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Mortal Conquest

Originaltitel: G2__Herstellungsland: Kanada__Erscheinungsjahr: 1998__Regie: Nick Rotundo__Darsteller: Daniel Bernhardt, James Hong, James Kim, Simon Kim, Meeka Schiro, Bing Shen, Cam Natalie, Jung-Yul Kim, Inkyang Kim, John Bonk, Chris Chinchilla u.a.
Mortal Conquest mit Daniel Bernhardt DVD Cover

In “Mortal Conquest” schwingt Daniel Bernhardt das Schwert.

In Hongkong stiehlt eine Gruppe Chinesen nach einem amtlichen Blutbad ein seltenes Schwert und bricht damit gen USA auf, um hier in illegalen Schwertkämpfen auf Leben und Tod ordentlich abzuräumen. Denn das Schwert macht seinen Träger schier unbesiegbar.

Zur gleichen Zeit plagen Alpträume den Amerikaner Steven Colin. Beständig träumt er von sich als mazedonischem Krieger, der Alexander dem Großen sein abhandengekommenes Schwert wiederbeschaffen soll und von ein paar Mongolen gemeuchelt wird.

Erstaunlicherweise sieht das Schwert von Alexander genauso aus, wie das Schwert, das die Chinesen eingangs gestohlen haben. Und obendrein sehen die Chinesen den Mongolen aus Stevens Träumen ebenfalls verdammt ähnlich.

Keine Frage also, dass sich die Wege von Steven und den Chinesen ebenso kreuzen werden wie ihre Klingen.

Schaut in den Actionfilm mit Daniel Bernhardt hinein

„Mortal Conquest“ aka „G2“ aka „G-2003 – Rückkehr aus der Vergangenheit“ firmiert als dritter Teil des „The Swordsman“-Franchises, in dem vorher Lorenzo Lamas durch die Kulissen spritzte und sich dumm guckend durch ein abstruses Storykonstrukt schnetzelte. In Teil drei reichte er den Staffelstab beziehungsweise das Schwert weiter an unseren Eidgenossen Daniel Bernhardt, der mit dem Übernehmen von Franchises dank der „Mortal Kombat“-TV-Serie und der „Bloodsport“-Reihe bereits ordentlich Erfahrung sammeln konnte.

Bei „Mortal Conquest“ kämpft er aber vollends auf verlorenem Posten. Auch wenn der Film im Grunde als „Bloodsport V“ oder beispielsweise „American Samurai II, III, IV“ firmieren könnte. Denn NATÜRLICH geht es der Story im Großen und Ganzen nur darum, eine Art Turnier (hier eben dramaturgisch unzusammenhängende Undergroundfights für Geld) anzuschieben und diverse grobschlächtige Schwertschwinger zu präsentieren, die das Zeitliche segnen.

Nimmt man dies als gegeben hin und ignoriert den ganzen Reinkarnationswirrwarr, der drumherum gewickelt wurde, wird man vermutlich sogar einigermaßen ordentlich unterhalten. Solange man halt keine sonderlich großen Anforderungen an das Medium Film stellt und man Fünfe auch mal gerade sein lassen kann. Nimmt man die Story auch nur ansatzweise ernst, hat man freilich vollkommen verloren. Denn die funktioniert überhaupt nicht, wie der Film selbst eindrucksvoll ab ungefähr Minute 15 beweist. Immerhin dreht er sich ab hier nur noch im Kreis und kann von seinem Regisseur, der einen Narren an schlechten Überblenden gefressen zu haben scheint, nicht mehr unter Kontrolle gebracht werden.

Overacting und dumme Regie-Entscheidungen

Das hat viele Gründe. Ein gewichtiger sind aber sicherlich die vollkommen überdrehenden Darsteller, die „Mortal Conquest“ mühelos ins Land der Lächerlichkeit zerren. Absolutes Highlight ist dahingehend James Hong („Safe“) als Oberbösewicht, der – mit Kastratenstimme und umherhüpfend wie ein Eichhörnchen auf Speed – jede Sekunde nutzt, um sich vollkommen zu entblöden. Größtenteils schaut da selbst der wie immer solide agierende Daniel Bernhardt („Atomic Blonde“) nur vollkommen entgeistert zu. Dem Zuschauer geht es genauso. Doch auch die anderen Mongolen/Chinesen überdrehen rundweg. Schrecklich.

Genial schlecht sind auch die Rückblenden in die Zeit, als die Mongolen mit Bernhardts früherer Ausgabe aneinandergerieten. Diese Szenen schneidet Regisseur Nick Rotundo („Gladiator Cop“) immer mitten rein in seine sonst gar nicht mal so üble Action und verpasst ihr einen unfreiwillig komischen Moment nach dem anderen. Seien es die in PINK gekleideten Mongolen, die peinlichen, angeklebten „Mongolenbärte“ oder die Tatsache, dass Bernhardt in der Jetztzeit dann nur noch die Ereignisse von früher sieht und darum wild fuchtelnd in der Kampfarena rumsteht, weil er mit nicht sichtbaren Feinden kämpft.

Irgendwann fühlt man sich dann komplett verarscht und fragt sich, warum seine Gegner ihm nicht einfach die Rübe abhacken, er nimmt sie ja eh nicht mehr wahr. Und dem Tempo der Action schaden diese Einlagen ebenfalls brutal. Apropos brutal. Damit wären wir beim nächsten Punkt.

“Mortal Conquest” watet knietief durch Blut

Für Freunde des roten Lebenssaftes ist „Mortal Conquest“ ein echtes Fest. Okay, nicht in der deutschen Fassung, aber im Original. Da fliegen die Köpfe, setzt es saftende Schnittwunden, blutige Einschüsse, Durchbohrungen und Aufspießungen satt. Dazu kommen irre menschenverachtende Momente, wie der gleich neben der Arena stehende Hochofen zur Leichenbeseitigung und verächtliche „Ich wollte nächste Woche eh Bowlen“ Einlagen nach Enthauptungen.

Erstaunlich ist auch, wie lange die Mogelpackung in Sachen Action hier aufgeht, denn Regisseur Rotundo neigt eklatant oft dazu, ein und dieselbe Szene aus zig verschiedenen Einstellungen immer und immer wieder zu präsentieren. Das ist verdammt flott montiert und verleiht den Fights etwas sehr Dynamisches, mit der Zeit steigt man aber mit für den Film nicht vorteilhaftem Ergebnis hinter diesen „Trick“.

Seltsam ist auch, dass anscheinend nur die Fights von Daniel Bernhardt einer Art Choreographie zu gehorchen scheinen, während die restlichen Fights nur stupides Gekloppe darstellen. Hier wäre etwas mehr Sorgfalt schön gewesen, denn die Bernhardt-Fights machen definitiv Laune. Abseits der Action ist der Film ganz sauber inszeniert, wirkt aber aufgrund einer seltsam überzogenen Farbsättigung wie eine Episode einer 0815-Actionserie.

Story pfui, Blutzoll hui: “Mortal Conquest” mag es rot

Was bleibt, ist ein storytechnisch hochnotpeinliches Actiongebräu, das, wenn man es auf den reinen Turnierfilmaspekt zu reduzieren vermag, durchaus flott durchgezogen wirkt und dank amtlichem Actionaufkommen nicht einmal ansatzweise in den Verdacht gerät, zu langweilen. Gelingt das nicht, was kein Wunder wäre, zumal sich „Mortal Conquest“ selbst verdammt ernst nimmt, bekommt man hier Trash in Reinkultur geboten, der mit wildem Overacting garniert dargereicht wird, ordentlich durch reichlich spritzendes Blut watet und eigentlich nur dank dem solide kickenden Daniel Bernhardt Pluspunkte sammeln kann.

04

Die deutschen Ausgaben dieses Actiontrashhappenings sind rundweg brutal verstümmelt. Das verwundert aufgrund der reichlich menschenverachtenden Tendenzen auch nicht sonderlich. Wobei die Akribie, mit der fast jede Actionszene getilgt wurde, schon verwundert. Uncut gibt es den Film unter anderem in UK von dem Label Prism Leisure. Wobei man hier aber mit teils brutal übersteuerten Farben leben muss.

In diesem Sinne:
freeman

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