelesen hatte, dass Donnie Yen in Berlin weile und verantwortlich für die Filmkämpfe in „Der Puma” sei. Da ich damals schon ein riesiger Fan seiner Arbeit war, habe ich einen Brief an die zuständige Produktionsfirma geschrieben, mit der Bitte, das Set besuchen zu dürfen, um vielleicht ein Foto mit meinem Idol zu bekommen.

Die Adresse der Produktionsfirma hatte mir ein Freund besorgt und ich legte ein VHS Tape von unseren Kurzfilmen hinzu. In der Hoffnung, dass man erkennt, dass ich ein wahrer Fan bin. Drei Tage später bekam ich einen Anruf aus der Hauptstadt, von einem Stuntman, der das Tape gesehen hatte. Er lud mich zu einem Training mit den Asiaten und Michael Woods ein. Damit ging ein Traum für mich in Erfüllung.

Ich war dann sehr überrascht, als ich erfuhr, dass es kein Training, sondern ein Casting für den letzten Teil der Staffel war. Ich war sehr aufgeregt, habe auch Fehler gemacht, aber ich gab mein Bestes. Für mich war es nur wichtig, Donnie Yen und sein Team zu treffen. Letztendlich bekam ich meine Fotos mit Michael Woods („In the Line of Duty 4”), John Salvitti (Kampfchoreograph), Kenji Tanigaki (Stuntman und Darsteller) und natürlich Donnie Yen. Ich hatte, was ich wollte, war überglücklich und fuhr wieder nach Hause.

Zwei Tage später bekam ich wieder einen Anruf, diesmal vom Produktionsleiter der Serie. Und der meinte zu mir, dass den Asiaten meine Performance und das Tape so gut gefallen hätten, dass sie mich unbedingt beim Dreh dabei haben wollten. Sie mochten meinen Sinn für Humor und meine Skills. Damit habe ich nie gerechnet. Ich hatte einen Trainingstag mit Donnie Yen und seinem Team und drei Drehtage, in denen ich gegen Mickey Hardt, den „Der Puma“ Hauptdarsteller, kämpfte.

Das war mein Einstieg ins professionelle Filmgeschäft und das verdanke ich vor allem Michael Bornhütter (ein Stuntman) und Kenji Tanigaki.

Mike Moeller

Seine Stuntarbeit an “Kill Fighter” beschreibt er aufgrund der klimatischen Bedingungen in Hongkong als schwerste überhaupt. Bild-Copyright: KSM

2003 warst du für den World Stunt Award nominiert. Und zwar für den besten Kampf in dem Steven Seagal Streifen „Half Past Dead“. Hast du dabei Steven Seagal, eines unserer Idole, kennenlernen können? Wenn ja, wie war es, mit ihm zu arbeiten? Man hört ja immer, er wäre recht schwierig?

Mike Möller: Ich hatte eine fantastische Zeit bei diesem Film. Ich war eingesetzt als 49er Six-Double (also für Nia Peebles!) und spielte zudem einen Häftlingsinsassen. Neben Steven Seagal hatte ich auch das Vergnügen, Xin Xin Xiong („Black Mask”), Art Camacho (Stuntman, Regisseur und Darsteller) und Lauro Chartrand (Regie bei „Born to raise Hell”, Stuntman, Darsteller) kennen zu lernen.

Steven Seagal war eines meiner Idole. Es war sehr interessant, mit ihm zu arbeiten und zu sehen, wie er sich bewegt und verhält am Set. Wir sind beide sehr respektvoll miteinander umgegangen.

Am meisten hatte ich jedoch mit Xin Xin Xiong und seinem Team zu tun. Xin Xin Xiong ist bekannt aus „The Blade” mit Vincent Zhao und vor allem aus den „Once Upon a Time in China” Filmen. Haha… Ich glaube, ich war der einzige, der ihn erkannt hat und wusste, wer er war. Genauso wie Art Camacho, der eigentlich nur eingefleischten Martial Arts Film-Fans ein Begriff ist.

Die Arbeit mit den Seilen (Wirework) war sehr anstrengend und Xin Xin Xiong war nicht immer zufrieden mit der Arbeitsweise bei der Produktion. Ich verdanke ihm sehr viel, durch seine Choreographie wurde ich für den „Taurus World Stunt Award” in der „Best Fight” Kategorie nominiert!

Was war eigentlich dein bisher härtester Stunt? Hast du auch schon heftigere Blessuren davongetragen? (in den Outtakes zu „Street Gangs“ sieht man ja einige schmerzhafte „Unfälle“)

Mike Möller: Härtester Stunt ist schwer zu sagen. Ich meine, „Street Gangs“ war sehr anstrengend, da wir mit vielen Problemen während der langen Drehzeit zu kämpfen hatten. Meine härteste Zeit aber hatte ich in Hongkong bei den Dreharbeiten zu „Coweb“ (dt. Titel „Kill Fighter“). Jeden Tag 12 Stunden in der schwülen Hitze kämpfen und stürzen. Nach vier Drehtagen hatte ich den größten Muskelkater meines Lebens.

Leider konnte ich nicht in meinem eigenen Style kämpfen. Für die Kampfszene wurden Bewegungen aus dem Breakdance und Capoeira kombiniert. In der fertigen Version wurde auch sehr viel herausgeschnitten, aber die Dreharbeiten in der Hitze Hongkongs waren das Härteste – aber auch das Beste -, was ich bisher erlebt habe.

Mike Möller und der Actionfilm

Mike Moeller

Mike Möller liebt Actionfilme. Da ist es nur logisch, dass er im ersten deutschen Martial Arts Genrebeitrag “Kampfansage” dabei war. Bild-Copyright: KNM Home Entertainment

Auf deiner Webseite ist auch zu lesen, dass du ein riesiger Filmfan bist. Vor allem der Action- und Kampfsportfilm hat es dir angetan. Genau unsere Baustelle. Also direkt ans Eingemachte: Wer sind deine größten Favoriten der alten Stars?

Mike Möller: Oh da gibt es viele. Von den ganz alten Haudegen wären da Charles Bronson, Steve McQueen, John Wayne und Jean Paul Belmondo. Bud Spencer und Terence Hill gehören auch dazu.

Aber ich bin einer der größten Fans der 80er und frühen 90er Jahre. Mit dem Blick nach Westen wären da: Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, Wesley Snipes, Chuck Norris, Jean Claude van Damme, Steven Seagal, Brandon Lee, Gary Daniels, Phillip Rhee und Mark Dacascos!

Im Osten: Donnie Yen, Sammo Hung, Bruce Lee, Jet Li, Alexander Lou, Tan Tao Liang, Lau Kar Leung und Jackie Chan!

Jeder von denen hat einen großen Beitrag zum Action- oder Martial Arts Kino geleistet.

Welche Filme haben dich in deiner Laufbahn besonders inspiriert und geprägt?

Mike Möller: Westliches Kino: Rocky 1-6, Rambo 1-4, Cliffhanger, Demolition Man, Predator 1+2, Commando, Conan der Barbar, Bloodsport 1, Leon, Universal Soldier 1, Hard Target, Blade 1+2, Lone Wolf McQuade, Nico, Alarmstufe Rot, Out for Justice, Showdown in Little Tokyo, American Fighter 1+2, Perfect Weapon, Drive (Mark Dacascos), Best of the Best 1, 2, 34 (Phillip Rhee), Rapid Fire, The Crow, Starship Troopers, Stone Cold, No Retreat No Surrender 3, U.S.Seals 2, Undisputed 2

Östliches Kino: Fist of Fury, Way of the Dragon, The Prodigal Son, Wheels on Meals, Hand of Death, Scorpion King, Police Story, Dragons Forever, Pedicab Driver, In the Line of Duty 4, Tiger Cage 2, Dragon Fight, Once Upon a Time in China, Iron Monkey, Yes Madam, Fist of Legend, Hard Boiled, Ong Bak, SPL (Killzone), Flashpoint

Wer ist für dich DER aktuelle Actionstar bzw. wem kann deiner Meinung nach aktuell niemand das Wasser reichen?

Mike Möller: Sylvester Stallone hat mit „Rocky Balboa“, „Rambo 4“ und den „The Expendables“ Filmen bewiesen, dass er immer noch der Beste ist!!! Ich kann es immer kaum erwarten, seine neuesten Leinwandausflüge zu sehen!

Donnie Yen ist mit „SPL“, „Flashpoint“ und den „Ip Man“-Filmen der Beste aus dem asiatischen Raum.

Scott Adkins und Tony Jaa sind für mich die neuen kommenden Action-Stars mit dem größten Potential.

Bei welchen Filmen der letzten zehn Jahre haben dich die Kampfszenen besonders begeistert?

Mike Möller: „Undisputed 2 + 3“, „Ong Bak“, „SPL“ und „Flashpoint“!

Mit welchem Actionregisseur würdest du gerne mal arbeiten?

Mike Möller: Sammo Hung, Sly Stallone, Donnie Yen und Isaac Florentine.

Wie stehst du zu modernen Actionfilmen und deren Ästhetik?

Mike Möller: Man versucht ja, mit Wackelkamera und schnellen Schnitten den Kampf bzw. die Action schneller wirken zu lassen. Gerade wenn es sich dabei um Schauspieler handelt, die nicht mit den Kampfkünsten vertraut sind. Ich persönlich finde Wackelkamera, zu close gefilmte Einstellungen und schnelle Schnitte nicht gut. Es kommt aber natürlich auf den Stil des ganzen Filmes an: Bei den „Bourne“-Filmen (die diesen Trend ja auslösten) oder „Taken“ („96 Hours“) fand ich es passend zur Story und richtig gut.

Auf der DVD zu „Street Gangs“ wird auch mit Zitaten von Isaac Florentine und Scott Adkins geworben. Kennst du die beiden und habt ihr eventuell vor, mal miteinander zu arbeiten?

Mike Möller: Mit Isaac pflegte ich schon sehr lange Email-Kontakt, noch bevor ich überhaupt im Stunt/Filmgeschäft tätig war. Er hat mich mit seinen Filmen immer inspiriert, motiviert und bestens unterhalten. Isaac ist ein sehr guter Freund, ein hervorragender Karateka und hat mich immer unterstützt! Zum Dreh von „NINJA“ hat er mich eingeladen und ich habe bei den Dreharbeiten Scott Adkins kennengelernt. Die beiden sind ein Superteam und ich habe guten Kontakt zu beiden. Wenn irgendwann das richtige Projekt zur richtigen Zeit kommt, werden wir bestimmt auch einmal zusammenarbeiten.

Quell der Inspiration für jeden Kampfsportler: Das Asia-Action-Kino

Hast du die Kampfsportbombe „The Raid“ aus Indonesien gesehen? Wie fandest du ihn?

Mike Möller: Ich vergleiche „The Raid“ gerne mit „Ong Bak“, als der knapp zehn Jahre vor „The Raid“ herauskam… Nur dass es diesmal weniger Akrobatik und keine Schläge mit direktem Kontakt ins Gesicht gibt, stattdessen wird mit Messern und Kugeln auf den Körper losgegangen.

Die Kampfszenen in „The Raid“ sind hart und realistisch gehalten. Der Gewaltpegel wird mit all den Messer-Attacken und Kopfschüssen äußerst krass in die Höhe getrieben. Das ist es, was „The Raid“ abhebt und so besonders macht. Ich habe ihn bereits mehrfach gesehen, muss allerdings sagen, dass ich den HK-Stil a la „Flashpoint“ mehr bevorzuge.

Ganz ehrlich: Wenn du heute als Martial Arts Könner Filme wie „The Raid“ siehst, in denen Kampfsportarten zelebriert werden, die dir vorher vielleicht nicht so bewusst waren, kommt es dann vor, dass du – wie damals in deiner Jugendzeit – Elemente dieser Kampfsportarten genauer studierst und dir eventuell einzelne Moves usw. gezielt antrainierst?

Mike Möller: Jeder Filmemacher, Kampfsportler oder Darsteller lässt sich von anderen Filmen inspirieren und schaut sich natürlich einiges ab. Selbst Leute wie Scott Adkins, Donnie Yen oder Jackie Chan lassen sich von Kampfsportlern aus aller Welt inspirieren und kopieren deren Bewegungen bzw. versuchen, etwas Neues zu kreieren, was sie dann vor der Kamera gut in Szene setzen können.

Mike Moeller

Ganz aktuell in den deutschen Kinos: Mike Möller als Lump in “Die Schöne und das Biest”. Bild-Copyright: Concorde Filmverleih.

Der Vorteil: Die Stars des Genres haben die Möglichkeit, genau das dann auch einem breiten Publikum zu zeigen, was einem Hobby-Filmer/Kampfsportler mit seinem Kurzfilm natürlich weniger gelingt.

In Bezug auf Iko (Uwais, Hauptdarsteller aus „The Raid“), so kommt er aus dem Silat und ist ein extrem guter Kampfsportler. Regisseur Evans wollte den Leuten etwas Neues präsentieren, so wie er es schon in „Merantau“ gemacht hat.

Es gab schon einige Filme, in denen eine spezielle Kampfsportrichtung vorgestellt wurde. Etwa „Only the Strong“ mit dem Capoeira anwendenden Mark Dacascos oder Steven Seagals Filme, in denen er der Welt Aikido präsentierte! Aktuell ist auch das MMA (Mixed Martial Arts) gefragt, wie in „Never Back Down“ oder „Warrior“!!!

Poster von „Ong Bak“, Jackie Chan und Donnie Yen zieren die Wände des einen Gangraumes der Helden in deinem Film „Street Gangs“. Wie sehr hat dich das asiatische Actionkino beeinflusst? Was schätzt du daran?

Mike Möller: Nur zur Info: Das Jackie Chan Poster gehört zu dem Film „The Big Brawl“ und das Donnie Yen Poster zu „Flashpoint“.

Als ich damals meine eigenen Filme mit meinen Freunden drehte, lernte ich sehr viel von den Hongkong Filmen. Ich schaute mir Stürze, Kampfcombos und diverse Sprungkicks ab!

Die größten Stars für mich sind Bruce Lee, Gordon Liu, Jackie Chan, Sammo Hung, Chow Yun Fat, Donnie Yen, Jet Li und Michelle Yeoh. Regisseure wie John Woo, Tsui Hark, Ringo Lam und Yuen Woo Ping haben das Action und Martial Arts Kino revolutioniert. Selbst die Amerikaner sind davon beeinflusst worden und haben Sachen kopiert!

Würdest du auch mal mit Choreographen wie Yuen Woo Ping oder Corey Yuen zusammenarbeiten wollen und deren Ideen umsetzen?

Mike Möller: Klar, dass wäre schon mal eine Herausforderung!

Du erwähntest bereits das von den Asiaten zelebrierte Wirework? Wie stehst du dazu und wie schwer ist es, damit zu arbeiten?

Mike Möller: Angefangen hat das wie bereits erwähnt mit Xin Xin Xiong bei den Dreharbeiten zu „Half Past Dead“. Danach gab es noch viele andere Produktionen wie „Speed Racer“, „Pandorum“ oder „Hänsel und Gretel“. Die Arbeit mit den Seilen nimmt viel Zeit in Anspruch. Man muss vorbereiten, testen und es ist anstrengend, den ganzen Tag in dem Geschirr zu hängen. Gerade wenn es um kompliziertere Kampfbewegungen geht, muss man auch ein gewisses Gefühl dafür entwickeln! Bei einer normalen Ratchet (bei der man nur in eine Richtung gezogen wird) ist das nicht so zeitaufwändig und etwas einfacher.

Ich bin allerdings kein großer Fan der Wirework-Arbeiten in Filmen wie „Charlie’s Angels“! Bei „Matrix“ hat es noch zur Story gepasst und auch in den asiatischen Filmen wie der „Fong Sai Yuk“ oder „Once Upon a Time in China“ Reihe. In vielen Hollywood-Blockbustern dagegen wirkt es einfach deplatziert.

Freud und Leid: Mike Möller über seinen Film „Street Gangs“

Mike Moeller

Mike Möllers Baby: “Street Gangs” Bild-Copyright: 8-Films

Wie kam die Idee auf, einen Film wie „Street Gangs“ in einem Land zu inszenieren, in dem Martial Arts Filme bis auf „Kampfansage“ und „Lasko“ keine wirklich große Rolle spielen?

Mike Möller: Wir sind Fans der Action- und Kampfsportfilme und so hatten wir die Idee, nach diversen Kurzfilmen einen Langspielfilm in der Tradition vieler B-Filme zu machen. Wir zielten nie darauf ab, den deutschen Markt damit zu erobern. Sondern gleich das Ausland und Martial Arts Fans in aller Welt damit zu erreichen. Und wir wollten zeigen, was wir können, so gut wie es ging und mit den Mitteln, die wir zur Verfügung hatten.

Wie schwer war es, Geldgeber für diese Idee zu finden und die Leute für diese Idee zu begeistern?

Mike Möller: Meine Freunde und ich haben das Projekt selbst gestemmt. Ich hatte sehr viel Unterstützung, nicht nur von Familie und Freunden aus der Gegend, sondern auch von Stunt-Kollegen und Kampfsportlern aus ganz Deutschland.

Leider gab es viele Probleme während des Drehs, insbesondere kreative Differenzen zwischen den Verantwortlichen, was schließlich zur Trennung führte. Es sah so aus, als würde der Film niemals fertig werden. Für mich war es wichtig, dass das bereits gedrehte Material nicht umsonst war, da alle Beteiligten ihr bestes gegeben hatten. Daher habe ich die Kontrolle übernommen und konnte letztendlich neue Leute für das Projekt gewinnen und zu einem akzeptablen und guten Ende bringen.

Natürlich sind wir stolz, es aus eigener Kraft gestemmt zu haben, aber mit einem höheren Budget könnten wir es besser machen. Daher hoffen wir alle, dass wir für einen 2. Teil Geldgeber finden.

Wie lange dauerte letztendlich die gesamte Realisierung des Filmes?

Mike Möller: Ganze vier Jahre, mit einigen Unterbrechungen! Da ich auf Freunde angewiesen war und diese nebenbei arbeiten mussten, wurde oft nur an Wochenenden gedreht.

Welche Kampfsportszene des Filmes war am schwierigsten umzusetzen?

Mike Möller: Bei fast allen Kampfszenen im Film hatten wir mit immensem Zeitdruck zu kämpfen. Aber ich würde sagen, dass die Massenkampfszenen am schwierigsten umzusetzen waren. Wie die Barschlägerei mit den Rockern, die Fabrik Schlägerei mit den Bauarbeitern und die Straßenschlacht zwischen den Bloods und Mikeys Leuten. Gerade für die Barschlägerei war längere Vorbereitung und Training mit den Rockern erforderlich. Wir wollten nicht, dass sich jemand verletzt. Und bei der Straßenschlacht hatten wir zusätzlich mit extremer Hitze zu kämpfen.

Auf welche Fightszene bist du jetzt im Nachhinein besonders stolz?

Mike Möller: Der Anfangs- und Endkampf im Gefängnis, die Straßenschlacht und der Kampf im Swimmingpool.

Wie kam es, dass ihr Mathis Landwehr aus „Lasko“ für eine kleine Nebenrolle gewinnen konntet?

Mike Möller: Ich kenne Mathis Landwehr und Volkram Zschiesche (gibt den Anführer der Bloods in „Street Gangs“) seit den Dreharbeiten zu „Kampfansage – Der letzte Schüler“ aus dem Jahre 2003. Wir sind seitdem gute Freunde und sie haben uns in jeder Art und Weise unterstützt. Dafür bin ich sehr dankbar. Mit Mathis habe in den letzten Jahren bei beiden „Lasko“ Staffeln zusammengearbeitet.

Ihr habt bei dem Film mit einem ganzen Choreographenteam zusammengearbeitet…

Mike Möller: Ja, die Choreographien stammen alle von meinem Team und mir… „Psycho Dog Bros“. Alles unsere eigenen Ideen!

Mike Moeller

2014 wird Mike Möller neben Lorenzo Lamas und Fred Williamson in “Atomic Eden” zu sehen sein. Bild-Copyright: Atomic Eden Facebook-Auftritt

In einigen Szenen stellt man mit einem Schmunzeln fest, dass „Street Gangs“ ein Film für Fans ist und von einem echten Fan gemacht wurde (die bereits genannten Poster in den Räumen, die köstliche „Bloodsport“-Szene, bei der sich die Darsteller in den Outtakes ja fast totgelacht haben,…). Wie wichtig waren dir selbst diese kleinen Reminiszenzen an die Großen im Business oder entstanden diese eher spontan?

Mike Möller: Wie du schon richtig erkannt hast, ist „Street Gangs“ ein Film für Fans von Fans! Das meiste ist uns vollkommen spontan eingefallen.

Was war für dich im Nachhinein die größte Herausforderung an „Street Gangs“? Der Job als Regisseur, als Hauptdarsteller oder die Gestaltung und Umsetzung der Kampfsportszenen?

Mike Möller: Die Kampfszenen wurden gut trainiert und vorbereitet. Das war kein Problem. Das anstrengendste war die Planung (Drehorte suchen, Darsteller und Helfer finden, Drehplan erstellen). Natürlich auch die Regie, die ich mir in der zweiten Hälfte der Dreharbeiten mit Oliver Juhrs geteilt habe.

Warum sollte deiner Meinung nach jeder Actionfreund „Street Gangs“ gesehen haben?

Mike Möller: Der Film bietet für jeden Martial Arts Liebhaber viele verschiedenartige Kämpfe vom Western-Style bis hin zum HK-Style und bedient somit ein breites Publikum. Der Film kommt ohne eine tiefgründige Story aus und ist ein Film im Stil der 80er und 90er B – Filme! Unter schwierigsten Bedingungen gedreht merkt man doch, dass jeder mit Herzblut dabei war.

Vielen Dank für das Interview und für deinen weiteren Weg wünschen wir dir alles erdenklich Gute!

Epilog: Zu Mike Möllers nächsten Arbeiten gehört unter anderem der Streifen „Atomic Eden“, dessen Dreharbeiten ihn mit dem B-Actionstar Lorenzo Lamas („Snake Eater“) zusammenführten. Des Weiteren trägt Mike diverse Ideen für einen weiteren Film unter seiner eigenen Regie mit sich herum.

Mike Möllers Filmographie (als Darsteller)

2002 Halbtot – Half Past Dead
2005 Angli: The Movie
Kampfansage – Der letzte Schüler
2008 Hardcover
2009 Männersache
Zhang wu shuang aka Coweb aka Kill Fighter
Görev Pesinde – Der Auftrag (TV Series)
Lasko – Die Faust Gottes (TV Series)
2011 Carré blanc
2012 Street Gangs aka Arena of the Street Fighter (auch Regie)
2014 Die Schöne und das Biest
Atomic Eden
2015 Kickback
Pound of Flesh
One Million K(l)icks
2016 Plan B
2017 Ultimate Justice

Mike Möller im Internet

Mike Möllers offizielle Homepage
Unser Premieren-Bericht zu Mike Möllers “Atomic Eden”

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Categorised in: Actionhelden, Interviews

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